Krieg in Israel – Tag 302  

28. Tammus 5784

Bei einem Treffen am Mittwochabend drängten die Sicherheitschefs Netanyahu, das in ihren Augen auf dem Tisch liegende Abkommen zur Befreiung der Geiseln und zum Waffenstillstand anzunehmen und zu unterschreiben.

Nach einem kurzen verbalen Schlagabtausch brüllte Netanyahu seine Sicherheitschefs an, donnerte mit der Faust auf den Tisch und beschimpfte sie, ‘unfähige Verhandler’ zu sein. Die Teilnehmer, VM Yoav Gallant, der Minister für strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, der Chef des Mossad, David Barnea, der Leiter des Shin Bet, Ronen Bar, der Generalstabschef der IDF, Herzi Halevi, und der IDF-Vermittler für die Geiselgespräche, Nitzan Alon, verliessen daraufhin den Raum.

Kurz darauf gab es eine Erklärung aus dem Büro des PM, dass dieser Bericht falsch sei.

Laut Kanal 12 verlief die Diskussion in etwa so:

Shin Bet-Chef Bar: «Ich habe das Gefühl, dass der PM den Vorschlag, der auf dem Tisch liegt, nicht will. Wenn das der Fall ist, sagen Sie es uns.»

IDF-General Alon: «Sie wissen, dass alle Parameter, die Sie kürzlich dem israelischen Vorschlag von Ende Mai hinzugefügt haben, nicht akzeptiert werden, und es wird keine Einigung geben. Mit dem, was Sie sagen, haben wir nichts, womit wir in den Verhandlungen weitermachen können. Wir sind bei null.»

IDF-Chef Halevi hat sich Berichten zufolge ähnlich wie Alon geäussert.

Mossad-Chef Barnea: «Es gibt eine Abmachung. Wenn wir es hinauszögern, könnten wir die Gelegenheit verpassen. Wir müssen sie ergreifen.»

Netanjahu, der auf den Tisch haut: «Ihr seid Schwächlinge. Ihr wisst nicht, wie man eine harte Verhandlung führt. Ihr legt mir Worte in den Mund.»

Einer ungenannten Quelle aus dem Sicherheitskabinetts zufolge hat Netanyahu die Geiseln aufgegeben, «obwohl wir ihm klargemacht haben, dass wir mit den Folgen eines Abkommens umgehen können.»

Offenbar hatte Netanyahu nach seiner Rückkehr aus den USA vor, VM Yoav Gallant zu entlassen. Das jedenfalls berichtete die Sprecherin des Nachrichtenportals Walla, Tal Shalev, gestern Abend. Weiterhin sei von ihm geplant, IDF-Generalstabschef Herzi Halevi und Shin Bet-Chef Ronen Bar aus ihren Ämtern zu entfernen. Damit wolle er die andauernde Kritik an seiner Art, die Verhandlungen zu führen, oder besser führen zu lassen, ausschalten. Als Nachfolger, so wurde vermutet, werden von ihm Personen eingesetzt, die ihm ergeben sind und keine seiner Zick-Zack-Entscheidungen infrage stellen.

Als Kandidat für das Amt des VM wird immer wieder Gideon Sa’ar genannt. Jener Mann, der Netanyahu als Parteivorsitzenden herausforderte, ihm kläglich mit grob 78 % zu 22 % unterlag und den Likud und die Politik verliess. Einige Jahre später kam er mit einer eigenen Partei zurück, stellte sich auf die Seite der neuen Bennett-Lapid Regierung, wurde Justiz- und Verteidigungsminister.

Nach dem 7. Oktober hatte er einen Beobachterstatuts im Kriegskabinett. Dort warf er Netanyahu wiederholt vor, den Krieg gegen die Hamas nicht aggressiv genug zu führen. Erfahrungen im Militär hat Sa’ar nicht, seinen Militärdienst beendete er als Unteroffizier.

Trotz der offensichtlichen Unstimmigkeiten ist das bekannte hochrangige Verhandlungs-Team in Kairo zur Wiederaufnahme der Verhandlungen eingetroffen. Neben Mossad-Chef David Barnea, Shin Bet Chef Ronen Bar, ist auch Ghassan Alian von COGAT mit dabei. In Kairo werden sie mit Geheimdienst-Chef Abbas Kamel und hochrangigen Militärs zusammentreffen. Der Schwerpunkt der Diskussionen wird auf der Freilassung der Geiseln und den Sicherheitsproblemen entlang der Grenze zwischen Ägypten und Gaza liegen.

