26. AW 5784
Die IDF beendete heute eine dreiwöchige Operation im südlichen Gazastreifen. Dabei wurden sechs Kilometer Tunnelanlagen zerstört, mehr als 250 Terroristen ausgeschaltet und die sterblichen Überreste von sechs Geiseln geborgen. Betroffen von den Operationen waren Khan Younis und die Aussengebiete von Deir al-Balah. Die Soldaten verlassen nun den Gazastreifen für eine kurze Erholungsphase und anschliessende Vorbereitung auf den nächsten Einsatz. Jene Zivilisten, die vorübergehend ihre Häuser verlassen mussten, können wieder dorthin zurückkehren.

Ein Kommandant der Hamas Organisation in Jenin wurde gemeinsam mit zwei weiteren Terroristen durch einen gezielten Drohnen-Angriff eliminiert. Wissam Hazem wurde in einem PKW entdeckt und eliminiert. Undercover operierende Grenzpolizisten eröffneten das Feuer auf den PKW, später kam zusätzlich eine Drohne zum Einsatz. Die zwei anderen Terroristen, die in der Gruppe von Hazem arbeiteten, waren auch an Angriffen aktiv beteiligt. Im zerstörten PKW befanden sich zahlreiche Waffen und Munition.

Das ‘Forum der Geisel-Familien’ klagt Netanyahu an, keine Möglichkeit zu verpassen, eine Chance verstreichen zu lassen, um eine Vereinbarung zur Freilassung der Geiseln zu verhindern. «Nach fast einem Jahr der Vernachlässigung lässt Netanyahu keine Gelegenheit aus, um sicherzustellen, dass es kein Abkommen geben wird. Es vergeht kein Tag, an dem Netanyahu nicht konkrete Massnahmen ergreift, um die Heimkehr aller Geiseln zu gefährden.»


Das Sicherheitskabinett hatte in der Nacht die Forderung Netanyahus unterstützt, die IDF-Truppen im Philadelphi-Korridor zu belassen. Das auch in dem Fall, falls irgendwann ein Geisel-Abkommen ratifiziert wird. Der Antrag wurde von acht Mitgliedern angenommen, VM Yoav Gallant stimmte dagegen und Ben-Gvir enthielt sich der Stimme. Von der Hamas wurde bereits indirekt bekannt, dass sie unter diesen Umständen die Verhandlungen erneut und vielleicht auch endgültig als gescheitert ansehen.

Den vorläufigen Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen VM Yoav Gallant und Netanyahu war gestern Abend zu hören. Netanyahu wieder einmal im Modus ‘nur ich bestimme, was hier geschieht’, hatte ohne Wissen seines VM beschlossen, die Thematik rund um den Philadelphi-Korridor zur Abstimmung zu bringen. Er liess von den anwesenden Ministern Karten absegnen, die die Positionierung der IDF im umstrittenen Abschnitt zeigt. Die folgende Abstimmung hatte allerdings nur mehr symbolischen Charakter, nachdem der Inhalt des Papiers bereits der Hamas, Ägypten und den US vorgelegt worden war. Der ansonsten sehr kontrollierte Gallant wurde laut. ‘Kan-News’ und ynet zitierten ihn: «Der Premierminister kann dem Kabinett jede Entscheidung vorlegen, die er will, einschliesslich der Abstimmung über die Tötung der Geiseln.» Einer der anwesenden Minister erklärte: «Dies war der härteste Zusammenstoss zwischen Netanyahu und Gallant, an den ich mich erinnern kann. Netanyahu hat Gallant völlig isoliert. In solchen Situationen kann ein Verteidigungsminister genauso gut seine Schlüssel weglegen.»
Nachdem Oppositionsführer Yair Lapid gestern ausführlich vor dem inoffiziellen Untersuchungsausschuss ausgesagt hat, gibt es heute weitere Berichte, die die Aussagen von Lapid vollumfänglich bestätigen. So hat am 23. Juli 23 der Chef des Shin Bet, Ronen Bar, Netanyahu tatsächlich gewarnt, dass ein Krieg bevorstehe «wenn sich an der Art der Regierungsführung nichts ändert.» Ronen Bar warnte damals auch, dass die Feinde Israels in den Umsturzbemühungen im Bereich der Justiz eine Schwächung Israels und damit die Gelegenheit für einen Angriff sehen. «Heute gebe ich Ihnen eine Warnung vor dem Krieg. Wir wissen nicht, an welchem Tag und zu welcher Zeit er ausbrechen wird», wird Ronen zitiert. Eine gleichlautende Warnung gab er am gleichen Tag auch gegenüber Lapid ab. Ronen Bar ging bei seiner Warnung eher von einem Krieg gegen die Hisbollah oder in Judäa und Samaria aus und weniger gegen die Hamas. Gegenüber ‘ynet’, das heute darüber berichtet, betont das Büro des PM: «Netanyahu hat keine Warnung über den Krieg in Gaza erhalten – nicht zu dem in dem Artikel angegebenen Datum und nicht eine Minute vor 6:29 Uhr am 7. Oktober.» Das PMO bezieht sich nur auf den Krieg in Gaza, bestreitet aber nicht, dass eine allgemeinere Warnung ausgesprochen wurde.

Ein Sprecher des US-Aussenministeriums bezeichnet sich als äusserst besorgt, dass es erneut zu einem Angriff auf ein als ‘UN’ gekennzeichneten PKW kam. Bereits am Mittwoch war ein PKW des ‘World Food Programme’ mit mindestens zehn Kugeln beschossen worden, als er sich einem israelischen Militär-Checkpoint näherte. Die NGO stellte daraufhin sofort sämtliche Aktivitäten im Gazastreifen bis auf Weiteres ein. Nach einer ersten Untersuchung hielt die IDF fest, der Vorfall sei bedingt durch einen Kommunikationsfehler gewesen. Die US forderten Israel dringend auf, sofort dafür Sorge zu tragen, dass ähnliche Vorfälle nicht mehr vorkommen.
Während der Nachtstunden zerstörten Kampf-Jets einige Raketen-Werfer im südlichen Libanon. Durch den Beschuss wurden einige Raketen Richtung Israel abgeschossen, gingen aber allesamt in offenem Gelände nieder, ohne Schaden anzurichten.

Die Houthi-Terroristen haben gestern den brennenden griechischen Öltanker geentert und auf der gesamten Länge des Frachter Sprengstoffladungen angebracht, die dann mittels Fernzündung zur Explosion gebracht wurden. Sie hielten das Geschehen mittels Videos fest und verbreiteten dies in den sozialen Medien. Offenbar ist es ihnen gleichgültig, ob auf diesem Weg ein Ölteppich eine riesige Umweltkatastrophe auslösen kann. Als Begründung, warum dies bereits der dritte Frachter von ‘Delta Tankers’ ist, der von den Houthis angegriffen wird, gaben sie an, dass das Unternehmen den Entscheid, keine Häfen im ‘besetzten Palästina’ anzulaufen, missachtet.

Die gute Nachricht des Tages: Im Hafen von Ashdod sind 3.577 Paletten mit Hilfsgütern für Gaza auf dem Seeweg von Zypern angekommen. Die Hilfsgüter stammen aus Spenden von internationalen Hilfsorganisationen. Es wurde bereits mit dem Löschen der Ladung und dem Umladen zur Weiterfahrt nach Gaza begonnen.
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