Krieg in Israel – Tag 330

27. Aw 5784

Wer glaubt, es kann nicht schlimmer kommen mit Netanyahu, der irrt! Am Donnerstag hat er, laut einem Protokoll der Sitzung des Sicherheitskabinetts, klargestellt, dass der Verbleib der Truppen im Philadelphi-Korridor, [für ihn] den Vorrang gegenüber der Rettung der Geiseln hat. Das ist nicht nur der letzte Beweis für den Graben, der zwischen Netanyahu und VM Yoav Gallant liegt, sondern auch für seinen Geisteszustand, an dem man täglich mehr zweifeln muss. 

Ich zitiere: Laut einem Protokoll der Sitzung, das Channel 12 am Freitag zugespielt wurde, waren die Minister nicht im Voraus darüber informiert worden, dass sie über die IDF-Karten abstimmen würden, und Gallant verlangte zu wissen, warum dies notwendig sei.

«Die Bedeutung dieser Abstimmung liegt darin, dass die Hamas ihr nicht zustimmen wird, sodass es kein Abkommen geben wird und keine Geiseln freigelassen werden“, erklärte Gallant den Ministern.

Netanyahu erwiderte: „Das ist die Entscheidung.»

Zu den bereits vor dem Bezirksgericht Jerusalem anhängigen Verfahren gegen ihn füge ich noch hinzu «Verhinderung von lebensrettenden Massnahmen in etwa 105 Fällen». Das Gleiche gilt natürlich auch für die Mitglieder des Sicherheitsrates.» Selbstverständlich hilt es n

Die FIFA, der internationale Fussballverband mit Sitz in Zürich, hat einen Antrag der Palästinenser auf den kommenden Oktober verschoben. Der Antrag lautet, die israelische Mannschaft bis auf Weiteres von der Teilnahme an internationalen Spielen zu sperren. Der Grund: Der Krieg Israels gegen die Hamas. Die FIFA kündigte eine Dringlichkeitsuntersuchung an, deren Ergebnis bis zum 31. August vorgelegt werden sollte. Ohne eine Begründung zu geben, wurde mitgeteilt, der Antrag werde bei der kommenden Sitzung im Oktober diskutiert. Falls die FIFA dem Antrag der Palästinenser folgen wird, haben sie Folgendes vergessen:

  1. Die Palästinenser beendeten den Waffenstillstand, der seit Mai 2021 hielt, durch Beschuss auf Israel mit mehr als 3.000 Raketen am 7. Oktober 2024
  2. Massaker in der Umgebung von Gaza, bei dem mehr als 1.300 Israelis grausam vergewaltigt, gefoltert, verstümmelt und ermordet wurden, etwa 250 Israelis tot oder lebendig als Geisel nach Gaza verschleppt wurden und mehr als 4.500 Israelis verletzt wurden.
  3. Unabhängig vom derzeitigen Verlauf des Krieges muss klar sein, dass dies erneut ein Krieg ist, den Israel nicht wollte.

Der Antrag der Palästinenser ist daher bestenfalls obsolet.

Das Flüchtlingslager Jenin 2009, nach einer teilweisen Zerstörung durch die IDF, nachdem vorn dort zahlreiche Attentate gegen israelische Zivilisten ausgeführt worden waren

Die IDF gab am Morgen bekannt, dass der Schwerpunkt der Operationen in Samaria sich nun auf das Gebiet um Jenin begrenzt. Im dortigen Flüchtlingslager leben etwa 15.000 Menschen auf engem Raum zusammen.

