Israel im Krieg – Tag 219

4. Ijar 5784

Heute Abend beginnt um 20 Uhr in Israel der Gedenktag für die gefallenen Soldaten und die Opfer des Terrors. So wie auch derGedenktag für die Opfer der Shoa beginnt er um 18 Uhr mit landesweiten Sirenen, die, so wie auch morgen um 11 Uhr, jeden Verkehr zum Stillstand bringen. Auf Militärfriedhöfen, in Schulen und Gemeindezentren finden morgen während des ganzen Tages Gedenkveranstaltungen ab. An allen Gräbern, die festlich geschmückt sind, ziehen Ehrenwachen auf.

Das Verteidigungsministerium gab bekannt, dass im vergangenen Jahr 766 Soldaten während des Einsatzes starben. 61 Veteranen erlagen ihren Verletzungen, die sie im Dienst erlitten hatten. In den Zahlen sind Angehörige von IDF, Shin Bet, Polizei und zivilen Sicherheitskräften enthalten.

Seit 1860 beklagt Israel 25.040 Opfer dieser Gruppe.

Nach Angaben der Nationalen Versicherung mussten sie 834 Personen in die Liste der zivilen Opfer von Terroranschlägen aufnehmen, die damit bei 1.600 Ermordeten steht.

Die neuen Zahlen zeigen, dass das vergangene Jahr das Jahr war, in dem die meisten Todesopfer seit Bestehen des Staates zu beklagen waren.

Um 20 Uhr am Montagabend beginnen in direktem Anschluss die Feierlichkeiten zum 76. Unabhängigkeitstag Israels.

In einem weiteren Versuch, die Bodenoffensive gegen Rafah zu verhindern, bietet die US-amerikanische Regierung Israel jetzt bisher nicht bekannt gegebene Unterlagen des Geheimdienstes an. Sie sollen der IDF helfen, die bisher nicht entdeckten Aufenthaltsorte der palästinensischen Hamas Terror-Führer zu lokalisieren und bisher noch nicht entdeckte Tunnelanlagen aufzuspüren. Das berichtet heute die Washington Post. Des Weiteren sagen die USA zu, Tausende von Zelten zur Verfügung zu stellen und bei der Verteilung der Hilfslieferungen von Wasser, Medikamenten und Lebensmitteln behilflich zu sein. Damit soll das Leben der aus Rafah evakuierten Zivilisten erleichtert werden.

Während die USA Israel immer wieder aufgefordert hatten, sich bei der Invasion von Rafah zurückzuhalten, kamen aus Jerusalem und Tel Aviv andere Zeichen. Besonders kritisiert wird, dass von Israel keine Pläne vorgelegt werden, wie eine Rücksiedlung der aus dem Norden evakuierten Zivilisten erfolgen soll. Man könne sie nicht «in bombardierte und zerstörte Teile des Gazastreifens umsiedeln. Israel muss für eine grundlegende Infrastruktur sorgen – einschliesslich Unterkünften, Lebensmitteln, Wasser, Medikamente und anderen lebensnotwendigen Dingen, damit die Evakuierten unter lebenswerten Bedingungen leben können und nicht einfach einer weiteren Hungersnot oder Krankheit ausgesetzt sind.» Ein ranghoher, anonymer Regierungsbeamter sagte: «Wir sind sehr besorgt über die Art und Weise, wie Israel diese Kampagne geführt hat, und das könnte sich in Rafah noch zuspitzen.»

US-Präsident Joe Biden betonte bei einer Benefizveranstaltung in Seattle, dass ein Waffenstillstand in Gaza sofort möglich wäre, wenn die Hamas die noch in ihren Händen befindlichen Geiseln bedingungslos freiliessen. Bei drei ähnlichen Veranstaltungen, die der Finanzierung seines Wahlkampfes dienen, hatte er vermieden, das Thema anzuschneiden. Ein zweiter Punkt, den er nicht ansprach, war, dass es von grundlegender Bedeutung ist, die beiden Hamas-Anführer der Hamas, Yahya Sinwar und Mohammed Deif, zu neutralisieren oder festzunehmen. Neben den Unterlagen, die die USA Israel zu deren Auffinden zur Verfügung stellen will, müsste man die Zivilbevölkerung von Gaza mit in die Suche einbeziehen. Auch wenn es nur ein Strohhalm ist, muss man doch jede Chance nutzen, die beiden zu finden, auch wenn die Chance noch so klein ist.

Ein weiteres Feldspital mit 42 Betten wurde in Deir al-Bala im zentralen Gazastreifen eröffnet. 150 Mitarbeiter kümmern sich um die stationären und ambulanten Patienten. Errichtet und ausgestattet wurde es, wie bereits sieben andere, von COGAT. Es ist das zweite Spital, das vom ‘International Medical Corps’ in Gaza geführt wird.

