22. Adar II 5784


Erneut muss die IDF den Tod zweier Soldaten bekanntgeben. Sgt. First Class Sivan Weil, 20, s’’l, verlor sein Leben bei einem Kampf im südlichen Gazastreifen in der Nähe von Khan Younis. Er gehört zu den Soldaten, die am vergangenen Freitag durch einen Angriff auf ihr Nachtlager durch die Hamas-Terroristen getroffen und schwer verletzt worden waren. Heute erlag er seinen Verletzungen. Staff Sgt. Nadav Cohen, 20, s’’l, fiel bei einem Kampf im südlichen Gazastreifen.
Kurz bevor sich Netanyahu ins Hadassah-Spital begab, um sich einer Leistenbruch-Operation zu unterziehen, gab er noch eine kurze Presseerklärung in seinem Büro in Jerusalem ab. Auf die Frage, warum sich die Welt offensichtlich gegen Israel stellt, antwortete er ausführlich: «Was in den letzten Monaten passiert ist, war, dass das schreckliche Massaker vom 7. Oktober schnell vergessen wurde und die ganze Welt sich gegen uns verbündet. Dazu gibt es Menschen hier und im Ausland, die sagen, vielleicht ist da etwas dran; vielleicht sind wir wirklich nicht in Ordnung.» Die internationale Kritik konzentriere sich hauptsächlich auf die hohe Zahl der zivilen Opfer. Dabei, so bezog er sich auf die Aussagen von Experten im Häuserkampf, die US-amerikanischen Generäle David Petraeus und John Spencer, «Es keine Armee auf der Welt gibt, die das getan hat und tut, was die IDF getan hat, um die Zahl der Opfer zu minimieren und Erfolge zu erzielen, die keine andere Armee erreicht hat.»
Am frühen Vormittag wurde vom Hadassah Spital ein kurzes Video veröffentlicht, in dem das medizinische Team, unter Leitung von Prof. Alon Pikarsky, mitteilte, dass die OP hervorragend verlaufen sei. Netanyahu sei wach und unterhalte sich mit seiner Familie. Alles sei perfekt. Netanyahu wird entweder noch heute oder spätestens morgen Vormittag das Spital zur weiteren Erholung nach Hause entlassen.
Netanyahu hat aus dem Krankenhaus, wo er sich nach der OP von gestern erholt, die Knesset angewiesen, heute Abend das sogenannte ’al-Jazeera-Gesetz’ in der zweiten und dritten Sitzung zu verabschieden. Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes kann der PM gemeinsam mit dem Kommunikationsminister jederzeit ausländische Sender sperren und deren Ausrüstung beschlagnahmen, wenn davon ausgegangen werden muss, dass sie der Sicherheit des Staates Israel schaden.
Die gestern in Kairo wieder aufgenommenen Verhandlungen, um eine neue Vereinbarung zwischen Israel und der Hamas zu erreichen, scheinen ein wenig an Fahrt aufgenommen zu haben. Das erklärte ein Sprecher der Times of Israel. «Die beiden Themen, die Befreiung der Geiseln und die Offensive gegen Rafah sind miteinander verbunden. Die Geiseln haben dabei höchste Priorität.» David Barnea, der das israelische Team anführt, ist überzeugt, dass «ein Deal, der zur Befreiung der Geiseln führt, nur dann möglich ist, wenn die evakuierten Bewohner zurück in den Norden des Gazastreifens gehen dürfen.»
Israel bezeichnet den Zwischenbericht, den die UNO in Bezug auf die Vorwürfe gegen die UNRWA veröffentlicht hat, als reinen Versuch, die Versäumnisse und die Verbindungen zur Hamas und anderer Terrororganisationen zu vertuschen und beschönigen. Die UNO will damit erreichen, dass die kurzfristig gesperrten Gelder wieder fliessen. Und sie haben damit Erfolg. Viele Staaten, die zunächst den Vorwürfen durch Israel glaubten, und entsprechend reagierten, haben ihre Geldtaschen wieder weit geöffnet. Der Bericht wurde von einem ‘unabhängigen’ Team unter Leitung der ehemaligen französischen Aussenministerin Catherine Colonna erstellt. Im Bericht heisst es, dass das UNO-Hilfswerk über entsprechende Mechanismen verfügt, die seine vollständige Neutralität gewährleisten. Trotzdem bestünden Mängel, die behoben werden müssten.
Israel hatte der UNRWA vorgeworfen, dass mindestens 12 Mitarbeiter aktiv am Massaker vom 7. Oktober beteiligt waren und dies auch belegt. Auf Grund von Informationen durch freigelassene Geiseln und festgenommene Hamas-Angehörige glaubt Israels, dass mehr als 10% der UNRWA-Mitarbeiter, d.h. etwa 1.500, aktive Beziehungen zu Terrorgruppen haben.
Der Bericht ignoriert die Vorwürfe und geht nur auf die aufgefundenen Mängel ein, die kosmetisch beseitigt werden sollen. Er enthält auch keinerlei Aufforderung, zumindest jene Mitarbeiter, die nachweislich einer Terrorgruppe zugeordnet werden können, zu entlassen. Dieser Bericht zeigt wieder einmal mehr, dass die UNO Israel gegenüber voreingenommen ist und wo immer möglich auch entsprechend handelt.


