Krieg in Israel – Tag 306

3. Aw 5784

Die seit dem 7. Oktoberals vermisst geltende Bilha Inon, 76, s’’l, ist tot. Ihre Familie wurde gestern darüber informiert, dass sie während der Massaker in ihrem Haus in Netiv Ha’asara von den Hamas-Schlächtern ermordet wurde. Diese hatten, nachdem sie ihren Ehemann, Yakov Inon, 78, s’’l, ermordet hatten, das Haus der beiden völlig abgebrannt. Während Yakov auf Grund eines DNA-Abgleichs identifiziert werden konnte, fehlte von Bilha bis vor wenigen Tagen jede Spur und sie galt als vermisst. Jetzt konnte nach einem ‘komplexen Untersuchungs- und Ermittlungsverfahren’ eindeutig festgestellt werden, dass sie ebenfalls in ihrem Haus ermordet wurde.

In seiner letzten Rede vor der UNO betonte der scheidende israelische UN-Botschafter Gilad Erdan: «Der Iran und seine Stellvertreter drohen, uns aus allen Richtungen anzugreifen. Diejenigen, die versuchen, uns zu schaden, sollten wissen, dass wir uns nicht abschrecken lassen werden. Sie müssen wissen, dass sie einen hohen Preis zahlen werden und dass unser langer Arm sie überall erreichen wird», und er fuhr fort: «Selbst heute, da der Iran offen mit einer ‚Bestrafung Israels‘ droht, schweigt die UNO wieder einmal. Der Iran hat dieses Schweigen als grünes Licht verstanden, um seine Vorbereitungen für den Angriff auf Millionen von Israelis fortzusetzen. Das derzeitige Schweigen der UNO zum Iran erinnert an das weltweite Schweigen nach der Wannsee-Konferenz im Jahr 1942, als die Naziführung die Endlösung beschloss. Sie verstanden dieses Schweigen als grünes Licht für die Ermordung von Millionen von Juden

Der 50 Hamas-Mitglieder umfassende Shura-Rat[1] der Sektionen: Gaza, Westjordanland, Diaspora und Sicherheitsgefangene in israelischen Gefängnissen, hat sich auf Yahya Sinwar als Kandidaten für den Nachfolger von Ismail Haniyeh geeinigt. Die noch ausstehende offizielle Wahl ist damit nur noch eine Formsache. Sinwar, der seit dem Massaker vom 7. Oktober im Untergrund von Gaza lebt, gilt als der massgebliche Architekt für den tödlichen Überfall auf Israel. Die Massaker waren die Auslöser für den jetzigen Krieg, der Israel aufgezwungen wurde. Erklärtes Ziel Israels nach der Freilassung aller noch in Gaza befindlichen Geiseln, ist die völlige Zerschlagung und Entmilitarisierung der palästinensischen Terror-Organisation Hamas.

Sinwar ist Vertreter des ultra-radikalen Flügels, er gilt als äusserst brutal und skrupellos. In den 80er-Jahren sass er für 20 Jahre in einem israelischen Gefängnis, bis er im Jahr 2011 zu den 1.000 Gefangenen gehörte, die gegen den israelischen Soldaten Gilad Shalit ausgetauscht wurden. 2017 wurde er zum Hamas-Chef in Gaza. Sinwar ist auch Mitglied der extrem fanatischen Muslim-Bruderschaft.

Mit Sinwar wird erstmals ein in Gaza lebender Führer der gesamten palästinensischen Terror-Organisation Hamas gewählt. Mit der Führung im Ausland sollte sichergestellt werden, dass auch bei grossen Angriffen auf die Hamas, wie sie derzeit stattfindet, die Organisation problemlos weiter funktionsfähig bleibt. Das ist jetzt offensichtlich anders. Sinwar, seit Jahren schon die Nummer zwei hinter Haniyeh, hat mit dessen Billigung immer mehr Macht an sich gerissen. Die bisherige Führungsspitze in Doha, Haniyeh und Mashal, waren nicht vom geplanten Angriff auf Israel informiert. Auch das letzte Wort in den Verhandlungen zur Freilassung der Geiseln und zum Waffenstillstand lag bei Sinwar. Die Unterschrift von Haniyeh auf dem Dokument wäre eine reine Formsache gewesen.

Sinwar wird weiterkämpfen, schon vor Monaten hat er behauptet: «Wir brauchen Opfer!» Die Machtfülle, die sich jetzt in Sinwars Hand befindet, macht ihn zum nützlichen Idioten des Irans. Der Iran setzt zwar bis anhin mehr auf die Hisbollah im Libanon und die Houthis im Jemen, aber das kann sich jetzt jederzeit ändern. Der Gazastreifen befindet sich dann fest in der Hand der Mullahs aus Teheran.

Times of Israel bezieht sich auf einen Artikel vom 5. August im Jewish Chronicle und berichtet, dass die Bombe, die den ehemaligen Hamas-Führer Ismail Haniyeh ausschaltete, nur Stunden vor der Explosion platziert wurde. Die beiden Mitglieder der Iranischen Revolutionsgarde waren vom Mossad angeheuert worden. Im Haus montierte Überwachungskameras zeigen, wie beide in das Zimmer gingen, das für Haniyeh vorgesehen war und es nach drei Minuten wieder verliessen. Für Unbeteiligte sah dies nach einer durchaus üblichen Zimmerkontrolle aus. Es fiel niemandem auf, dass sie kurz darauf in einer schwarzen Limousine das Gelände verliessen, im Gegenteil, der Wachposten am Tor erkannte sie und liess sie ungehindert passieren.

Für ihre Aufgabe wurden sie mit einem Betrag in Millionenhöhe bezahlt und nur eine Stunde später unauffällig ausser Landes gebracht.

