Krieg in Israel – Tag 367 und 368

6. Tishri 5785

Die IDF musste leider erneut den Tod von drei Soldaten bekannt geben. Warr. Off. (res.) Aviv Magen, 43 und Mast. Sgt. (res.) Etay Azulay, 25, und Staff Sgt. Noam Israel Abdu, 20, s’’l, wurden an der libanesischen Grenze von einer Granate getroffen. Vier weitere Soldaten wurden beim gleichen Vorfall schwer verletzt.

„Hat jemand etwas gegen den neuen Namen?“ „Ich kann 101 Gründe bringen“ (Frei übersetzt) © Guy Morad, Facebook

Netanyahu hat in der gestrigen (!) Sondersitzung des Kabinetts vorgeschlagen, den Namen des Krieges gegen die Hamas von derzeit ‘Schwerter aus Eisen’ auf ‘Krieg der Wiederbelebung’ umzubenennen, weil «das die Natur des Krieges besser widerspiegelt. So möchte ich den Krieg offiziell nennen.» Begeistern konnte niemanden damit. Die klarsten Worte fand Oppositionsführer Yair Lapid: «Sie können so viele Namen ändern, wie Sie wollen. Sie werden nichts an der Tatsache ändern, dass unter Ihrer Führung das schlimmste Unglück seit der Gründung des Landes über das israelische Volk hereingebrochen ist. Diese Regierung ist nicht die Regierung der Wiederbelebung, sie ist die Regierung der Schuld.» Netanyahu war nie glücklich mit der militärischen Namensgebung. Bereits im Dezember schwebte ihm u.a. ‘Genesis-Krieg‘, ‚Gaza-Krieg‘ und ‚Simchat-Torah-Krieg‘ vor.

Die Bewohner von weiteren 24 Dörfern im südlichen Libanon wurden aufgefordert, sich unmittelbar nach der Bekanntgabe bis zu einem Gebiet nördlich des Awali-Flusses zu begeben. Die IDF wird die Bewohner informieren, wann sie zurückkehren können. Man werde versuchen, die Operationen so schnell wie möglich durchzuführen, um die Evakuierungszeit möglichst kurz zu halten.

Der Enkelsohn von Ayatollah Khomeini, Hassan Khomeini, versicherte in einem Interview, dass Israel nie nachgeben werde, wenn es nicht mit der übermässigen Gewalt und Kraft des Irans konfrontiert werde. Er diskutierte den Vorschlag, ein Referendum zur Gründung eines palästinensischen Staates abzuhalten. Aufgrund der zahlenmässigen Übermacht der Palästinenser würde dies wahrscheinlich auch das Ende des Staates Israel sein. Die oft diskutierte Zwei-Staaten-Lösung lehnte er kategorisch ab. «Das ist nur eine Taktik, um der Welt die Legitimität des israelischen Regimes zu vermitteln. Es ist falsch, zu glauben, dass Israel uns in Ruhe lassen würde, wenn wir Israel in Ruhe liessen.» Verhandlungen und freundliche Gesten würden zu nichts führen, so Khomeini. Stattdessen müsste der Iran seine Stärke und militärische Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen, da die aktuelle globale Situation einen stärkeren Ansatz im Umgang mit Israel erfordert.

Mir fehlen die Worte und das Schlimme ist, dass der Mann uns glauben machen will, er sei von allem, was er da ausgespuckt hat, zutiefst überzeugt.

Auch Khaled Meshaal, der ehemalige designierte Hamas-Führer, trat anlässlich des 7. Oktobers vor die Kameras und orakelte, dass die ‘al-Aqsa-Flut’, so der euphemistische Name für das Massaker vom 7. Oktober, auf Dauer zur Auslöschung Israels führen wird. Sie habe die Palästinenserfrage wiederbelebt und die arabische Nation geeint. Die arabische Welt war noch nie so uneinig wie heute.

