22. Aw 5784

Auch heute musste die IDF leider wieder den Tod eines Soldaten bekannt geben. Mast. Sgt. (res.) Shlomo Yehonatan Hazut, 36, s’’l, verlor sein Leben bei einem Sprengstoffanschlag auf IDF-Soldaten im zentralen Gazastreifen.
Wie lange darf ein Mann, der offenbar nicht mehr ganz Herr seiner Sinne ist, als PM seinem Land dienen? Wann, durch wen und wie kann er seines Amtes enthoben werden?


Wie es gelungen ist, Tonaufzeichnungen vom Treffen des PM und seiner Ehefrau mit ehemaligen Geiseln und Familienangehörigen von Geiseln, die immer noch in Gaza festgehalten werden, aus dem Raum zu schmuggeln, bleibt ein Geheimnis! Jedenfalls strahlte ‘Kanal 12’ gestern einen dritten Teilmitschnitt aus.
Netanyahu spricht, obwohl das nicht das Thema des Treffens ist, über die Bedeutung der Verteidigung gegen die Hisbollah. «Ich möchte Ihnen sagen, womit ich mich beschäftige», sagte Netanyahu zu den Geiselfamilien, deren Stimmen alle vom Sender verfremdet worden waren. «Ich bin damit beschäftigt, die Zerstörung dieses Landes zu verhindern.»[1] Auf die Frage, ob also der Krieg wichtiger sei als die Geiseln, rügte er die Fragende, dass sie ihm nicht richtig zugehört habe.
«Die gesamte Existenz des Staates, die gesamte Existenz von Nir Oz, der neu aufgebaut wird, von Be’eri, von Tel Aviv, von Ra’anana, von Tiberias, von Haifa – alles, alles ist infrage gestellt», sagte er. «Ich sage Ihnen die Wahrheit, dass wir das verhindern können. Wir müssen diesen Plan gegen die Zerstörung Israels in Angriff nehmen.»
Die anwesenden Betroffenen drängen ihn, auf das Geisel-Abkommen, auf das sie warten, zurückzukommen, woraufhin er die Geduld verliert und sich in seinen bekannten Zynismus rettet: «Wenn wir ein Abkommen schliessen, wird alles gelöst sein – der Iran wird aufhören [uns zu bedrohen], usw., usw. Das ist verrückt. Einfach wahnhaft. Es gibt kein anderes Wort dafür.»
Eine der freigelassenen Geiseln kritisiert das häufige Gerede vom ‘Sieg gegen die Hamas’ und beklagt, dass wir bereits am 7. Oktober verloren haben. Was darauf folgt, ist ein unglaublicher Satz: «Israel hat nicht verloren. Wir haben gesagt, dass dies das schlimmste Ereignis seit dem Holocaust war und es ist ganz anders als der Holocaust. Im Holocaust gab es jeden Tag 4.500-5.500-mal den 7. Oktober. Hier sind wir nach einem Tag hineingegangen und haben diese Mörder verprügelt.» Zu Recht moniert eine ehemalige Geisel, deren Sohn immer noch in Gaza ist, sie befinde sich seither im Holocaust.
Als die gleiche Frau Netanyahu später fragte, warum er keine Verantwortung übernehme und alles immer auf die Hamas schiebe, blieb Netanyahu still und sagte nichts.

Der Sprecher des iranischen Aussenministeriums, Nasser Kanaani, gab in seiner X-Webseite völlig falsche Informationen bekannt. Israel habe seine Abschreckungskraft verloren und das strategische Gleichgewicht in der Region habe sich zu seinen Ungunsten verschoben. «Trotz der umfassenden Unterstützung durch Staaten wie die Vereinigten Staaten konnte Israel den Zeitpunkt und den Ort einer begrenzten und kontrollierten Reaktion des Widerstands nicht vorhersehen und muss sich nun innerhalb seiner besetzten Gebiete verteidigen.» Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah erklärte, das Sperrfeuer der Gruppe, sei eine Vergeltung für die Ermordung des hochrangigen Kommandeurs Fuad Shukr im vergangenen Monat, und sei «wie geplant» durchgeführt worden.
Gestern Abend endeten die Gespräche in Kairo ohne nennenswerten Erfolg. Beide Seiten konnten sich nicht auf einen Kompromiss bei den noch offenen Fragen einigen. Ein Mitglied der US-amerikanischen Mediatoren Gruppe betonte jedoch, die Gespräche seien in konstruktiver Atmosphäre verlaufen. Beide Seiten seien interessiert, zu einer Lösung zu kommen. Allerdings scheint es so, als ob die US-Amerikaner die einzig positiv denkende Verhandlungspartei ist. Weitere Gespräche sollen eine vier- bis sieben-tägige humanitäre Waffenpause erreichen, um die von der WHO und UNICEF geplanten Impfungen aller Kinder gegen Polio zu ermöglichen. Am Sonntag lieferte Israel ausreichende Impfstoffe für 1.3. Millionen Menschen. Auch Kühlgeräte zur Aufrechterhaltung der notwendigen Kühlkette wurden in der vergangenen Woche geliefert.



