Krieg in Israel – Tag 215

30. Nissan 5784

Die gute Nachricht zuerst: Nur wenige Tage nach dem tödlichen Angriff durch die palästinensische Hamas-Terror-Organisation auf den Warenübergang Kerem Shalom hat Israel diesen wieder für Lieferungen in den Gazastreifen geöffnet. Bei dem Angriff waren vier Soldaten getötet und weitere zehn teils schwer verletzt worden. Seit dem Angriff blieb Kerem Shalom aus Sicherheitsgründen geschlossen. US-Präsident Joe Biden hatte bei einem Telefonat mit Netanyahu auf die möglichst rasche Wiedereröffnung trotz erneutem möglichen Beschuss gedrängt. Geschlossen bleibt aber weiterhin der israelisch-ägyptische Grenzübergang Rafah.

Heute mussten die Polizei und Grenzpolizei den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Chef Inspektor Yitav Lev Halevi, s’’l, erlag seinen schweren Verletzungen, die er bei einem Kampf in Tulkarem in Samaria erlitten hatte.

Die USA haben eine für Israel bestimmte Lieferung mit Bomben zurückgehalten. Insgesamt handelt es sich um 1.800 2.000-Pfund und 1.700 500-Pfund Bomben. Als Grund wird angegeben, man habe Bedenken, dass besonders die 2.000-Pfund Bomben in Rafah eingesetzt werden könnten, wie zuvor in anderen Teilen des Gazastreifens. Die Lieferung stammt noch aus einer Vereinbarung, die bereits vor Jahren getroffen wurde und ändert nichts an den aktuell bewilligten US$ 827 Millionen für Waffen und Ausrüstungen.

Ausgerechnet Russland, das sich im Krieg gegen die Ukraine an kein internationales Recht hält und den Krieg auch völlig grundlos begann, warnt jetzt Israel. Maria Zakharova, Sprecherin der russischen Regierung, erklärt, die Operation gegen Gaza sei ein ‘weiterer destabilisierender Faktor für die Region’. Immerhin halten sich derzeit mehr als eine Millionen Menschen in dem völlig überfüllten Gebiet auf. Deshalb fordert Russland von Israel «die strikte Einhaltung des humanitären Völkerrechts.»

In der Umgebung des Grenzübergangs von Rafah führt die IDF intensive Untersuchungen durch. Es gab sowohl entsprechende Zeichen und auch Hinweise durch den Shin Bet, dass die Hamas den Grenzübergang bisher für illegale Grenzübertritte zu Terrorzwecken genutzt hat.

Der Sprecher des Pentagons gab am Mittag bekannt, dass die Konstruktionsarbeiten am temporären Landungssteg beendet sind und darauf warten an ihren endgültigen Standort vor der Küste von Gaza verschoben zu werden. Allerdings verhindern bisher starke Winde und hoher Wellengang den Verschub. Die Verankerung vor Ort wird von der IDF vorgenommen, damit keine US-amerikanischen Soldaten den Gazastreifen betreten müssen.

Die IDF gab bekannt, dass eine kleine Aufklärungsdrohne des Typs ‘Sky Rider’ in Kfar Saba ohne ersichtlichen Grund abgestürzt ist. Sie war zu Aufklärungsflügen über dem Gebiet von Judäa und Samaria unterwegs. Die vom israelischen Rüstungsunternehmen Elbit hergestellte Drohne wird von der Artillerie eingesetzt und liefert Live-Bilder an die am Boden operierenden Soldaten.

Der sephardische Oberrabbiner Yitzhak Yosef wurde auserwählt, in diesem Jahr den hoch angesehenen Israel-Preis im Sektor ‘Torah Literatur’ zu erhalten. Unmittelbar nach der Bekanntgabe lehnte der Oberrabbiner die Annahme mit der Begründung ab, dass dieses Jahr nicht das Jahr für Feierlichkeiten sei. Dem OGH liegen einige Anträge vor, die fordern, dass Erziehungsminister Yoav Kisch den Preis nicht an den Oberrabbiner verleihen darf.

