19. Elul 5784
Gideon Sa’ar, von Netanyahu als neuer Verteidigungsminister ins Auge gefasster Nachfolger von Yoav Gallant, hat selbst die Reissleine gezogen und seinem ‘leider nein-Chef’ Folgendes mitgeteilt: «Ich möchte nicht, dass die Köpfe derer, die derzeit die Last der Leitung der Kampagne tragen, auf unbestimmte Zeit durch meine Kandidatur abgelenkt werden. Ich finde es unangemessen, Gallant mit der Bewältigung der aktuellen Sicherheitslage zu beauftragen, während sein Nachfolger ‚auf Eis‘ liegt und darauf wartet, das Amt zu übernehmen.» Da hat er sich elegant aus der Affäre gezogen! Seit Monaten fluten die Gerüchte die Knesset, dass Netanyahu ihn gerne auf dem Posten von Gallant sehen würde. Nun werden sie hoffentlich verstummen.
Netanyahu erklärte heute in einer geschlossenen Sitzung des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung, dass die palästinensische Terror-Organisation Hamas derzeit kein Waffenstillstands-Abkommen wolle. Seiner Meinung nach könnte aber der vermehrte militärische Druck auf die Hisbollah Sinwar an den Verhandlungstisch zwingen. Netanyahu behauptet nach wie vor, dass ausschliesslich Sinwar die Verhandlungen immer wieder torpediert hätte und wies jede Schuld daran vehement zurück. Das ist seine Weltsicht, der mittlerweile fast jede Selbstreflexion fehlt. Bestenfalls kann man von einer 50:50 Blockierung der Verhandlungen sprechen.

Ebenfalls in dieser Sitzung teilte er mit, dass er über einen ‘Plan B’ für den nördlichen Gazastreifen nachdenkt. Dieser Plan wird, so teilte er mit, von zahlreichen IDF-Reservisten befürwortet. Maj. Gen. (ret.) Giora Eiland betonte: «Bis vor wenigen Wochen ging man in Israel davon aus, wenn der Krieg in Gaza beendet ist, enden auch die militärischen Aktivitäten mit der Hisbollah. Allerdings ist die Chance, zeitnah eine Vereinbarung mit der Hamas zu ratifizieren, sehr gering.» Also muss der von Netanyahu angesprochene ‘Plan B’ her. Eiland erläutert ihn: «Wir müssen den Bewohnern des nördlichen Gazastreifens mitteilen, dass sie eine Woche Zeit haben, das Gebiet zu evakuieren, das dann zu einer Militärzone wird; eine Zone, in der jede Person ein Ziel ist und, was am wichtigsten ist, dass keine Vorräte in dieses Gebiet gelangen werden. Eine Belagerung ist nicht nur eine wirksame militärische Taktik, sondern auch mit dem Völkerrecht vereinbar. Für Sinwar zählen Land und Würde, und mit diesem Manöver nimmt man ihm sowohl Land als auch Würde.» Eiland hält aber fest, dass der Plan nicht von den USA goutiert wird. Ob der Plan allerdings ein geschickter Schachzug ist, sei dahingestellt.

Das Home Front Commando hat neue Verhaltensregeln herausgegeben, die seit 6 Uhr heute bis mindestens morgen 6 Uhr gelten und fordert alle Bewohner der betroffenen Gebiete dringend auf, die Anweisungen zu befolgen.
- Alle Schulen nördlich der Linie Haifa – Beit Shean bleiben heute und morgen geschlossen. Wo es möglich ist, wird auf Online-Unterricht umgestellt.
- Versammlungen werden auf 10 Personen im Freien und 100 Personen in Gebäuden beschränkt.
- Arbeitsplätze müssen zwingend mit Schutzräumen ausgestattet sein.
Für die Umgebung des Gazastreifens gibt es derzeit noch keine Einschränkungen.


Die Spitäler im Norden des Landes sind auf die heftigen Angriffe bestens vorbereitet. Hospitalisierte Patienten wurden bereits in die unterirdischen Schutzräume verlegt. Diese Massnahme betrifft Spitäler in Haifa, Sfad, Nahariya, Afula, Tiberias und Nazareth. Es werden nur noch dringend notwendige Operationen durchgeführt.

Hamas-Politbüromitglied Izzat al-Rishq verurteilte die Entscheidung Israels, die Büros von al-Jazeera in Ramallah, Samaria, zu schliessen. Diese Schliessung sei eine «Verletzung der Pressefreiheit … Vergeltung für Al Jazeeras professionelle Rolle bei der Aufdeckung der Verbrechen der Besatzung, sowie der Versuch, die Aktionen des Widerstands in Gaza und die Angriffe der Hisbollah auf Militärstützpunkte tief im israelischen Territorium zu vertuschen.» Es ist seit Langem bekannt, dass die Verbindung zwischen al-Jazeera und der Hamas sehr eng ist und dass einige Reporter sogar an Terror-Anschlägen gegen Israel teilgenommen haben. Die Schliessung erfolgt zunächst für 45 Tage.
Gestern hatte die IDF mehr als 400 Raketenwerfer zerstört, die bereits beladen mit Raketen waren, die den Start einer grossangelegten Offensive auf Israel vorbereiten sollten. Insgesamt wurden damit etwa 1.000 Abschussrohre getroffen und funktionsunfähig geschossen.
Die Hisbollah schoss am frühen Morgen 24 Raketen bis in die Jezreel Ebene. Alle Raketen konnten von der IDF abgefangen werden. Dies war der stärkste Raketenbeschuss Israels durch die Terrorgruppe seit Beginn des Krieges im Oktober. Herabstürzende Trümmerteile richteten an einer Scheune Sachschaden an, ein Mann wurde leicht verletzt. Auch ein Kuhstall erlitt grossen Sachschaden, einige Kühe starben.
Die Hisbollah behauptete, direkte Treffer erzielt zu haben, was von der IDF als falsch bezeichnet wird. Das tatsächliche Ziel des Beschusses war der Luftwaffenstützpunkt ‘Ramat David’.
Weitere 100 Raketen wurden auf die Region um Haifa abgeschossen. Hier verlor leider ein Teenager sein Leben, als er beim Alarm sein Auto gegen eine Mauer fuhr. Vier Beifahrer wurden verletzt.
Beim Beschuss auf Haifa wurden fast alle Raketen abgefangen. Andere schlugen in ein Wohngebiet ein. Drei Personen wurden verletzt, sie wurden ins Rambam Zentrum gebracht. Die Hisbollah behauptete, eine Rakete sei auf die Firma Rafael, die Verteidigungswaffen herstellt, geschossen worden.











Seit gestern Abend sind bis heute Mittag 150 Raketen, Drohnen und Marschflugkörper auf Israel abgeschossen worden. Im nördlich von Haifa gelegenen Kiryat Bialik erlitt ein Haus einen direkten Treffer. Ein Brand brach daraufhin im Gebäude aus. Die Bewohner des Hauses befanden sich im Schutzraum, sodass zwar der Sachschaden hoch war, aber keine Menschen zu Schaden kamen.
Zwei Marschflugkörper und eine Drohne flogen ‘aus dem Osten’, eine Bezeichnung für Syrien oder dem Irak, in Richtung des israelischen Luftraums. Alle vier Geschosse über dem Golan konnten von der IDF angefangen werden. Der Alarm wurde ausgelöst, um vor herabstürzenden Trümmern zu warnen. Eine zweite Drohne flog in Richtung Eilat und konnte abgefangen werden, bevor sie den israelischen Luftraum erreichte.
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