21. Siwan 5784

Die IDF muss erneut den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Cpt. Alon Sacgiu, 22, s’’l, verlor sein Leben bei der Explosion einer im Strassenbelag vergrabenen Mine in der Nähe von Jenin in Samaria. In der Nacht hatte die IDF dort eine Razzia durchgeführt und zahlreiche Mitglieder der palästinensischen Terror-Organisation Hamas festgenommen. Zunächst fuhr ein gepanzerter Mannschaftstransporter auf eine Mine.

Die im Fahrzeug befindlichen Soldaten wurden leicht verletzt. Als ein zweites Fahrzeug zu Hilfe kam, explodierte eine zweite Mine. Einige der Soldaten befanden sich zum Zeitpunkt der Explosion bereits ausserhalb des Fahrzeuges. 16 Soldaten wurden verletzt. Der Palästinensische-Islamische-Djihad bekannte sich zu dem Anschlag. Um genau so einen Anschlag zu verhindern, reissen Bulldozer die von der IDF benutzten Strassen auf, um mögliche Minen zu neutralisieren. Offensichtlich waren diese beiden weitaus tiefer verlegt worden, als es bisher üblich war.

Die von der UN vorgelegten Zahlen über die Zerstörung von Wohnhäusern in Gaza scheinen weitaus zu hoch zu sein. Aufgrund von Satellitenfotos spricht die UNO von einer 50%-igen Zerstörung. Folgt man einigen Zeitungsberichten, die sich ebenfalls auf Satellitenbilder stützen, so muss man sogar mit einer Quote von 70% aller Gebäude rechnen, die auf Dauer unbewohnbar sind. Die IDF hat eigene umfassende Untersuchungen angestellt, basierend auf Satellitenbildern, Drohnenaufnahmen und 3-D-Modellen, die permanent angepasst werden. Sie kommen auf einen Zerstörungsgrad von 16%, also deutlich weniger als die von der UNO vorgelegten Zahlen.


Auch wenn das Netanyahu nicht unbedingt gefallen wird, aber sein ungeliebter VM Yoav Gallant zeigt sich bei seinem ausgedehnten Besuch in den USA als der beste Diplomat Israels. Es gelingt ihm, bei allen Treffen mit ranghöchsten Vertretern der Sicherheitsdienste, die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen, die Netanyahu in den letzten Wochen durch bestenfalls undiplomatisch, schlimmstenfalls aggressiv zu nennende Wortmeldungen ausgelöst hatte. US-Präsident Joe Biden bedauerte, dass Netanyahu diese Themen in die Öffentlichkeit gezerrt hatte. Ein Kritikpunkt war, dass einige von Israel ‘bestellte’ Waffen von den USA nicht geliefert wurden. Sicherheitsberater Jake Sullivan gab zu, dass es unbeabsichtigte Verzögerungen gegeben habe. Beim Besuch von Gallant sei es jedoch gelungen, bestimmte Lieferungen zu beschleunigen und neue Prioritäten zu setzen. Zurückgehalten wurden schwere Bomben, weil in den USA Bedenken herrschten, dass diese in dicht besiedelten Gebieten in Rafah eingesetzt werden. In persönlichen Gesprächen konnten zahlreiche Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden. In den USA ist man voll des Lobes über den professionellen Zugang des israelischen VM zur gesamten Problematik rund um Waffenlieferungen, Verbesserung der humanitären Situation in Gaza und die Kriegsführung.

Familienangehörige von noch in Gaza festgehaltenen Geiseln blockierten heute einige der Hauptstrassen in Israel. Die Küstenschnellstrasse von Haifa nach Süden war in beide Richtungen nicht passierbar. Der Ayalon, die Schnellstrasse im Stadtgebiet von Tel Aviv, wurde mit einem brennenden Metallkäfig in einer Richtung gesperrt. Der Protest stand unter dem Titel: «Entweder gibt es ein Abkommen oder ein Begräbnis.» Die Demonstranten sagten: «Netanyahu hat die Geiseln aufgegeben. Sie können in Gaza begraben werden, solange er seinen Sitz behält.»
Israelische Sicherheitsstellen berichten, dass es einen Plan gibt, um eine Wasserentsalzungsanlage in Gaza in der Nähe von Khan Younis regelmässig mit Strom zu versorgen. Auf Grund der derzeitigen Energieknappheit arbeitet die Anlage nur eingeschränkt. Eine israelische Stromleitung, die mit der Anlage verbunden ist, könnte die Kapazität deutlich steigern. Damit würde für Hunderttausende Menschen in Deir al-Balah, Khan Younis und der Küstenregion von al-Mawasi, wo in einem Zeltlager Zehntausende vertriebene Palästinenser leben, sauberes Trinkwasser zur Verfügung stehen. Der Plan muss noch von der Regierung abgesegnet werden.