GStA Gali Baharav-Miara stoppte die Ernennung von Meir Suissa zum Polizeichef von Süd Tel Aviv durch den rechtsextrem-nationalistischen Ben-Gvir.
Suissa warf bei einer Anti-Regierungs-Demonstration am 1. März des Vorjahres eine Blendgranate in die Menge. Es gab einige Verletzte. Im Juli dieses Jahres wurde formell Anzeige gegen fünf Polizei-Offiziere erhoben, die, ebenso wie Suissa, bei der gleichen Demonstration Blendgranaten geworfen hatten. Zwei Frauen wurden durch die von Suissa geworfene Granate verletzt, sie litten unter post-traumatischen-Belastungsstörungen und leiden seither unter Tinnitus. Ein Mann erlitt eine Verletzung am Rücken, bei einem Vierten wurde ein Ohr nahezu abgerissen und musste angenäht werden.
Dieser völlig aus dem Ruder gelaufene, aggressive und verantwortungslose Polizist wurde nun von Ben-Gvir beförderte und zum Polizeichef einer der demografischen Brennpunkte Israels ernannt. Ben-Gvir lobte den Beamten und verurteilte den Druck «der auf einen Polizeibeamten ausgeübt wurde, der offenbar gemäss den ihm erteilten Anweisungen gehandelt hat. Ich stehe hinter dir!» Nota bene: Ben-Gvir ist der Chef der Polizei und daher der Einzige, der Anweisungen geben kann!
Ohne entsprechende Empfehlung durch den Polizeichef ist eine solche Beförderung durch Ben-Gvir rechtlich nicht möglich und stellt einen schweren Bruch der Vorschriften dar. «Alle gesetzlich vorgeschriebenen Schritte und die Befugnis des Ministers für nationale Sicherheit, ihn zu ernennen, wurden unternommen», fügte der ultranationalistische Minister hinzu. «Die Generalstaatsanwaltschaft ist ein empfehlendes Gremium, kein Entscheidungsgremium, deshalb ist Suissa der Hauptkommissar und Kommandant der Station Tel Aviv-Süd.»


Libanesische Medien berichten, dass der gezielte Drohnen-Angriff auf einen PKW in Sidon sein Ziel verfehlte. Einerseits wird behauptet, dass der Insasse des PKWs überlebt hat, andererseits, dass sich zum Zeitpunkt des Angriffs niemand im Auto befand. Das Ziel des Angriffs sei ein ranghoher Vertreter der palästinensisch islamischen Terror-Organisation Hamas im Libanon gewesen. Am Mittag wurde bekannt, dass Nidal Hleihil, das Ziel des Angriffs, schwer verletzt wurde, als er sich auf dem Weg von seinem Haus zu seinem Auto befand.
Die IDF zerstörte heute den Raketenwerfer, von dem aus gestern ein Angriff auf Rishon le Zion erfolgt war. Während die Hamas behauptete, Tel Aviv beschossen zu haben, ging die Raketen auf offenem Gelände in der Nähe Stadt Rishon le Zion nieder, ohne Schaden anzurichten. Der Raketenwerfer befand sich in unmittelbarer Nähe einer Schule im südlichen Khan Younis. Die auf den Angriff der IDF folgenden Sekundär-Explosionen weisen darauf hin, dass dort weitere Munition gelagert war.

