28. Adar II 5784
Heute sind es genau sechs Monate, seit die Hamas-Terror-Organisation am frühen Morgen des 7. Oktober 2023 die Grenzzäune zwischen dem Gazastreifen und Israel durchbrach und das grauenhafte Massaker begann. Gleichzeitig beendeten sie mit anhaltendem Beschuss aus dem Gazastreifen den Waffenstillstand, der seit Mai 2019 in Kraft war, und begannen damit den Krieg von Israel gegen die Hamas. Es ist der längste und blutigste Krieg seit dem Unabhängigkeitskrieg.
Mehr als 13.000 Hamas-Terroristen, sowie Mitglieder weiterer Terror-Organisationen wurden im Gazastreifen eliminiert, dazu etwa 1.000 weitere, die sich während der Massaker in Israel aufhielten. Unter den von der IDF eliminierten Terroristen befanden sich laut Angaben der IDF fünf Brigade-, sowie mehr als 100 Kompanie-Kommandanten der Hamas.
Etwa 4.600 Verdächtige wurden zunächst im Gazastreifen verhört, ein grosser Teil später zu weiteren Verhören nach Israel gebracht.
Während der Massaker wurden mehr als 1.200 Menschen, überwiegend Zivilisten, von den Schlächtern grausam gefoltert, missbraucht und ermordet. Etwa 253 Personen wurden in den Gazastreifen verschleppt.
604 Soldaten verloren seit dem 7. Oktober ihr Leben, 260 von ihnen während der Bodenoffensive. 3.193 Soldaten wurden insgesamt verletzt, 1.552 von ihnen während der Bodenoffensive. 41 Soldaten starben durch sog. ‘friendly fire’, was nichts anderes heisst, als dass sie von eigenen Truppen tödlich getroffen wurden.
Das ‘Gesundheitsministerium’ der Hamas beziffert die Zahl der Opfer mit 33.000, wobei die Zahlen nicht verifizierbar sind und es unklar ist, ob Hamas-Mitglieder mitgezählt wurden oder nicht. Unklar ist auch die Zahl jener Opfer, die durch Raketenfehlschüsse von der Hamas getötet wurden.
Im Libanon eliminierte die IDF mehr als 330 Hisbollah-Terroristen, darunter auch 30 Kommandanten.
Im Gazastreifen griff die IDF etwa 32.000 Ziele an, darunter mehr als 3.600 Hamas-Stellungen. Im Libanon wurden rund 4.700 Hisbollah-Stellungen zerstört.
Aus dem Gazastreifen wurden ca. 9.100 Geschosse auf Israel abgefeuert, 3.100 kamen aus dem Libanon und 35 aus Syrien, sowie eine unbekannte Zahl aus dem Jemen. Nicht enthalten sind jene Geschosse, die auf eigenem Gebiet landeten.

Besser spät als nie fand UN-Generalsekretär Antonio Guterres erstmals die richtigen Worte. In einer Videobotschaft betonte er: «Der 7. Oktober war ein Tag des Schmerzes für Israel und für die Welt. Wir [die UN und ich] trauern um die 1.200 Menschen, die meisten von ihnen Zivilisten, die kaltblütig ermordet wurden.» Er fuhr fort: «Nichts kann den Horror rechtfertigen, den die Hamas am 7. Oktober entfesselt hat. Ich verurteile auch die Anwendung von sexueller Gewalt und Folter, die Verletzung und Entführung von Zivilisten, den Abschuss von Raketen auf zivile Ziele und den Einsatz menschlicher Schutzschilde.» Er schloss seine Botschaft mit einer Aufforderung, die bisher in allen Resolutionen der UNO fehlt: «Ich fordere die bedingungslose Freilassung aller Geiseln, die noch von der Hamas und anderen bewaffneten Gruppen festgehalten werden.»
Während 23.000 Einwohner von Sderot wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren konnten und auch weitere 17.000 Bewohner ausserhalb einer Sicherheitszone zum Gazastreifen nach Hause gehen konnten, müssen andere noch warten. Etwa 8.500 heimatlose gewordene Menschen aus 13 völlig zerstörten Kibbutzim leben weiterhin in Hotels oder fanden Aufnahmen in anderen Gemeinden. Dazu kommen noch etwa 80.000 Menschen, die aus dem Norden Israels evakuiert wurden.

Leider muss die IDF erneut den Tod von vier Soldaten bekannt geben. Cpt. Ido Baruch, 21, Sgt. Amitai Even Shoshan, 20, Sgt. Ilai Zair, 20, und Sgt. Reef Harush, 20, s’’l, starben am Samstag bei einem Kampf im südlichen Gazastreifen. Sie wurden von Hamas-Schützen angegriffen, die vor ihnen aus einem Tunnelschacht in einem zerstörten Gebäude auftauchten und das Feuer auf die Patrouille eröffneten. Anschliessend konnten sie wieder zurück in den Tunnel fliegen. Soldaten, die sie verfolgen wollten, entdeckten, dass der Fluchtweg vermint war, und zogen sich zurück.
Beim Beschuss eines Panzers mit einer Granate wurde kein Soldat verletzt, die Terroristen wurden eliminiert.
Bei der Explosion einer Granate innerhalb eines Panzers wurden zwei Soldaten schwer verletzt.