Die Anträge beziehen sich auf Äusserungen, die Yosef in den vergangenen Wochen und Monaten getätigt hatte. So hatte er damit gedroht, die haredische Gemeinschaft werde Israel verlassen, wenn die Einberufungspflicht für haredische Wehrpflichtige kommen werde. Nach dem Angriff durch den Iran hatte er weiterhin behauptet, die gelungene Abwehr sei nicht auf das israelische Abwehrsystem zurückzuführen, sondern auf die Gebete und Studien in den haredischen Yeshiwot.

Die Petitionen wurden von drei Richtern des OGH abgewiesen. «Es gibt keinen Raum für Petitionen, die die Entscheidung des Bildungsministers angreifen, den Israel-Preis an irgendeinen Kandidaten zu vergeben, wie hässlich und herabsetzend seine Kommentare auch sein mögen.»

Mia Shem, die fast 50 Tage im Gazastreifen als Geisel festgehalten wurde, zeigte sich bei einem Podiumsgespräch von Ynet-News wütend und enttäuscht. Seit ihrer Freilassung habe sich kein Regierungsvertreter bei ihr gemeldet. «Niemand hat mich kontaktiert, niemand wollte sich mit mir zusammensetzen, zuhören, … Ich bin jetzt auch nicht daran interessiert, sie zu treffen, sondern nur daran, dass die Geiseln zurückkehren.» Wenn sie heute in den Nachrichten hört und liest, dass es ein neues Abkommen gibt und es dann kurz darauf doch wieder abgewiesen wird, und vermutet, dass auch die noch lebenden Geiseln davon hören, kann sie sich kann sich gut vorstellen, was dann in deren Köpfen vorgeht. Mias Mutter, Keren Schem, doppelt nach: «Kein Mitglied der Koalition hat Kontakt aufgenommen, weder als sie in Gefangenschaft war, noch als sie hier war … Die Tatsache, dass ich mich mehrmals mit Präsident Macron und anderen globalen politischen Persönlichkeiten getroffen habe, aber mit niemandem von hier, ist ein bisschen seltsam. Ich glaube wirklich, dass es niemanden gibt, der nicht will, dass sie zurückkehren, aber vielleicht bin ich naiv.» Oppositionspolitiker fanden den Weg zu ihr sehr wohl!

Lior Rudaeff, 61, s’’l, wurde, wie gestern durch neu gesichtete Videoaufnahmen der IDF zeigen, am 7. Oktober während des Massakers im Kibbutz Nir Yitzchak ermordet. Seine sterblichen Überreste werden in Gaza zurückgehalten. Bisher hatte man angenommen, er sei von den Hamas-Schlächtern nach Gaza verschleppt worden. Das berichtete der Armee Radiosender. Ein Ausschuss vom Shaare-Zedek-Spital tritt jedes Mal zusammen, wenn neues Bildmaterial gefunden wird. Bisher mussten sie den Tod von 38 Menschen bekanntgeben, die zunächst als verschleppt galten oder in Gaza ermordet wurden.

IDF-Sprecher Daniel Hagari zeichnet ein düsteres Bild für den ‘Tag danach’. Die IDF habe der Regierung einen Plan vorgelegt, dass der Kampf in Gaza wahrscheinlich ein Jahr dauern wird. «Gaza ist wahrscheinlich einer der schwierigsten Kampfplätze der Welt. Überbevölkert mit einem unüberschaubaren System von Tunnelanlagen. (…) Wir werden die Öffentlichkeit nicht täuschen. Selbst nachdem wir uns um Rafah gekümmert haben, wird es Terrorismus geben. Hamas wird nach Norden ziehen und sich neu formieren. Wir werden dorthin zurückkehren und operieren, wo auch immer es notwendig ist.»



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