Krieg in Israel – Tag 317

14. Aw 5784

Erneut muss die IDF den Tod von zwei Soldaten bekanntgeben. Maj. (res.) Yotam Itzhak Peled, 34 und Sgt. Maj. (res.) Mordechai Yosef Ben Shoam, 34, s’’l, verloren durch eine Bombenexplosion auf dem Netzarim-Korridor ihr Leben. Bei dem Vorfall wurden weitere Soldaten verletzt. Peled war Logistik-Offizier und für den Nachschub für die Truppen zuständig, Shoam war sein Fahrer. Die Terroristen der palästinensischen Terror-Organisation Hamas, die die Bombe gelegt hatten, nahmen den Transport unter Feuer, bevor sie flohen.

Infolge des Vorfalls liess Militär-Sprecher Avichay Adraee weitere Gebiete von Khan Younis räumen. In diesen Gebieten wurden die militärischen Aktionen verstärkt, um Terror-Zellen, sie sich neu formiert haben, aufzuspüren und zu eliminieren. Gestern wurden von der IDF mit Unterstützung der IAF mehr als 40 Ziele, Waffenlager, Abschussrampen und von den Terroristen genutzte Gebäude angegriffen und zumeist zerstört. Die UNRWA beklagt, dass nur mehr 11 % des gesamten Gebietes des Gazastreifens als ‘humanitäre Sicherheitszonen’ deklariert sind. Ob man dieser Zahl, die nicht belegt wurde, Glauben schenken darf, ist zweifelhaft. Aufgrund der immer wieder aufflammenden Kämpfe in bereits entmilitarisierten Zonen, müssen immer wieder Ortsteile geräumt werden, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

Maj. Gen. Aharon Haliva, hatte im April seine Mitverantwortung für die Massaker vom 7. Oktober zugegeben und seine Position als Chef des ‘Militärischen Aufklärungsdienstes’ zur Verfügung gestellt, war aber noch im Dienst geblieben, bis sein Nachfolger bestimmt war. Heute wird er alle Ämter an Maj. Gen. Shlomi Binder übergeben. Die Zeremonie war bereits für letzten Monat geplant, wurde aber wegen der Eliminierung von Haniyeh und Shukr verschoben.

Die palästinensische Terror-Organisation Hamas bestätigte, dass zwei ihrer hochrangigen Mitglieder heute Nacht mit einem Drohnenangriff in Jenin, Samaria, eliminiert wurden. Es handelt sich um Ra’afat Dawasim, Kommandant der lokalen Terror-Zelle in Jenin und Ahmed Abu Ara. Die zwei Terroristen waren mitverantwortlich für die Strassenbombe vom 27. Juni, einen Bombenangriff auf Arbeiter des Verteidigungsministeriums am 23. Juli, sowie die tödliche Schiesserei im Jordan-Graben am vergangenen Sonntag.

Ein ungewöhnliches Interview führte CNN-Moderator Jim Sciutto mit einem hochrangigen Vertreter der Hamas, Osama Hamdan.  Die Frage, ob die Terrorgruppe irgendeine Verantwortung für den Tod palästinensischer Zivilisten in Gaza zugibt, beantwortete er so: «Nun, mir scheint, Sie geben den Israelis das Recht, Palästinenser zu töten. Wenn Sie fragen, ob wir Bedauern für das empfinden, was Israel getan hat, müssen Sie verstehen, dass Israel seit 76 Jahren Palästinenser tötet.» Er macht Israel für das Scheitern des Oslo-Prozesses verantwortlich und beschuldigt das Land, alle Palästinenser vertreiben zu wollen. 

Frage: Wo steht der Satz, dass alle Einwohner vertrieben und/oder getötet werden sollen? A.) in der israelischen Unabhängigkeitserklärung? Nein, da steht das Gegenteil!  B.) In der Charta der Hamas? Richtig, da steht dezidiert, dass alle Juden vertrieben und/oder getötet werden sollen.

Sciutto erklärt, dass er seit 20 Jahren über die Terroranschläge der Hamas berichtet und fragt erneut nach der Verantwortung der Hamas für die toten Zivilisten. Hamdan wirft ihm erneut Voreingenommenheit vor: «Sie sehen alles mit israelischen Augen. Sie haben nicht gesehen, wie die Israelis in diesen 20 Jahren Tausende Palästinenser getötet haben.» Sciutto widerlegt dies: «Tatsächlich war ich 2014 und 2008 hier. Was Sie sagen, ist faktisch nicht wahr. Ich war bei beiden Konflikten hier. Meine Frage ist: Übernimmt die Hamas irgendeine Verantwortung für den Tod ihrer eigenen Leute in Gaza?» Hamdan blafft darauf zurück: «Sie können nicht selbst fragen und antworten. Entweder Sie lassen mich antworten, oder Sie können das Thema selbst zu Ende bringen. Sie wollen nur sich selbst und den Israelis zuhören.» Hamdan beendet anschliessend sehr abrupt das Interview und verliess den Raum.

