Krieg in Israel – Tag 158

2. Adar II 5784

Die IDF musste heute bekanntgeben, dass Sgt. Itay Chen, 19, s’’l, während des Massakers vom 7. Oktober von den Hamas-Schlächtern ermordet wurde. Seine sterblichen Überreste wurden in den Gazastreifen verschleppt, wo sie sich heute noch befinden. Chen galt bis heute als eine der Geiseln, die in den Gazastreifen verschleppt worden waren. Während des Massakers hatte er Dienst in seinem Panzer an der Grenze zu Gaza geleistet.

Wenn ein Sohn oder Enkel eines ultra-orthodoxen Rabbiners heiratet, dann ist das Hochzeitsfest immer eine Massenveranstaltung. Da kann es sein, dass bei den Herren einige Tausend Männer in Kaftan und Einfach- oder Doppelburgern (der israelische Schriftsteller Meir Shalev nennt sie ‘tote Katzen’) auf dem Kopf gespannt dem Ritual lauschen. Wie viele Gäste bei den Damen sind, das wird selten veröffentlicht, die sitzen hinter einem Vorhang oder in einem ganz anderen Raum. Gefeiert wird immer getrennt. Jetzt heiratet demnächst der Enkel eines alten Rabbiners. Die Familie hat, unterstützt von Wohnbauminister Yitzhak Goldknopf, einem Mann des hedonistischen Lebens und grosser Gucci-Freund, einen Antrag beim Verkehrsministerium eingebracht, die Frequenz der öffentlichen Busse am Tag der Hochzeit deutlich zu erhöhen. Vor allem in den Gebieten mit einem hohen Anteil von ultra-orthodoxer Bevölkerung, wie z.B. Arad und Ashdod. Selbstverständlich sollen die zusätzlich eingesetzten Busse, die die Gäste zum Event bringen und auch wieder nach Hause fahren sollen, von den Kommunen bezahlt werden. Sie werden sich auf einige NIS 100.000 belaufen. Ultra-orthodoxe Quellen haben dem Bericht zufolge bestätigt, dass der Antrag bereits bewilligt wurde, das Verkehrsministerium bestreitet das jedoch.

Die IDF hat gemeinsam mit der Zivilverwaltung und unter Leitung des israelischen Sicherheitsrates mehr als 70 Waisenkinder aus dem Gazastreifen nach Bethlehem gebracht. Der Auftrag kam von der Deutschen Botschaft in Tel Aviv. Begleitet wurden die Kinder von Dutzenden ihrer bekannten Betreuer. Sie hatten bisher im SOS-Kinderdorf in Rafah gelebt. Die immer näherkommende Offensive durch die IDF hat es schliesslich notwendig gemacht, das Kinderdorf zu evakuieren und die Kinder an einen anderen, sicheren Ort zu bringen. Organisiert und durchgeführt wurde der Transport mit Bussen der IDF und unter deren Begleitung. Die Kinder werden ihre neue Heimat im SOS-Kinderdorf in Bethlehem finden.

Wer sich natürlich sofort wieder abwertend äusserte, war der rechtsextrem-nationalistische Ben-Gvir: «So läuft es nicht in einem Land, das den absoluten Sieg will. Es gibt unzählige falsche ‚humane Massnahmen‘, und die Bürger Israels zahlen weiterhin den Preis dafür. Im Krieg muss man den Feind zermalmen und nicht ständig selbstgerecht sein.» Ebenfalls völlig unangemessen äusserte sich sein nicht weniger extremer Kollege Smotrich: «Ich fordere, dass der Premierminister klarstellt, wer diese unmoralische Tat angeordnet hat und mit welcher Autorität sie dies getan hat, während unsere Geiseln noch vom Feind festgehalten werden.»

Und was wäre, wenn es um eines ihrer Kinder ginge? Wären sie dann auch so grausam? Der Verwaltungschef des Siedlerblocks Gush Etzion in Judäa, Shlomo Ne’eman, zeigte sich ebenfalls unerbittlich: «Humanitäre Gesten nur für humanitäre Gesten! (…) Es gibt keine Gesten gegenüber einem grausamen Feind ohne die Rückkehr unserer Söhne und Töchter.»

Das erste Schiff mit Hilfslieferungen für Gaza hat den Hafen von Larnaca verlassen. Seitlich mit einem Lasten-Kahn verbunden, befindet sich eine Plattform, auf der etwa 200 t Reis, Mehl, Gemüse, Proteinpulver und weitere hochwertige Lebensmittel und Ernährungszusatzstoffe transportiert werden. Das gab die Hilfsorganisation ‘World Central Kitchen’ bekannt. Das Schiff wird an einem provisorischen Pier südlich von Gaza-City andocken. Diese Lieferung ist ein Probelauf, dem weitere Lieferungen folgen werden.

Eine Lieferung von 114.000 t Mehl, die seit Monaten vom rechtsextrem-nationalistischen Smotrich blockiert worden war, verliess heute endlich den Hafen von Ashdod in Richtung Gazastreifen. Smotrich, sowie der ebenfalls rechtsextreme Ben-Gvir, lehnen jegliche humanitäre Hilfe für Gaza ab. Das Mehl ist für die Zivilbevölkerung von existentieller Bedeutung, um Brot zu backen, ohne dafür Tierfuttermittel verwenden zu müssen.

