Krieg in Israel – Tag 346

13. Elul 5784

Nicht alle sind glücklich mit der bevorstehenden Reise von Netanyahu mit seiner Frau Sara nach New York in der kommenden Woche. Der Vorsitzende der Partei United Torah Judaism, Yitzhak Goldknopf, fühlt sich düpiert. Netanyahu hatte ihm versprochen, einen Eilantrag für ein geplantes Gesetz auf den Weg zu bringen. Das Gesetz soll wieder Ausnahmeregelungen für die haredischen Wehrpflichtigen bringen, um nicht in die IDF eintreten zu müssen. Goldknopf hatte gefordert, dass das Gesetz noch vor Rosh HaShana verabschiedet werden müsse, andernfalls er die Koalition sprengen werde. Konkret hat er für den Fall angekündigt, gegen das Budget 2025 stimmen zu wollen. «Der Premierminister bricht nächste Woche zu einer Reise mit seiner Frau Sara in die Vereinigten Staaten auf, anstatt sich dafür einzusetzen, dass wir nicht zu den Wahlen gehen. Es ist klar, dass der Premierminister die Drohung das Budget abzulehnen, nicht wirklich ernst nimmt; er liegt falsch.» Bisher ist es Netanyahu immer wieder gelungen, die Forderungen seiner Koalitionsmitgliederdurch entsprechende Geschenke zu beruhigen. Wir dürfen gespannt sein, was es diesmal sein wird.

Gesundheitsminister Uriel Buso, Schas, verteidigt, dass gefangene Hamas-Terroristen in israelischen Krankenhäusern behandelt werden. Einerseits verpflichtet das System jeden zu behandeln. Anderseits ist es aber in diesen speziellen Fällen auch so, dass die eingelieferten Terroristen, sobald es ihr gesundheitlicher Zustand erlaubt, nützliche Information zum Verbleib der Geiseln geben könnten. So gelang es mit Hilfe der Terroristen in Zusammenarbeit mit IDF und Shin Bet, Geiseln in den Tunnelanlagen aufzufinden. Ein Arzt, der seit 30 Jahren im Gesundheitssystem tätig ist, erklärte: «Wir nehmen sie zur Behandlung auf, um sie zu stabilisieren, nicht um ihnen eine Massage zu geben.» Da wird der Hippokratische Eid aber sehr weit gedehnt.[1]

Die IDF hat offenbar ein Problem damit, die erneute Formierung und Aufrüstung der palästinensischen Terror-Organisation Hamas in den Griff zu bekommen. Das berichtet der öffentliche Sender ‘Kan’, ohne jedoch eine Quelle zu nennen. Obwohl die Truppen seit Monaten auch wieder im Norden des Gazastreifens operieren, rüsten die Hamas-Terroristen schneller wieder auf, als die IDF sie eliminieren kann. Um das Problem in den Griff zu bekommen, werden derzeit vermehrt Luftangriffe auf Kommandozentren der Hamas ausgeführt.

Kriegsglück sieht leider anders aus!

Netanyahu hat erneut Pläne seinen VM, Yoav Gallant, aus dem Amt zu entlassen. Der Grund dafür liegt diesmal in den Unstimmigkeiten über den bevorstehenden und leider kaum vermeidbaren Krieg gegen die Hisbollah. Gallant soll sich derzeit gegen eine grössere Militäroperation ausgesprochen haben. Hingegen hat sich ein ranghoher Offizier, offenbar mit Unterstützung durch Netanyahu, für eine Bodenoffensive ausgesprochen.

Der Chef des Nordkommandos, Ori Gordin, setzt, den Berichten zu Folge, die Entscheidungsträger unter Druck einen gross angelegten Angriff zu starten, während der Verteidigungsminister und der Generalstabschef eine zurückhaltendende Position einnehmen. Sie möchten einer diplomatischen Lösung eine Chance, und wenn sie noch so klein ist, geben. Netanyahu wird von ‘Kan’ und Kanal 13 zitiert: «Wenn Gallant versucht, eine Operation im Norden zu vereiteln, wird er ersetzt.»

