Krieg in Israel – Tag 315     

12. Aw 5784

Der erste Tag der Verhandlungen in Doha brachte, so berichten zwei Teilnehmer, deutliche Fortschritte. Das lässt darauf hoffen, dass beide Seiten an einem Abschluss wirklich interessiert sind. Die Gespräche werden, und auch das ist ein gutes Zeichen, heute fortgesetzt. Auch wenn die Hamas, wie angekündigt, nicht mit am Tisch sass, waren die Gespräche konstruktiv.

„Habt ihr den Koffer selbst gepackt?“ – „Es ist so, dass uns jemand neue Unterlagen in den Koffer gelegt hat.“ © Guy Morad

Der katarische PM Mohammed bin Abdulrahman al-Thani betonte in Richtung Iran nach dem gestrigen Verhandlungstag in Doha. «Sie müssen sich gründlich überlegen, ob es für Sie oder die Hisbollah ratsam ist, Israel gerade jetzt anzugreifen, wo es solche Fortschritte gibt.» Offensichtlich zeigte der telefonische Appell Erfolg, wie die nachfolgende Information belegt. Als positiv darf auch gewertet werden, dass das israelische Team über Nacht in Doha blieb, obwohl zunächst Sicherheitsbedenken bestanden.

In einer gemeinsamen Erklärung von Ägypten, Katar und den USA heisst es, dass die USA Israel und der Hamas einen neuen Vorschlag unterbreitet haben, der die noch offenen Fragen der letzten Version schliesst. In der kommenden Woche soll das Treffen fortgesetzt und an der endgültigen Fassung gearbeitet werden. Die Vermittler bezeichnen das neue Dokument als „Überbrückungsvorschlag“ und weisen darauf hin, dass es noch Lücken gibt, obwohl sie sagen, dass es einige neue „Bereiche der Übereinstimmung“ zwischen den Seiten gibt. «Dieser Vorschlag baut auf den Bereichen auf, in denen in der vergangenen Woche eine Einigung erzielt wurde, und überbrückt die verbleibenden Lücken in einer Weise, die eine rasche Umsetzung des Abkommens ermöglicht.»

Nach dem Ende des zweiten Tages der Verhandlungen in Doha schiesst die Hamas schon wieder quer. Ein ranghoher, nicht genannter Hamas-Führer erklärte gegenüber Reuters, dass die ihnen vorgelegten Ergebnisse, über die die palästinensische Terrororganisation informiert wurde, nicht mit dem Vorschlag übereinstimmen, den sie Anfang Juli vorgelegt hätten.

Die Hisbollah hat angekündigt, während der Verhandlungen keine Vergeltungsschläge für die Ermordung von Hamas Chef Haniyeh und Hisbollah Chef Fuar Shukr ausüben zu wollen.  Der Grund ist, dass sie die laufenden Verhandlungen nicht stören wollen. Das betonte die Hisbollah gegenüber der Washington Post: «Weil die Partei nicht dafür verantwortlich gemacht werden will, die Gespräche oder ein mögliches Abkommen zu behindern. Der Vergeltungsschlag kann warten; er ist nicht dringend und hat keine zeitliche Begrenzung.»

Zehn Holzköpfe des Likud haben in einem Brief an Netanyahu ihre ’roten Linien’ aufgezeigt, über die, ihrer Ansicht nach, bei den Verhandlungen nicht diskutiert werden darf. Es handelt sich um einen nicht genannten Minister und neun MKs.

  • Die IDF muss unter allen Umständen im Philadelphi- und im Netzarim-Korridor verbleiben und darf nicht durch technische Geräte oder nicht-Israelis ersetzt werden.
  • ‘Der Feind’ darf unter keinen Umständen in den Norden des Gazastreifens zurückkehren
  • Freilassung aller lebenden und toten Geiseln
  • Ablehnung von jeglichem Rückzug von der nördlichen Grenze zum Libanon

Ob es gelingt, diese Forderungen durchzusetzen, scheint unwahrscheinlich.

Und schon wieder muss die IDF bekannt geben, dass einige Gebiete der humanitären Schutzzone in Khan Younis nicht mehr als sicher gelten können und geräumt werden müssen. Terroranschläge, Abschussbasen und andere terroristische Aktivitäten haben es notwendig gemacht, dass die IDF hier umfassende Operationen ausführt. Die Frühwarnung, bevor die Operationen beginnen, soll helfen, die Zivilbevölkerung zu schützen. Die Informationen wurden per SMS, Flugblättern, Telefonanrufen und Medien verbreitet. In den Gebieten befindliche Krankenhäuser müssen, so wurde es auch der lokalen Verwaltung mitgeteilt, nicht geräumt werden.

