Krieg in Israel – Tag 381

20. Tishri 5785

‚Ich war es nicht!“ (sagt Khameni) Die Drohne losgeschickt hat der stv. Chef der Hisbollah. © Amos Biderman Facebook
Gerade eben in Caesarea – Sara fragt: Und was ist mit den Raketenbatterien die wir erhalten haben? © Guy Morad, Facebook

Die IDF hat eine Warnung an die Hisbollah geschickt, nicht nochmal einen Anschlag auf einen israelischen Politiker durchzuführen. In diesem Fall werde die IDF den Vorort von Beirut, Dahiyeh, dem Erdboden gleichmachen. Dahiyeh gilt als Hochburg der Hisbollah. Die Hisbollah hat bisher dreimal versucht, einen israelischen Politiker zu töten. Im vergangenen Jahr, am 15.  September, verursachten sie eine Explosion im Yarkon Park in Tel Aviv. Der misslungene Anschlag galt dem ehemaligen Verteidigungsminister Moshe Ya’alon. Zwei der Terroristen wurden noch vor Ort festgenommen, sechs weitere am folgenden Tag. Ein zweiter Angriff auf ihn vom 17. September dieses Jahres misslang ebenfalls. Die Terroristen wurden festgenommen.

Sieben Israelis wurden heute wegen des Verdachts der Spionage für den Iran verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen, zahlreiche Aufträge für den Iran ausgeführt zu haben. Es handelt sich um jüdische Einwohner aus Haifa und dem Norden des Landes. Unter ihnen befindet sich ein desertierter Soldat, sowie zwei Minderjährige, die nicht namentlich genannt werden dürfen.

Die Namen der Erwachsenen lauten: Azis Nisanov, Alexander Sadykov, Vyacheslav Gushchin, Yevgeny Yoffe und Yigal Nissan. Angeblich stammen alle aus Azerbeidjan. Konkret wird ihnen vorgeworfen, israelische Militärstützpunkte fotografiert zu haben und Details gesammelt zu haben, vor allem betroffen sind das Militärhauptquartier in Tel Aviv und die Luftwaffenstützpunkte Ramat David und Nevatim. Auch Standorte des Iron Domes wurden bekannt gegeben. Die Luftwaffenstützpunkte wurden bereits mehrfach angegriffen, Nevatim wurden beim Angriff des Irans auf Israel mehrfach getroffen. Am Freitag wird die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die sieben Verdächtigen erheben.

Kultur- und Sportminister Miki Zohar, Likud, forderte heute, nachdem sieben Israelis wegen Spionageverdachts festgenommen worden waren, die Todesstrafe für Hochverräter. Was er bei seiner lautstarken Forderung übersah, die Todesstrafe ist in den israelischen Gesetzen für Hochverrat, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verbrechen gegen das jüdische Volk nach wie vor verankert. Jedoch wurde sie nur zweimal ausgeführt[1].

Der rechtsextreme-nationalistische Ben-Gvir forderte heute die Wiederbesiedlung vom Gazastreifen durch Israel. Das erklärte er auf einer Veranstaltung der Siedlungsorganisation ‘Nachala’, die gestern und heute an der Grenze zum Gazastreifen stattfindet. (s. Bericht vom 16. Oktober) «Wenn wir wollen, können wir die Siedlung in Gaza erneuern.Wir können [auch] etwas anderes tun – die Auswanderung fördern. Die Wahrheit ist, dass dies die ethische und korrekte Lösung [für den Krieg] ist. Es darf jedoch nicht mit Gewalt geschehen. Man soll den Bewohnern des Gazastreifens sagen, dass Israel ihnen die Möglichkeit gibt, in andere Länder zu gehen. Das Land Israel gehört uns.» Ben-Gvir schloss sich mit dieser völlig irrelevanten Forderung den Forderungen von Daniella Weiss, eine der Organisatorinnen der fragwürdigen Veranstaltung an, die noch einen Schritt weitergegangen war. «Kriege bringen das Schreckliche der Flüchtlinge mit sich. Der 7. Oktober hat die Geschichte verändert, denn durch das brutale Massaker haben die Araber aus Gaza ihr Recht verloren, hier zu sein. Sie werden nicht hier bleiben, sie werden in verschiedene Länder gehen, wir werden die Welt davon überzeugen.» Sprecher bei dieser unsäglichen Veranstaltung waren u.a. Ben-Gvir, Smotrich, Ministerin für Frauenfragen May Golan, Likud und Minister für den Negev und Galiläa, Yitzhak Wasserlauf, Otzma Yehudit. Teilgenommen haben u.a. Ariel Kallner, Avichai Boaron, Osher Shkalim, Tally Gotliv und Sasson Gueta, Likud; Tzvi Sukkot Religious Zionist Party; Limor Son Harmelech, Otzma Yehudit. Allesamt rechtsextreme Faschisten und Kahanisten!