Netanyahu versicherte anlässlich der Kabinettssitzung am heutigen Vormittag, dass Israel an den Forderungen bezüglich der Freilassung der Geiseln festhält, in anderen Punkten aber flexibel ist. «Wir führen sehr komplexe Verhandlungen, während auf der anderen Seite eine mörderische, hemmungslose und hartnäckige terroristische Organisation steht. Aber ich möchte betonen‚ wir führen Verhandlungen im Sinn von ‘Geben und Nehmen’ aber nicht ‘ Geben und Geben‘. Es gibt Bereiche, in denen wir Flexibilität zeigen können, und es gibt Bereiche, in denen wir keine Flexibilität zeigen können – und wir bleiben in diesen Bereichen standhaft. Wir wissen sehr wohl, wie man zwischen beidem unterscheiden kann.» Netanyahu beklagte berechtigt, dass die palästinensische Terror-Organisation noch nicht einmal einen Vertreter zu den Gesprächen nach Doha geschickt hat.

Die Diskussionspunkte zwischen Israel, der Hamas und Ägypten betreffend der Zukunft des Philadelphi-Korridors sind, so ein ungenanntes israelisches Teammitglied, lösbar. Die Gespräche in Kairo laufen weiter, eine Lösung aufgrund eines US-amerikanischen Vorschlags scheint möglich zu sein. Israelische Sicherheits-Fachleute sind der Ansicht, dass ein Rückzug der IDF aus dem für Hamas und Israel gleichermassen wichtigen Gebiet für die Hamas keine Möglichkeit bietet, sich mit neuen Waffen und Munition, sowie Baumaterialien zu versorgen. Allerdings gelte das zunächst nur für die erste Phase des sechswöchigen Waffenstillstands.

Sowohl die WHO, als auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres verlangen zwei einwöchige Waffenstillstandszeiten in Gaza. Die erste Woche solle am besten sofort oder zumindest sehr zeitnah beginnen, die zweite einen Monat später, also gegen Ende September. In dieser Zeit sollen 640.000 (!) Kinder bis zum Alter von zehn Jahren zwei Impfungen gegen Polio (Kinderlähmung) geimpft werden. Zur Anwendung kommt erstmals ein oraler Impfstoff. Ein ungeimpftes 10-monatiges Kind wurde positiv getestet, weitere Fälle sind noch nicht gesichert, obwohl die Kinder Symptome der Krankheit aufweisen. Bei im Juni entnommenen Abwasserproben wurden Polioviren nachgewiesen. Die Kampfpausen sollen es Kindern und Eltern ermöglichen, entsprechende Impfzentren zu erreichen. Neben dem Problem des Waffenstillstands muss die Frage gelöst werden, wie die notwendige durchgehende Kühlkette von der Anlieferung bis zur Verwendung sichergestellt wird. Diese muss mit den LKWs beginnen, die die Lieferung von der Luftfracht übernehmen, bis zur Lagerung vor Ort in den Impfzentren.

Wären diese Kampfpausen nicht eine wunderbare Gelegenheit, die Freilassung der Geiseln und der Gefangenen in israelischen Gefängnissen schnell und unbürokratisch voranzutreiben?

Eine Salve von mehr als 20 Raketen wurde am frühen Nachmittag vom Libanon auf die weitgehend evakuierte Stadt Kiryat Shmona abgeschossen. Die meisten Raketen wurden abgefangen, die restlichen fielen auf offenes Gebiet, ohne Schaden anzurichten.

Bei einem Vergeltungsschlag der IDF auf den Beschuss durch die Hisbollah wurden drei UNIFIL-Mitarbeiter leicht verletzt. Der Vorfall ereignete sich, als in der Nähe des Autos eine Explosion stattfand. Das klar als Fahrzeug der UNO gekennzeichnete Auto befand sich auf einer Kontrollfahrt in Yarine, einem Ort im südlichen Libanon. Der Vorfall wird noch untersucht. Die UNIFIL-Mitarbeiter konnten sicher auf ihre Basis zurückkehren. Die UNIFIL operiert seit 1978 hier, ihr offizielles Mandat ist es, die ‘Blaue Grenze’ zu sichern. Dieser Vorfall ist der erste bekannt gewordene seit dem Ausbruch des Krieges am 8. Oktober 2023, einen Tag nach dem Massaker.



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