Gestern Abend führte Netanyahu Gespräche mit einem von Kanal 12 nicht genannten Partner, dass er darüber nachdenkt, den Vorsitzenden der Partei ‘New hope’ in die Regierung zu holen.

Sa’ar kann als der politische Wendehals in der Knesset angesehen werden. Zuletzt sass er als MK in der Partei ‘National Unity’ geführt von Benny Gantz. Seine ehemalige eigene Partei war dabei mit 4 Sitzen beteiligt. Sa’ar war Mitglied des Sicherheitsrates, nicht aber des Kriegskabinetts. Netanyahu hatte dies verhindert.

Die zwei verbindet eine unangenehme Geschichte. 2019 hatte er sich gegen Netanyahu um den Vorsitz des Likud beworben, aber mit 28.5 % zu 71.5 % verloren. Politisch demontiert verliess er den Likud.

Im Frühjahr 2024 verliess er die Opposition und wandte sich als einziger Vertreter seiner alten Partei ‘New hope’ der Regierung zu. Dort sitzt er nun und wartet. Nein, nicht auf Godot! Auf einen Minister-Posten als Morgengabe seines alten Gegners.

Der zeigt Interesse, ihn als Nachfolger Gallants als Verteidigungsminister zu inthronisieren. Gleichzeitig solle MK Ze’ev Elkin, ebenfalls ein politischer Wendehals, einen Ministerposten erhalten. Der natürlich erst neu geschaffen werden muss. Aber was tut Netanyahu nicht, um seine Koalition zu halten und sich selbst vor der drohenden Gefängnisstrafe zu retten!  Option Nr. zwei: Sa’ar wird Aussenminister und der derzeitige Amtsinhaber, Israel Katz, wird Verteidigungsminister.

Sowohl Elkin als auch Sa’ar befürworten die Annektierung von Judäa und Samaria und sind strikt gegen einen Zwei-Staaten-Lösung.

Die für heute 21 Uhr Ortszeit geplante Kabinettssitzung wurde auf einen späteren Beginn verschoben.

Von Diplomatie oder Verteidigung haben die Kandidaten keine Ahnung und sind damit im Kabinett Netanyahu ganz besonders für die Jobs geeignet!

Benny Gantz reagierte empört auf die Presseberichte zur geplanten Posten-Rochade in der Regierung. «Anstatt dass sich der israelische Premierminister mit dem Sieg über die Hamas, der Rückkehr der Geiseln, dem Krieg mit der Hisbollah und der sicheren Rückkehr der Bewohner des Nordens in ihre Häuser befasst, ist er mit verachtenswerten politischen Plänen und der Ablösung des Verteidigungsministers vor einer massiven Kampagne im Norden beschäftigt. Dies deutet auf ein schlechtes Urteilsvermögen und verzerrte Prioritäten hin.»

Auch das ‘Forum für Geiseln und vermisste Familien’ zeigte sich erbost. Sie beziehen sich auf eine Aussage von Sa’ar, der festgehalten hatte, das vorliegende Arbeitspapier sei eine ‘Kapitulation vor der Hamas’. Er unterstützt in seinem Kommentar auch die Meinung Netanyahus, dass nur der ‘vermehrte militärische Druck die Befreiung der Geiseln herbeiführen wird’. Das Forum ist jedoch genau der gegenteiligen Meinung, nämlich, dass dies eher zur vermehrten Ermordung von Geiseln führen wird. «Premierminister Netanyahu, dies ist nicht die Zeit für politische Spielchen oder das Bemühen um politisches Überleben. Es ist angemessen, dass Sie diese Woche, in der unsere Geiseln in den Tunneln der Hamas schmachten, Ihre gesamte Zeit und Anstrengungen darauf verwenden, die Ziele des Krieges zu erreichen und alle Gefangenen nach Hause zu bringen – die Lebenden zur Rehabilitation und die Gefallenen und Ermordeten für ein angemessenes Begräbnis in ihrem Land.»

„Direkt in den Gulag“ – bezieht sich auf den Gefängnisaufenthalt Yuli Edelsteins in Russland.
„Wer sagt, dass wir uns nicht um die Verbrecherfamilien kümmern?“ Ben-Gvir führt die drei ‚linken‘ Frauen ab, während im Hintergrund ein ‚rechter‘ Aktivist in Ramle ein Schuss-Attentat vornimmt.

