25. Tammus 5784


Nach den Tötungen von Hisbollah-Führer Fuad Shukr und Hamas-Chef Ismail Haniyeh wird Netanyahu heute noch das Sicherheitskabinett zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenrufen. Die Sitzung begann vor wenigen Minuten im Militärhauptquartier in Tel Aviv.

Der Führer des Palästinensisch Islamischen Jihad, Ziad Nakhaleh, befand sich zur Zeit des israelischen Angriffs im gleichen Gebäude, aber auf einem anderen Stockwerk, als Ismail Haniyeh. Er überlebte den Angriff unbeschadet. Obwohl seine Organisation die zweitgrösste Terror-Organisation in Gaza ist und an den Massakern am 7. Oktober teilnahm, war er nicht Ziel des Angriffs.
Die ‘berühmten’ letzten Worte werden gerne immer wieder in den Medien zitiert. So gab Haniyeh nur wenige Stunden vor seinem Tod ein TV-Interview. Er bezog sich dabei auf ein Treffen mit der iranischen Führung. Er freute sich darüber, dass auch der neue Präsident, der gestern vereidigt wurde, die Haltung seines Vorgängers zur «Palästinafrage, zum Widerstand und zu Jerusalem» übernommen hat. «Wir haben auch seine Haltung zum Nichtanspruch Israels auf nur einen Zentimeter des Landes Palästina gehört.»
Zwei britische Minister, Aussenminister David Mally und VM John Healey sind nach Katar gereist. Sie wollen dort die Bemühungen für eine Deeskalation der Situation in Gaza stärken, um zu einem Abkommen zu kommen, das den Krieg beendet.
Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock ruft nach der Eliminierung der beiden Terror-Anführer dazu auf, eine weitere Eskalation in der Region mit allen Mitteln zu vermeiden. «Die Hamas ist eine Terror-Organisation, die unzählige grausame und tödliche Angriffe auf Israel verübt hat. Das zentrale Anliegen besteht nun darin, einen regionalen Flächenbrand zu verhindern und nicht die gesamte Region ins Chaos zu stürzen.»
VM Yoav Gallant betonte entsprechend der Mitschrift eines Telefonates mit seinem Kollegen Lloyd Austin, dass der Staat Israel gerade in diesen Zeiten daran arbeite, einen Rahmen für die Freilassung der Geiseln zu schaffen. In der Erklärung heisst es, Gallant habe Austin über die ‘präzise Operation’ informiert, bei der der oberste Hisbollah-Kommandeur Fuad Shukr getötet wurde.
Gallant bezeichnete die Operation als direkte Reaktion auf den Angriff der Hisbollah und die Ermordung von zwölf Kindern in der nordisraelischen Stadt Majdal Shams, heisst es in der Mitteilung. „Minister Gallant betonte, dass Israel keinen Krieg anstrebt; die IDF bleibt jedoch bereit, ihre Bürger zu verteidigen und auf jeden Angriff der Hisbollah zu reagieren.»
Der Minister dankte Austin für seine Unterstützung Israels und seine Rolle in den Beziehungen der Länder während des Krieges.
Der PM von Katar, Sheikh Mohammed bin Abdulrahman al-Thani, stellt die in seinen Augen berechtigte Frage: «Wie kann eine Mediation erfolgreich sein, wenn die eine Seite den Verhandler der anderen Seite ermordet?» Er hinterfragt damit die Ernsthaftigkeit Israelsbei den Verhandlungen. «Frieden braucht ernsthafte Partner und eine globale Haltung gegen die Missachtung menschlichen Lebens.» Abgesehen davon, dass Haniyeh niemals selbst an den Verhandlungen teilgenommen hat und alle Entscheidungen seiner Nummer Zwei in Gaza, Yahya Sinwar, überlassen hat.
Der jordanische Aussenminister, Ayman Sadadi telefonierte mit seinem Kollegen Antony Blinken, um die «gefährliche Eskalation, die in der Region geschieht» zu diskutieren und um Möglichkeiten zu finden, wie dies zu stoppen ist. Er betonte weiterhin, dass das Ende des Krieges in Gaza die höchste Priorität hat und bezeichnete die Tötung von Hamas-Führer Ismail Haniyeh als «abscheuliches Verbrechen, einen Verstoss gegen das Völkerrecht und eine gefährliche Eskalation.» Kein Wort zu den Verbrechen der Hamas an Israel, kein Wort zu den Massakern, kein Wort dazu, dass die Hamas mit dem Abschuss von mehr als 3.000 Raketen allein am 7. Oktober den Waffenstillstand gebrochen hat, der seit 2021 bestand. Und, natürlich, kein Wort zu den Geiseln.
Der US-amerikanische Aussenminister Antony Blinken betonte in einem Telefonat mit dem katarischen PM Muhammad al-Thani die Notwendigkeit der weiteren Zusammenarbeit, um eine Vereinbarung zur Geiselbefreiung und zum Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas zu erreichen. Er versprach, dass die USA intensiv weiter daran mitarbeiten werden.

