Krieg in Israel – Tag 296

22. Tammus 5784

Alma Ayman Fakher Eldin, 11, Milad Muadad Alsha’ar, 10, Vinees Adham Alsafadi, 11, Iseel Nasha’at Ayoub, 12, Yazan Nayeif Abu Saleh, 12, Johnny Wadeea Ibrahim, 13, Ameer Rabeea Abu Saleh, 16, Naji Taher Alhalabi, 11, Fajer Laith Abu Saleh, 16, Hazem Akram Abu Saleh, 15, und Nathem Fakher Saeb, 16, s’’l.

Elf Kinder und Jugendliche, die Opfer des bisher tödlichsten Angriffs der Hisbollah wurden. Die Rakete, eine im Iran produzierte Falaq-1, mit 53 kg Sprengstoff beladen, war gestern Nachmittag auf einem Fussballplatz in Majdal Shams eingeschlagen und explodiert. Mehr als 30 Kinder und Jugendliche wurden teils schwer verletzt. Mindestens vier Kinder stammen aus einer Familie.

Es war eine von etwa 40 Raketen, die in einer heftigen Salve von der Hisbollah auf Israel abgeschossen wurde. Ersthelfer, die sofort aus den umliegenden Orten nach Majdal Shams kamen, berichteten später von grauenhaften Bildern, die sich ihnen boten.

Der Alarm wurde zeitgerecht ausgelöst, aber die Zeit bis zum Einschlag war viel zu kurz für die Kinder, um Schutzräume aufzusuchen. Und auch zu kurz, um die Abfangsysteme zu aktivieren.

Ein Kind, der 11 Jahre alte Jivara Ibrahim, wird noch vermisst. Es gilt als sicher, dass er sich auf dem Fussballplatz befand. Auch die Suche in verschiedenen Krankenhäusern blieb bisher erfolglos.

VM Yoav Gallant, Generalstabschef Herzi Halevi und Benny Gantz fuhren sofort in den Ort, der von Trauer beherrscht wird. Halevi sagte in einer Videobotschaft: «Wir wissen genau, von wo aus die Rakete abgefeuert wurde. Wir haben hier am Rand des Fußballfeldes die Überreste der Rakete untersucht und können sagen, dass es sich um eine Falaq-Rakete mit einem 53 Kilogramm schweren Sprengkopf handelt. Dies ist eine Hisbollah-Rakete. Und wer auch immer eine solche Rakete in ein Wohngebiet abfeuert, will Zivilisten töten, will Kinder töten.» und er fuhr fort: «Wir erhöhen unsere Bereitschaft für die nächste Phase der Kämpfe im Norden erheblich, da wir gleichzeitig im Gazastreifen kämpfen. Wir sind in der Lage, auch sehr weit vom Staat Israel entfernt anzugreifen. Es wird weitere Herausforderungen geben. Wir werden unsere Bereitschaft erhöhen. Wenn nötig, werden wir hart durchgreifen. Unsere Pflicht ist es, die Bewohner des Nordens sicher in ihre Häuser zurückzubringen, im gesamten Norden, in Galiläa und auf den Golanhöhen … Es ist ein schwieriger Tag – wir werden für bessere Tage arbeiten.»

Rafik Halabi, Bürgermeister der drusischen Stadt Daliyat al-Karmel, sagte, wenn die Minister Scham empfänden, würden sie das umstrittene Nation-State-Gesetz von 2018[1] sofort abschaffen. Das Gesetz definiert Israel als ‘nationale Heimstätte des jüdischen Volkes’ und besagt, dass «das Recht auf nationale Selbstbestimmung im Staat Israel ausschliesslich dem jüdischen Volk zusteht».

Das Gesetz stiess bei seiner Verabschiedung im In- und Ausland auf Kritik, weil es das Bekenntnis Israels zur Gleichheit aller seiner Bürger[2] untergräbt. Die drusische Minderheit in Israel, deren Mitglieder sich durch das Gesetz besonders ausgeschlossen fühlen, sagt, dass die Bestimmungen des Gesetzes sie zu Bürgern zweiter Klasse machen. Die drusischen Männer dienen überwiegend in der IDF, Frauen hingegen wird das meist von den Familien verboten.

Die an den Beisetzungen teilnehmenden Minister der Koalition wurden ausgebuht und angeschrien. Wirtschaftsminister Nir Barkat und Umweltschutzministerin Idit Silman mussten sich anhören: «Neun Monate habt ihr uns vergessen und jetzt seid ihr hier?» «Ihr seid schamlos. Ein Junge ging zum Fussballspielen und kam nicht mehr heim!» Auch der rechtsextreme Smotrich musste hören: «Werft ihn hier raus, wir wollen ihn nicht hierhaben!» Freundlich aufgenommen wurden die Vertreter der Opposition, u.a Yair Lapid und Yair Golan.

Mohammad Afif, einer der Anführer der Hisbollah, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Hisbollah nicht für den Raketeneinschlag verantwortlich ist.

Die Absicht ist klar, warum die Hisbollah die Verantwortung von sich weist: Die Opfer des Angriffs sind Drusen, und keine Juden.

Leider musste die IDF erneut den Tod eines Soldaten bekannt geben. Sgt. Yonathan Aharon Greenblatt, 21 s’’l, verlor den Kampf um sein Leben, nachdem er am 20. Juli von einer Panzer-Abwehr-Rakete in Rafah getroffen und lebensbedrohlich verletzt wurde.

