Krieg in Israel – Tag 340

7. Elul 5784

Zu einem der seltenen Besuche bei einer Shiva für ermordete oder verstorbene Geiseln traf Netanyahu mit seiner Ehefrau Sara bei den Eltern von Ori Danino s’’l, ein. Ori war einer der dienstfreien Soldaten, die auf das Gelände des Musikfestivals in Re’im zurückkehrten, um Menschenleben zu retten. Von dort wurde er von den Hamas-Schlächtern nach Gaza verschleppt, wo er bis zum 31. August gefangen gehalten wurde. Nur kurz bevor die IDF ihn retten konnte, wurde er, gemeinsam mit fünf weiteren Geiseln, erschossen.

Der Besuch verlief gänzlich anders, als die Netanyahus erwartet hatten. Rabbi Elhanan Danino überschüttete Netanyahu mit heftigen Vorwürfen. Er betreibe kleinliche und billige Politik, hätte die Hamas während seiner gesamten Amtszeit unterstützt und das Volk zutiefst gespalten. Das mitgeschnittene Gespräch wurde am Montag im öffentlichen Radiosender ‘Kan’ ausgestrahlt.

Ohne auf Details für das Scheitern des Geiselabkommens einzugehen, fuhr er fort: «Alles geschah unter Ihrer Aufsicht. Mein Sohn wurde in einem Tunnel ermordet, den die Hamas unter Ihrer Aufsicht gebaut hat. Verzeihen Sie mir, verzeihen Sie mir, aber Sie sind seit vielen Jahren an der Macht. Der Beton und die Dollars sind unter Ihrer Aufsicht nach Gaza gelangt», fügte er hinzu, ein Hinweis auf Koffer voller Bargeld, die Israel jahrelang aus Katar nach Gaza gelangen liess, und auf die Baumaterialien, die zum Bau von Hunderten Kilometern Tunneln verwendet wurden, die in den Gazastreifen gelangen durften.

Danach wurde das Gespräch heftiger und lauter. Auf die Vorwürfe antwortet Netanyahu: «Elhanan, ich könnte Ihnen jetzt antworten, aber es ist besser, ich tue es nicht.» Netanyahu schien von den Vorwürfen, die er gar nicht in der Lage war, zu entkräften, weil sie samt und sonders der Wahrheit entsprechen, so überfahren, dass Sara für ihn einspringen musste: «Er ist bei den Sicherheitsbesprechungen immer ganz allein!» Das war das Stichwort für Netanyahu: «Allein, gegen die ganze Welt, gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten.» Mir kommen die Tränen. Nochmals O-Ton Sara: «Und die IDF gegen ihn!» Ja was heisst das denn? Hat die IDF ihn im Stich gelassen? Nein! Hat er Unstimmigkeiten mit der IDF-Führung? Njein, nicht grundsätzlich, aber doch häufig. Hat er Unstimmigkeiten mit dem Verteidigungsminister? Ja, aber auch das liegt an ihm selbst!

Sara wirft Oris Vater auch vor, nur Sachen weiterzugeben, die ihm eingeflüstert worden waren. Darauf Rabbi Elhanan: «Mir muss niemand etwas einflüstern. Nur der PM ist für das Leben der Geiseln verantwortlich.»

Der trauernde Vater war noch nicht fertig mit den Vorwürfen: «Ich danke Gott zwar für das Wunder, dass ich meinen Sohn begraben konnte, aber es ist auch grausam, dass so etwas als Wunder angesehen wird. In welche Situation habt ihr uns gebracht? Ein Wunder? Dass ich meinen Sohn unversehrt begraben kann, ist ein Wunder? Wie sind wir hierher gekommen?! Was ist mit euch passiert? Wacht auf!»