Die Iranischen Revolutionsgarden, vertreten durch Hossein Salami drohten: «Die Tötung von Ismail Haniyeh in Teheran wird zu einer harten und schmerzhaften Antwort führen, die wir gemeinsam mit der Achse des Widerstands in der Region durchführen werden.» Die Achse des Widerstandes bezeichnet die Verbündeten, wie Hisbollah, Hamas, und Houthis.

Die Izz a-Din al-Qassam Brigaden bezeichnen die Ermordung ihres Anführers als ‘kritisches Ereignis’. «Der Kampf gegen Israel wird damit auf eine neue Ebene gehoben und wird weitreichende Folgen für die gesamte Region haben. Die Verletzung der Souveränität von Ländern in der Region ist eine Fehleinschätzung und sollte alle Länder und Völker in der Region alarmieren.» Sie priesen Haniyeh als Mann voller Djihad[1] und Opfer, der viel zum Wachstum der Hamas beigetragen hat.
Die Reaktion in Gaza ist voller Vorwürfe an Israel. Stimmen werden laut, dass die Eliminierung des Terror-Chefs Haniyeh die Bemühungen erschweren wird, doch noch zu einem Abkommen zur Befreiung der Geiseln und zu einem Waffenstillstand zu kommen. «Dieser Mann hätte das Abkommen über den Gefangenenaustausch mit den Israelis unterzeichnen können», klagt Saleh al-Shannar, der aus dem Norden des Gazastreifens vertrieben wurde. «Warum haben sie ihn getötet? Sie haben den Frieden getötet, nicht Ismail Haniyeh.» Auch für Nour Abu Salam ist klar, dass Israel den Krieg nicht beenden und keinen Frieden in der Region will. «Durch die Ermordung von Haniyeh zerstören sie alles!» Al-Shannar übersieht dabei ganz, dass Haniyeh mehrfach betont hat, die Entscheidung Yahyah Sinwar zu überlassen. Der grosse Friedensfürst, als der er heute in Gaza und erstaunlicherweise auch in Judäa und Samaria betrauert wird, war, seit ich mich erinnern kann, nie mehr in Gaza. Während er seine Familie, die mittlerweile nahezu ausgelöscht wurde, in teils angenehmen, teils ärmlichen Leben in Gaza leben liess, erfreute er sich des Luxuslebens in Doha. Privatjet und Massanzüge aus feinstem Zwirn inklusive.
Auch aus Ägypten kommen kritische Töne zur Tötung der beiden Chef-Terroristen. Sie werden als «gefährliche Eskalation bezeichnet, die die Region entzünden könnte.» Kairo fordert den UN-Sicherheitsrat auf, zu verhindern, dass die Sicherheitslage der Region ausser Kontrolle gerät. Der Sicherheitsrat wird das tun, was er seit Jahren am besten kann: Eine Resolution verabschieden, die Israel einseitig verteufelt. Wir können nur hoffen, dass die USA ihr Vetorecht ausüben und dürfen gespannt sein, welche Staaten für die Resolution stimmen.




PA-Präsident Mahmoud Abbas hat eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Alle palästinensischen Flaggen werden auf Halbmast gesetzt, alle Geschäfte und Märkte bleiben heute geschlossen. Die Fatah, der auch Abbas angehört, wurde nach dem Sieg der Palästinenser in Gaza 2007 brutal aus dem Gazastreifen vertrieben. Seither hat sich Abbas nie wieder in den Gazastreifen getraut. Er wäre sofort umgebracht worden.
Der neue iranische Präsident Masoud Pezeshkian, kündigt harte Vergeltung an: «Das Land wird seine territoriale Integrität, seine Würde, seine Ehre und seinen Stolz verteidigen und die terroristischen Besatzer ihr feiges Vorgehen bereuen lassen». Auch Ali Khamenei, der oberste Führer des Irans, schwört Rache. Ob und wie der Iran reagieren wird, muss abgewartet werden. Teheran wird den ‘Doppelmord’ an zwei ranghohen Terror-Organisationen, die von ihnen gestützt werden, nicht unbeantwortet lassen.