Der Generalstabschef der IDF Herzi Halevi beschuldigte gestern bei Sicherheitsberatungen Netanyahu, dass er bisher keine Pläne ausgearbeitet hätte, wer nach dem Ende des Krieges den Gazastreifen regieren soll. «Wir operieren jetzt wieder in Jabaliya. Solange es keinen diplomatischen Prozess gibt, um eine Regierung im Gazastreifen aufzubauen, die nicht der Hamas angehört, werden wir immer wieder Kampagnen an anderen Orten starten müssen, um die Infrastruktur der Hamas zu zerstören. Es wird eine Sisyphusarbeit sein.»

Nicht namentlich genannte Kabinettsmitglieder haben Netanyahu eindringlich gewarnt, dass sein Verhalten und der mangelnde Entscheidungswille in den letzten Wochen ‘zu viele Leben gekostet hat und viele weitere fordern wird’.

Auch mit dem Chef des Shin Bet, Ronen Bar, ist Netanyahu über Fragen der strategischen Planung in Streit geraten. Als Bar ihm sagte, er habe sich mit VM Yoav Galant zu Gesprächen getroffen, die ‘alle Fronten und Überlegungen berücksichtigen’, unterbrach Netanyahu: «Was?! Du führst strategische Beratungen mit dem Verteidigungsminister?» Bar soll darauf trocken geantwortet haben: «Was ist das für eine Frage? Natürlich!» Wieder einmal ein deutlicher Beweis, dass die mentale Fähigkeit der Regierungsführung bei Netanyahu sich dem Nullpunkt nähert. VM Gallant, der bei dem Gespräch ebenfalls anwesend war, reagierte auf die Aussage Netanyahus: «Jedes Mal, wenn du strategische Beratungen abhältst, kommen wir vorbereitet. Es ist meine Pflicht, Sitzungen abzuhalten, um vorbereitet hierher zu kommen. Das Problem ist, dass du diese Beratungen nie abhältst.» Quo vadis Israel?

Für die Region um Jabaliya wurde ein neuer Evakuierungsbefehl ausgegeben, nachdem die Kämpfe zwischen der IDF und den palästinensischen Hamas-Terroristen erneut heftig aufgeflammt sind. Die IDF geht davon aus, dass sich derzeit noch zwischen 100.000 und 150.000 Zivilisten in dem Gebiet aufhalten. Generalstabschef Herzi Halevi hatte die Wiederaufnahme der Kämpfe in der bereits entmilitarisierten Zone angeordnet, nachdem er gestern Abend Netanyahu vorgeworfen hat, immer noch keinen auch nur ansatzweise durchdachten Plan für den ‘Tag danach’ vorgelegt zu haben.

Eine mit Sprengstoff beladene Drohne aus dem südlichen Libanon traf den Strand bei Rosh HaNikra. Dank der frühen Morgenstunde befanden sich noch keine Menschen am Strand, so dass niemand verletzt wurde. Zuvor war der Raketenalarm entlang der Küste von südlich von Nahariya bis Rosh HaNikra unmittelbar an der libanesischen Grenze ausgelöst worden.

Bei einem Treffer auf ein Haus in Ashkelon wurden drei Personen leicht verletzt und mussten im Barzilai-Spital versorgt werden.

Erneut wurden soeben die Sirenen in Kerem Shalom ausgelöst und signalisieren, dass es wieder zu einem Raketenbeschuss auf den Warenübergang kommt.

Die gute Nachricht: Trotz direkten Angriffen, Mobbing und Versuchen, sie vom Eurovision Song Contest auszuschliessen, erreichte Eden Golan, unsere Teilnehmerin, mit ihrem Lied ‘Hurricane’ einen respektablen 5. Platz.

Die Grafik zeigt, wie gross der Unterschied zwischen ‘Public-’ und ‘Jury-Voting’ war. Vom Publikum erhielt sie 15x die höchste Punktezahl 12, 7x 10, 3x 8, 3 x 7, 1x 6, 3 x 5, 2 x 3 Punkte und 1x 1Punkt. Die Jury zeigte sich hingegen viel kleinlicher: 3x 8, 2 x 5, 1 x 4, 4 x 3, 1x 2.  Bei ihrem Auftritt im Finale übertönte die ‘Buh-Rufe’ teilweise den Gesang. Dass Eden trotzdem äusserlich ungerührt weitersang, ist bewundernswert.

Eden ist bereits wieder in Israel gelandet und sagte dort zu den wartenden Reportern, sie sei stolz, dass sie die Ehre hatte, das Land in Malmö zu vertreten. «Ich habe das Land vertreten und war unsere Stimme für alle, die jetzt nach Hause gebracht werden müssen.»

Sie bedankte sich auch bei den Sicherheitskräften, die zu ihrem Schutz während des gesamten Aufenthaltes in Schweden verantwortlich waren.

Herzlichen Glückwunsch Eden!



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