Krieg in Israel – Tag 277

3. Tammus 5784

Wer glaubte, durch die Wahl des reformfreudigen neuen Präsidenten des Irans, Massud Peseschkian, könnten friedlichere Zeiten für Israel beginnen, der sah sich schon wenige Stunden nach seiner Wahl enttäuscht. Peseschkian ist ein fanatischer Schiit, dercunmittelbar nach seiner Wahl die Rolle und Bedeutung von Religionsführer Ali Chameni anerkannte. Damit war klar, dass sich an der Haltung gegenüber Israel nichts ändern werde. Deshalb erstaunte es auch niemanden, als er verkündete, er wolle: «konstruktive Beziehungen zu allen Ländern des Westens haben, ausser zu Israel.» Bleibt nur zu hoffen, dass sich wenigstens die Iraner selbst über Reformen freuen dürfen. Dass es wieder mehr Gerechtigkeit in der Justiz gibt und die Allmacht der Sharia gebrochen wird.

Der rechtsextrem-nationalistische Ben-Gvir und der nach mehreren Urteilen wegen Finanzvergehen Nicht-Minister und guter Freund von Netanyahu, Arye Deri, Shas, sind gestern nicht zum ersten Mal heftig aneinandergeraten. Ben-Gvir versucht seit Monaten, das ihm, nach eigener Überzeugung zustehende Recht der vermehrten Mitbeteiligung an kriegswichtigen Entscheidungen zu bekommen. Nach dem Ausscheiden von Benny Gantz bestand er darauf, ins Kriegskabinett aufgenommen zu werden. Doch dieses wurde, bevor es auch nur ansatzweise so weit kam, von Netanyahu aufgelöst. Also will er zumindest in das nationale Sicherheits-Komitee aufgenommen werden. Doch auch das gelingt ihm nicht. Kein Wunder, ich kenne keinen MK, der weniger Ahnung von der Politik, geschweige denn von der Sicherheit hat.

Diesmal ging es in der Knesset um einen von der Shas eingebrachten Antrag auf die erweiterte Finanzierung eines religiösen Projektes. Der Antrag wurde später zurückgezogen und einige der Shas Abgeordneten verliessen den Raum.

Im Zuge der Diskussion warf Ben-Gvir Netanyahu vor, eine ‘ein-Mann-Regierung’ zu führen (womit er, entre nous, nicht unrecht hat!). Er fuhr fort, ohne die Anwesenden wissen zu lassen, um was genau es ging, zu toben: «Dieser Deal zwischen Likud, Shas-Chef Aryeh Deri und den Terrorunterstützern, um meinen Eintritt in das begrenzte Kabinett zu verhindern, ist eine Blamage.» Doch damit nicht genug! «Wir befinden uns in einer absurden Realität, in der wir in Gaza und an der Nordgrenze auf der Stelle treten, die Hände der IDF binden, Verhandlungen mit unverantwortlichen Ausgangspositionen führen und auf eine politische Einigung zusteuern – und das alles, während wir uns an allen Fronten dem Terror ergeben, und der Premierminister eine Ein-Mann-Regierung führt. Der Premierminister muss verstehen, dass die ‘Herrschaft des Rechts’ kein leerer Begriff ist und die Meinungen der Koalitionspartner Gewicht haben. Wir sind nicht beigetreten, um Fans auf der Tribüne zu sein. Wir sind gekommen, um Einfluss zu nehmen.» Worauf Deri konterte:  «Der rechte Block hat heute Abend festgestellt, dass Itamar Ben-Gvir nichts weiter als ein aufgeblasener Ballon ist, der eine Reihe peinlicher Fehlschläge in seinen Zuständigkeitsbereichen aufweist. Er ist laut, aber ohne Taten und seine kindischen Eskapaden und seine Selbstüberschätzung können die Regierung von innen zu Fall bringen. Das Recht wurde schon immer von Leuten wie ihm gestürzt. Die Öffentlichkeit wird urteilen.»

