2. Elul 5784
In seiner aussergewöhnlich verwirrenden Pressekonferenz für ausländische Medien gestern Abend verstrickte sich Netanyahu immer wieder in Widersprüche. Hier nur einige Beispiele.
Wie auch von Gantz und Lapid in den Tagen zuvor festgehalten, hatte er einst mehrfach für den Abzug aus dem Philadelphi-Korridor gestimmt. Um es zu konkretisieren: Am 6. Juni 2004 und am 20. Februar 2005 im Kabinett, am 26. Oktober 2004 und am 16. Februar 2005 in der Knesset. Bei der Abstimmung vom 20. Juli 2005 in der Knesset war er abwesend. Gestern behauptete er, sein Rücktritt als Finanzminister im Kabinett Sharon sei die Reaktion auf die für ihn inakzeptable Politik im Zusammenhang mit dem Rückzug aus Gaza gewesen. Er lügt! Er hatte selbst mehrfach dafür gestimmt. Tatsächlich trat er zurück, weil er sich Hoffnungen auf den Sieg bei den Urabstimmungen machte, falls nach dem Rückzug tatsächlich Angriffe der Palästinenser auf Israel erfolgen würden. Netanyahu machte es sehr schnell klar, dass er Sharons Job als PM und den als Finanzminister wollte. «Wenn die Öffentlichkeit es will, wird sie mich als Premierminister in die Regierung zurückbringen, und dann werde ich auch als Finanzminister dienen.» Er musste sich noch gedulden, auf Sharon folgte zunächst Ehud Olmert.
Anfang April 2024 hatte Netanyahu dem ungläubig staunenden internationalen Publikum mitgeteilt. «Wir sind nur einen Schritt entfernt vom Sieg, aber der Preis, den wir gezahlt haben, ist schmerzhaft und herzzerbrechend.» Er lügt! Damals zogen sich die Truppen aus dem Süden des Gazastreifens zurück, zurück blieben nur einige Bataillone zur Sicherung der Ruhe. Die Verhandlungen waren festgefahren, Netanyahu beteuerte: «Es wird keinen Waffenstillstand ohne die Rückkehr der Geiseln geben. Es wird einfach nicht passieren.» Seit April ist nichts geschehen, was die Hoffnung auf einen baldigen Frieden zulässt. Im Gegenteil. Sicherheitsberater Tzachi Hanegbi fürchtet, der Krieg könne sich bis 2025 hinziehen. Sich windend wie ein Regenwurm korrigierte Netanyahu gestern: «Was ich meinte und was ich sagen wollte war ‘wir sind einen Schritt entfernt von dem Punkt, der uns den Weg zu einem Sieg ebnet’.» Man möchte die Augenbrauen hochziehen und sich wundern, ob dieser Mann überhaupt noch in der Lage ist, in so wichtigen Punkten genau das zu sagen, was er sagen will…
Immer wieder fand Netanyahu bei der anschliessenden Fragerunde mit nachtwandlerischer Sicherheit zurück zur Bedeutung des Philadelphi-Korridors. «Ich denke das ist den meisten Israelis, allen Israelis klar.» Oder wahlweise: «Das Volk ist geeint in dieser Frage.» Er lügt! Quer durch Israel verläuft ein tiefer Graben, nicht erst seit heute, sondern schon seit Monaten. Die Anti-Regierungs-Demonstrationen die ursprünglich die Umsturz Pläne des Justizministers zum Thema hatten, richten sich jetzt gegen die wieder einmal ins Stocken gekommenen Verhandlungen über den Geisel- und Waffenstillstandsplan.
Man machte Netanyahu den Vorwurf, sich zu wenig mit der Bedrohung durch den Iran auseinandergesetzt zu haben. Stimmt! Guy Morad © hat dazu einen wunderbaren Cartoon gezeichnet. Während Netanyahu sich ausschliesslich auf den Philadelphi-Korridor einschoss, fallen hinter ihm aus dem Libanon Salven von Raketen auf Israel.


Ein Gericht in Nazareth hat beschlossen, dass die Polizei ein Fahrzeug beschlagnahmen darf, welches möglicherweise im Zusammenhang mit der seit Februar 2024 vermissten Hymanut Kassou steht. Das Mädchen wurde letztmals am 23. Februar vor dem Gebäude der Jewish Agency in Sfad gesehen, wo sie mit ihrer Familie lebt. Jetzt hat eine Freundin berichtet, dass ein hellblaues Auto vorfuhr und ein Mann mit grossem Hut, den sie als fromm bezeichnet, sie aufforderte einzusteigen. Sie seien davongelaufen, aber er habe sie erreicht und Hamanut ins Auto gezerrt. Wahrscheinlich wurde das Auto umgespritzt und zwei Reifen wurden ausgetauscht. Die hinteren Türen des Autos waren von aussen mit Bolzen versperrt.



Der Bürgermeister der schwer getroffenen Stadt Kiryat Shmona bedauert zutiefst. «Jeden Tag muss ich einer oder mehreren Familien sagen, dass ihr Haus stark beschädigt oder ganz zerstört ist. Dass es abgerissen und wieder neu aufgebaut werden muss.» Seit dem 8. Oktober hat die Hisbollah täglich die Orte, Moshawim und Kibbutzim entlang der Grenze unter Beschuss genommen, um, wie sie sagen, die Hamas im Gazastreifen zu unterstützen. Zehntausende Bewohner der nördlichen Grenzgemeinden wurden seit Beginn des Krieges evakuiert und sind seit fast einem Jahr lang aus ihren Häusern vertrieben. Viele beschuldigen die Regierung, nicht genug gegen die Hisbollah zu unternehmen, damit sie in ihre Heimat zurückkehren können.
Im Gegensatz zum Januar, wo ‘nur’ 334 Raketen aus dem südlichen Libanon auf Israel abgeschossen wurden, waren es im August 1.307 und damit im Durchschnitt 40 Raketen pro Tag.

Der Sohn des bekannten Terroristen Zakaria Zubeidi, Mohammed Zubeidi, 21 und ein weiterer bewaffneter Terrorist wurde von der IDF heute Vormittag in Tubas, Samaria, bei einem gezielten Drohnenangriff eliminiert. Die IDF führt derzeit simultane umfangreiche Operationen in Jenin, Tulkarem und Tubas aus. Im Flüchtlingslager Far’a führte die IDF einen weiteren gezielten Drohnenangriff auf eine Gruppe von bewaffneten Palästinensern durch, die die Soldaten mit Granaten bewarfen.
Ein Terrorist der Hisbollah, Abbas Ani Ayoub, wurde bei einem gezielten Angriff am frühen Vormittag im südlibanesischen Kafra eliminiert.

In den Nachtstunden führte die IDF, unterstützt von Helikoptern der IAF einen Luftangriff auf eine gemeinsam genutzte Kommandozentrale der palästinensischen Terror-Organisation Hamas und des Palästinensisch-Islamischer Djihad durch. Der Angriff fand in der Nähe des ‘al-Aqsa Martyrs Hospital’ in der Region ‘Deir al-Balah’ statt. Das Gebäude befand sich inmitten der ‘humanitären Sicherheitszone’. Beim präzise ausgeführten Angriff kamen mindestens fünf Terroristen ums Leben, Zivilisten wurden nicht verletzt.
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