27. Ijjar 5784
Die libanesische Nachrichtenagentur al-Akhbar berichtet, dass eine israelische Verhandlungs-Delegation in den kommenden Stunden in Kairo eintreffen wird, um den israelischen Standpunkt zum neuesten, von US-Präsident Joe Biden vorgelegten Plan zu präsentieren. Angesichts des immer stärker werdenden Drucks der USA auf Israel, so die Zeitung, könne die Vereinbarung bereits Anfang der kommenden Woche umgesetzt werden. Jedoch wird in Kairo befürchtet, dass Israel die Waffenruhe in dem Moment brechen wird ‘nachdem es einige der Geiseln erhalten hat’.
Das Brechen einer Waffenruhe gehört zum typischen Verhalten der Hamas. Zuletzt hatten sie mit dem Brechen der seit 2021 haltenden Waffenruhe am 7. Oktober einen der beiden Auslöser für den derzeitigen Krieg geschaffen. Daher verwundert es nicht, dass Jerusalem die gleichen Bedenken gegenüber der palästinensischen Terror-Organisation hat.
Nach den erschreckenden Nachrichten von gestern, denen zufolge erneut fünf Personen Opfer des Massakers, resp. der Geiselhaft wurden, ist es mehr als unwahrscheinlich, dass es noch viele überlebende Geiseln gibt.
Israel geht, wie heute die Times of Israel berichtet, davon aus, dass mehr als ein Drittel der noch in Gaza festgehaltenen Geiseln nicht mehr am Leben sind. Von den ursprünglich mehr als 250 Verschleppten wurden im November 105 Geiseln befreit, eine Soldatin wurde von der IDF aufgefunden und nach Israel gebracht. Drei Geiseln verloren auf tragische Weise ihr Leben, als IDF-Soldaten sie für Terroristen hielt. Zwischen November und Mai konnte die IDF die sterblichen Überreste von 11 Geiseln nach Israel überführen. Im Februar musste die IDF die Familien von 31 Geiseln informieren, dass ihre Liebsten nicht mehr am Leben sind. Gestern wurde bekannt, dass erneut vier Geiseln ermordet wurden. Israel geht jetzt davon aus, dass von den in Gaza verbliebenen 120 Geiseln 43 in absentia für tot erklärt werden mussten. Diese Aussage wird durch Geheimdienste, Zeugen, Videoaufnahmen und forensische Analysen erhärtet. Hinter vorgehaltener Hand geht man jedoch davon aus, dass die Zahl der toten Geiseln noch weitaus höher sein kann.

Die ultra-orthodoxe Shas Partei (Vorsitzender Arje Deri) mit elf Sitzen ist die grösste Einzelpartei nach dem Likud von Netanyahu in der Koalition. Zweitgrösste Einzelpartei ist United Torah Judaism (Vorsitzender Yitzhak Goldknopf) mit sieben Sitzen. Yitzhak Goldknopf traf sich heute mit Vertretern von der Familienangehörigen von Geiseln. Die beiden orthodoxen Parteien haben ihre volle Unterstützung des vorgelegten Vorschlags zum Geisel-Abkommen zugesagt.




Satellitenbilder zeigen das Ausmass der Schäden, die durch das Feuer bei Katzrin entstanden sind. Der Brand war nach einer Salve von Raketen ausgebrochen und konnte erst nach einem Tag von mehreren Feuerwehren gelöscht werden. Weitere Feuer in der Nähe von Kiryat Shmona und Kfar Giladi konnten schnell unter Kontrolle gebracht werden. Bis zu 30 Feuerwehren waren an den verschiedenen Einsatzorten aktiv. Unterstützt wurden sie von zahlreichen Rettungsteams. Die extreme Hitzewelle, die derzeit im Land herrscht, tat das Ihre, um die Löscharbeiten zu erschweren. Bis Mitternacht mussten schon sechs Reservisten und fünf Zivillisten mit Rauchgasvergiftungen ins Spital eingeliefert werden.