Der Iran warnte Israel heute, dass ‘jedes neue militärische Abenteuer’ im Libanon zu ‘unvorhersehbaren Konsequenzen’ führen wird. «Jede unüberlegte Handlung des zionistischen Regimes kann zu einer Ausweitung der Instabilität, Unsicherheit und des Krieges in der Region führen. Israel ist für die unvorhergesehenen Folgen und Reaktionen auf ein solch dummes Verhalten verantwortlich.» Nach dem tödlichen Raketenangriff gestern hatte die IDF gemeinsam mit der IAF im Laufe der Nacht zahlreiche terroristische Ziele im Südlibanon bis hinauf nach Tyros angegriffen. Mit dem tödlichen Angriff auf das Drusendorf Majdal Shams hatte, da sind sich alle Politiker in Israel einig, eine rote Linie überschritten worden. Bei der um 16 Uhr stattfindenden Sitzung des Sicherheitsrates wird über das weitere, verschärfte Vorgehen Israels gegen die Hisbollah entschieden.

Der hochgejubelte Jungfernflug der ‘Wing of Zion’ mit dem PM; samt seiner allgegenwärtigen Ehefrau, freigelassenen Geiseln und Familienangehörigen, Sicherheitskräften und 10 handverlesenen Journalisten an Bord, war dann doch nicht ganz das, was Lazar Berman, Journalist bei der Times of Israel sich vorgestellt hatte.  

Es gibt an Bord kein Unterhaltungsprogramm, die Journalisten wurden im Vorfeld aufgefordert, entsprechende Filme auf den eigenen Geräten abzuspeichern oder Bücher mitzunehmen.

Das Verlassen der beiden Abteilungen, um in das Abteil des PM zu kommen, war strikt untersagt.

Das photografieren der Mannschaft war strikt verboten.

Das Verbinden der Smartphones mit den bordeigenen UBS-Dosen war ebenfalls strikt verboten.

Das Einsteigen folgte klaren Vorgaben.

Es gibt nur ein Wi-Fi an Bord, welches sich alle Passagiere teilen müssen. Wenn Netanyahu es braucht, haben die anderen keinen Zutritt. Journalisten sind es gewohnt, bei Langstreckenflügen zu arbeiten und ihre Texte zu verschicken. Auf diesem Flug funktionierte das nicht. Es gab schlicht keinen stabilen Internetzugang.

Manchmal konnte man Netanyahu am Konferenztisch sitzen sehen, einmal gelang sogar ein Blick auf Sarah im blauen Pyjama. Das allerdings erst, nachdem der PM das Bild auf Insta gepostet hatte.

Es gab ein Minyan, so dass der Vater von Noa Kaddish für seine kürzlich verstorbene Frau sagen konnte.

Aus dem einfachen Flug Tel Aviv-Washington-Tel Aviv wurde schlussendlich ein nie endender Rundflug: 18. Juli: Tel Aviv-Washington (Crew und Gepäck), 19. Juli: Washington-Tel Aviv (Leerflug), 22. Juli: Tel Aviv-Washington (Netanyahu & Co), 26. Juli: Washington-Miami Washington, 29. Juli Washington-Tel Aviv.

Der Steuerzahler muss für all das aufkommen. Und jetzt wird die ‘Wing of Zion’ wieder abgestellt.

Die gute Nachrichte des Tages: Amina al-Hassouni, das 7 Jahre alte Beduinenmädchen aus dem unbewilligten Beduinendorf al-Fur’ah in der Nähe von Arat, konnte heute aus dem Soroka Krankenhaus in häusliche Pflege entlassen werden.

Beim Angriff des Irans auf Israel am 14. April hatte ein Schrapnell einer abgefangenen und zerstörten Rakete das Dach ihres Elternhauses genau im Bereich über ihrem Bett durchschlagen und sie schwer am Kopf verletzt.

Der Vater hatte sie in das doch einige Kilometer entferne Soroka Hospital in Be’er Sheva gefahren, wo sie sofort einer lebensrettenden Operation unterzogen wurde.

Amina war das einzige Opfer des gesamten iranischen Angriffs.

Gute Besserung, kleine Amina!


[1] Das ‘Nation-State-Gesetz’ wurde am 19. Juli 2018 mit 62 pro-Stimmen und 55 gegen-Stimmen bei zwei Enthaltungen verabschiedet. Kritiker sahen in dem Gesetz nicht nur erste Ansätze für Apartheid, sondern auch ein Ende der Demokratie, den Beginn der Annexion von Judäa und Samaria und den Abschied von der ‘Zwei-Staaten-Lösung’.

[2] Aus der Unabhängigkeitserklärung vom 15. Mai 1948: «Der Staat Israel wird der jüdischen Einwanderung und der Sammlung der Juden im Exil offenstehen. Er wird sich der Entwicklung des Landes zum Wohle aller seiner Bewohner widmen. Er wird auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Visionen der Propheten Israels gestützt sein. Er wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen. Er wird Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, Erziehung und Kultur gewährleisten, die Heiligen Stätten unter seinen Schutz nehmen und den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen treu bleiben.»



Kategorien:Israel, Politik

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