Der unter griechischer Flagge segelnde Öltanker ‘Sounion’, der von den Houthi-Terroristen manövrierunfähig geschossen wurde, brennt immer noch. Die Brände befinden sich an fünf verschiedenen Orten des Schiffes. Obwohl er mit 150.000 Tonnen Rohöl beladen ist, gibt es noch keine Anzeichen eines Ölteppichs. Das Schiff liegt nach wie vor in internationalen Gewässern vor Anker.

Den dritten Artikel in der Reihe von vier, die ich hier mit Vergnügen vorstelle – ja ihr habt recht, alle sind Netanyahu-kritische Artikel und wunderbar geschrieben. Ein zweiter Kolumnist des Ha’aretz, Benny Morris, schreibt über Netanyahu der sich mit einem Mann, der schon zu Lebzeiten das Prädikat ‘elder statesman’ wohl verdient hatte, Winston Churchill, vergleicht.
Der Chef des Nationales Sicherheitsrates und treu ergebener Diener seines Herren, Tzachi Hanegbi, beteuerte in einem Interview in ‘Kanal 12’: «Netanyahu wird in die Geschichte eingehen als jemand, dem es gelungen ist, Israel zu stärken.» Welche wahnwitzige Aussage! Für Benny Morris Grund genug, ihn zu korrigieren: «Benjamin Netanyahu wird in den Geschichtsbüchern, die in den kommenden Jahrzehnten geschrieben werden, als Israels schlechtester Premierminister dargestellt werden.»
Traurig, aber nur zu wahr. Der Mann, der einst als ‘Mr. Economy und Mr. Security’ hochgelobt wurde, hat auf der ganzen Linie versagt. Besonders zwei Faktoren werden seine Geschichte für immer tiefschwarz einfärben: Das Versagen bereits lange vor dem 7. Oktober, als er sich weigerte, die Schrift an der Wand, die ihm von Sicherheitsexperten präsentiert wurde, zu sehen. Das Versagen am 7. Oktober, als er sich irgendwo versteckte, um nicht mit den Dramen, die sich vor seinen Augen abspielten, konfrontiert zu werden. Das Versagen seit dem 7. Oktober, als er die Kriegsziele permanent in der falschen Reihenfolge nannte (1. Zerstörung der Hamas, 2. Befreiung der Geiseln und 3. Erhöhung der Sicherheit im Land) und dies auch nie korrigierte. Keines der Ziele hat er seit dem 7. Oktober erreicht, und trotzdem fabuliert er immer wieder vom ‘zum Greifen nahen absoluten Sieg’. Der zweite Faktor stinkt, so wie nur unberechtigterweise erhaltenes Geld, oder geldwerte Geschenke stinken können. «Pecunia non olet.»[2] Netanyahu steht für diese unsauberen Einnahmen, i.e. Korruption, vor Gericht.
Wo sieht der treue Knecht Hanegbi also die Stärke Israels?
Benny Morris geht auch hier mit Netanyahu scharf ins Gericht. «Israel ist heute schwach und wird von seinen Feinden als schwach wahrgenommen, trotz des Bombenlagers im Keller und trotz seiner Panzerdivisionen und legendären Spezialeinheiten. Der Hauptverantwortliche dafür ist der Premierminister der letzten 15 Jahre (mit einer Pause von etwa anderthalb Jahren in den Jahren 2021-2022).» Im Hinblick auf das Kriegsgeschehen der letzten 10 ½ Monate zeigt er sich frustriert: «Seit mehr als zehn Monaten ist es Israel mit einer Armee von einer halben Million Soldaten nicht gelungen, eine Terrororganisation von 30.000 Kämpfern, die hauptsächlich mit Sturmgewehren, Panzerfäusten und Panzerabwehrraketen ausgerüstet sind, in einem winzigen geografischen Gebiet auszurotten.» Allein schon die Diskrepanz in der Zahl der Kämpfenden rechtfertigt es doch nicht von einem ‘asymmetrischen’ Krieg zu sprechen. Obwohl es das natürlich ist! Allein die unüberblickbaren Tunnelsysteme, die sich wie ein Spinnennetz unter ganz Gaza verbreiten, rechtfertigen diese Aussagen. Sperren wir oberirdisch den Netzarim-Korridor, ‘unterlaufen’ uns die Terroristen und machen uns eine lange Nase.
