Dwarim, Ki Tawo 26:1 – 29:8

Haftara: Jeshayahu 60:1 – 22

ב“ה

17./18. Elul 5784                                                     20./21. September 2024 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                            17:58

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                            19:13

Shabbateingang in Zürich:                                                                    19:09

Shabbatausgang in Zürich:                                                                   20:10

Shabbateingang in Wien:                                                                      18:38

Shabbatausgang in Wien:                                                                     19:40

Der heutige Wochenabschnitt beschreibt den Neubeginn, den das Volk Israel erleben darf, als es seine neue Heimat in Besitz nimmt.

In diesem Jahr, seit dem verhängnisvollen 7. Oktober, mussten Zehntausende ihr ‚altes Land‘ im Norden verlassen und an einem anderen Ort, der ihnen zugewiesen wurde, ankommen und sich neu zurechtfinden. Wir können nur hoffen, dass sie in absehbarer Zeit zurückkehren können. 

Der Norden ist weitgehend verbrannt, die Heimkehrer werden erst in Jahren ihre Erstlingsfrüchte ernten können. Bis dahin wird es ein langer, harter Weg. Mancher wird sich abwenden und woanders noch einmal von vorn anfangen.

Gott fordert die Neuankömmlinge auf, sich ihrer Herkunft zu erinnern. In 26:5 steht: „Mein Vater war ein heimatloser Aramäer.“ Ein Satz, den wir auch in der Haggada shel Pessach lesen. Heimatlos im Grossen betrachtet wurden die Binnenflüchtlinge, wie es korrekt heissen muss, nicht, aber sie wurden innerhalb ihrer Heimat vorübergehend entwurzelt. Diese Zeit als Binnenflüchtlinge hat durchaus Ähnlichkeiten mit der Zeit des Exils nach der Zerstörung des ersten Tempels.

Die traumatische Erinnerung an diese Zeit wird während der kommenden Generationen nicht verblassen. Es wird schwer, in dieser Situation nicht an Gott zu verzweifeln.  

Im Vers 26:18 lesen wir „Du wirst auf alle seine Gebote achten.“ Gott ist sich seines Volkes sicher. Diesmal ist es keiner der häufigen Kausalsätze, kein ‚wenn…dann‘. Nein, Gott ist sich sicher “du wirst“ ohne Wenn und Aber.

Es scheint, als hätte das Volk Israel es noch gar nicht so recht verinnerlicht, was ihm bisher an Wundern geschehen ist: Die Rettung aus der Sklaverei, die Teilung des Schilfmeeres, die Offenbarung am Berg Sinai, die regelmässige Verpflegung mit Manna, Wasser, das aus Felsen quoll, wann immer sie kurz vor dem Verdursten waren. Die Siege über Völker, die grösser waren als sie …. Gott hat sie immer sicher geführt und beschützt.

Finden wir nicht auch hier eine Ähnlichkeit zur Jetzt-Zeit? Wenn wir überleben wollen, und das wollen wir, müssen wir unsere derzeitigen Feinde, die um ein Vielfaches zahlreicher sind als wir, besiegen. Es braucht Kraft, den Weg dazu nicht aus dem Auge zu verlieren. Viel Kraft.

Am Ende seiner emotionalen Rede zum Abschluss seines Lebens, macht uns Moshe noch ein wunderbares Geschenk im Namen Gottes. Moshe schaut zurück, und lässt die gemeinsam verbrachten Jahre Revue passieren. In den Versen 29:2 + 3 lesen wir: Mit eigenen Augen hast du jene schweren Prüfungen, die grossen Zeichen und Wunder gesehen. Aber einen Verstand, der wirklich erkennt, Augen, die wirklich sehen, und Ohren, die wirklich hören, hat der Herr euch bis zum heutigen Tag nicht gegeben.“

Seit diesem Tag verfügen wir über einen von Gott gegebenen wachen und kritischen Verstand. Wir müssen dieses unglaubliche Geschenk nutzen und zu unserem Wohl und zu dem unserer Mitmenschen einzusetzen wissen.

Dank dieses Verstandes, der uns in jeder Situation hilft, zu entscheiden. Freie Menschen, die über viele Geschenke verfügen, diese Freiheit zu nutzen.

Auch heute stammt die Haftara wieder aus der Feder des uns mittlerweile schon sehr vertrauten Propheten Jeshayahu. Im Zweiten Kapitel des Prophetenbuches lesen wir einen Satz, den man auch als Überschrift über dieses Kapitel stellen könnten. Wir sprechen ihn im Schacharit [dem Morgengebet] beim Ausheben der Torahrolle(n):

כי מציון תצא תורה ודבר יהוה מירושלים

Denn von Zion wird die Torah kommen und das Wort Gottes von Jerusalem

Die Torah als das ewige Gesetz Gottes, von dem wir im heutigen Wochenabschnitt erneut gelesen haben. «Du wirst auf alle seine Gebote achten». Jeshayahu beschreibt, in diesem Kapitel überschäumend vor Glück und in der Erwartung, wie aus der einst verlassenen und ungeliebten Stadt Zion die Stadt zum neuen Zentrum des Volkes Israel wird. In Vers 15 lesen wir. «Dafür, dass du verlassen warst, gehasst und unbesucht, mache ich dich zur ewigen Pracht, zur Wonne aller Geschlechter.»

Fremdlinge, wie er schreibt, werden Mauern um die Stadt errichten, werden also dazu dienen sie gegen Feinde zu schützen. «Deine Tore bleiben beständig offen, Tag und Nacht werden sie nicht geschlossen.» Die Stadt muss offensichtlich keine Feinde mehr fürchten, und mehr als das «Dein Volk wird aus lauter Gerechten sein…»

Wir haben Jeshayahu als Propheten kennengelernt, der uns mit düsteren Prophezeiungen einen Spiegel vorhielt und uns unsere Verfehlungen, die wir, trotz aller Bemühungen immer wieder begehen. «Vers 59:16 Er sah, dass kein gerechter Mann da war.»

Heute jedoch verspricht der Prophet uns Hoffnung. Ob wir Gottes Hoffnung erfüllen können, uns allesamt zu ‘Gerechten’ im Sinne des Wort Gottes zu wandeln, muss bezweifelt bleiben. Doch Gott hat uns, wie Moshe in seiner letzten grossen Rede versprach, mit dem Verstand ausgestattet, der es uns ermöglicht, als freie Menschen zu leben und Entscheidungen zu treffen.

Deshalb dürfen die Tore Jerusalems allzeit offenstehen.

Shabbat Shalom!



Kategorien:Israel, Religion

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