Es sind Nachkommen jener ‘Flüchtlinge’, die zwischen 1947 und 1949[1] aus eigenem Antrieb, aufgestachelt von ihren eigenen Clanchefs oder zum weitaus geringeren Teil von der Hagana[2] aus ihren Wohngebieten vertrieben worden waren. Von der Arabischen Liga gewährte nur Jordanien den Flüchtlingen eine neue Staatsbürgerschaft. Alle anderen wiesen ihre Mitglieder an, palästinensischen Flüchtlingen die Staatsbürgerschaft zu verweigern, um deren „Identität nicht zu verwässern und ihr Recht auf Rückkehr in ihr Heimatland zu schützen“. Das zu tun bemüht sich die UNRWA nach besten Kräften, sie verwaltet u.a. 53 Flüchtlingscamps, sorgt dafür, dass die dort lebenden Menschen auch nach mehr als 75 Jahren immer noch den Flüchtlingsstatus besitzen und sich aus ihrem grossteils armseligen Leben in den Camps kaum befreien können. Wer von ihnen damals über die Möglichkeit verfügte, in Drittländer ausserhalb der Arabischen Liga zu flüchten, tat dies. Dort unterstehen sie zwar theoretisch immer noch der UNRWA, sind aber schon lange Staatsbürger ihrer neuen Heimatstaaten und dort integriert[3].

Über die UNWRA gibt es sehr viel zu sagen, was diesen Rahmen aber deutlich sprengt. Nur so viel, es ist ihnen gelungen, aus etwa 750.000 Flüchtlingen mittlerweile auf mehr als  fast 6 Millionen zu vermehren.

In den letzten 24 Stunden gab er es heftige Kämpfe zwischen palästinensischen Schützen und der IDF. Es gelang der IDF Dutzende Sprengsätze auszuschalten, die unter dem Strassenbelag installiert waren, um die Fahrzeuge der IDF am Vorankommen zu hindern.

Der ehemalige Chef des militärischen Nachrichtendienstes, Amos Yadlin, verurteilt die Abstimmung des Sicherheitsrates zum Philadelphi-Korridor. VM Yoav Gallant hatte vorhergesagt, dass eine Beibehaltung der Präsenz am Philadelphi-Korridor «wahrscheinlich endgültig zum Scheitern des Abkommens und damit zum Tod der Geiseln führen werde.» Yadlin betonte gegenüber ‘Kanal 12’: «Die Entscheidung bedeutet, dass die Regierung ihrer moralischen Verpflichtung, Frauen, Kinder und ältere Menschen, die am 7. Oktober aus ihren Häusern entführt wurden, sowie Soldaten nach Hause zu bringen, nicht nachkommen wird. Die Geiseln sind im Stich gelassen worden», sagt Yadlin und nennt die Haltung der Regierung ‚inakzeptabel‘. Er fordert jeden Israeli auf, heute „auf die Strasse gehen und gegen eine ‘skandalöse’ Situation zu demonstrieren.»

Die erste Runde der Polioimpfungen von Kindern im Gazastreifen hat begonnen. Das berichtete Moussa Abed, Direktor der medizinischen Grundversorgung im von der Hamas geführten ‘Gesundheitsministerium’ des Gazastreifens. Zunächst werden die Impfaktionen im zentralen Gazastreifen, anschliessend im Süden und zuletzt im Norden durchgeführt werden. Die WHO teilte mit, dass Israel mehreren drei-tägigen humanitären Feuerpausen zugestimmt hat.

Seit Beginn des Beschusses durch die Hisbollah im Norden Israels am 8. Dezember 2023 wurden bisher insgesamt 146 km2 verbrannt. Schuld an dieser Katastrophe ist der Raketen- und Drohnenbeschuss durch die Hisbollah. Nachdem es in Israel kaum Sommerstürme gibt, kommen die gefährlichen Buschbrände andere Regionen hier kaum vor. Die grossen Brände aktuell und in der Vergangenheit sind alle durch menschliches Versagen oder Absicht entstanden. Neben dem wirtschaftlichen Schaden muss auch die Umweltbelastung und Luftverschmutzung betrachtet werden. Nach einem Bericht des israelischen Umweltministeriums verursachten die Brände 44 % der Kohlenmonoxid-Emissionen und 13 % der Feinstaub-Emissionen.