Die Familie von Manny Godard, 74, s’’l, der am 7. Oktober in seinem Haus im Kibbutz Be’eri ermordet wurde, setzte am Strand von Bat Yam ein ‘leuchtendes Zeichen’. Godard arbeitete lange als Lebensretter am Strand seines Heimatortes Bat Yam und konnte einigen Menschen das Leben retten. Gestern Abend schrieben seine Kollegen mit Leuchtkörpern «SOS» auf den Strand, als Zeichen der Geiseln, die immer noch in Gaza festgehalten werden. Gemeinsam mit Manny wurde auch seine Frau Ayelet, 64, s’’l, ermordet. Ihre sterblichen Überreste wurden erst zwei Wochen nach dem Massaker gefunden. Allerdings musste der Kibbutz im Februar bekannt geben, dass die sterblichen Überreste von Manny in den Gazastreifen verschleppt wurden, wo sie sich noch heute befinden.

Die Hisbollah hat ein PR-Video veröffentlicht, in dem sie eine unterirdische Lager- und Abschussanlage für Präzisionsraketen zeigt. Die Anlage wird als Emad 4 bezeichnet. Das Video ist laut Untersuchungen der IDF stark bearbeitet. Im Hintergrund ist die Stimme von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah zu hören, der die Wehrkraft seiner Truppe in höchsten Tönen beschreibt und lobt. Wie in mittelklassigen Science-Fiktion-Filmen fahren Motorräder und Autos durch die offenbar sehr grosse Anlage, Raketen werden auf LKWs geladen und abtransportiert, das Ganze unterlegt mit aufpeitschender Musik. Am Ende öffnet sich die im Boden verlegte Abschussrampen, werden in Position gebracht und die Raketen abgeschossen. Wenn das Video für Angst sorgen sollte, hat es bei mir seinen Zweck verfehlt, ich fand es nur lächerlich!

Eine Salve von Raketen wurde am Nachmittag von Gaza auf die Ortschaft Nirim in der Nähe der Grenze zu Gaza abgeschossen. Eine direkt auf die Ortschaft zu fliegende Rakete wurde abgefangen, die anderen gingen in offenem Gebiet nieder, verursachten aber keinen Schaden.

Ein an Krebs erkranktes Kind darf mit der Mutter ausreisen,

Die gute Nachricht des Tages: VM Yoav Gallant bestätigte heute, dass Israel einer zweiten Gruppe von schwerkranken Patienten, hauptsächlich Kinder, über Kerem Shalom die Ausreise nach Israel ermöglichte. In Zusammenarbeit mit den USA und COGAT wurden sie nach Jordanien zur lebensnotwendigen Therapie ausgeflogen. Gallant betonte: «Um unsere Kriegsziele zu erreichen, setzt die IDF die Politik der Regierung um, den Schaden für die Zivilbevölkerung im Einklang mit dem Völkerrecht zu begrenzen. Zu dieser Politik gehört auch die Erleichterung der Einreise von lebenswichtiger humanitärer Hilfe nach Israel. Und während sich die internationale Gemeinschaft auf humanitäre Fragen konzentriert, erinnere ich alle daran, dass Geiselnahme ein Kriegsverbrechen ist. 115 Geiseln, die im Gazastreifen festgehalten werden, sind eine eklatante internationale, humanitäre Krise. Wir sind entschlossen, sie nach Hause zu bringen.»

Die lustige Aussage des Tages: Bei einem Online-Gespräch mit einer Jüdin, die für die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris Spenden sammelte, sagte die jüdische Ikone Barbara Streisand, Trump solle dorthin zurückgeschickt werden, wo er hingehört, auf seinen Golfwagen, wo er über sein Golfspiel lügt.

Trump ist dafür bekannt, dass er immer eine Zahl von gleich markierten Golfbällen in der Tasche hat. Wann immer er einen Ball verliert oder als ‘unspielbar’ bezeichnen müsste, lässt hebt er ihn scheinbar auf und spielt ihn weiter. So hält er die Zahl der Strafpunkte geringer als ein ehrlicher Spieler.



Kategorien:Israel, Politik

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