Danino warf dem Premierminister vor, sich mehr um sein eigenes politisches Überleben als um die Zukunft des Landes zu sorgen. «Hört um Gottes Willen auf mit der Manipulation und dem Unsinn. Ihr seid Führer, ihr wurdet gewählt, ihr wurdet geschickt, um zu führen. Hört auf mit diesem ganzen Unsinn … Hört auf, euch darum zu kümmern, Sitze in der Knesset zu gewinnen, mit Umfragen, hört auf damit.Ihr Leute da oben müsst aufhören, euch mit Unsinn zu beschäftigen und Streit und Uneinigkeit zu schüren. Ohne Einheit verdienen wir dieses Land nicht. Ohne dieses Land wird es keinen Wiederaufbau geben.»

Der weise Mann gab Netanyahu einen guten Rat mit auf den Weg: «Schliessen Sie Ihr Büro für zehn Minuten am Tag und denken Sie darüber nach, wo Ihre jüdischen Werte sind. Schliessen Sie es, schicken Sie alle raus, keine Telefone. Verbringen Sie Zeit allein mit Ihrem Schöpfer und denken Sie darüber nach, wo ist Gott in Ihrem Bild, wo sind Ihre jüdischen Werte?»

Ich füge noch hinzu, er soll bitte auch Sara und Yair nicht an dieser täglichen Selbstreflexion teilhaben lassen, sie sind dabei nur hinderlich! Es tut so gut, endlich einmal erfahren zu dürfen, dass eine vertrauenswürdige Person Netanyahu mit Wahrheiten konfrontiert hat, die ihm bisher in dieser Form noch nie vorgehalten wurden. Die letzte Frage, die Rabbi Elhanan sich stellt, ist, ob er es geschafft hat, einen kleinen Riss in den Panzer zu bringen, der das Herz und die Seele Netanyahus umgibt. Ob die Filme, die Notizbücher und die Nachrichten der Geiseln, die gemeinsam mit ihren sterblichen Überresten geborgen wurden, ihn berühren, bleibt abzuwarten.

Bei einem nächtlichen Angriff auf eine Kommandozentrale der palästinensischen Terror-Organisation wurden drei ranghohe Terroristen eliminiert. Es handelt sich um Samer Ismail Khader Abu Daqqa, Kommandant der ‘Luftwaffe’; Osama Tabash, Kommandant des Nachrichtendienstes für die Überwachung und Planung von Angriffszielen und Ayman Mabhouh, dessen Aufgabenbereich unbekannt ist. Die drei waren direkt in die Planung und Durchführung der Massaker vom 7. Oktober und andere Angriffe gegen die IDF in Gaza involviert.

Die Kommandozentrale befand sich mitten in einer Zeltstadt ‘al-Mawasi’ in der Nähe von Khan Younis. Es war deshalb notwendig, besonders langwierige nachrichtendienstliche Ermittlungen und andauernde Luftüberwachungen durchzuführen. Die Anwesenheit der drei gesuchten Terror-Führer in der Kommandozentrale musste sichergestellt werden, bevor der Angriff gestartet wurde. Die Hamas gab an, dass insgesamt 40 Zivilisten getötet und mehr als 60 verletzt wurden. Diese Zahlen wurden von der IDF nicht bestätigt.

Die Hamas behauptet, dass die genannten Hamas-Führer sich zur Zeit des Angriffs nicht in der Kommandozentrale befanden. «Die Behauptung, dass sich Widerstandskämpfer dort aufhielten, ist eine glatte Lüge der Besatzungsmacht.»

Am frühen Nachmittag korrigierte die Hamas die Zahl der Toten auf 19.

Col (res.) Golan Vach, Mitglied des Search and Rescue Bataillons, wurde heute Vormittag bei seiner Arbeit in einem Tunnel im zentralen Gazastreifen verschüttet. Der Tunnel brach plötzlich über ihm zusammen und verursachte bei ihm schwere Verletzungen. Er konnte von seinen Kollegen geborgen und sofort ins Krankenhaus evakuiert werden. Sein Zustand wird als stabil bezeichnet.