Der arabisch-sprechende IDF-Sprecher Avichay Adraee wandte sich heute Vormittag überraschend an die Bewohner von Shejaia, einem Stadtviertel von Gaza Stadt. Er forderte die Bewohner dringend auf, sich sofort über die Salah ad-Din Strasse nach Süden in die humanitäre Sicherheits-Zone zu begeben. Palästinenser sprechen von heftigem Beschuss und von über dem Stadtviertel kreisenden Hubschraubern. Von verschiedenen Richtungen nähern sich IDF-Fahrzeuge der Region.
Die al-Hasna-Schule in Khan Younis wurde von der Hamas als Kommandozentrale missbraucht. In den Büros wurden zahlreiche Anschläge geplant, koordiniert und überwacht. Der Angriff erfolgte nach sorgfältigen Vorbereitungen mit Kampfjets und Drohnen.


Die IDF veröffentlichte heute Bilder, die den Raketenexperten des Palästinensisch-Islamischen-Djihad, Fadi al-Wadiya, in der Uniform der Terror-Gruppe zeigt. Mitarbeiter von ‘Ärzte ohne Grenzen’ (MSF) haben ihn als Kollegen bezeichnet, jedoch behauptet, er sei kein Terrorist. MSF gab heute bekannt, al-Waadiya sei gestern bei einem Drohnen-Angriff getötet worden, als er mit dem Fahrrad auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle war. Laut Informationen der IDF war er nicht nur Experte für Raketen und an deren Entwicklung beteiligt, sondern auch Fachmann für Elektronik und Chemie. 2018 habe er sich MSF als Arzt und Physiotherapeut angeschlossen und versucht, Gaza Richtung Iran zu verlassen, um dort gemeinsam mit zwei weiteren Terroristen eine Ausbildung zu absolvieren.
Misgav hält seiner Kolumne im Haaretz fest, was Netanyahu bei seinem ersten Interview mit einem israelischen Medium, dem rechten Kanal 14, von sich gab. Auf die Frage «Wie tickst du?» (Eine bessere Übersetzung für ‘What are you made of’ in diesem Zusammenhang nicht finden.) Statt einer klaren Antwort liess Netanyahu uns an seinem inneren Selbstbild teilhaben: «Ich höre schreckliche Stimmen, auch vor meinem Haus in Caesarea. Sie rufen zum Mord auf. Sie rufen zum Mord auf. Sie rufen zum Mord auf, zum Erobern, zum Töten, zum Eliminieren des Diktators. Ich bin ein Mann aus Fleisch und Blut, aber ich bin auch auf einer Mission; die Nation und die Geschichte geben mir die Kraft. Ich sage Ihnen, der Gott Israels wird uns keine weitere Gelegenheit geben. Wir haben viele Wunder vollbracht, aber jetzt liegt es anuns.»
Jetzt endlich wissen wir es, Netanyahu ist der göttliche Bote, der seinem Volk die Kraft gibt, nach dem 7. Oktober, der für uns alle der traumatischste Tag seit der Staatsgründung war, ‘Wunder zu tun’. Der Kampf um Rafah wird bald vorbei ein, so prophezeit er, und dann werden wir uns dem Norden zuwenden.
Die Stimmen sind natürlich nur in seinem Kopf, niemand fordert dazu auf, ihn zu ermorden.



Ganz anders, als er, Netanyahu am 29. Oktober 1995 auf dem Balkon des Ron Hotels stand und der fanatischen Menge, die den Mord von PM Yitzhak Rabin, s’’l, forderte, mit erhobener rechter Hand begeistert zustimmte. Eine Woche später war der PM tot, ermordet von einem ultra-rechten Studenten.

Was Netanyahu heute zeigt, ist die klassische Projektion, ein psychischer Abwehrmechanismus. Die „Abwehr“ besteht dabei darin, dass durch Projektion [Übertragung] vermieden wird, sich mit Inhalten bei sich selbst auseinanderzusetzen, die man beim anderen sieht.
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