Eine Überlebende des Massakers von 7. Oktober 2023, Shirel Golan, s’’l, wurde am Tag ihres 22. Geburtstages tot in ihrem Appartement aufgefunden. Shirel litt unter ausgeprägten post-traumatischen Störungen, die ihre Ursache in den grauenhaften Erlebnissen hatten, die Shirel während des Massakers durchmachen musste. Ihre Familie erhob heftige Vorwürfe gegen den Staat und warf den Verantwortlichen vor, ihr keine ausreichende Unterstützung geboten zu haben. Ihr Bruder erinnert sich, wie er und seine Geschwister alles darangesetzt hatten, um Shirel bei der Flucht vom Festival-Gelände zu helfen. Sie hatte es geschafft das Auto ihrer Freunde vorzeitig zu verlassen und wurde von einem Polizisten gerettet, der sie nach Kfar Maimon fuhr. Das Auto ihrer Freunde wurde von den Terroristen überfallen, alle Insassen wurden ermordet.

Die IDF entschuldigt sich, gestern unbeabsichtigt den Tod dreier libanesischer Soldaten verursacht zu haben. Der tragische Vorfall ereignete sich, als ein LKW in ein Gebiet einfuhr, in dem kurz zuvor ein LKW der Hisbollah, der einen mobilen Raketenwerfer und Raketen transportierte, von der IDF ausgeschaltet wurde. Durch dieses zufällige Aufeinandertreffen dachte die IDF, dass das zweite Fahrzeug ebenfalls zur Hisbollah gehört, griff es an und zerstörte es. «Die IDF kämpft nicht gegen das libanesische Militär und entschuldigt sich für den tragischen Vorfall.»

Das hochmoderne Abwehrsystem THAAD (Terminal High Altitude Area Defense), welches die USA Israel zur Verfügung gestellt hat, ist nun an seinem vorgesehenen Einsatzort angekommen und wird in Kürze einsatzbereit sein. Betreut wird das System von 100 US-amerikanischen Soldaten, die für die Dauer des Einsatzes in Israel stationiert wurden. Das neue Raketenabwehrsystem kann ein grösseres Gebiet als bereits in Israel vorhandene Systeme verteidigen und Ziele in einer Entfernung von 150 bis 200 km treffen.

Ein mobiler Raketenwerfer, der auf einem Suzuki Pick-Up installiert war, wurde von der IDF in einem Dorf im Süden des Libanon aufgespürt und zerstört. Weiterhin wurde ein Waffenlager in der Nähe eines ‘Privathauses’ gefunden und zerstört. Insgesamt konnten in kurzer Zeit 15 Raketenwerfer, die allesamt auf Israel gerichtet waren, durch Luftangriffe zerstört werden.

Hubschrauber und Kampfjets haben am späten Nachmittag fünf Drohnen über dem Mittelmeer abgefangen. Sie konnten zerstört werden, bevor sie in den israelischen Luftraum eindrangen. Die IDF betont, dass keinerlei Gefahr für den Flughafen Ben Gurion bestanden hat, obwohl aus Sicherheitsgründen kurzfristig alle Starts verschoben wurden. Die Landungen waren von der Massnahme nicht betroffen.

Die gute Nachricht des Tages: Etwa 1.000 Frauen und Kinder, die dringend medizinische Betreuung brauchen, werden in der kommenden Zeit von Gaza nach Europa ausgeflogen. Das berichtete die WHO. Die Evakuierungen werden von der WHO, Israel und den beteiligten europäischen Ländern koordiniert und unterstützt. Seit Beginn des Krieges wurden bereits mehr als 600 dringende medizinische Fälle in sieben europäische Länder evakuiert.


[1] Adolf Eichmann wurde 1962 wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gehängt. Mit der gleichen Urteilsbegründung sollte 1988 John Demanjuk exekutiert werden. Das Urteil wurde jedoch vom OGH 1993 nach einer Berufung aufgehoben. Es hatte erhebliche Zweifel an seiner Identität gegeben.



Kategorien:Israel, Politik

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1 Antwort

  1. MY dear friend, although I don’t read your reports every day (after all, I read the news locally every day…), I’m deeply impressed by your thorough journaling, and accurate reporting. Thank you for that Esther.

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