Über Nacht hat die IDF alle Boden-Truppen aus dem südlichen Gazastreifen abgezogen. Nach einem vier Monate andauernden Kampf in der Region um Khan Younis, sichert nun nur mehr ein Bataillon den ‘Netzarim Korridor’, der auf der Höhe von Be’eri in Ost-West Richtung von der Grenze bis zur Küste verläuft. Der Verlauf wurde im Laufe des Krieges von ursprünglich 2 km auf die gesamte Strecke erweitert, um den Truppen jederzeit ungehinderten Zugang von Israel in den Gazastreifen zu ermöglichen. De facto trennt der Korridor das Gebiet auch in Nord- und Südgaza. Auch die ungehinderte Nord-Süd Bewegung der Terroristen sollte durch den Korridor erschwert werden.

Unmittelbar vor dem Truppenabzug zerstörte die IDF noch drei Tunnel, die von al-Amal über 900 m bis zum Grenzgebiet verliefen. Einer der Tunnel war bereits seit 2019 bekannt, einige Teilstücke wurden bereits damals zerstört. Erst jetzt wurde aber bekannt, dass er einige 100 Meter unter israelischem Gebiet verlief. Im Tunnel gab es grosse Waffenlager und Aufenthaltsmöglichkeiten für die Terroristen. Der Tunnel wurde komplett zerstört.
Kurz nach dem Rückzug nahezu aller Truppen aus dem Süden des Gazastreifens, wurden fünf Raketen aus der Region Khan Younis in Richtung Israel abgeschossen, konnten aber abgefangen werden.
Die aus dem südlichen Gazastreifen abgezogenen Truppen dürfen sich nach Monaten intensiven Kampfes, der sie physisch und psychisch extrem gefordert hat, einige Zeit erholen und psychologisch betreuen lassen. Dass diese Ruhe aber nicht endgültig sein wird, machte Netanyahu heute erneut klar: «Wir sind entschlossen, den Krieg vollständig zu gewinnen, alle unsere Gefangenen zurückzubringen, die Hamas im gesamten Gazastreifen, einschliesslich Rafah, vollständig zu eliminieren und sicherzustellen, dass der Gazastreifen keine Bedrohung mehr für Israel darstellt.» Er fuhr in seiner bekannten grossspurigen Art fort: «Wir sind nur noch einen Schritt vom Sieg entfernt, aber der Tribut, den wir zahlen müssen, ist schmerzhaft und herzzerreissend.» Dabei lässt er offen, wie weitreichend dieser ‘Schritt’ sein wird und wie viele Monate er noch dauern wird. Wenn er doch nur einmal seine Aussagen mit denen seiner Militärexperten im Kriegskabinett absprechen würde!


Ist das ein makabrer Scherz oder eine verschleierte Mitteilung? Die Familie von Liri Albag, die am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt wurde, erhielt heute einen Blumenkranz, wie man ihn bei Beisetzungen auf Gräber legt. Am Kranz befestigt war ein Zettel mit den Worten: «Möge ihr Andenken ein Segen sein, wir alle wissen, dass das Land wichtiger ist.» Das letzte Lebenszeichen von ihr hatte die Familie durch freigelassene Geiseln erhalten. Sie hatten berichtet, dass Liri, so wie sie auch, während der gesamten Geiselhaft bei verschiedenen Familien kochen und putzen mussten. Aber das ist nun auch schon wieder gut vier Monate her. Liris Schwester Roni ist überzeugt, dass sie noch lebt: «Wie können Menschen es wagen, unserer Familie einen Trauerkranz zu schicken, wo wir doch wissen, dass sie lebt. Ich habe keine Worte, es ist entsetzlich und macht mich krank.» Ersten Untersuchungsergebnissen zu Folge, so der Shin Bet, steckt der Iran hinter diesem makabren Blumengruss. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.
Ein britisches Royal Navy Schiff wird Anfang Mai Lebensmittel und Hilfsgüter über den Seeweg nach Gaza bringen. Das verlautbarte das britische Aussenministerium gemeinsam mit dem Verteidigungsministerium. «Die Lage in Gaza ist katastrophal und die Aussicht auf eine Hungersnot ist real. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass die Menschen, die sie so dringend benötigen, Hilfe erhalten.» Aussenminister David Cameron hat ausserdem eine Summe von US$ 12.23 Millionen zur Verfügung gestellt, um Hilfsgüter und logistisches Fachwissen für die Errichtung des Seekorridors zwischen Zypern und Gaza zu unterstützen. Die Lieferungen sollen nach einer Prüfung in Zypern entweder über den neuen von den USA gebauten Pier vor Gaza oder via Ashdod erfolgen.
Kategorien:Israel
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