14. Adar II 5784

Auch heute muss die IDF leider wieder den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Sgt. First Class, Lior Raviv, 21, s’’l, fiel bei einem Kampf im Shifa-Spital in Gaza-City. Mit ihm stieg die Zahl der in der Bodenoffensive gefallenen Soldaten auf 252 an.
VM Yoav Gallant, der in diesen Tagen nach Washington reist, um sich dort mit seinem Kollegen Lloyd Austin zu treffen, erwartet dringend, dass noch in dieser Woche eine Einigung in der Diskussion zur Wehrpflicht der haredischen Bevölkerung getroffen wird. Gallant hat sich schon lange dagegen ausgesprochen, dass dieser Bevölkerungssektor vom Wehrdienst ausgenommen ist. Das entsprechende Gesetz läuft Ende des Monats aus. Derzeit ist es nicht möglich, etwa 60.000 haredische Männer im wehrpflichtigen Alter zum Dienst zu verpflichten, wenn sie es vorziehen, als ‘Ganztagsstudenten’ in ihren Jeschiwot zu lernen. Der sephardische Oberrabbiner hatte damit gedroht, dass viele Haredim auswandern würden, falls sie zum Wehrdienst verpflichtet werden. Das wäre dann gleichbedeutend mit dem Ende der Koalition. Gallant besteht auf einem Gesetzesvorschlag, der die Unterstützung aller in der Knesset vertretenen Parteien hat. «Ich rufe den Premierminister und Minister Benny Gantz erneut auf, die verbleibende Zeit zu nutzen und einen breiten Konsens in der Frage des Wehrpflichtgesetzes zu schmieden, zum Wohle der IDF und zum Wohle des Staates Israel.» Das Ausnahmegesetz stammt noch aus der Zeit der Staatsgründung.

Der ehemalige hohe Mitarbeiter des Shin Bet, Yossi Amrosi, sprach in einem Radiointerview über die nachrichtendienstlichen und sicherheitspolitischen Bemühungen zur Befreiung israelischer Geiseln aus der Gefangenschaft der Hamas im Gazastreifen. «Wir haben bereits Kontakte aufgenommen und auch Geiseln befreit.» Wenn ich mich richtig erinnere, so wurden eine Soldatin und zwei Männer von der IDF befreit, drei junge Männer verloren ihr Leben bei einem misslungenen Befreiungsversuch. Amrosi fuhr fort: «Es gibt einige Informationen über verschiedene Geiseln, aber wir haben nicht die operativen Möglichkeiten, die Operation durchzuführen und sie sicher zu retten.» Das ist ein klares Eingeständnis der Unfähigkeit, die auch Amrosi als solches erkennt: «Ich verstehe, warum wir nicht mehr in Rafah sind, [aber] die Geiseln könnten in Rafah sein. Wo könnten sie sein? Wir halten Rafah nicht besetzt und haben keinen Kontakt zu den Geiseln, was eine grosse Schande ist. Vor drei Wochen haben die IDF Pläne für die Besetzung von Rafah vorgelegt.» Doch seither ist nichts passiert, es scheint, als würde sich derzeit der Krieg in Gaza ausschliesslich auf das Shifa-Spital und Khan Younis fokussieren. Mit jedem Tag, der vergeht, sinkt die Überlebenschance der Geiseln dramatisch. Falls sie überhaupt noch leben …