Der Vorsteher der Synagoge, Itai Mauda, in der am Freitag ein Vorfall zu einer höchst seltsamen Verhaftung führte, bestätigt, dass es keinen Einbruch gegeben habe und dass die Verhaftungen ‘verrückt’ seien. Er bestritt auch, dass seitens der Synagogen-Gemeinschaft eine Beschwerde eingereicht oder gar die Polizei gerufen worden sei. Ob die VIP-Sicherheitsmannschaft diese eingereicht haben könnten, liess er offen. Diese spezielle Sicherheitsmannschaft ist vor Ort, wenn MK Yuli Edelstein, Likud, zum Gebet kommt. «Wir beten  jeden Schabbat und jeden Tag für die Freilassung der Geiseln und die Genesung der Verletzten.» Auf die Frage, ob die Synagoge Einwände gegen die Verteilung der Flugblätter habe, antwortete Mauda: «Absolut kein Problem.»
Er sagte, er halte die Tatsache, dass die Frauen für ihre Handlungen verhaftet wurden, für «verrückt, absolut unverhältnismässig.» Edelstein unterstützt hingegen das Vorgehen der Polizei: «Ich verstehe voll und ganz, warum die Menschen in meiner Synagoge eine Beschwerde bei der Polizei eingereicht haben, nachdem sie den Einbruch entdeckt hatten, der offenbar in den Abendstunden oder nachts stattgefunden hat.»

Dumm nur, dass die Überwachungskameras eine ganz andere Situation zeigen und Edelstein als plumpen Lügner entlarven. Hier das Video

Die Houthi-Terroristen reklamieren erneut für sich, eine US-amerikanische Drohne des Typs MQ-9 über der Stadt Dhamar, im zentralen Jemen abgeschossen zu haben. Es ist dies der dritte Abschuss einer MQ-9 über jemenitischem Gebiet, wobei im ersten Fall vom 8. November 2023 die USA feststellten, dass die Drohne sich zum Zeitpunkt des Abschusses über internationalem Gewässer befunden habe.

In der Nähe des nahe der Grenze gelegenen Kibbutz ‘HaGorshrim’ brach nach Raketenbeschuss aus dem südlichen Libanon ein Feuer aus, nachdem die Rakete auf offenes Feld stürzte. Sechs Feuerwehren aus umliegenden Orten versuchen, unterstützt von der’ Nature- and Parks Authority’ den Brand möglichst schnell einzudämmen und zu löschen. Sie befürchten ein Übergreifen auf das nahegelegene Naturreservat.


[1] Die heutige Form des Hippokratisches Eides, das Genfer Gelöbnis von 1948 lautet: «Als Mitglied der ärztlichen Profession gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen.

Die Gesundheit und das Wohlergehen meiner Patientin oder meines Patienten wird mein oberstes Anliegen sein.

Ich werde die Autonomie und die Würde meiner Patientin oder meines Patienten respektieren. Ich werde den höchsten Respekt vor menschlichem Leben wahren.

Ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen meine Pflichten und meine Patientin oder meinen Patienten treten.

Ich werde die mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod der Patientin oder des Patienten hinaus wahren.

Ich werde meinen Beruf nach bestem Wissen und Gewissen, mit Würde und im Einklang mit guter medizinischer Praxis ausüben.

Ich werde die Ehre und die edlen Traditionen des ärztlichen Berufes fördern.

Ich werde meinen Lehrerinnen und Lehrern, meinen Kolleginnen und Kollegen und meinen Schülerinnen und Schülern die ihnen gebührende Achtung und Dankbarkeit erweisen.

Ich werde mein medizinisches Wissen zum Wohle der Patientin oder des Patienten und zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung teilen.

Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können.

Ich werde, selbst unter Bedrohung, mein medizinisches Wissen nicht zur Verletzung von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten anwenden.

Ich gelobe dies feierlich, aus freien Stücken und bei meiner Ehre.



Kategorien:Israel, Politik

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