Krieg in Israel – Tag 247

3. Siwan 5784

Benny Gantz, der gestern seine für den frühen Abend anberaumte Pressekonferenz abgesagt hat, hat diese nun für heute Abend 20:00 in Kfar Maccabiah angesetzt. Auch wenn Netanyahu gestern nach der erfolgreichen Befreiung von vier Geiseln Gantz bat, das Kriegskabinett nicht zu verlassen, muss man davon ausgehen, dass Gantz diesen Schritt trotzdem tun wird. Er antwortete auf die Bitte Netanyahus: «Neben der berechtigten Freude über das Erreichte, müssen wir uns daran erinnern, dass alle Herausforderungen, denen Israel gegenübersteht, unverändert geblieben sind. Deshalb sage ich dem Premierminister und der gesamten Führung – auch heute müssen wir verantwortungsvoll überlegen, wie es von hier aus am besten und möglich ist, weiterzumachen.» Stürzen wird der Austritt von Gantz’ Partei die Regierung nicht, die nach wie vor 64 von 120 Sitzen in der Knesset hat.

Der rechtsextrem-nationalistische Ben-Gvir wartet nach eigenen Angaben sehnsüchtig darauf, dass Benny Gantz aus dem Kriegskabinett ausscheidet und er dann dort eine massgebliche Rolle spielen wird. «Ich werde verlangen, dass meine Wahlstärke zum Ausdruck kommt und nicht wie bisher ungehört bleibt. Wenn die Machthaber auf mich gehört hätten, hätte der 7. Oktober vielleicht anders ausgesehen.» Gottseidank war der Einfluss des Polit-Hooligans Ben-Gvir auf Regierungsentscheide seit dem Eintritt von Benny Gantz in die Regierung etwas abgeflaut. Verlässt jetzt Gantz die Regierung, so darf Ben-Gvir darauf hoffen, dass er wieder an Einfluss gewinnt, weil er in der Lage ist, die Regierung jederzeit zu stürzen. Seine Vision umreisst Ben-Gvir wie folgt:

  • Eroberung des Gazastreifens
  • Krieg gegen die Hisbollah

«Sollte Netanyahu dem rücksichtslosen Geiselabkommen zustimmen, so bin ich nicht dabei.» Zynisch wünschte er Gantz einen guten Abschied und betonte: «Ich denke, dass Ihr Abgang wichtig ist. Ich muss wieder zu einer führenden Kraft werden, wie ich es war, bevor Gantz in die Regierung kam.» Gott Israels steh uns bei, dass das alles nicht wahr wird!

Der rechtsextrem-nationalistische Ben-Gvir wurde vom Cousin einer Geisel, Snir Daan gefragt, was er zu tun gedenke, um seine Cousine, Carmel Gat und andere Geiseln zu befreien. Die völlig unqualifizierte, dümmliche Antwort des Polit-Hooligans: «Ich werde die Treibstofflieferungen nach Gaza stoppen.» Snir Daan liess nicht locker und hakte nach, was der Treibstoff mit der Befreiung von Geiseln zu tun habe.Darauf Ben-Gvir: «Hören Sie auf, ein Linker zu sein!» Auf die Frage, was die Bedeutung politischer Einstellungen für das Schicksal seiner Cousine bedeutet, gab es schon keine Antwort mehr.

Gestern Abend kam es in Tel Aviv bei einer Demonstration, deren Teilnehmer die Zustimmung zum Geiselabkommen forderten, zu aggressiven Übergriffen durch die Polizei. Der Arzt Dr. Udi Baharav wurde gewaltsame festgenommen, während er einer Frau helfen wollte. Sie war kurz zuvor von Polizisten angegriffen und zu Boden gestossen worden. Auf dem Video kann man erkennen, dass er eine orange Weste trug, die ihn eindeutig als medizinisches Personal auswies. Er wurde bis zum frühen Morgen festgehalten. Mitglieder der Israelischen Ärztevereinigung fordern eine eingehende Untersuchung des Vorfalls und eine entsprechende Verurteilung aller beteiligten Polizisten. Weitere, ebenfalls als solche erkennbaren Ärzte und Helfer wurden ebenfalls angegriffen und kurzfristig verhaftet. Ein an der Demonstration teilnehmender Rechtsanwalt wurde von rechten Aktivisten angegriffen und von der Polizei abgeführt.