Macht Platz! © Amos Biderman, Facebook

Im Zusammenhang mit der Eliminierung des Hamas-Chefs Ismail Haniyeh wurden im Iran mindestens zwei Dutzend Menschen festgenommen, die im Verdacht stehen, an den Vorbereitungsarbeiten beteiligt gewesen zu sein, berichtet heute die New York Times. Unter den Verdächtigen befinden sich Offiziere des Geheimdienstes und des Militärs, sowie Mitarbeiter des Gästehauses. Die Eliminierung Haniyehs auf Teheraner Stadtgebiet in einer schwer bewachten Villa stellt eine sehr grosse Sicherheitslücke dar. «Die Wahrnehmung, dass der Iran weder sein Heimatland noch seine wichtigsten Verbündeten schützen kann, könnte für das iranische Regime fatal sein, denn es signalisiert seinen Feinden im Grunde, dass sie die Islamische Republik zwar nicht stürzen, aber enthaupten können», so Ali Vaez, Iran-Direktor der International Crisis Group. Die Schuld an dem tödlichen Vorfall wird nach wie vor Israel angelastet. Aus Jerusalem war bisher kein Kommentar dazu zu hören.

Der ständige Vertreter des Irans bei der UNO warnte Israel heute, «dass die Hisbollah weiter und vor allem tiefer in israelischem Gebiet Zivilisten und Militärposten angreifen wird. Bisher hat sich die Hisbollah ‘gemäss einer ungeschriebenen Übereinkunft mit Israel’ darauf beschränkt, ‘ihre Aktionen auf Grenzgebiete und flache Zonen zu beschränken und hauptsächlich militärische Ziele anzugreifen’». Der Angriff Israels auf ein Wohngebäude in Danieh in Beirut sei jedoch eine Abweichung dieser Übereinkunft gewesen, an die sich das iranische Regime jetzt nicht mehr gebunden fühle. Haniyeh sei, behauptet ein Sprecher der iranischen Revolutionsgarde, von einem Kurzstreckengeschoss mit einem 7 kg-Sprengkopf getroffen worden.

Das Pentagon teilte am Freitag mit, dass es ein Kampfjet-Geschwader und einen Flugzeugträger im Nahen Osten stationieren wird. Damit soll die Verteidigung Israels gegen mögliche Angriffe durch den Iran und seine Stellvertreter verstärkt werden. VM Lloyd Austin wird weitere Kreuzer und Zerstörer sowie Abwehrsysteme nach Europa und in den Nahen Osten schicken. Wo welche Systeme stationiert werden, gibt das Pentagon nicht bekannt.

Am vergangenen Mittwoch wurde bei einem Drohnen-Angriff der IDF Ismail Alghoul ein Reporter von al-Jazeera, in Gaza City eliminiert. Gemeinsam mit ihm wurde al-Jazeera Kameramann Ramy El-Rify ausgelöscht. Nun liegt der IDF ein Dokument aus dem Jahr 2021 vor, das beweist, dass er aktives Mitglied der Hamas war. Er hat nicht nur am Massaker vom 7. Oktober teilgenommen, sondern bildete auch Terroristen darin aus, wie man Angriffe auf israelische Truppen filmt, verarbeitet und versendet. Das vorliegende Dokument stammt von der Festplatte eines im Gazastreifen beschlagnahmten PCs. Auf dieser Festplatte sind Tausende Mitglieder der Terrorgruppe erfasst.

Die IDF konnte heute mit einem gezielten Drohnen-Angriff eine Gruppe der palästinensischen Terror-Organisation Hamas ausschalten, die sich gerade auf dem Weg zu einem Anschlag befanden. Ihr PKW befand sich in Qaffin, in der Nähe von Tulkarem in Judäa. Alle fünf Insassen wurden bei dem Anschlag eliminiert, unter ihnen auch Haitham Balidi, der Kommandant der lokalen Hamas Gruppe. Kurz darauf erfolgte in Tulkarem ein zweiter Drohnen-Angriff. Weitere Einzelheiten dazu werden später bekannt gegeben.

In der südlibanesischen Stadt Bazourieh in der Nähe von Tyre, gelang der IDF mit einem Drohnenangriff die Eliminierung von Ali Abd Ali. Ali gehörte zu den Verantwortlichen für zahlreiche Anschläge auf die IDF und Nordisrael und war damit einer der führenden Hisbollah-Terroristen im Süden des Libanons.

Erneut hat die IDF in einer UNRWA-Schule eine Kommandozentrale und ein Kontrollzentrum der palästinensischen Terror-Organisation Hamas entdeckt. Die ehemalige Schule befand sich in Gaza City und wurde auch zur Herstellung von Waffen und als Waffenlager genutzt. Neu rekrutierte Terroristen wurden im Gebäude-Komplex vor den ersten Einsätzen trainiert.  Einige Räume dienten auch als Unterkünfte für evakuierte Zivilisten. Die IDF hat alles unternommen, im Gebäude anwesende Zivilisten zu schützen. Trotzdem spricht die Hamas von zehn Toten.



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