Meshaal rief zur Eröffnung neuer Fronten des Widerstands in der gesamten arabischen Welt auf und drängte auf Massnahmen sowohl an militärischen als auch an politischen Fronten. Er bestand darauf, dass die internationale Gemeinschaft Israel in globalen Foren zur Rechenschaft ziehen müsse. Er zeigte sich überzeugt, dass die Hamas unter Führung von Yahya Sinwar siegreich sein werde.

Der Leiter der Logistikabteilung der Hisbollah, Suhail Hussein Husseini, wurde bereits vorgestern durch einen gezielten Luftangriff der IAF eliminiert. Er war verantwortlich für die Budgetierung und Finanzierung der verschiedenen Abteilungen. Dazu gehörte auch die Verwaltung der Waffenlieferungen aus dem Iran an die Hisbollah. Husseini war auch Mitglied im ‘Djihad Council’, dem höchsten Gremium der Terror-Organisation.

Nach dem gestern am frühen Vormittag von Khan Younis aus erfolgtem Beschuss auf Israel, hat die IDF erneute Evakuierungen angeordnet. Fünf Raketen waren abgeschossen worden, eine von ihnen schlug in Kfar Chabad ein und verletzte zwölf Personen leicht. Fünf weitere Raketen wurden in Richtung Sderot abgeschossen, sie konnten alle abgefangen und zerstört werden. Ebenfalls evakuiert wurden Beit Hanoun, Jabaliya, Bureji und Beit Lahiya. Die humanitäre Sicherheits-Zone wurde bereits vorgestern vergrössert. Bei den Operationen am gestrigen Tag wurden mehr als zwanzig aktive Terroristen von der IDF in Gaza eliminiert.

In einer erstaunlichen Meinungsänderung forderten einige Rabbiner, inklusive des Vates von Minister Amichay Eliyahu, Otzma Yehudit, dass die Regierung alle notwendigen Massnahmen ergreift, um die noch in Gaza festgehaltenen Geiseln zu befreien. Bisher hatten sie einen Deal mit der palästinensischen Terror-Organisation Hamas strikt abgelehnt. In ihrem Brief schreiben sie: «Die Entführten zu retten, ist eine grosse Mizwa, eine jüdische, moralische und nationale Pflicht ersten Ranges. Wir fordern die Regierung auf, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln und Wegen gegen die Hamas vorzugehen, um das Leben unserer entführten Brüder und Schwestern zu retten. Wir unterstützen die israelische Regierung dabei, ihre Massnahmen unverzüglich mit Entschlossenheit, Mut und Tapferkeit zu intensivieren, um alle Geiseln auf jede erdenkliche Weise zurückzubringen.»

Anlässlich seines zweiten Tages des Besuchs rund um den Gazastreifen, trafen Isaac und Michal Herzog heute in der Militärbasis Nahal Oz ein. Beim Angriff auf diese Station wurden 66 Soldaten getötet. In der ebenfalls auf der Basis stationierten Aufklärungseinheit 8200 wurden 15 Soldatinnen ermordet und sechs nach Gaza verschleppt (s. gestern). Zu den Soldaten sagte Herzog: «An diesem Ort, an dem Israel am 7. Oktober vor einem Jahr einen seiner dramatischsten und schwierigsten Tage durchlebte, gab es während und nach diesem Tag ein schreckliches Massaker. Wir haben viele unserer geliebten Söhne und Töchter in Schlachten verloren, an die wir uns für immer erinnern werden. Ich hoffe sehr, dass die Untersuchung vollständig und umfassend veröffentlicht wird, um Licht in die Geschehnisse zu bringen. Das wird die Realität nicht ändern, aber es ist gut, die Wahrheit zu kennen, damit wir daraus lernen können.» Diese umfassende Untersuchung wird nicht nur vom OGH dringend gefordert. Bisher hat sich Netanyahu allerdings strikt gegen eine solche zu diesem Zeitpunkt ausgesprochen, sie müsse warten, bis der Krieg vorbei sei. Eine durch und durch ungerechtfertigte Haltung, denn bis es so weit ist, dürften einige der Verantwortlichen vorgeben, sich nicht mehr genau erinnern zu können. Das gilt vor allem für ihn selbst!