So wird die Vereinbarung nichts werden! Netanyahu stellt Ronen Bar immer wieder ein Bein! © Guy Morad

Morgen gehen die Verhandlungen in Doha weiter im Bemühen, doch noch eine Vereinbarung zu einem Waffenstillstand und Geiselabkommen zu kommen. Welche Kompetenzen unser Verhandlungsteam diesmal hat und ob wieder ein Wachhund mitgeschickt wird, der jedes Wort an Netanyahu rapportiert, bleibt abzuwarten.

Der bekannte, in Gaza lebende anti-Hamas-Aktivist, Amin Abed, 35, wurde gestern auf dem Heimweg von einer Gruppe maskierter und bewaffneter Männer angegriffen. Die mehr als 20 Männer waren, so Augenzeugen, mit Schlagstöcken und Messern bewaffnet. Abed wurde lebensgefährlich verletzt in ein Spital im nördlichen Gaza eingeliefert. Als Passanten versuchten, ihm zu Hilfe zu kommen, schossen die Angreifer in die Luft und erklärten, sie gehörten zum ‘internen Sicherheitsdienst der Hamas’. Von der Hamas war keine Stellungnahme zu erhalten.

Die IDF hat einen der wichtigsten Tunnelanlagen des palästinensisch-islamischen Djihad zerstören können. Er ist mehr als 2.5 km lang und beherbergt die grösste Kommandozentrale der Terror-Gruppe. Neben Waffen und Geheimdienstmaterial wurden auch zahlreiche Laptops gesichert und zur Auswertung nach Israel gebracht. Dass sich dieses Material noch dort befand, lässt darauf schliessen, dass der Tunnel bis vor Kurzem noch benutzt wurde. Diese und andere Anlagen befanden sich in Shejaiya, einem Viertel von Gaza-City. Die erneute Operation im schon einmal entmilitarisierten Gebiet begann am 27. Juni, nachdem geheimdienstliche Informationen ergeben hatten, dass sich dort erneut Terror-Zellen etabliert hatten. Bisher wurden mehr als 150 bewaffnete Terroristen eliminiert.

Die Hisbollah gab bekannt, dass ein ehemaliger Bodyguard von Hassan Nasrallah bei einem gezielten Angriff durch die IAF getötet wurde. In einem zweiten Angriff wurde Yasser Qarnabash neutralisiert. Er war verantwortlich für den Waffen- und Personentransport vom Libanon nach Syrien.

Am frühen Nachmittag veröffentlichte die Hisbollah ein neues Propaganda-Video. Es zeigt eine israelische Militärbasis auf dem Golan und eine israelische Stadt, die in einem weiteren Video näher definiert werden soll. Vor Wochen hatte die Terror-Gruppe schon ein ähnliches Video vom Grossraum Haifa, mit Hafen und Industrieanlagen, gezeigt.

Die gute Nachricht: Der seit dem Überfall und dem Massaker der Hamas am 7. Oktober gesperrte Zikim Strand wird am 1. August wieder für die Allgemeinheit geöffnet. Nach der Ausschaltung der Sperranlagen waren Mitglieder der palästinensischen Terror-Organisation Hamas vom Meer aus auf den Strand gelangt und ermordeten dort 18 israelische Zivilisten.  Beim anschliessenden Versuch, in den Kibbutz und die Ausbildungsbasis der IDF einzudringen, wurden 22 israelische Soldaten ermordet.

In den letzten Monaten wurde der Strand, der durch die Kämpfe weitgehend verwüstet wurde, wieder hergestellt. Auch ein grosser Bunker wurde eingerichtet. Damit ist Zikim der erste Strand in Israel, der über einen eigenen Bunker verfügt.

Es ist vorgesehen, dass 20 Soldaten am Strand stationiert sind. Auch ein Aussenposten wurde errichtet, der 24 Stunden am Tag besetzt sein wird. In der ersten Phase ist der Strand nur tagsüber geöffnet.



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