Krieg in Israel – Tag 224

9. Ijar 5794

Wieder musste die IDF den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Sgt. Maj. Ran Yavetz, 39, s’’l, verlor sein Leben bei einem tragischen Unfall. Auf dem Militärgelände auf dem sich die «Schwarzer Pfeil» – Gedenkstätte befindet, kam es zur Explosion von israelischer Munition. Vier weitere Soldaten wurden bei dem Vorfall verletzt. Das Gebiet befindet sich nur 900 m entfernt von der Grenze zu Gaza. Bei Kämpfen im nördlichen Gaza wurde heute Vormittag ein Soldat schwer verwundet.

IDF-Sprecher Daniel Hagari musste gestern bekanntgeben, dass die sterblichen Überreste von zwei thailändischen Opfern der Hamas-Schlächter in den Gazastreifen verschleppt wurden und dort festgehalten werden. Sonthaya Oakkharasr und Sudthisak Rinthalak, s’’l, gehörten zur Gruppe der Landarbeiter, die im Kibbutz Be’eri beschäftigt waren. 39 thailändische Bürger wurden grausam ermordet, 31 nach Gaza verschleppt. Das thailändische Aussenministerium gab den Tod der beiden, die bisher als verschleppt galten, bekannt. Sechs weitere thailändische Bürger befinden sich derzeit noch in Geiselhaft.

Erstmals hat der UN-Sicherheitsrat sich in einer Sitzung ausschliesslich mit den noch in Gaza von Terroristen festgehaltenen Geiseln beschäftigt. Dr. Shoshan Haran, wurde gemeinsam mit ihrer Tochter und zwei Enkelkindern von den palästinensischen Hamas-Schlächtern in den Gazastreifen verschleppt. Auf Einladung der US-amerikanischen Botschafterin zur UNO, Linda Thomas-Greenfield, erzählte sie gestern im Sicherheitsrat von ihren Erfahrungen während der 50 Tage andauernden Geiselhaft. Im Mittelpunkt der Sitzung stand die »Verurteilung der Geiselnahme in Israel am 7. Oktober als psychologisches Instrument des Terrorismus.» In drei Resolutionen hat die UNO bisher die bedingungslose Freilassung der Geiseln gefordert. «Dennoch haben Hamas und andere Terrorgruppen nicht nachgegeben. Deshalb fordern wir heute erneut die Freilassung aller verbliebenen Geiseln durch die Hamas. Um es einfach auszudrücken: Es würde auf allen Seiten Leben retten», betonte Thomas-Greenfield auch mit Blick auf die hohe Zahl der Opfer auf beiden Seiten.

Der israelische Botschafter zur UN, Gilad Erdan, machte deutlich: «132 Geiseln, die am 7. Oktober verschleppt wurden, werden immer noch im Gazastreifen festgehalten. Dies ist das erste Treffen eines UN-Gremiums, das sich mit ihrem Leiden und den Möglichkeiten ihrer Freilassung befasst.» Dabei, so fuhr er fort, sind die Geiseln das dringendste und kritischste humanitäre Problem, mit dem sich der Rat beschäftigen muss. «Hat der Rat die Hamas verurteilt und verlangt, dass sie dem Roten Kreuz erlaubt, nach den Geiseln zu sehen? Haben Sie Sanktionen gegen die Hamas-Führung verhängt, bis sie die Geiseln freilässt? Was wurde unternommen?» Die Antwort auf alle diese Fragen lautet: Nein, nichts, die Verurteilungen gingen bisher allesamt, wie immer bei der UNO, gegen Israel. Die Tatsache, dass die Hamas den Krieg mit ihrem noch nie dagewesenen brutalen Massaker und dem Bruch des Waffenstillstandes provoziert hat, wird von der UNO wissentlich und willentlich verschwiegen.

Ein Polizei-Offizier, Sgt. Maj. Ramo Huzeil, der sich auf dem Weg von Grossbritannien nach Israel befand, wurde bei der Sicherheitskontrolle der ELAL beim Zwischenstopp in Paris gedemütigt. Huzeil war am 7. Oktober als Sicherheitskraft beim Nova Musik Festival in Re’im zugeteilt. Als er zu Beginn der Morgenschicht um 06:22 dort eintraf, dachte er noch an eine normale Schicht, bevor um 06:30 das grausame Massaker begann. Er überlegte nicht lange, organisierte ein Fluchtfahrzeug, geriet selbst unter Feuer. Trotzdem gelang es ihm in zahllosen Runden über das gesamte Areal, Hunderte Menschen zu retten, sie in Sicherheit zu bringen, ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben. Seine Geschichte ging um die ganze Welt.

Vor zwei Wochen wurde er gebeten, in London auf das Schicksal der Geiseln aufmerksam zu machen und Unterstützung für die israelischen Bemühungen zur Freilassung zu erhalten. Die ihm angebotene Rolle übernahm er mit Stolz. In Grossbritannien traf er mit Vertretern von jüdischen Gemeinden, Parlamentariern und Vertretern der Hochfinanz zusammen.