Gen. Maj. a.D. Israel Ziv ist schon seit Jahren nicht mehr militärisch aktiv. Während des Massakers vom 7. Oktober übernahm er spontan eine massgebliche Rolle, um punktuell den Hamas-Terroristen Einhalt zu gebieten. Im Besitz einer Pistole machte er sich in Zivil auf den Weg, um zu helfen. Vor Ort koordinierte er den Einsatz der eintreffenden Truppen, organisierte Evakuierungen und griff auch aktiv in das Geschehen ein. Ziv, ein dezidierter Gegner von Netanyahu, beklagte, dass die Regierung, aber auch das Militär, es versäumt hätten, die israelische Zivilbevölkerung ausreichend zu schützen. Die Nicht-Regierung bezeichnete er als ‘völlig gelähmt’. Ebenfalls in einem Radiointerview sprach er über wichtige Themen wie den Verlauf des Krieges in Gaza, die Debatte mit Amerika über die Operation in Rafah und die Aktivitäten im Shifa-Krankenhaus. Was er über das Shifa-Spital sagt, klingt bedrückend: «Das bedeutet, dass die Hamas in der Praxis die Kontrolle über das Gebiet behält und dass diese Situation im Shifa-Krankenhaus wahrscheinlich auch in anderen Krankenhäusern ähnlich ist.» Die Hamas, so fuhr er fort, sei geschwächt, aber lange noch nicht zerstört. Die zivile Kontrolle liege weiterhin in den Händen dieser Terror-Organisation. Dass die IDF grosse Truppenkontingente aus Gaza abgezogen hat, sieht er mehr als kritisch: «Was soll die IDF tun, wenn es keine Politik gibt? Wir befinden uns seit mehr als fünf Monaten in diesem Krieg und haben kein vorhersehbares politisches Ziel. Was uns passiert ist, ist nicht nur die Situation mit der Hamas. Das Fehlen von Entscheidungen unsererseits ist das Schlimmste.» Ob die Offensive gegen Rafah denn wirklich von so grosser Bedeutung sei, wurde er gefragt: «Nein. Wir selbst sind nicht überzeugt. Wenn Rafah so wichtig ist, warum haben wir es dann nicht schon längst eingenommen? Die IDF weiss, was zu tun ist, aber der Krieg ist verloren. Er hat keine Ziele, keine Richtung.»
Die IDF gab bekannt, dass 480 der 800 festgenommenen mutmasslichen Terroristen im Shifa-Spital in Gaza-City aktive Mitglieder der Hamas-Terrororganisation oder des Palästinensisch Islamischen Djihad sind. Heute konzentrieren sich die Kämpfe auf al-Qarara, nördlich von Khan Younis. Auch in dieser landwirtschaftlichen Ortschaft wurden zahlreiche Waffenlager, Eingänge zu Tunnelsystemen und andere Infrastrukturen der Hamas entdeckt und zerstört. Die Bodentruppen wurden dabei von Kampfhubschraubern unterstützt.
Das US-amerikanische Militär hat in den vergangenen Stunden fünf Drohnen der Houthi-Terroristen abgefangen und zerstört. Eine weitere Drohne fiel auf von den Houthis kontrolliertes Gebiet.
In der Hisbollah Hochburg Baalbek im Nordosten des Libanon zerstörte die IAF ein zweistöckiges Gebäude, welches derzeit unbewohnt war. Bis vor Kurzem hatte es noch als Kommandozentrale und Waffenproduktionsstätte der libanesischen Terroristen gedient. Drei Personen in Nachbarhäusern wurden durch die Angriffe leicht verletzt. Die Hisbollah gab an, sofort mit einem Beschuss mit 60 Raketen reagiert zu haben. Israel sprach von 50 Raketen, die zumeist abgefangen und zerstört werden konnten.


Noch einmal Purim: IDF-Soldaten, die derzeit im Shifa-Spital operieren, lesen zu Ehren des heutigen Purim-Festes die Megillat Esther. Umgeben von seinen Kameraden liest ein Soldat den uralten Text, der die Rettung des Jüdischen Volkes in Persien im 5. Jahrhundert BCE vor einem Genozid beschreibt. Esther, eine jüdische Waise, wird von Mordechai, ihrem älteren Cousin aufgezogen. Nachdem König Ahasveros seine erste Frau Waschti verstiess, wurde Esther zu dessen zweiter Frau erwählt. Mordechai, ein Beamter am Hofe des Königs riet ihr, ihre jüdische Identität zu verschweigen. Haman, der höchste Beamte im Staat, plant einen Genozid an den Juden, nur weil sie seiner Meinung nach nicht kompatibel zum persischen Volk sind. Esther erfährt von Mordechai von dem infamen Plan und teilt ihn unter Lebensgefahr dem König mit. Haman wird daraufhin gerichtet und den Juden wird das Recht eingeräumt, am 13. Adar um ihr Leben zu kämpfen. Mordechai steht an diesem Tag an der Spitze der Juden, denen es gelingt, die Männer aus dem Umfeld von Haman zu töten. Frauen und Kinder werden verschont und auch das Vermögen der Getöteten wird nicht angetastet. Einer der Soldaten hat sich eine ‘rote Nase’ aufgesteckt, wohl um zumindest die traditionelle Verkleidung an diesem Tag anzudeuten!