Auch die Hisbollah hat es erkannt, dass wir nicht mehr so stark sind, wie wir es vorgeben. Wir reagieren bestenfalls auf den Dauerbeschuss aus dem Libanon, vor wenigen Tagen haben wir erstmals einen Präventivschlag lanciert.
Netanyahu vergleicht sich gerne mit Winston Churchill. Der hatte im Zweiten Weltkrieg zu den Amerikanern gesagt: «Gebt uns die Werkzeuge, wir erledigen den Job.» Netanyahu sagte zu US-Aussenminister Antony Blinken: «Geben Sie uns die Werkzeuge, dann erledigen wir die Arbeit viel schneller.» Benny Morris beschreibt Churchill als ‘kühnen und warmherzigen’ Politiker und Anführer, «der die Gefahr für sein Land vorausschauend erkannte und dem es schliesslich gelang, sein Volk angesichts der Bedrohung durch die Nazis zu vereinen. Im Gegensatz zu Churchill hat Netanyahu trotz ständiger Warnungen durch die Leiter des Verteidigungsapparats die Sicherheitsbedrohung für Israel nicht erkannt und in den vergangenen zwei Jahren durch seine Bemühungen, die demokratischen Institutionen des Landes zu untergraben, sowie durch eine Vielzahl von Manipulationen im Zusammenhang mit dem Kriegsverlauf und dem Problem der israelischen Geiseln im Gazastreifen die Israelis tief gespalten.»
Doch wo Churchill entschieden und entschlossen handelte, verhält sich Netanyahu zögerlich. Doch er beherrscht die Kunst der Manipulation und verkauft sein Zögern als Kriegskunst und Klugheit. Und seine getreuen Diener glauben es ihm! Aber Netanyahu ist nicht nur nicht Churchill, er ist auch nicht Fabius Maximus (275 – 203 BCE), der sich den Beinamen ‘cunctator’ [der Zögernde] erwarb, als er mit zögerndem, bedachten Handeln Rom vor den Katharern rettete. Netanyahu verschob gegen den Willen des Verteidigungsministers den Beginn der Bodenoffensive. Das Verhalten kennen wir schon von früheren Operationen gegen die Hamas, die er nie zu Ende führen liess. Er verweigerte auch einen Präventivschlag gegen die Hisbollah, kurz nachdem diese mit den Angriffen auf den Norden Israels begonnen hatte. Wie er gegen die Hisbollah vorgehen lassen soll, das weiss er bis heute noch nicht. Was aus den ‘zur Diskussion stehenden Gebieten Judäa und Samaria’ werden soll, hat er auch noch nicht zu Ende gedacht. Man könnte noch zahlreiche Versäumnisse und Fehlentscheidungen aufführen. Benny Morris führt sie an. «Aufstacheln und spalten, aufstacheln und spalten ist sein ständiger Modus Operandi gewesen. Ein früherer Likud-Ministerpräsident, Yitzhak Shamir, nannte Netanyahu zu Recht einen „Sabotageengel“.»
Ich will nicht die Neugierde am Lesen des gesamten Textes zerstören, er ist es wert, gelesen zu werden.
Ich zitiere deshalb nur den letzten Absatz: «Ich weiss nicht, ob Netanyahu, wie Nehemia Shtrasler jede Woche in Haaretz schreibt, „die verachtenswerteste Person in der Geschichte des jüdischen Volkes“ ist. Aber es besteht kein Zweifel daran, dass er der korrupteste, korrumpierendste und inkompetenteste aller israelischen Premierminister ist, und so wird ihn die Geschichte auch beurteilen.»
[1] Zum Vergleich, der Cousin von Netanyahu, dessen Text ich gestern vorgestellt habe, ist da ganz anderer Meinung!
[2] Kaiser Vespasian bessert seine Staatskasse damit auf, dass er in öffentlichen Latrinen Urin sammeln liess, um mittels des ‘gefaulten’ Urins, der Ammoniak bildet, den Gerbern und Wäschern verkaufte. Nicht nur, dass er den Urin sammeln liess, er erhob auch noch eine ‘Latrinensteuer’, um die Einnahmen zu erhöhen.
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