Durch den Einsatz einer Präzisionsbombe wurde sichergestellt, dass der Schaden am Haus gering blieb und keine unbeteiligten Personen verletzt oder gar getötet wurden.

Die Vorbereitungen zur Tötung von Haniyeh begannen, als er die Einladung zur Vereidigung des neuen iranischen Präsidenten annahm. Ab dem Moment wurden Telefonate zwischen den Organisatoren des Festes und den eingeladenen Gästen abgehört, das Gelände und vorhandene Sicherheitsmassnahmen ausgeforscht und Fluchtwege identifiziert. An der Operation selbst nahm eine nicht genannte Zahl von Personen teil.

Eine grössere Waffen-Produktionsstätte, die gemeinsam vom Palästinensisch-Islamischen Djihad und der palästinensischen Terror-Organisation Hamas genutzt wird, wurde gestern durch einen gezielten Luftangriff zerstört. Sie befand sich mitten in einem als ‘Humanitäre Schutzzone’ deklarierten Gebiet im Gazastreifen.

Der rechtsextreme-nationalistische Smotrich ist nicht nur ein Siedlerfreund, sondern auch ein Realitätsverweigerer. So behauptete er auf einer Konferenz in Yad Binyamin: «Wenn es eine jüdische Siedlung in Gush Katif gäbe, wäre das Massaker nicht passiert. Die Hamas hätte den Gazastreifen nicht übernommen und in ein riesiges Terrormonster verwandelt. Man sollte den Pionieren danken, die ihre Stellung gehalten haben und als Sicherheitsgürtel für Sderot und die umliegenden Städte und Kibbuzim dienten.» Gleiches gelte auch für Judäa und Samaria «Wo es keine Siedlung gibt, gibt es Terror!» Im Hinblick auf den aktuellen Vorschlag zur Vereinbarung über die Freilassung der Geiseln und den Waffenstillstand klagte er: «Das gefährdet die Sicherheit des Staates Israel und untergräbt die Errungenschaften des Krieges. Es macht mir Angst, dass alle Leiter des Sicherheitssystems das Gleiche denken. Das nennt man Herdenmentalität. Dieser Deal untergräbt die meisten Errungenschaften des Krieges. Die Hamas erholt sich schnell.» Dass die radikalen, aggressiv gegen Palästinenser vorgehenden Siedler sehr viel dazu beitragen, dass diese nützliche Idioten der Hamas werden und sich zunehmend radikalisieren, daran denkt er natürlich nicht. Die Siedler haben die ‘Politik’ in den Gebieten selbst in die Hand genommen und verüben Selbstjustiz. Statt sie einzubremsen, schauen die rechtsextremen Minister Ben-Gvir und Smotrich ihrem Tun nur zu.

Generalstabschef Herzi Halevi erklärte bei einem Truppenbesuch auf der IAF-Basis in Tel Nof, Israel befinde sich in höchster Alarmbereitschaft und sei in der Lage, auf jeden Angriff schnell zu reagieren. «Wir werden in der Lage sein, einen sehr schnellen Angriff überall im Libanon, überall im Gazastreifen, überall im Nahen Osten, über und unter der Erde, zu starten. Wir werden unseren Feinden, denjenigen, die uns angreifen und die in jeder Rede davon sprechen, dass sie den Staat Israel zerstören wollen, eine klare Botschaft senden. Wir werden sie angreifen, und wir werden immer stärker werden.» Den designierten neuen Hamas-Chef Yahya Sinwar warnte er: «Yahya Sinwar hat gestern einen neuen Titel erhalten, er ist Chef des Politbüros der Hamas. Dieser Titel, ein politischer Titel, entbindet ihn nicht von der Tatsache, dass er ein Mörder ist, der massgeblich an der gesamten Planung und Ausführung der Ereignisse vom 7. Oktober beteiligt war und deshalb wird uns die Änderung seines Titels nicht nur nicht davon abhalten, ihn zu suchen – sie spornt uns an. Wir werden uns bemühen, ihn zu finden, ihn zu schlagen und die Hamas zu veranlassen, den Leiter des Politbüros noch einmal zu ersetzen.»

Waffenprodukltion à la Iran … © Amos Biderman

Abschussrampen, von denen aus in den letzten Tagen vermehrt Raketen auf grenznahe Orte im Süden Israels, aber auch auf weiter entfernt liegende Städte wie Ashdod und Gan Yavne abgeschossen worden waren, wurden mit Angriffen der IAF zerstört. Einige der Rampen befanden sich in unmittelbarer Nähe von Lagerhäusern für humanitäre Hilfsgüter. Sekundäre Explosionen bestätigen, dass dort ausser humanitären Hilfsgütern auch Waffen gelagert wurden.

Als Reaktion auf den gestrigen Beschuss auf Sderot und Ashkelon wurde die Bevölkerung von Beit Hanoun aufgefordert, ihr Wohngebiet zu evakuieren und sich in Schutzräume im Zentrum von Gaza City zu begeben. Die IDF, so stand in der Aufforderung, werde sofort und mit aller Härte gegen die Hamas in der Region vorgehen.

Am späten Nachmittag wurden einige verdächtige Drohnen aus dem südlichen Libanon in Richtung Golan abgeschossen. Keine der Drohnen konnte von der IDF abgefangen werden, die IDF untersucht, warum das System versagt hat. Beim sofortigen Gegenschlag wurden mehrere Abschussrampen zerstört.


[1] Der Schura Rat, Madschlis asch-Schura, ist eine Ratsversammlung nach islamischen Recht und muss, gemäss frühislamischer Tradition vor jeder wichtigen Entscheidung angehört werden. In jenen Staaten, in denen die Scharia im Rang der Verfassung steht, ist die Schura das höchste parlamentarische Gremium.



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