„Bruder, wie geht es euch?“(Evakuierter am Strand vor dem Hilton-Hotel) „Alles ok, wir sind wieder in der Normalität angekommen.“ (Rückkehrer nach Kiryat Shmona) © Guy Morad, Face Book

Eine mit Sprengstoff beladene Drohne hat am Mittag, aus dem südlichen Libanon kommend, in der nordisraelischen, nahezu evakuierten Ortschaft Beit Hillel eingeschlagen. Es gab keine nennenswerten Schäden. Kurze Zeit später flog die IAF einen Angriff auf ein Gebäude im südlibanesischen Markaba, in dem eine Gruppe von Terroristen beobachtet worden war. Das Gebäude wurde zerstört.

Gush Etzion umfasst etwa das hier weiss eingezeichnte Gebiet von Har Gilo im Norden bis Kfar Etzion im Süden

Die palästinensische Terror-Organisation Hamas und der Palästinensische-Islamische Djihad zeigten sich sehr zufrieden mit der Explosion zweier Autobomben im Gebiet von Gush Etzion in Judäa. Die Sicherheitsbehörden gehen von einem geplanten und koordinierten Anschlag aus. Zwei palästinensische Terroristen, Muhammad Marqa und Zahdi Afifa aus Hebron, die den Anschlag durchgeführt haben, wurden vor Ort eliminiert. In der Erklärung der Hamas heisst es, «dies ist eine klare Botschaft, dass der Widerstand so lange auffällig, lang anhaltend und nachhaltig sein wird, wie die brutale Aggression der Besatzung und die Angriffe auf unser Volk und unser Land andauern.» Die IDF nahm am Vormittag sechs weitere Palästinenser fest, die vermutlich am Doppelanschlag in den Nachtstunden beteiligt waren. Eine Produktionsstätte für Bomben in Hebron wurde zerstört.

Eine der Explosionen fand an einer Tankstelle in der Nähe der Gush-Etzion-Kreuzung statt. Das Fahrzeug sei, so erzählte der Tankwart, gegen die Fahrtrichtung in die Tankstelle gefahren. Dort hätte die Kühlerhaube begonnen zu brennen. Der Terrorist sei, am ganzen Körper brennend, ausgestiegen. Die Mitarbeiter gingen von einem ‘normalen Autobrand’ aus und versuchten, den brennenden Mann mit einem Wasserschlauch zu löschen.

Soldaten, die zufällig vor Ort waren, versuchten, mit Hilfe des Tankwarts mit dem Terroristen zu kommunizieren. Der lief daraufhin fort und wurde auf der Flucht erschossen.

Beide Fahrzeuge seien zunächst auf dem Parkplatz der Tankstelle gestanden. Während der eine Wagen weiterfuhr, fuhr der zweite in die Tankstelle. Der Fahrer des ersten Fahrzeugs verschaffte sich Einfahrt in die Siedlung ‘Karmei Tzur’ indem er versuchte, den Wachmann zu überfahren. Ein Sicherheitsmitarbeiter rammte den Wagen und eröffnete das Feuer auf den Fahrer. Daraufhin explodierte die Autobombe.

Im Zuge der Vorkommnisse wurden zwei Soldaten der IDF durch ‘friendly fire’ verletzt. Ein Sicherheitsbeamter in Karmei Tzur wurde ebenfalls leicht verletzt.


[1] Das ist der Zeitraum zwischen dem UN-Teilungsplans und dem Waffenstillstandsabkommen nach dem Unabhängigkeitskrieg.

[2] Vorläuferorganisation der IDF von 1920 bis zur Staatsgründung 1948

[3] Ausser sie gehören z.B.  zum hochkriminellen ‘Abou-Chaker-Clan’. Dieser Clan, der 200 bis 300 Personen umfasst, stammt aus dem palästinensischen Flüchtlingslager Wavel bei Ba’albek im Libanon. Von dort flohen sie seit den 70er Jahren nach Deutschland. Eine 12-Minuten Doku gibt Einblicke in das Leben des mafiösen Clans.



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