Krieg in Israel – Tag 308

5. Aw 5784

Der Iran überdenkt, wenn man dem Bericht des Guardian Glauben schenken darf, Form und Ausmass der Vergeltungsschläge gegen Israel. Dem Bericht zufolge könnte Teheran gezielte Attentate auf Mitglieder des Mossad durchführen und die eigentlich geplanten Angriffe seinen Partner-Organisationen, Hisbollah, Houthi, Hamas u.a. überlassen.

Nicht alle muslimischen Staaten unterstützen einen umfassenden Angriff auf Israel. Teheran lässt sich davon kaum beeindrucken. Allerdings scheint es möglich, dass der immense diplomatische Druck, der auf den Mullah-Staat ausgeübt wird und der fordert, das Leben von Zivilisten weitgehend zu schonen, ein Einlenken ausgelöst hat.

Bei einem Treffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit wurde zwar die Tötung Haniyehs einstimmig verurteilt, aber keine formelle kollektive Unterstützung für einen iranischen Angriff auf Israel ausgesprochen. Der pakistanische Aussenminister, Ishaq Dar, sprach sich für diplomatische Lösungen aus und betonte: «Wir dürfen Netanyahus Plan für einen grösseren Krieg nicht erfüllen. Netanyahu will uns eine Falle stellen.»

Beim zweiten Treffen innerhalb weniger Tage zwischen den jordanischen Aussenminister Ayman Safadi und seinem iranischen Amtskollegen Ali Bagheri erklärte der Jordanier: «Ich werde iranische Raketen und Drohnen abschiessen, wenn sie auf dem Weg nach Israel in unseren Luftraum kommen.» Safadi hatte schon vor Tagen betont, dass er sein Land nicht zu einem Schlachtfeld machen lässt.

Bagheri hingegen betonte, dass Israel zwar den Krieg ausweiten möchte, aber weder die Kapazitäten noch die Kraft hat, gegen den Iran zu kämpfen. Wenn er sich da mal nicht täuscht!

Ganz andere Nachrichten werden vom Telegraph verbreitet. Der neue iranische Präsident versucht, gegen die Absicht der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), einen Krieg gegen Israel zu verhindern. Hochrangige Generäle der IRGC planen, Militärstützpunkte und Industrieanlagen innerhalb israelischer Städte anzugreifen. Das würde bedeuten, dass u.a. Tel Aviv, Haifa und  Ashdod ins Fadenkreuz der Angriffe kommen. Masoud Pezeshkian, neuer Präsident des Irans, hingegen tendiert eher dazu, israelische Stützpunkte ausserhalb von Israel anzugreifen. Ein solcher Angriff hatte im Januar auf einen ‘Spionagestützpunkt’ in Ebril, Kurdistan, stattgefunden. Das jedenfalls hatte die IRGC behauptet. Die letztendliche Verantwortung, welcher Art der Vergeltungsschlag sein wird, liegt jedoch ausschliesslich beim obersten Führer des Irans, Ayatollah Ali Khamenei. Die Bemühungen des IRGC, einen Krieg zu beginnen, könnten eher dazu dienen, die erfahrene Demütigung bei den Wahlen verloren zu haben, zu kaschieren. Das vermutet jedenfalls ein Berater des Präsidenten, der mit der Zeitung sprach.

Das Büro des PM teilte mit, dass eine Delegation am 15. August an den Verhandlungen mit der Hamas über die Geiselfreilassung und den Waffenstillstand teilnehmen wird. Diese Mitteilung kam als unmittelbare Antwort auf den dringenden Aufruf der USA, Ägyptens und Katars, die eingefrorenen Verhandlungen wieder aufzunehmen. «Es ist an der Zeit, sowohl der leidgeprüften Bevölkerung von Gaza als auch den leidgeprüften Geiseln und ihren Familien sofortige Erleichterung zu verschaffen. Es ist an der Zeit, den Waffenstillstand und die Freilassung der Geiseln und Gefangenen abzuschliessen.» Weiterhin hiess es, dass die Vermittler nach unermüdlicher Arbeit bereit sind, beiden Seiten einen endgültigen Vorschlag zu unterbreiten, bei dem nur mehr Einzelheiten ausgearbeitet werden müssen.