Die gute Nachricht des Tages: Mitten im Gebiet des Shifa-Spitalshat die IDF ein Feldlazarett eingerichtet. Die dazu notwendige Ausrüstung, sowie medizinische Teams wurden vor Ort gebracht. Mit der Inbetriebnahme des Feldlazaretts soll die medizinische Betreuung von Zivilisten verbessert werden, die aus militärischer Notwendigkeit evakuiert wurden. Trotz der intensiven Bemühungen der IDF, die Terroristen, die sich im Spital verschanzt haben aufzustöbern und zu eliminieren, tut die IDF alles, um Schäden an Patienten, medizinischen Mitarbeitern und medizinischer Ausrüstung zu minimieren. Am Freitag wurden von der Koordinations- und Verbindungsbehörde für den Gazastreifen (COGAT) vermehrt LKWs mit medizinischer Ausrüstung, Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten in das Spital geliefert. Zu den Ausrüstungsgegenständen gehören auch moderne Überwachungsgeräte.

Die von COGAT bekanntgegeben Zahlen zu den Hilfslieferungen nach Gaza.





Und hier noch fünf Rätsel aus der heutigen ‘Jerusalem Roast’ – was ist falsch an den Texten?
- Hunderte von haredischen Männern haben heute in Bnei Brak demonstriert, um zu fordern, dass säkulare israelische Juden einen Teil der Last mittragen, die sie mit dem Studium der religiösen Texte tragen. Bisher war es den Säkularen erlaubt, das Torahstudium zu vermeiden, indem sie sich zur IDF meldeten.
- Nachdem die humanitäre Luftbrücke nach Gaza auch für die USA problemlos angelaufen ist, haben US-Präsident Joe Biden und Netanyahu einen Weg gefunden, wie sie das angespannte Verhältnis zwischen ihren Staaten verbessern können. Biden hat dazu in der vergangenen Woche eine Verfügung erlassen, dass Donald Trump nach Gaza eingeflogen wird, um dort eine Einigung zwischen Israel und der Hamas zu erreichen. Einige Stunden vor dem geplanten Absprung über Gaza City warnen Flugblätter davor, dass ein Zusammenprall mit dem schwergewichtigen Mann tödlich sein kann. Die Bevölkerung wird gebeten, in der geplanten Zeit die Häuser nicht zu verlassen.
- Die Chabad-Lubavitcher Bewegung hat es als erste jüdische Gemeinschaft geschafft, eine Synagoge und ein Zentrum auf dem Mond zu eröffnen. «Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein grosser Schritt für die Jiddishkeit.» betonte Rabbi Marsdechai Lunawitz, als er die Türen der Synagoge im ‘Meer der Stille’ öffnete.
- Der Minister für Nationale Unsicherheit Itamar Ben-Gvir wurde daran gehindert, an Sitzungen des Hausausschusses in seinem Haus in einer Siedlung in der Nähe von Kiryat Arba (bei Hebron) teilzunehmen. Ben-Gvir wurde zuvor bereits von PM Sarah Netanyahu aus dem Sicherheits- und Kriegskabinett ausgeschlossen.
- Nachdem Netanyahu immer mehr von der Führungsetage der IDF kritisiert wird und er diese Kritik nicht mehr hören kann, hat er Bezalel Smotrich zum nächsten Generalstabschef ernannt. «Niemand mag dich, also kriegst du den Job» soll Netanyahu Smotrich bei einem wöchentlich stattfindenden Square-Dance-Tanzabend gesagt haben. Smotrichs erste Amtshandlung war es, die derzeitigen Anforderungen in Bezug auf die Körpergrösse für den Erwerb einer Waffe zu senken. «Ich wollte schon immer mal eine Uzi in die Hand nehmen» sagte die zierliche, bärtige, zwergenhafte Gestalt und sprang vor Freude unentwegt auf und ab. (…) Zu seiner Meinung über seinen Nachfolger befragt, sagte Herzi Halevi: «Der Stabschef muss in der Lage sein, das grosse Ganze zu sehen. Smotrich ist zu klein, d.h. zu engstirnig, um das ganze Ausmass eines Polaroidbildes zu sehen.»
Kategorien:Israel
Hinterlasse einen Kommentar