UNRWA-Chef Philippe Lazzarini gab bekannt, dass die Impfaktion, die derzeit in Gaza durchgeführt wird, unterbrochen werden muss. Der Grund ist ein Konvoi von UN-Fahrzeugen, der gestern von der IDF im nördlichen Gazastreifen für acht Stunden angehalten und untersucht wurde. Lazzarini betonte, dass sich in den Fahrzeugen Zivilisten und ausländische Mitarbeiter auf dem Weg nach Gaza Stadt befanden, die an der Impfaktion beteiligt waren. Die IDF habe die gepanzerten Fahrzeuge mit vorgehaltener Waffe gestoppt und mit der Festnahme der UN-Mitarbeiter gedroht. Die Fahrzeuge seien von Bulldozern schwer beschädigt worden. Später gab Lazzarini bekannt, alle an Bord der Fahrzeuge befindlichen Personen seien sicher wieder in der UN-Basis angekommen.  

Laut Angaben der IDF wurde der Konvoi angehalten, nachdem es Informationen gegeben hatte, an Bord befänden sich verdächtige Palästinenser und es sei nicht sicher, dass Polio-Impfstoffe transportiert wurden. Tatsächlich wurden einige verdächtige Palästinenser, die im Konvoi mitfuhren, verhaftet. Nota bene: Lazzarini berichtet nur, was ihm berichtet, er darf ja nicht mehr nach Gaza einreisen.

VM Yoav Gallant erklärte, dass die palästinensische Terror-Organisation Hamas als geordnete ‘militärische’ Kraft nicht mehr existiere. «Die Hamas führt jetzt einen Guerilla-Krieg. Wir sind nach wie vor dabei, die Terroristen aufzufinden und zu eliminieren, sowie ihre Anführer.» Gallant besuchte am Sonntag den ausgebauten IDF-Stützpunkt im Netzarim-Korridor. Heute besuchte Gallant seine Truppen im Norden, wo er den Soldaten mitteilte, dass der Fokus der militärischen Operationen sich vermehrt auf den Norden verschieben wird. Er betonte, dass es wichtig sei, die Lage im Norden so weit zu beruhigen und zu sichern, dass die etwa 60.000 Evakuierten wieder nach Hause zurückkehren können.

Am Jitzhak-Rabin-Grenzübergang zwischen Jordanien und Israel bei Eilat haben Grenzpolizisten einen Waffenschmuggel verhindert. Zwei Verdächtige, Einwohner des Beduinen Orts Bir Hadaj im Negev, wurden von der Grenzpolizei angehalten. Im Auto konnten 74 Pistolen und 61 Magazine sichergestellt werden. Die beiden werden dem zuständigen Haftrichter in Be’er Sheva vorgeführt, das Auto, wurde sichergestellt.

Bei einem IDF-Drohnenangriff im westlichen Distrikt Beqaa gelang es der IDF heute Muhammad Qassem al-Shaer zu eliminieren. Al-Shaer war Kommandant der Hisbollah ‘Elite- Einheit Radwan’. Weitere Einzelheiten wurden noch nicht bekannt. Der Angriff fand auf der Qaraoun Strasse, rund 40 km von der israelischen Grenze statt.

Bei einem weiteren Drohnen-Angriff beschoss die IDF gezielt ein Appartement in einem Mehrfamilienhaus in Zebdine im südlichen Libanon. Einzelheiten wurden noch nicht bekannt gemacht.

Am Nachmittag wurde erneut eine Salve von mehr als 45 Raketen aus dem Libanon auf Israel abgeschossen. 30 von ihnen zielten auf den Berg Meron, nördlich der Stadt Sfad. 15 waren Richtung westliches Galil gerichtet. Einige Raketen wurden abgefangen, die anderen gingen auf offenem Feld nieder, ohne Schaden anzurichten.



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