Eine Boden-Boden-Rakete wurde am späten Nachmittag vom Jemen Richtung Israel abgeschossen, konnte aber abgefangen und zerstört werden. Der Raketen-Alarm wurde in Zentral-Israel aufgrund der Gefahr herabstürzender Schrapnell-Teile ausgelöst. 

Der stellvertretende Hisbollah-Führer Naim Qassem betonte in einer TV-Ausstrahlung, dass die Hisbollah zwar einige ‘schmerzhafte Schläge’ von Israel einstecken musste, aber trotzdem völlig intakt sei. «Sie sehen, dass unsere täglichen Erfolge gross sind. Hunderte von Raketen und Dutzende von Drohnen, eine grosse Anzahl von israelischen Siedlungen und Städten sind unter Raketenbeschuss geraten. Ich möchte Ihnen versichern, dass unsere Fähigkeiten in Ordnung sind.» Die von Israel getöteten Kommandanten seien bereits ersetzt worden, und, ganz im Stil eines Head-Hunters betonte er: «Wir haben derzeit keine freien Stellen!» (sic!)

Am Montag wurden mehr als 190 Raketen aus dem Libanon auf Israel abgeschossen. Bis zum Dienstagmittag waren es erneut 25, die mehrheitlich abgefangen werden konnten oder auf offenem Feld einschlugen, ohne Schaden anzurichten.

Am Mittag hat sich die Zahl der Raketen aus dem Libanon erneut auf über 100 erhöht, die heute auf Israel abgeschossen wurden. Mindestens 20 davon flogen Richtung Haifa. Die meisten wurden abgefangen. Es gab jedoch auch einige Treffer, die zu Schäden an Häusern führten. Eine Frau wurden durch ein Schrapnell verletzt. Kurz darauf kam eine neue Salve mit über 80 Raketen. Die Raketen konnten überwiegend abgefangen werden. Einige richteten jedoch Schäden in den Vororten Kiryat Yam und Kiryat Motzkin ab. Das ist die bisher grösste Zahl von auf Haifa abgeschossenen Raketen seit Beginn des Krieges. Insgesamt wurden heute elf weitere Personen durch die Angriffe verletzt, sechs, als sie auf dem Weg zum Schutzraum waren. Fünf Personen zeigten Symptome eines schweren Schocks.

Am späten Montagabend wurden nochmals Raketen aus dem Libanon auf Tel Aviv abgeschossen. Einige konnten abgefangen werden, andere landeten auf unbebautem Feld, ohne Schaden anzurichten. In der Region um Tel Aviv waren laute Explosionsgeräusche zu hören. Wenige Stunden später übernahm die Hisbollah die Verantwortung für den Beschuss, mit dem sie nach eigenen Angaben das Hauptquartier der Aufklärungseinheit 8200 in der Nähe von Tel Aviv angegriffen hätte. Von den fünf Raketen wurden einige abgefangen, die anderen stürzten auf offenem Gelände ab.

Der IDF gelang es, eine Stellung der Hisbollah im Süden des Libanon einzunehmen, die sich in einem Olivenhain und dem dazu gehörenden Bauernhof eingegraben hatte. Die Raketen, die abschussbereit waren, zielten in Richtung Israel. Im Haus fanden die Truppen ein Waffenlager mit Panzer-Abwehr-Raketen, Gewehren und anderen Ausrüstungs-Gegenständen. Die IDF geht davon aus, dass von hier aus verschiedentlich Hinterhalte für israelische Soldaten ausgeführt und Städte im Norden Israels angegriffen wurden.



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