BaMidbar, Balak 22:2 – 25:9

Haftara: Michaja 5:6 – 6:8

ב“ה

13./14. Tammus 5784                                                        19./20.Juli 2024 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         19:04

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         20:24

Shabbateingang in Zürich:                                                                 20:57

Shabbatausgang in Zürich:                                                                22:11

Shabbateingang in Wien:                                                                   20:28

Shabbatausgang in Wien:                                                                  21:44

Balak, der König von Moab, bekommt es mit der Angst zu tun. Wohin er auch schaut, überall lagert das Volk Israel. Er befürchtet, dass sie alle seine Felder plündern und sein Land in arge Not stürzen werden. Auf ihrem Weg von Ägypten herauf haben sie schon manche Schlacht geschlagen und alle für sich entschieden. Was sollte er tun, er war dem Wohlergehen seines Volkes verpflichtet.

Balak sah sich überfordert und rief Bileam, den bekanntesten Seher seiner Zeit, zu Hilfe. Selbstverständlich bot er ihm eine gute Entlohnung, denn Bileam lebte weit entfernt von ihm. Balak hatte einen klaren Auftrag an Bileam. Er solle die Israeliten verfluchen und sie aus dem Gebiet vertreiben. Auf die Kraft dieses Fluches baute der verzweifelte König.

Bileam aber entpuppte sich als Mann, der auf Gott vertraut, mehr noch als Prophet. Balak hat, so wird sich bald zeigen, auf das falsche Pferd oder besser noch, auf den falschen Esel gesetzt! Bileam bewirtete die Gesandten Balaks und bat sie, zu bleiben. Er hoffte, über Nacht eine Anweisung Gottes zu erhalten, der er unbedingt folgen wird.

Tatsächlich spricht die Stimme Gottes zu ihm und befiehlt ihm, nicht zu Balak zu reisen und die Israeliten nicht zu verfluchen, denn sie seien geheiligt. Unverrichteter Dinge ziehen die Boten wieder ab, Balak startet einen zweiten Versuch und stellt ihm einen höheren Lohn in Aussicht. Wieder fordert Bileam die Boten auf, zu bleiben und auf Gottes Anweisung zu warten. Diesmal rät ihm Gott, mit den Männern zu gehen, aber nur das zu tun, was er ihm unterwegs befiehlt zu tun.

Die kommenden Verse sind unverständlich. Obwohl Bileam doch genau das tut, was Gott ihm befohlen hat, wird Gott zornig. Er postierte einen Engel – für Bileam unsichtbar – auf dem Weg, um ihn am Weiterreiten zu hindern. Die Eselin erkennt das Hindernis und weicht ihm instinktiv aus. Mit dem Hieb seiner Gerte zwingt Bileam sie wieder auf den Weg zurück. Dreimal wiederholt sich die Begegnung, dann bricht die Eselin in die Knie. Gott spricht durch das Maul des geschundenen Tieres und möchte den Grund für diese Misshandlung erfahren, da es sich keiner Schuld oder Illoyalität bewusst ist.

Gott öffnet Bileam die Augen. Der erkennt nun, dass Gott ihm den Engel gesandt hat, um ihn am Weitergehen zu hindern und dass er den Weg ins Verderben, dem er blind gefolgt ist, nicht erkannte. Gott befiehlt ihm nochmals weiterzugehen, aber nur seine Worte weiterzugeben. Dadurch gestärkt trat Bileam auf Balak zu.

Am kommenden Tag geschieht das grosse Wunder, aus dem Fluch, den er über das Volk Israel spricht, wird ein Segensspruch. Balak will noch nicht einsehen, dass sein Plan gescheitert ist. Am kommenden Tag ist es wieder ein Segensspruch, den Gott ihn sprechen lässt. Und noch ein drittes Mal versucht Balak, Bileam dazu zu bringen, das Volk Israel zu verfluchen. Doch was geschieht? Der Fluch wird wiederum zum Segen, Bileam drückt seine Ehrfurcht vor Gott und dem Mischkan aus. Die Torah ist reich an wunderschönen Liedern.  Eines davon beginnt mit der ersten Zeile der Segnung (24:5):

מַה טּוֹבוּ אֹהָלֶיךָ יַעֲקֹב מִשְׁכְּנֹתֶיךָ יִשְׂרָאֵל «Wie schön sind deine Zelte, Jakob, und deine Wohnungen, Israel!»