Während im Norden des Landes die Feuer wüten, nimmt der oberste Dienstherr der Feuerwehr, der rechtsextrem-nationalistische Ben-Gvir an einer nicht näher definierten Veranstaltung in Jerusalem teil. Kein Wunder, dass Oppositionsführer Yair Lapid wieder einmal Kritik äussern muss: «In der Geschichte des Landes hat es noch nie eine rücksichtslosere Regierung gegeben. Sie kümmert sich einfach nicht. Weder um den Norden, noch um den Süden, noch um die Geiseln.» Vielleicht als Reaktion auf diese berechtigte Rüge von den Oppositionsbänken liess sich Ben-Gvir heute in Kiryat Shmona von Feuerwehrkräften über die Lage in den Brandgebieten unterrichten. Dort forderte er wortgewaltig und grossmäulig wie immer in Richtung Hisbollah: «Sie verbrennen unseren Boden, wir müssen alle Hisbollah Hochburgen verbrennen. Zerstört sie! Krieg!» Das fordert ausgerechnet der Mann, der auf Grund seiner eigenen terroristischen Vorgeschichte vom Dienst in der IDF ausgeschlossen wurde. Der keine Ahnung hat von Politik, von Diplomatie und vom Krieg. Der Mann, der die grösste Fehlbesetzung auf einem Stuhl in der Knesset ist, die es jemals gab.
Ex-PM Naftali Bennett klagte die Regierung an, es an politischer Führung fehlen zu lassen. «Wir müssen den Norden retten. Galiläa geht in Flammen auf. Das Feuer breitet sich aus», verweist er auf die verstärkten Raketen- und Drohnenangriffe der Hisbollah, die im Mai so hoch wie nie zuvor waren. «Schöne und blühende Orte haben sich in Trümmerhaufen verwandelt. Einige Bewohner, die evakuiert wurden, planen bereits ihr Leben anderswo. Dies ist ein schwerwiegender strategischer Vorfall, der kaum noch rückgängig gemacht werden kann.» Deshalb, so Bennett, muss die Regierung dringend einen Kurswechsel vornehmen, wenn der Norden nicht für Israel als verloren gelten muss.
Von einem herabstürzenden Schrapnell einer über Sfad abgefangenen Rakete wurde ein Soldat mittelschwer verwundet. Ein weiteres Schrapnell entfachte einen Brand im Biriya Wald in der Nähe von Sfad. Eine weitere Rakete konnte über dem Meer in der Nähe von Nahariya abgefangen werden. In beiden Vorfällen wurde kein Alarm ausgelöst.


Während der Nachtstunden gelang es der IDF in Zusammenarbeit mit dem Shin Beth und der IAF einen gezielten Angriff auf einen Gebäudekomplex der UNRWA auszuführen. Die palästinensische Terror-Organisation Hamas nutzte einige Räume innerhalb der Abu Alhilu- Schule in Bureij im zentralen Gazastreifen. Von diesem Stützpunkt aus wurden zahlreiche Anschläge gegen israelische Zivilisten in Israel und IDF-Truppen in Gaza geplant und durchgeführt. Für den Einsatz wurde Präzisions-Munition eingesetzt, um Kollateralschäden bei der Zivilbevölkerung zu minimieren. Bei diesem und anderen Einsätzen wurden zahlreiche Waffendepots aufgefunden und Tunneleinstiege zerstört. In einem Fall wurde im Bettkasten eines Kinderbetts in Rafah ein kleines Munitionslager entdeckt.
Ein gestern von der Hamas veröffentlichtes Video zeigte einen Hamas-Terroristen in Zivilkleidern, wie er offensichtlich in einem Kinderzimmer Sprengfallen vorbereitet und im Schrank versteckt. Sollten sich Soldaten dem Räum nähern, würden sie in diese Falle geraten.
Hier der Link: https://www.facebook.com/reel/987943113049147

Der Cartoon von © Guy Morad bezieht sich zwar auf den Süden, steht jetzt aber leider auch für den Norden Israels.
Kategorien:Israel
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