Haftara: Jeshajahau 43:21- 44:23
ב“ה
12./13. Adar II 5784 22./23. März 2024
Shabbateingang in Jerusalem: 17:12
Shabbatausgang in Jerusalem: 18:29
Shabbateingang in Zürich: 18:24
Shabbatausgang in Zürich: 19:29
Shabbateingang in Wien: 17:53
Shabbatausgang in Wien: 18:59
Heute beginnen wir mit dem Lesen des dritten Buches Moses. So wie die letzten Torahlesungen geendet haben, so beginnt auch die neue mit Vorschriften. Im ersten Kapitel wird das Brandopfer beschrieben. Die Tiere, die dabei geopfert werden, müssen fehlerfrei sein, nur männliche Tiere sind erlaubt. Im Vers 1.9 heisst es: «Ein Feueropfer ist es, zum beruhigenden Duft für den Herrn.» Wer schon einmal aus Versehen seinen Haarschopf angekokelt hat, der weiss, welch unangenehmer Gestank davon ausgeht. Und wer schon einmal dem Hufschmied beim Anpassen eines neuen Hufeisens zugeschaut hat, der weiss auch, wie furchtbar das angebrannte Horn des Hufes riecht. Es ist kaum vorstellbar, dass dieser Geruch, der während der Opferzeremonien andauernd den Altar umwehte, eine beruhigende Wirkung gehabt haben soll. Dazu der Geruch des geronnenen Blutes, mit dem die Priester den Altar besprengen sollten…. Es mussten wirklich Männer mit guten Nerven sein, die dieses schwere Amt ausübten. Spätestens an dieser Stelle muss jede noch so emanzipierte Frau verstehen, warum es nur die männlichen Kohanim waren, die diese Aufgaben erfüllen durften.
Ganz anders ist es mit dem Speiseopfer. Fast erinnert es etwas an unsere Challah die wir heute Abend und morgen geniessen werden. Auch hier verbrennen wir ein kleines Stück als Erinnerung an das Speiseopfer, das heute nicht mehr den Priestern überreicht werden kann. Auch, dass kein Sauerteig für die Speiseopfer gebraucht werden darf, ist heute noch in der jüdischen Tradition fest verankert. Feines weisses Mehl muss es sein, heute aber mit Hefe gemischt, denn wir ziehen Zöpfe den damaligen Fladenbroten vor!
Für das Heilsopfer dürfen sowohl männliche als auch weibliche Tiere genommen werden. Interessant ist, dass ‘das ganze Fett dem Herrn gehört’ und dass sich daraus ableitet, dass wir weder die Fettschicht, die die Innereien umhüllt, essen dürfen, noch Blut. Diese Vorschrift wird hier deutlich betont: «Von Generation zu Generation soll euch das gelten…»
Bei den Sühneopfern wird, und das kann nur aus der damaligen strengen Hierarchie der Stämme untereinander verstanden werden, unterschieden zwischen dem Jungstier beim Priester und der Gemeinde, dem Ziegenbock bei einem Stammesoberhaupt und der Ziege bei den übrigen Israeliten.
Wie wichtig die Sühnen für die verschiedenen Vergehen sind, zeigt, dass ihnen insgesamt 26 Verse gewidmet sind. Niemand soll sagen, ich habe nicht gewusst, dass dies oder das eine Sünde ist, die von Gott unmittelbar bestraft wird, indem er durch seine Priester ein entsprechendes Opfer verlangt. Auch wenn uns diese «Strafliste» vielleicht seltsam anmutet, eines war durch sie geklärt: Als Sühne für eine Straftat wurde jeder gleichermassen bestraft. Ein faires «Strafgesetzbuch», von dem man sich durchaus wünschen kann, es gäbe so etwas auch in unserer Zeit!

Die Haftara richtete sich an Jakob, den Sohn Isaaks und Rebeccas, den Enkel Abrahams. Wir kennen die tragische Geschichte von Jakob und seinem Zwillingsbruder Esau, den er mehrfach betrog und der aus Angst vor der Rache des Bruders von der Mutter fortgeschickt wurde. Einfach war sein Leben nicht. Er musste zwei Mal sieben Jahren Frondienst leisten, bevor er seine geliebte Rachel heiraten durfte. Als Single war er nach Haran gekommen, als Familienoberhaupt einer Grossfamilie zog er nach vielen Jahren wieder zurück nach Kana’an. Unterwegs, in der Nacht, bevor er erstmals seit Jahren auf seinen Bruder Esau stiess, rang er während der ganzen Nacht mit einem Engel und erhielt nach dem Kampf den Namen ‘Israel’. In unserer Haftara spricht Gott mit beiden, in Vers 43:22 lesen wir: «Doch nicht mich hast du, Jakob’ verkündet, denn als Israel fühltest du dich durch mich ermüdet.» Dabei hatte Gott im Eingangsvers noch festgehalten: «Dieses Volk habe ich mir gestaltet, auf dass sie mein Lob verkünden sollen.» Wieder einmal hat das Volk Israel Gott enttäuscht. Israel, pars pro toto, hatte das Opfer in sein Gegenteil verkehrt, hatte es entweiht und zum Götzen gemacht, den er darin anbetete. Um das Fehlverhalten Israels zu korrigieren, musste der Tempel zerstört werden und aus der Asche neu erwachsen. Jakob hatte vergessen, dass er alles, das Land, die Früchte der Felder, den Reichtum der Gewässer von Gott nur als andauernde Leihgabe und zur Nahrung nach seinem Willen erhalten hatte. Das haben wir schon gegen Ende der Schöpfungsgeschichte gelesen. «Gehe hin und mache dir die Erde untertan.» Jakob hatte vergessen, dass er durch die Opfer und deren unterschiedlichen Sinn Gott nahe sein werde. Die Worte קרבן Korban = Opfer undקרוב karov = nahe, haben nicht von ungefähr den gleichen Wortstamm.
Gott aber zeigt sich erneut gnädig. «Erinnere du mich, lass uns zusammen rechten, erzähle du, damit du gerechtfertigt seist.» Es klingt fast so, als wolle Gott sich auf Augenhöhe neben Jakob, der nun wieder Israel werden kann, stellen. Er gibt dem in Liebe wieder aufgenommenen Sünder ein Versprechen: «So hat Gott gesprochen, der noch jetzt dich gestaltet, der dein Bildner ist vom ersten Augenblick deines Werdens. Der auch in Zukunft dir beistehen wird.»
Die Schlussverse sind ein jubelndes Versprechen, dass wir uns ganz im Vertrauen Gottes wissen dürfen, «Jauchzet ihr Himmel, denn Gott hat es vollbracht, jubelt, ihr Erdengründe, brechet in Jauchzen aus, ihr Berge, denn erlöste hat Gott Jakov und an Israel will es ich verherrlichen!»
Shabbat Shalom und trotz der dunkeln, bedrückenden Zeit: Chag Purim sameach!
Kategorien:Religion
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