Ein schändlicher Vorfall, der wieder einmal belegt, wie radikal die Polizei die Vorschriften ihres obersten Dienstherrn, des rechtsextrem-nationalistischen Itamar Ben-Gvir umsetzt. Ein erneuter Beweis, wie sich der einstmals liberal-demokratische Staat Israel in einen radikal-autokratischen wandelt. Wann wird der Wahnsinn endlich aufhören??

Nach dem tragischen Vorfall kündigte Oppositionsführer Yair Lapid an, ein ‘Dokumentationszentrum für Polizeigewalt’ einzurichten. «Es gibt keine Erklärung und es ist unmöglich, die Fotos zu akzeptieren, auf denen Polizeibeamte einen Arzt, der vor Ort behandelt, brutal schlagen und wegzerren, obwohl er sich als Mediziner ausweist.» Weiterhin hielt er fest: «Das ist nicht die Privat-Polizei von Ben-Gvir, sondern die Polizei aller Bürger Israels.»

MInister Uriel Busso, Shas

Auch Benny Gantz und Gesundheitsminister Uriel Busso, Shas-Partei, verurteilten den Vorfall. «Die Polizei muss sich daran erinnern, dass es ihre Aufgabe ist, die Bürger zu schützen und Demonstrationen zuzulassen. Die Polizeikommandanten müssen nach dem Gesetz handeln und nicht nach dem Geist des Ministers.» Insgesamt wurden gestern 18 Demonstranten festgenommen. Das derzeitige Verhalten der Polizei erinnert an das Verhalten der SS und SA während der Nazi-Zeit.

Für die Familie des gestern befreiten Almog Meir Jan war gestern ein Tag grosser Freude und grosser Trauer zugleich. Nur wenige Stunden bevor ein Anruf der IDF Dina Jan, Almogs Tante sie informierte, dass Almog befreit wurde und sich auf dem Weg ins Sheba Medical Center befinde, verstarb Yossi, 57, s’’l, wahrscheinlich an einem Herzversagen. Dina erzählte, seit dem 7. Oktober sei ihr Bruder nur mehr vor dem TV gesessen und hätte alle Nachrichten in sich aufgesaugt. Immer in der Hoffnung, dass sein Sohn zu den im November freigelassenen oder durch die IDF befreiten Geiseln gehört. Er habe sich komplett in sich selbst zurückgezogen, wollte keinen Kontakt mehr zur Aussenwelt.

Erste Untersuchungen ergaben, dass Noa Argamani in der Privatwohnung eines mit al-Jazeera verbundenen Journalisten Abdallah al-Jamal festgehalten wurde. Al-Jazeera dementiert dies natürlich. «Wir kennen ihn nicht, und alle Gerüchte, die verbreitet wurden, sind inhaltslos und überhaupt nicht wahr.» Al-Jamal arbeitete für al-Jazeera und veröffentlichte seit dem 7. Oktober fast täglich Artikel auf Englisch in der ‘Palestine Chronicle’. Al-Jazeera lügt!

