Krieg in Israel – Tag 208

23. Nissan 5784

US-Aussenminister Antony Blinken hat bei seinem Treffen mit dem israelischen Präsidenten Isaac Herzog festgehalten, dass allein die Hamas verantwortlich ist, dass bisher keine Vereinbarung zur Freilassung der Geiseln gegeben hat. Er gibt ihnen auch die Schuld an der Versorgungslage der Zivilbevölkerung in Gaza. «Wir müssen uns auch auf die Menschen in Gaza konzentrieren, die in diesem von der Hamas verursachten Krieg leiden, und uns deshalb darauf konzentrieren, ihnen die Hilfe zukommen zu lassen, die sie brauchen – Lebensmittel, Medikamente, Wasser, Unterkünfte.» Im Anschluss an das Treffen mit Präs.

Herzog traf sich Blinken mit den Familien von US-amerikanischen Geiseln und sprach mit Familienangehörigen, die vor seinem Hotel für ein Abkommen demonstrierten. Im Anschluss fuhr er weiter nach Jerusalem, um sich mit Netanyahu zu treffen.

Dort ist zunächst ein ‘privates Treffen’ geplant, dem sich eine breitere Gesprächsrunde anschliesst. Netanyahu liess Blinken wissen, dass «die Bodenoffensive gegen Rafah von nichts abhängt und auf jeden Fall stattfinden wird.»

Sami Abu Zuhri, hochrangiger Hamas-Terrorist, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Hamas noch dabei sei, das aktuelle Angebot zu prüfen. Mit der Antwort kann vielleicht im Laufe des Tages gerechnet werden. Die heute von US-Aussenminister Blinken getätigten Aussagen bezeichnete er als einen Versuch, Druck auf die Hamas auszuüben und Israel von jeder Schuld freizusprechen. Gleichzeitig sickerte durch, dass es ohne die Zusage, den Krieg sofort zu beenden, kein neues Abkommen gibt. Beide Seiten weichen also keinen Millimeter von ihren Forderungen ab, es schaut schlecht aus für ein Übereinkommen.

Seit der nahezu völligen Zerstörung durch die Hamas-Terroristen am 7. Oktober war der Personenübergang Erez im Norden des Gazastreifens geschlossen. Gestern wurde er erstmals als Warenübergang wieder geöffnet, um die Durchfahrt von Hilfslieferungen zu ermöglichen. Israel kam damit den Aufforderungen von internationalen Hilfsorganisationen nach, weitere Übergänge zu öffnen. Der Übergang Erez soll vor allem die nördlichen Teile des Gazastreifens besser für Hilfslieferungen erreichbar machen

Extremistische israelische Siedler haben heute am Morgen zwei aus Jordanien kommende LKWs mit Lebensmitteln für den Gazastreifen angegriffen. Einer der LKWs sollte über Kerem Shalom, der zweite über den wiedereröffneten Übergang Erez im Norden des Gazastreifens hineinfahren. Die Lieferungen stammten aus Spenden der jordanischen Haschemitischen Wohltätigkeitsorganisation, dem UN-Welternährungsprogramm, sowie britischen, südafrikanischen und amerikanischen Wohltätigkeitsorganisationen. In der Nacht hatten Aktivisten von Tzav 9, die strikt gegen die Lieferungen nach Gaza sind, versucht den Grenzübergang Allenby-Bridge zu blockieren. Das Gebiet um die Grenze wurde zur militärischen Sperrzone erklärt. Die Siedler warfen Teile der Lieferung auf den Boden und machten sie damit unbrauchbar. Jordanien warf Israel vor, seiner Verpflichtung, Lieferungen nach Gaza zuzulassen, nicht nachzukommen. Der Konvoi konnte wenig später seinen Weg fortsetzen. Die Siedler müssen für ihr hirnloses und kriminelles Tun angezeigt und drastisch bestraft werden. Solange sie allerdings unter dem Schutz von Smotrich, Ben-Gvir und Strock stehen, können sie tun und lassen, was ihnen passt. Israel ist auf dem besten Weg, sich zu einer Oligarchie mit anarchistischen Zügen zu entwickeln. Mit einer Hampelmann an der Spitze.

© Amos Biderman, screenshot Facebook

Die rechtsnationale Ministerin Orit Strock, Religious Zionism, schliesst sich der ablehnenden Haltung ihres Partei-Vorsitzenden Bezalel Smotrich an. «Das schreckliche Geiselabkommen, das in Ägypten ausgehandelt wird, stellt das Recht der Regierung in Frage, an der Macht zu bleiben.» und sie fährt fort: «Es gibt Soldaten, die alles hinter sich gelassen haben und losgezogen sind, um für Ziele zu kämpfen, die die Regierung definiert hat, und wir werfen sie in den Müll, um 22 Menschen oder 33 oder ich weiss nicht wie viele zu retten.» Ihre menschenverachtende, zynische Äusserung zeigt, dass auch sie absolut ungeeignet ist, ein politisches Amt wahrzunehmen. Damit ist sie nicht die einzige in der ‘Nicht-Regierung’.

Während die Operationen der IDF im Netzarim Korridor unvermindert weitergehen, nahm die IAF zahlreiche Ziele, die von der Hamas-Terror-Organisation und dem Palästinensisch-Islamischen-Djihad genutzt werden, unter Beschuss. Dabei wurden Waffendepots, Gebäude, Raketen- und Mörserabschussrampen zerstört. Einige von ihnen waren gegen Operationsgebiete der IDF in Gaza gerichtet. 