Beim Sicherheitscheck in Paris fühlte er sich nach eigenen Angaben «wie ein Mensch zweiter Klasse. Als wäre ich ein Krimineller und würde keinerlei Respekt verdienen.» Obwohl sein Beruf im offiziellen System, also auch bei der ELAL hinterlegt ist, legte er der Mitarbeiterin seine ID vor.  Sie hätte ihn anschliessend einem ‘peinlichen Verhör’ unterzogen, hätte sich aber selbst geweigert, sich ihm gegenüber auszuweisen. «Tatsache ist, dass die beiden Mädchen [eine freigelassene Geisel und eine Überlebende des Festivals], die bei mir waren, nicht die gleiche Erfahrung gemacht haben und sehr schnell ins Flugzeug entlassen wurden. Nur mir wurden ekelhafte Fragen gestellt. Ich bin Polizist und sie hat mich intensiver verhört als einen normalen Bürger. Es war eine demütigende und unnötige Erfahrung.» Die ELAL schaffte noch nicht einmal zu einer informellen Entschuldigung! Ob die ‘Sonderbehandlung’ damit zusammenhängt, dass er Beduine ist? Ist die ELAL eine rassistische Fluglinie?

Die ersten LKWs, die humanitäre Hilfsgüter nach Gaza bringen, sind am neuen, temporären Landungssteg in Gaza angekommen. Bis zu 150 Fahrzeuge, die zuvor in Larnaca von Israelis kontrolliert und abgefertigt wurden, können pro Tag auf diesem Weg die notwendigen Hilfsgüter liefern. Die USA und an den Hilfslieferungen beteiligte Organisationen halten fest, dass dieser neue Zugang kein Ersatz für die bisher über Land erfolgten Lieferungen ist, sondern eine zusätzliche Möglichkeit darstellt. Die heutige Lieferung kam aus Grossbritannien.

Jüdische Extremisten, ich bin geneigt, sie als Terroristen zu bezeichnen, haben in den Nachtstunden erneut einen LKW angegriffen. Der Vorfall fand in der Nähe von Ramallah statt. Die radikalen Siedler hatten irrtümlich angenommen, der LKW transportiere Hilfsgüter für Gaza. Sie griffen den Fahrer an und setzten das Fahrzeug in Brand. Mitglieder der IDF, die dem Fahrer zu Hilfe kommen wollten, wurden ebenfalls angegriffen, drei von ihnen wurden verletzt. Die Soldaten mussten zahlreiche neugierige Zuschauer, zumeist ebenfalls radikale Siedler, vom Ort des Geschehens fernhalten. Diese reagierten, wie von ihnen kaum anders zu erwarten, ebenfalls mit tätlichen Aggressionen gegen die Soldaten.

Zu einem zweiten Vorfall kam es in der Nähe von Nablus. Dort bewarfen radikale Siedler palästinensische Fahrzeuge, erkennbar an den blauen Kennzeichen. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein, ein Soldat wurde von einem palästinensischen Fahrzeug angefahren und trug leichte Verletzungen davon. Hier geht die IDF davon aus, dass der Fahrer den Unfall unbeabsichtigt verursachte, als er versuchte, sich selbst in Sicherheit zu bringen.

Es ist mit Sicherheit der radikalen Einstellung des rechtsextrem-nationalistischen Ministers Ben-Gvir zu verdanken, dass die radikalen Siedler ihr kriminelles und gefährliches Unwesen weitgehend von der Polizei verschont treiben können. Er lehnt jede Hilfe für Gaza radikal ab. Wenn er doch nur bald aus der Regierung verschwindet!

Einige Drohnen wurden heute Vormittag erneut von der Hisbollah in Richtung Israel abgeschossen. Die Sirenen wurden in den Orten des westlichen Galil ausgelöst. Zumindest eine Drohne konnte über dem Meer abgefangen werden, eine stürzte in der Nähe von Ga’aton auf freiem Feld ab. Auch in Nahariya, sechs Meilen südlich der libanesischen Grenze wurde Alarm ausgelöst. Die Drohne wurde von der IDF abgefangen.

Am frühen Nachmittag kam es wiederum zu heftigem Beschuss aus dem südlichen Libanon. Insgesamt wurden 75 (!) Raketen abgeschossen. Diesmal wurde der Alarm in den Orten in der Nähe des Golan und nördlich von Tiberias ausgelöst.  Zwei Personen wurden durch herabstürzende Schrapnells leicht verletzt.  

Der Kampf in Jabaliya, bei dem in den letzten Tagen mehr als 60 Terroristen verschiedener Gruppen neutralisiert und mehr als weitere 20 gefangen genommen wurden, ist nach Angaben der IDF der bisher erbittertste des gesamten Krieges. Der Grund liegt darin, dass die palästinensischen Terroristen der Hamas immer wieder zahlreiche von Panzer-Abwehr-Raketen auf israelische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge schiessen. Die IDF schätzt, dass sich im gesamten Gebiet wieder einige Hundert Terroristen aufhalten. Die Kämpfe verlaufen teilweise mit Spezialeinheiten im Tunnelsystem unter dem Lager. Die Gassen in Jabaliya sind eng und verwinkelt, was den Einsatz von grösseren Fahrzeugen und Panzern erschwert. Die Angriffe der Hamas kamen teils aus bewohnten Häusern, die mittlerweile weitgehend evakuiert wurden.



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