5. Siwan 5784

Erneut musste die IDF den Tod von vier Soldaten bekanntgeben. Maj. Tal Pshebilski, 24, Staff Sgt. Eitan Karlsbrun, 20, Sgt. Yair Levin, 19, und Sgt. Almog, 19, s’’l, alle Mitglieder der Givati Aufklärungs-Einheit, verloren ihr Leben beim Stürmen eines verminten Hauses in Rafah.
Die Polizei hat gestern einen Video-Clip freigegeben, der die dramatische Rettungsaktion der drei männlichen Geiseln am Samstag zeigt. Die Aufnahmen stammen aus der Body-Cam eines teilnehmenden Soldaten. Leider kann ich das Video hier nicht direkt verlinken, sondern nur die Seite. Bei dem Schusswechsel, der unmittelbar nach der erfolgten Rettung ausbrach, wurde Chef Inspektor Arnon Zmora, s’’l, lebensgefährlich verletzt und erlag noch am Samstag seinen Wunden. Die Soldaten forderten die drei jungen Männer auf, leise zu sein und sich zu identifizieren. Man sieht an den erschrockenen Gesichtern, dass die Geiseln mit der Situation im ersten Moment völlig überfordert waren.



In der Knesset wurde gestern Nacht darüber abgestimmt, ob ein Antrag, der noch von der bisherigen Regierung eingebracht wurde, weiterverfolgt oder abgelehnt wird. Nach der mit 63:57 erfolgten Annahme geht er nun zurück an den Verteidigungsausschuss, um von da wieder in die zweite und dritte Lesung in die Knesset gebracht zu werden. Von der Koalition stimmte nur VM Gallant gegen den Antrag. Sollte der später angenommen werden, so würde die Befreiung von der Wehrpflicht bei Haredim von 26 auf 21 Jahre gesenkt werden und die Quote der Einberufungen nur sehr langsam steigen. Sowohl von der gesamten Opposition, als auch vom VM kam harsche Kritik, dass mit diesem Gesetz eine weitere Sonderstellung für Haredim geschaffen werde.

Der UN-Sicherheitsrat hat mit 15 Zustimmungen und einer Enthaltung (Russland) einen von den USA eingebrachten Antrag angenommen. Die Resolution fordert die palästinensische Terror-Organisation Hamas dringend auf, den jüngsten Vorschlag Israels betreffend den Waffenstillstand und die Geiselbefreiung, zu akzeptieren. Israel hat sich in der vergangenen Woche gegen den von US-Präsident Joe Biden veröffentlichten Vorschlag ausgesprochen, nachdem offensichtlich einige Textpassagen ohne Wissen Israels abgeändert worden waren. Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri, ein Mann, der blutige Hände hat, betonte der Nachrichtenagentur Reuters gegenüber, dass sie die Resolution anerkennen werden und zu Verhandlungen bereit sind.
Die Menschenrechts-Kommission der UNO hat festgestellt, dass der Tod der Zivilisten anlässlich der Befreiungsaktion der Geiseln am Samstag ebenso ein Kriegsverbrechen darstellt, wie das Festhalten der Geiseln in dicht besiedelten Gebieten. Die Hamas behauptet, mindestens 210 Zivilisten seien bei dem Einsatz ums Leben gekommen. Die IDF spricht von etwa 100, betont aber, dass es nicht bekannt ist, wie viele der Opfer Zivilisten und wie viele Terroristen sind. UN-Sprecher Jeremy Laurence stellt fest: «Darüber hinaus gefährden die bewaffneten Gruppen durch die Geiselnahme in so dicht besiedelten Gebieten das Leben der palästinensischen Zivilbevölkerung und der Geiseln selbst durch die Kampfhandlungen. All diese Handlungen beider Parteien können auf Kriegsverbrechen hinauslaufen.» Muss man das so verstehen, dass die Geiselnahme selbst keinen Verstoss gegen die Menschlichkeit oder kein Kriegsverbrechen darstellt?
Am späten Vormittag wurde eine Salve von etwa 50 (!) Raketen vom südlichen Libanon aus auf die Golan Höhen abgeschossen. Die Raketen konnten entweder abgefangen werden oder stürzten im offenen Feld ab, ohne dort Schaden anzurichten. Erneut behauptete die Hisbollah, Dutzende Katyusha Raketen auf eine Militärbasis auf dem Golan geschossen zu haben. Eine Stunde zuvor wurde der Alarm in verschiedenen Orten im oberen Galil ausgelöst. Die Raketen konnten allesamt vom Iron-Dome abgefangen werden.
Während des gestrigen Tages griff die IDF mehr als 35 über den gesamten Gazastreifen verteilte Ziele an. Zu den Zielen gehörten neben von Terrorgruppen benutzten Gebäuden Waffenlager, Abschussrampen und Scharfschützen-Stellungen. Auch eine Zelle von aktiven Terroristen konnte erfolgreich neutralisiert werden. In Rafah kam es zu einem intensiven Kampf zwischen Soldaten der Givati-Brigade und Terroristen. Aufgefunden und zur weiteren Untersuchung nach Israel gebracht wurden Spionage-Unterlagen und Spionage-Ausrüstungen. Parallel gingen die Kämpfe im Netzarim-Korridor und in Rafah weiter.
VM Yoav Gantz betonte, dass es für keinen Sektor der israelischen Gesellschaft Ausnahmeregelungen geben darf. Damit bezog er sich auf die gestrige Abstimmung in der Knesset und auf die bisher bestehende Ausnahme, dass haredische Männer keinen Dienst in der IDF leisten müssen. Die IDF hat damit begonnen, die Dienstzeit von Wehrpflichtigen und Reservisten zu verlängern, da sie angesichts des langen Krieges und der hohen Zahl von Opfern mit personellen Engpässen zu kämpfen hat.

Erneut brachen heute nach Beschuss aus dem südlichen Libanon mehrere Brände aus, nachdem etwa 50 Raketen von der Hisbollah abgeschossen worden waren. Betroffen sind zwei Ortschaften, Had Ness im Golan und der Kibbutz Ayelet HaShahar im Oberen Galil. Ein Grossteil der Raketen konnte abgefangen werden, die übrigen stürzten über unbebautem Gelände ab.

Die gute Nachricht des Tages: Alle vier in einer risikobehafteten und herausfordernden Operation am Samstagvormittag befreiten Geiseln wurden heute nach eingehenden Untersuchungen aus dem Spital nach Hause entlassen.
Obwohl man es ihnen nicht auf den ersten Blick ansieht, stellten die untersuchenden Ärzte fest, dass alle vier unter Mangelernährung leiden. Weiterhin betonten sie, dass die ehemaligen Geiseln während der gesamten Gefangenschaft regelmässig physischen und psychischem Missbrauch ausgesetzt waren.
Dr. Itai Pessach, der Chef des Ärzteteams, welches die vier freigelassenen Geiseln untersucht hat, bezeichnet ihren Gesundheitszustand gegenüber dem der im November freigelassenen als problematischer.
Kategorien:Israel
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