Was lernen wir aus dieser eindringlichen Geschichte?

Bileam sieht sich selbst als Mann, der an Gott glaubt und gerne dessen Wünsche und Befehle erfüllen möchte. Aber es mangelt ihm an Demut, an der Erkenntnis, dass er eben doch nicht alles a priori so perfekt versteht. Es war der Instinkt des Tieres, das die möglichen Fehltritte vorher ahnte und mit sicherem Gespür versuchte, den hochintellektuellen Bileam «nicht abstürzen» zu lassen. Dummer Esel? Ich denke, den Begriff müssen wir ganz dringend revidieren.

Wir sprechen oft von unserem «Bauchgefühl» und werden ebenso oft dafür verlacht, wenn wir uns darauf verlassen.

Verlassen wir uns doch immer wieder auf unser Gefühl, auf den sechsten Sinn, auch auf das Kind in uns. Manchmal ist eben doch weniger Kopfarbeit und mehr Gefühl gefragt. Lassen wir das doch zu!

Unsere heutige Haftara stammt aus der Feder des Propheten Michaja, der seine Prophetien in der Zeit um 757 bis 697 BCE im Gebiet Judäa erhielt. Seine Hauptthemen waren die herrschende soziale Ungerechtigkeit vor allem für Kleinbauern und solche, die unter der herrschenden Administration litten, die die weniger Begüterten im Land unterdrückten.    

Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit dem Schicksal des Hauses Jakob. Michaja spricht nicht vom Volk Israel, sondern vom ‘Rest Jakobs’. Die Israeliten haben bei zahlreichen Kriegen und Kämpfen viele Männer verloren. Es ist nur mehr ein recht kleiner Teil, der das Land Balaks besiedelt. Doch Gott hat mit diesem verbliebenen Rest wieder Grosses vor.   

«Sie werden wie Tau und wie Regen sein, der von Gott kommt und auf die Pflanzen fällt. Aber auch wie ein junger Löwe, der andere Tiere reisst, weil ihn niemand stoppen kann.» Das Volk Jakobs wird also gut und gleichzeitig auch gefährlich für die ‘Gastvölker’ sein.

Gott weiss um diese zwei Gesichter und reagiert entsprechend. Auf der einen Seite verspricht er, ihnen zu helfen, alle Feinde auszurotten. Auf der anderen Seite möchte er nicht, dass sie übermütig werden. Er nimmt ihnen alle Zeichen ihrer Macht, wie z.b. ihre Pferde und Kriegswagen, die gut gesicherten Städte.

Auch alle Götzenbilder und – figuren und Zaubermittel nimmt er ihnen wieder weg.  Wie oft hat er das schon getan? Immer und immer wieder haben sich die Israeliten, wenn etwas danebenging, von Gott abgewandt und immer wieder hat er sie gerettet.

Doch in diesem Fall scheint Gott langsam die Geduld zu verlieren. «Mein Volk, was habe ich dir getan, oder womit bin ich dir zur Last gefallen? Antworte mir!» Michaja zieht die direkte Verbindung zum heutigen Torah Abschnitt: «Mein Volk, denk daran, was Balak plante, der König von Moab, und was ihm Bileam antwortete, der Sohn Beors; (…) und erkenne die rettenden Taten des Herrn.»  

Die letzten Verse sind die Quintessenz von dem, was uns Michaja mitgeben möchte. Es sind nicht die Opfer, die Gott gefallen und die wird doch Gott so gerne, früher mit Opfern im Tempel und heute mit Geld für religiöse Projekte anbieten.

Nein, es ist so einfach und doch so schwer, was Gott von uns erwartet: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit unserem Gott.

Es ist den Versuch wert!

Shabbat Shalom!



Kategorien:Israel

Hinterlasse einen Kommentar