Ob Haniyeh selbst jemals an Terroranschlägen teilgenommen hat, ist unbekannt. Er galt als der moderate und pragmatische Führer der Hamas, und bemühte sich in seinen Anfangsjahren als Chef der Hamas um eine enge Zusammenarbeit mit PLO und Fatah, die jedoch, wie bekannt ist, nicht gelang. Während der ersten Intifada wurde er 1987 und 1988 mehrfach zu kurzen Haftstrafen verurteilt, 1989 erhielt er eine dreijährige Haftstrafe und wurde anschliessend in den Südlibanon deportiert.
Seit 2018 gilt er in den USA als ‘globaler Terrorist’. Seit 2019 hielt er sich abwechselnd in Katar und der Türkei auf und steuerte die politischen und finanziellen Angelegenheiten der Hamas von dort aus. Im Mai dieses Jahres beantragte der Chefankläger des ICC, Karim Kahn, für ihn einen Haftbefehl und warf ihm im Hinblick auf die Massaker vom 7. Oktober «Ausrottung, sowie Mord, Geiselnahme, Vergewaltigungen und Folter als Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.»
Die Beisetzungsfeierlichkeiten beginnen am Donnerstag in Teheran. Anschliessend wird sein Leichnam nach Doha überführt, wo die eigentlichen Feierlichkeiten in der grössten Moschee des Landes stattfinden werden. Die Beisetzung ist auf dem Friedhof Lusail, wo sich auch das Grab des Staatsgründers von Katar, Jassim bin Mohammed al-Thani, befindet.



Gestern Abend hat die IAF ein Gebäude in Dahieh, im Süden Beiruts angegriffen, in dem sich der ranghöchste Militärkommandant der Hisbollah-Terror-Organisation, Fuad Shukr, aka Sayyid Musan, aufhielt. Shukr war verantwortlich für den tödlichen Angriff auf das Drusendorf Majdal Shams vom vergangenen Samstag, bei dem mindestens zwölf Kinder getötet und mehr als 30 teils schwer verletzt wurden. Die Hisbollah hatte die Verantwortung für den Beschuss abgewiesen. Jedoch konnte aufgrund der aufgefundenen Bestandteile sofort geklärt werden, dass es sich um eine iranische Rakete gehandelt hatte.
Shukr war neben dem Angriff auf Majdal Shams für weitere tödliche Angriffe auf Israel verantwortlich. Vor allem seit dem 7. Oktober soll er alle Angriffe auf Israel geplant und angeordnet haben.
Auch die Beschaffung der Waffen fiel in seine Verantwortung:

Von den USA wird ihm die Beteiligung an einem Bombenanschlag auf eine Kaserne der US-Marine in Beirut im Jahr 1983 angelastet. Bei diesem Anschlag starben 241 US-Soldaten und 58 französische Soldaten.
Auf seinen Kopf wurde eine Belohnung von US$ 5 Millionen ausgesetzt.
Fuad Shukr, der ranghöchste Militärkommandeur der Hisbollah und rechte Hand des Terroristenführers Hassan Nasrallah, wurde bei dem Angriff getötet. Der Angriff riss ein grosses Loch in die Seite eines achtstöckigen Wohnhauses im Süden Beiruts.
Das libanesische Gesundheitsministerium gab bekannt, dass bei dem Angriff drei Menschen getötet wurden, darunter zwei Kinder, und 74 Menschen verletzt wurden.
Zunächst wurde sein Tod von der Hisbollah nicht bestätigt, nachdem seine Leiche nicht gefunden wurde. Nachdem sicher war, dass er sich zum Zeitpunkt des Angriffs im Haus befand, wurde die Suche intensiviert. Am späten Nachmittag konnten Rettungsteams seinen Leichnam auffinden und bergen.

Der israelische Aussenminister Israel Katz schickte an Dutzende Kollegen einen formellen Brief, in dem er sie dringend bat, «eine sofortige Einstellung der Angriffe der Hisbollah, ihren Rückzug auf die Gebiete nördlich des Litani-Flusses und ihre Entwaffnung gemäss der Resolution 1701[2] des UN-Sicherheitsrats“ zu verlangen. «Israel ist nicht an einem umfassenden Krieg interessiert, aber der einzige Weg, das zu verhindern, ist die sofortige Umsetzung der Resolution 1701. Wenn das nicht geschieht, werden wir jedem mit grosser Kraft Schaden zufügen, der uns Schaden zufügt.»
[1] Djihad, auch: Dschihad, der [arab. Bemühen]; im Islam der allumfassende Einsatz für die Sache Allahs, das heißt Gottes. Der Djihad beinhaltet für den Muslim die Pflicht, nach seinen Möglichkeiten zur Verbreitung des Islam beizutragen und dessen Herrschaftsgebiet zu verteidigen oder zu vergrößern.
[2] Hier die UNO-Resolution 1701 vom 11. August 2006 im vollen Wortlaut.
Kategorien:Israel
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