Worin jetzt der Unterschied zu den vorherigen Verhandlungsrunden liegen soll, ist mir unklar, vor allem, nachdem es noch vor wenigen Tagen hiess, dass die Verhandlungen möglicherweise bis nach den Wahlen in den USA eingefroren werden. Von der Hamas kam zunächst noch keine Stellungnahme.

Eine neue Forderung der Hamas ist die Freilassung von Marwan Barghouti, 64, während der ersten Phase des geplanten Waffenstillstandes. Das berichtet Sky News Arabia. Angeblich haben alle Mediatoren dieser Forderung zugestimmt. Ob allerdings Israel zustimmen wird, halte ich für völlig fraglich. Barghouti hat für die Planung von drei Terroranschlägen während der zweiten Intifada, bei denen fünf Israelis ihr Leben verloren, eine Haftstrafe von fünfmal lebenslänglich erhalten. Nachdem es der palästinensischen Terror-Organisation Hamas mittlerweile klar sein muss, dass sie nach dem Krieg keine führende Rolle mehr in Gaza haben werden, sehen sie in Barghouti einen möglichen politischen starken Mann, der Gaza in ihrem Sinne verwalten wird. Im März war eine ähnliche Forderung abgewiesen worden.

Ein noch ungenanntes britisches Frachtschiff wurde auf seiner Fahrt vom Golf von Aden in das Rote Meer gleich viermal von Houthi-Terroristen angegriffen. Eine Granate explodierte in der Nähe des Schiffes in der Nähe der Stadt Mokha. Eine Rakete wurde von einem unbemannten Boot abgefeuert, konnte aber vom bewaffneten Sicherheitsteams an Bord unschädlich gemacht werden. Der dritte Angriff erfolgte mit einer Drohne, die in einiger Entfernung zum Schiff ins Wasser stürzte. Der vierte Angriff erfolgte wiederum mit einer Rakete, die ebenfalls zu kurz fiel.

Nachdem gestern die Zivilbevölkerung einiger Gebiete in Khan Younis aufgefordert wurde, ihre Wohnungen zu verlassen und sich in humanitäre Schutzgebiete zu begeben, bestätigt die IDF heute die Wiederaufnahme einer intensiven Bodenoffensive. Khan Younis war während der vergangenen Monate immer wieder das Zentrum von schweren Kampfhandlungen. Zu Beginn des Jahres operierten die Truppen dort mehr als einen Monat, im Juli kehrte die IDF für eine Woche intensiver Kämpfe zurück, um jetzt erneut eine umfassende Bodenoffensive durchzuführen. Die IDF vermutet dort einige neu zusammengestellte Kampf-Formationen der palästinensischen Terror-Organisation Hamas, sowie den möglichen Aufenthaltsort einiger Geiseln.

Ein etwa drei Kilometer langer und dreistöckiger Tunnel wurde unter dem Netzarim-Korridor von der IDF entdeckt und zerstört. Der Tunnel war offensichtlich für längere Aufenthalte vorgesehen. Es gab Schlaf- und Aufenthaltsräume, eine Küche, Sanitäranlagen und Waffenlager. Es ist nicht der erste Tunnel dieser Art, aber der längste, gut ausgebaute, den die IDF zerstörte.

Mikhail Samara, 27, s’’l, verlor heute den Kampf um sein Leben. Er wurde am Dienstag auf einer Strasse zwischen Akko und Nahariya von einer fehlgeleiteten Abfangrakete tödlich getroffen, die gegen eine heranfliegende, mit Sprengstoff beladene Drohne abgeschossen worden war. Samara lebt mit seiner Familie in Kfar Yasif, studiert derzeit in Prag und war vor einigen Tagen zum Besuch seiner Familie heimgekommen. Beim gleichen Angriff durch aus dem Libanon abgeschossene Drohnen, wurden weitere 19 Personen verletzt.



Kategorien:Israel, Politik

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