Die Hisbollah hat behauptet, ‘einen ausgetüftelten Hinterhalt gegen ein Militärfahrzeug der IDF’ in Ramot Naftali, wenige Kilometer östlich der libanesischen Grenze gelegt zu haben. Tatsächlich wurde zum fraglichen Zeitpunkt nur ein Fahrzeug beschädigt: Ein Hühnertransporter. Der Transporter wurde direkt von einer Panzer-Abwehr-Rakete getroffen, die beiden Insassen befanden sich gottseidank zum Zeitpunkt des Treffers nicht im Fahrzeug und wurden beide nur leicht verletzt. Die Hühner haben den Angriff überstanden.

Zwei Häuser in Shtula, einem Moschaw in unmittelbarer Nähe der libanesischen Grenze, wurden heute von Panzer-Abwehr-Raketen getroffen. An den Häusern entstand schwerer Schaden. Die Bewohner der Häuser wurden schon vor Monaten evakuiert, so dass keine Personen zu Schaden kamen.

Die Schrift ist an der Wand, nur der, den sie betrifft, der liest sie nicht. 58% der wahlberechtigten Israelis sind der Ansicht, dass Netanyahu sofort zurücktreten muss. Unter ihnen sind auch 28%, die bei den letzten Wahlen noch für den Likud gestimmt hatten. Aber Netanyahu ist nicht der einzige, der in den Augen der Israelis versagt hat. 48% sind der Ansicht, dass VM Yoav Gallant zurücktreten soll, 50% verlangen das von Generalstabschef Herzi Halevi und 56 % von Shin-Bet-Chef Ronen Bar.

37% sind der Ansicht, dass Benny Gantz und Gadi Eisenkot das Kriegskabinett verlassen müssen.

Wären heute Wahlen, so käme die heutige Regierung auf 50 Sitze in der Knesset, die heutige Opposition auf 65. Die fehlenden 5 Sitze würde die Hadash-Ta’al Partei erreichen, die traditionell in keiner Koalition sitzt.

Der als der ‘Grüne Prinz’ bekanntgewordene Sohn von Sheikh Hassa Yousef, einem der Mitgründer der Hamas-Terror-Organisation, Mosab Hassan Yousef, wurde nach seiner Haft in einem israelischen Gefängnis vom Shin Bet angeworben. Von 1997 bis 2007 war er Agent des israelischen Inlandsgeheimdienstes. In dieser Funktion konnte er aufgrund seiner guten Beziehungen zur Hamas zahlreiche Attentate verhindern. 1999 trat er zum Christentum über und floh 2007 in die USA. Heute ist er ein angesehener Islamkritiker. Gestern war er bei ‘Piers Morgan Uncensored’ zu Gast, einer Talkshow, die via YouTube verbreitet wird. Er rechtfertigte dabei Israels Entscheidung, die noch in Rafah stationierten Hamas Bataillone mit einer Bodenoffensive zu neutralisieren. «Wenn wir die Hamas nicht auslöschen und ihre Macht brechen, werden wir viele weitere Kriege haben. Dies ist nicht der erste Versuch der Hamas, Geiseln zu nehmen und Zivilisten als menschliche Schutzschilde einzusetzen … Wir müssen der Hamas keine weitere Gelegenheit geben, die Region zu destabilisieren und einen grossen Krieg wie diesen anzuzetteln» und rechtfertigte die israelische Antwort auf die Massaker und alle bisherigen Terroranschläge: «Israel kämpft um seine Existenz … wenn es Menschen da draussen gibt, die wollen, dass man aufhört zu existieren, dann drängen sie einen in die Enge und man hat keine andere Wahl, als zu kämpfen.» Gleichzeitig verurteilte er die Massaker vom 7. Oktober als Völkermord, während er beim israelischen Vorgehen in Gaza keinen Völkermord sieht.

Die gute Nachricht: Beim Nova Musikfestival in Re’im wurden am 7. Oktober 364 Menschen grausam vergewaltigt, verstümmelt und ermordet, Tausende verletzt oder nach Gaza verschleppt. Nun haben die Organisatoren bekanntgegeben, dass am 27. Juni ein Erinnerungskonzert im Yarkon Park in Tel Aviv stattfinden wird. Die Veranstaltung wird unter dem Motto «We will dance again» stehen.

Zahlreiche bekannte und beliebte israelische Künstler haben sich verpflichtet, gratis aufzutreten, um ihre Solidarität zu zeigen.

Der gesamte Erlös aus dem Verkauf der Eintrittskarten wird in die Rehabilitation von Überlebenden und betroffenen Familien fliessen, die leider nicht immer aus staatlichen Quellen gedeckt werden. Das betrifft vor allem den Bereich der psychologischen Betreuung, für den neben den fehlenden Finanzmitteln auch zu wenige qualifizierte Therapeuten zur Verfügung stehen.

Konkret sind folgende Aktivitäten geplant: Gemeindetage für Tausende von Überlebenden, einmal pro Woche, mit dem Ziel, Behandlungen und Workshops anzubieten; die Einrichtung von ‘Beit Nova’, einer physischen Gedenkstätte für die Opfer, in der Gedenkabende, Erinnerungen und Geburtstage der Opfer Raum finden sollen; die Initiierung eines Mentorenprogramms für die Rehabilitation von Überlebenden; die Schaffung von Projekten zur Information über das Massaker auf dem Nova-Festival; die Entwicklung virtueller Gedenkseiten; und vieles mehr.

Omri Sassi, einer der DJs, die beim Nova Festival aufgelegt haben, fordert Betroffene auf, sich zu melden, falls sie Probleme haben, ihr Leben an ihre neue Realität anzupassen.

Karten und weitere Informationen gibt es auf der Webseite: https://www.to-mix.co.il/nova-healing-concert



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