Im Zusammenhang mit der Geiselbefreiung von gestern Vormittag verbreitet die palästinensische Terror-Organisation Hamas eine Lüge nach der anderen. So liess sie gestern verlauten, die Spezialkräfte, die Operation in Nuseirat durchgeführt haben, wären mit einem Transporter für humanitäre Lieferungen nach Gaza gekommen. In einer zweiten Version hiess es, sie hätten den schwimmenden Pier, der von den Amerikanern vor Gaza errichtet wurde, dafür benutzt. Der arabisch sprechenden IDF-Sprecher Avichay Adraee dementierte beides und hielt fest: «Unsere Spezialeinheiten haben das Gebiet von Nuseirat nicht mit einem Auto oder einem Hilfstransporter betreten.» (s. Reaktionen: Francesca Albanese)

Die IDF hat das Video veröffentlicht, in dem der Kommandant des Südkommandos Maj. Gen. Yaron Finkelmann den Generalstabschef informiert, dass ‘drei Diamanten gerade abgereist sind’. Es handelte sich bei dem Funkspruch um die Bestätigung, dass die drei befreiten männlichen Geiseln auf dem Flug Richtung Israel waren-

Während des ganzen Vormittags wurden immer wieder Salven von Raketen und Drohnen aus dem südlichen Libanon auf Israel abgeschossen. Als sofortige Reaktion zerstörte die IDF die Abschussbasen und einige Strukturen der Hisbollah. Durch mindestens zwei mit Sprengstoff beladenen Drohnen wurden auf dem Golan einige kleine Feuer entfacht. In der letzten Salve waren mehr als zehn Raketen auf Israel abgeschossen worden. Bei einer Explosion auf offenem Feld brach ebenfalls ein Feuer aus.

Oppositionsführer Yair Lapid kritisierte Netanyahu nach seinem gestrigen Besuch bei den freigelassenen Geiseln im Tel HaShomer-Krankenhaus. Er bezog sich dabei auf das Bedauern von bisher freigelassenen und befreiten Geiseln, dass aus der Regierungskoalition niemand sich jemals bei ihnen gemeldet hat. Nur Yair Lapid und seine Frau Lihi, als auch Präsident Isaac Herzog und seine Frau Michal, sowie einige Oppositionspolitiker hätten sie seither kontaktiert. Lapid kritisierte scharf, dass Netanyahu sich in keinem Fall um die Hinterbliebenen der ermordeten Opfer der Massaker gekümmert hat. «Wenn man Premierminister ist, ist man der Premierminister von Erfolgen und Misserfolgen», so Lapid gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender Kan. «Zu verschwinden, wenn die Dinge nicht so laufen, wie man will, ist eine Schande, aber ist das etwas, das wir vorher von dir nicht wussten?»

Izhar Shay war für Blau-Weiss Minister für Wissenschaft, Technik und Raumfahrt in der Regierung Netanyahu von 2020 bis 2021. Er verlor seinen Sohn, Staff Sgt. Yaron Oree Shay, 21, s’’l, während des Massakers vom 7. Oktober. Yaron kämpfte während des Massakers darum, dass zahlreiche Menschen flüchten konnten und so gerettet wurden. In seinem X-Account veröffentlicht er ein Foto seines Sohnes mit Netanyahu und schreibt: «Ich gehöre zu den trauernden Eltern, die der Premierminister nicht angerufen hat. Mein Sohn ist unter Helden gefallen und hat mit seinem Tod das Leben von Hunderten von Bürgern gerettet». Aber selbst wenn er im Schlaf ermordet oder aus seinem Haus entführt worden wäre, hätte ein moralischer und ehrenhafter Premierminister angerufen, um zu trösten und Kraft zu spenden. Und um sich dafür zu entschuldigen, dass es unter seiner Aufsicht passiert ist. Ich bin nicht böse auf ihn. Ganz und gar nicht. Ich verachte ihn, diesen erbärmlichen Mann.»

Die IDF räumt in der Umgebung von Khan Younis bis Donnerstag tägliche ‘taktische Pausen’ ein, die die Bevölkerung nutzen kann, um Lebensmittel, Wasser und sonstige dringend benötigte Dinge aufzustocken. Die Pausen finden zwischen 10:00 und 14:00 statt.



Kategorien:Israel

Hinterlasse einen Kommentar