Zu unangenehmen Auseinandersetzungen kam es gestern Abend zwischen haredischen Jugendlichen und Mitgliedern der Reservisten-Vereinigung ‘Brothers in Arms’ in Mea Shearim. Nachdem ein Jugendlicher eine israelische Fahne in Brand gesetzt hatte, flogen Eier auf die säkularen Demonstranten, die gegen die Ungleichbehandlung bei Militärdienst beklagten. Weiterhin kam es zu teils sehr handgreiflichen Zwischenfällen. Schliesslich wandte sich ein Mitglied von ‘Brothers in Arms’ in Jiddish an die Haredim: «Sagt euren Rabbinern, dass es genug ist, wir alle sollen Teil des jüdischen Volkes im Staat Israel sein. Wir brauchen euch, um der Armee beizutreten, wir können euch nicht auf dem Rücken tragen. Wir wollen die Last gleichmässig verteilen. Was in der Vergangenheit war, kann so nicht weitergehen.» Jiddish ist die Alltagssprache in Mea Shearim, einem ultra-orthodoxen Stadtviertel von Jerusalem.

Oppositionsführer Yair Lapid stellte gestern klar, dass Netanyahu behaupte, Neuwahlen würden das Land paralysieren. «Es ist schon paralysiert. Auf Grund seiner Regierung.» Netanyahu hatte zum wiederholten Mal betont, Wahlen mitten im Krieg, so kurz vor dem absoluten Sieg, würden eine Lähmung herbeiführen. «Die einzigen, die sich über Neuwahlen freut, wäre die Hamas!» Lapid kann sich dem nicht anschliessen: «Herr Netanyahu, Wahlen werden das Land nicht lähmen – es ist jetzt gelähmt. Der Krieg mit der Hamas ist gelähmt, das Geiselabkommen ist gelähmt, der Norden ist gelähmt und vor allem die Regierung unter Ihrer Führung ist gelähmt und gescheitert. Das Einzige, was Sinwar und Deif freuen wird, ist, wenn Ihre katastrophale Regierung der Lähmung im Amt bleibt. Für die Kämpfer, für die Geiseln, für das Wehrpflichtgesetz, für die Rettung der Wirtschaft: Wir müssen jetzt Wahlen haben.» Kurz vor diesen Worten hatte Lapid bereits festgehalten, dass alle Bemühungen Netanyahu ausschliesslich darauf ausgerichtet sind, im Amt zu bleiben und sich den Gerichten zu entziehen. Lapid rief auch dringend dazu auf, die Frühjahrpause der Knesset, die vom 7. April bis zum 19. Mai andauern soll, abzusagen. «Heute beginnt die letzte Woche der Knesset vor der Pause. Es ist halluzinatorisch, dass die Knesset zu einem solchen Zeitpunkt in die Pause geht. Geiseln haben keine Pause, Kämpfer in Gaza haben keine Pause. Yesch Atid wird bis zur letzten Minute kämpfen, um die Pause abzusagen – es ist noch nicht zu spät für die Koalitionsmitglieder, zur Vernunft zu kommen.»