Der Zwist zwischen US-Präsident Joe Biden und Netanyahu wird immer offensichtlicher. Während Biden daran festhält, die Art der Kriegsführung und die hohe Zahl von zivilen Opfern immer mehr zu kritisieren, beharrt Netanyahu darauf, eine grossangelegte Offensive gegen Rafah zu führen. In der wiederum sieht Biden eine ‘Rote Linie’ mit der Konsequenz, dass er, wenn sie überschritten wird, über Bedingungen nachdenken werde, in welcher Form es weiterhin Militärhilfe für Israel geben wird. Allerdings machte er später einen Rückzieher, und revidierte seine Aussage dahin, dass es keine ‘Rote Grenze’ gebe und er Israel auch ‘niemals verlassen werde’. Israel ist überzeugt, dass sich in Rafah sowohl einige Geiseln aufhalten, als auch die noch immer gesuchte Hamas-Führer sich dort verstecken. Derzeit hat Präsident Biden noch keine Pläne, wann und wo er sich mit Netanyahu treffen wird, um mit ihm das angekündigte Gespräch zu führen.

Netanyahu sprach heute mit Delegierten von AIPAC via Telefonkonferenz in Washington. «Ich schätze die Unterstützung, die wir bisher von Präs. Biden und seiner Regierung erhalten haben und ich hoffe, dass dies auch so bleiben wird. Aber lassen Sie mich eines klarstellen: Israel wird den Krieg gewinnen, egal wie. Wir werden die Arbeit in Rafah zu Ende bringen und gleichzeitig der Zivilbevölkerung die Möglichkeit geben, sich aus der Gefahrenzone zu befreien.» In einem direkten Angriff fuhr er fort: «Man kann nicht sagen, man unterstütze Israels Ziel, die Hamas zu zerstören, und sich dann gegen Israel stellen, wenn es die notwendigen Massnahmen ergreift, um dieses Ziel zu erreichen.» Nicht nur, dass Netanyahu der irrigen Ansicht ist, dass die israelische Bevölkerung mit ‘einer überwältigenden Mehrheit’ hinter ihm steht, nun hat er auch noch die Chuzpe, das ebenfalls vom US-amerikanischen Kongress zu behaupten.

Der Beschuss durch die Hisbollah aus dem südlichen Libanon verstärkt sich von Tag zu Tag. Heute wurden bereits mehr als 100 (!) Raketen auf israelisches Gebiet abgeschossen. Die zweite Salve von mehr als 30 Raketen löste keinen Alarm aus, nachdem klar war, dass alle in unbebautem Gebiet niedergehen würden. In der Nacht hatte die IAF Angriffe auf Ziele der Hisbollah im Inneren des Libanon beschossen. Unter anderem wurden in Baalbek im nord-östlichen Libanon zwei Kommandozentralen der Hisbollah beschossen und zerstört.

Die Houthi-Terroristen (Ich werde sie ab sofort so bezeichnen, Houthi-Rebellen ist eine nette Umschreibung, die sich aber mit den Angriffen und den damit verursachten Schäden nicht mehr vereinbaren lässt.) haben erneut ein Frachtschiff angegriffen. Die ‘Pinocchio’ befindet sich in singapurischem Besitz und segelt unter liberianischer Flagge. Sie hat Jeddah, Saudi-Arabien, Richtung Süden mit unbekanntem Ziel verlassen. Die Houthis behaupteten, es handele sich bei der Pinocchio um ein US-amerikanisches Frachtschiff.  Durch den Beschuss entstand kein Schaden. Ein italienisches Militärschiff, die ‘Ciao Dulio’, ein Zerstörer, wurde heute ebenfalls von den Houthi-Terroristen angegriffen, konnte aber die beiden anfliegenden Drohen mit den bordeigenen Abfangsystemen neutralisieren.

Die gute Nachricht: Nicht nur Kinder sind glücklich, wenn Klinik-Clowns in ihren lustig-bunten Kostümen und dem Koffer voller spannender Dinge auf der Station erscheinen. Kein Kind ist gerne im Spital, jede Ablenkung trägt zur schnelleren Heilung und Erholung bei. In Israel haben sich jetzt zwei medizinische Klinik-Clowns, Dush und Jonam, darauf spezialisiert, in einer Reha Klinik für traumatisierte Soldaten mitzuarbeiten, in der die Patienten während einer längeren stationären Therapie leben. Für Dush ist es nicht der erste Einsatz bei der IDF, schon 2016 half er dabei, die Clowns als Teil einer psychischen Reha zu installieren. «Der Clown», so erklärt Dush, «sieht keine Mauern, er sieht Herausforderungen, und das ermöglicht es ihm, in kürzester Zeit tiefe Stellen in der menschlichen Seele zu erreichen. Die Soldaten können sich dem Gesicht hinter der roten Nase viel besser öffnen als bei einem Therapiegespräch, wo man sich gegenübersitzt. Jedes Mal, wenn wir mit einem Soldaten oder sogar mit einem kranken Kind im Krankenhaus sprechen», sagt Dush, «müssen wir uns daran erinnern, dass es für sie eigentlich derzeit nichts zu lächeln gibt, weil im Moment alles schlecht ist, aber es gibt viele Gründe, zurückzulächeln, und das ist unser Ziel.»



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