Gestern Abend haben sich mehr als 100.000 Demonstranten in Jerusalem zum grössten Protest seit dem 7. Oktober versammelt. Diese Grossveranstaltung gegenüber der Knesset markiert sechs Monate seit dem Massaker vom 7. Oktober. Gleichzeitig fanden in der ganzen Stadt mehrere kleine Veranstaltungen statt. Moshe Radman, der Sprecher von ‘Brothers in Arms’ betont, dass die Regierung von Netanyahu nicht die israelische Öffentlichkeit vertritt und fordert die Knesset auf, ihre geplante Frühlingspause dringend zu verschieben. «Erstens wollen wir Wahlen, weil wir denken, dass diese Regierung die Öffentlichkeit nicht vertritt, und zweitens denken wir, dass es kein guter Zeitpunkt ist, eine Pause einzulegen, wenn die Geiseln noch im Gazastreifen sind. Alle drei Tage stirbt eine Geisel. Sie werden für 42 Tage weggehen. Das bedeutet, dass 14 Geiseln sterben werden.»

Heute Vormittag gab die IDF bekannt, dass die Operation im und um das Shifa-Spital in Gaza City abgeschlossen ist. Alle Truppen wurden abgezogen. Seit dem Beginn der Operation am 18. März wurden 900 Verdächtige festgenommen, von denen mehr als 500 Hamas-Terroristen sind. Weitere 200 Bewaffnete wurden eliminiert, darunter Top-Mitglieder von Hamas und dem Palästinensisch-Islamischen-Djihad. Ein Kampfhubschrauber hat heute ein Gebäude im zentralen Gazastreifen zerstört, welches als Infrastruktur der Hamas-Terror-Organisation diente. Ein weiteres Haus, das als Beobachtungsposten diente, war mit Sprengfallen vermint und wurde ebenfalls aus der Luft zerstört. Die Kämpfe im südlichen Khan Younis gehen derzeit unvermindert weiter. Hier wurden ein LKW und ein PKW zerstört, die sich in auffälliger Art den Soldaten näherten.


Eine möglicherweise aus dem Irak stammende Drohne hat heute Vormittag ein Gebäude im Hafen von Eilat getroffen und dort mittelschweren Schaden angerichtet. Welches Gebäude getroffen wurde, wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Die vom Iran unterstützte Gruppe ‘Islamischer Widerstand im Irak’, die zusammen mit paramilitärischen Gruppen arbeitet, hatte mitgeteilt, dass sie «ein lebenswichtiges Ziel in Israel mit entsprechenden Waffen» angegriffen hätte. In Eilat wurde Drohnenalarm ausgelöst, es wurde von einer kurz darauf erfolgten lauten Explosion berichtet. Vorgestern wurde von Kampfjets eine aus Richtung Syrien einfliegende Drohne abgefangen. Die IDF gab im Laufe des Vormittags bekannt, dass das beschädigte Gebäude Teil der in Eilat stationierten Marine-Basis war.
Die gute Nachricht: 25 Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter der Yale Universität waren im März für fünf Tage in Israel. Das Ziel der Studienreise war es, akademische Kontakte zu knüpfen und sich mit ihren Kollegen auszutauschen. Sie waren aber auch neugierig darauf, wie sich das universitäre Leben in einem Staat abspielt, der im Ausland immer wieder als Apartheidstaat gebrandmarkt wird und sich permanent Verunglimpfungen und Boykotten ausgesetzt sieht. Sie wollten auch selbst erleben, wie es sich anfühlt, eine Gruppe von Studenten zu unterrichten, die es ertragen muss, dass eine grosse Zahl von Kommilitonen nicht mehr bei ihnen ist, weil sie während der Massaker vom 7. Oktober ermordet wurden. Oder in den Gazastreifen verschleppt wurden und von denen niemand mehr weiss, ob sie überhaupt noch leben.
Sie besuchten auch die Orte, an denen die Massaker ihre furchtbarsten Auswüchse zeigte, sie besuchten Kfar Aza und Re’im.
Der Artikel ist sehr lesenswert und wirft ein äusserst erhellendes Licht auf die israelische Welt der Wissenschaft und Gesellschaft. Hier der Artikel im Original in Newsweek.
Die zweite gute Nachricht: Julia Klöckner ist ehemalige Bundesministerin für Landwirtschaft und Ernährung im Kabinett Merkel, ehemalige stv. CDU-Bundesvorsitzende und seit Dezember 2021 wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Sie war Ende März für einige Tage in Israel und besuchte dort einen Warenübergang.





Auf ihrer Facebook-Seite schreibt sie:
«An die Grenze zum #Gaza – im Süden Israels, angrenzend zu Ägypten – habe ich mich heute begeben, da es immer heißt, die Israelis würden #Hilfslieferungen zu den Palästinensern verweigern. Ich habe anderes vor Ort erlebt. Täglich kommen rund 250 Trucks mit Lebens-, Genuss-, Hygienemittel, Medizin, Bekleidung und Einrichtungsgegenständen an der Grenze an, um in den Gaza zu gelangen. Diese Trucks, die aus #Ägypten kommen und von Palästinensern gefahren werden, werden aus Sicherheitsgründen einzeln von den Israelis gescannt und durchleuchtet, denn immer wieder werden Waffen, #Sprengstoff und gefährliche Flüssigkeiten rausgeholt, die zwischen den Gütern versteckt sind.
Israel limitiert die LKW nicht, das Problem ist, dass die #UN täglich maximal 100 LKW zum Verteilen abfertigt. Das israelische Grenzpersonal selbst könnte wesentlich mehr #Lkw abfertigen und über die Grenze lassen, es stehen jedoch zu wenige Lkw-Fahrer der #Palästinenser zur Verfügung.»







Auch von ihrem Besuch im Kibbutz Kfar Azza berichtet sie:
«Diesen Tag heute werde ich nie vergessen: meine Gespräche mit Angehörigen, die das Terror-Massaker der Hamas auf den israelischen #Kibbuz Kfar Azza im Gaza-Envelope überlebt haben, die Einschüsse in den Häuser, die Zerstörung …. In ihren eigenen vier Wänden wurden Israelis regelrecht hingerichtet. Die radikalen #Islamisten machten vor keinem Halt, selbst vor den kleinsten Kindern nicht. Frauen wurden vor den Augen ihrer Männer gequält und vergewaltigt, Kinder vor den Augen ihrer Eltern getötet, Großeltern mussten per Live-Stream anschauen, wie ihre Familie ausgelöscht wurde – und die letzten WhatsApp-Nachrichten, die Töchter ihren Mütter schrieben, und es dann stumm wurde, keine Antworten mehr auf die Nachfragen kamen – das alles geht unter die Haut. Wie können Menschen nur so fanatisch und religiös-islamistisch, so bestialisch und entmenschlicht sein, dass sie #Juden wegen ihres Judenseins hassen und deren Leben auslöschen?
64 Menschen im Kibbuz sind in den frühen Morgenstunden von den Terror-Hamas getötet worden, viele verbrannten noch lebendig in ihren Häusern, 18 Menschen wurden aus dem Kibbuz entführt. Und selbst nach dem Massaker positionierten die Terroristen noch in den Kühlschränken, hinter Türen und unter Leichen Handgranaten, damit zur Hilfe Eilende mit in den Tod gerissen würden. Unfassbar.
Danke Ralph Lewinsohn für die Zeit, die nahen Einblicke und die Kraft, alles wieder aufzubauen.
Und Danke @aryeshalicar , Sprecher der Israelischen Verteidigungskräfte (IDF), für die Perspektive der Soldatinnen und Soldaten.»
Hier noch ein Reel von ihrem Besuch in Re’im
Alle Bilder und Zitate sind © Julia Klöckner, Facebook
Kol HaKavod, Julia!
Kategorien:Israel
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