Krieg in Israel – Tag 382

20. Tishri 5785

Leider muss auch heute die IDF den Tod von zwei Soldaten bekannt geben. Staff. Sgt. Yishai Mann, 21, s’’l, wurde während einer Dienstfahrt Opfer eines Verkehrsunfalls nahe der Grenze zum Gazastreifen. Mast. Sgt. (res.) Saar Eliad Navarski, 27, s’’l, wurde Opfer eines Raketenangriffs der Hisbollah im Norden Israels. Drei weitere Soldaten wurden beim gleichen Vorfall schwer verletzt.

Vor wenigen Tagen wurden Geheimdokumente des Pentagon betreffend die israelischen Angriffs-Pläne gegen den Iran über soziale Medien bekannt gemacht. Das Pentagon hat heute Berichten zufolge die Stabschefin des stellvertretenden Verteidigungsministers für Spezialoperationen, Ariane Tabatabai, als Hauptverdächtige für ein angebliches Leck von Geheimdokumenten benannt. Das berichtet Sky News Arabia am Dienstag unter Berufung auf einen hochrangigen Pentagon Beamten. Die Zugriffs Möglichkeit auf sensible Daten wurden Tabatabai bis auf Weiteres entzogen. Tabatabai ist Amerikanerin mit iranischer Herkunft und ist auch Offizier im Geheimdienstes der Marine.

Der ehemalige stv. Direktor des Nationalen Sicherheitsrates, Eran Etzion, erklärte heute, dass das Sicherheitskabinett von Netanyahu heimlich die Durchsetzung des sogenannten ‘Generalplans’ im Norden des Gazastreifens gebilligt habe. Das hatte dazu geführt, dass die Zivilisten eine Woche Zeit hatten, den Norden zu räumen. Anschliessend werde das Gebiet zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Jeder, der sich dort aufhält, sei automatisch als mögliches Ziel definiert. Ab dem Moment werde auch jede Hilfs- und Lebensmittellieferung eingestellt.

Das daraus resultierende Vorgehen ‘Gib auf oder verhungere’ ist ein Kriegsverbrechen. Alle Zivilisten, die zwar den Anweisungen folgen wollen, aber von der Hamas gewaltsam daran gehindert werden (s. weiter unten) befinden sich in einer tödlichen Falle. Auch wenn die IDF die Durchführung bestritten hat, wurden in der ersten Hälfte des Oktobers keine Lieferungen zugelassen. Erst auf Druck der USA wurden die Hilfslieferungen in der letzten Woche wieder aufgenommen.

Erst heute durften die Medien von der Militär-Zensur freigegebene Information weitergeben. Entgegen anderslautenden Nachrichten verursachte die aus dem Libanon gestartete Drohne an der Villa der Netanyahus in Caesarea einen Schaden. Schaut man das freigegebene Bild an, so ist der Schaden allerdings sehr gering im Vergleich zu anderen direkt getroffenen Wohnhäusern im Norden von Israel.

Erneut wurden sieben Männer, diesmal aus Ost-Jerusalem, wegen Spionageverdachts für den Iran festgenommen. Sie werden verdächtigt, mehrere Anschläge gegen Israel und die Ermordung eines Nuklear-Wissenschaftlers und eines Bürgermeisters geplant zu haben. Die Verdächtigen sind zwischen 19 und 23 Jahre alt und haben kein Vorstrafenregister. Der Chef der Terror-Zelle, die seit zwei Jahren aktiv ist, Rami Alian, wurde von einem iranischen Agenten angeheuert. Für ihre bisherigen Aktivitäten wurden sie mit einigen Tausend Schekeln bezahlt. Für die Ermordung des Wissenschaftlers waren ihnen NIS 200.000 in Aussicht gestellt worden.

Am frühen Vormittag wurden 20 Raketen von der Hisbollah in Richtung Israel abgeschossen. Fünf waren nach Angaben der Hisbollah auf das Hauptquartier der Einheit 8200 in der Nähe von Herzliya gerichtet, andere sollten einen Marinestützpunkt in der Nähe von Haifa treffen. Einige Raketen konnten abgefangen werden, andere stürzten über offenem Gebiet ab.

Teile einer Abfangrakete stürzten auf ein Haus im Kibbutz Ma’agan Michael, zwischen Haifa und Caesarea ab und verursachten dort Sachschaden.

Nach dem unglaublich grossen Fund von Gold und Bargeld unter einem der grössten Krankenhäuser in Beirut, forderte der arabisch-sprechende Sprecher der IDF, Avichay Adraee, die Bewohner einiger Gebäude in der Region auf, diese zu verlassen. Die IDF hatte angekündigt, weiterhin gezielt gegen die Finanzinfrastruktur der Hisbollah vorzugehen, um diese zu zerstören. Generalstabschef Herzi Halevi gab bekannt, dass am Montag mehr als zwei Dutzend Gebäude des mit der Hisbollah verbundenen  Finanz-Unternehmens Al-Qard Al-Hassan[1] getroffen wurden.

In einem grossen Bunker unterhalb vom Al-Sahel-Krankenhaus im Vorort Dahiyeh waren, so die IDF, etwa eine halbe Milliarde Dollar (sic!) in Dollar-Scheinen und Goldbarren aufgefunden worden. Diese Zahl wird seit gestern immer wieder genannt, so unglaublich sie auch klingt. Vielleicht gibt es dazu später weitere Informationen.

IDF-Sprecher Daniel Hagari betonte, dass Israel keinen Angriff auf das Krankenhaus selbst ausführen werde. Das Krankenhaus gab dennoch bekannt, dass es seine Patienten an einen sichereren Ort evakuieren werde. Direktor Fadi Alameh wies die Vorwürfe der israelischen Streitkräfte zurück und lud die libanesische Armee ein, den Ort zu besuchen. Das Spital besteht, so der Direktor, seit 42 Jahren und verfügt über unterirdischen OP-Säle. Es bestehe keinerlei Verbindung zur Hisbollah.

Bei den Angriffen seien, so libanesische Stellen, vier Personen getötet und 24 verletzt worden. Am Krankenhaus seien erhebliche Schäden entstanden, es sei jedoch weiterhin in Betrieb.

Das Management des Krankenhauses beeilte sich, einer Gruppe von Journalisten Zutritt zu den ersten zwei Untergeschossen des Gebäudekomplexes zu gewähren. Damit sollte gezeigt werden, dass es keinen ‘Geldbunker’ gab und es auch keine Zusammenhänge zwischen dem Spital und der Terror-Organisation Hisbollah gibt. Ein Journalist des Nachrichtensenders N12 betonte jedoch, dass den Journalisten kein Zugang zu dem Bereich gewährt wurde, wo das Geld und Gold von der IDF aufgefunden wurde.

Von einem Hobby-Fotografen ‚verfolgte‘ Rakete vom Anflug bis zum Einschlag

Eine libanesische Nachrichtenagentur gab bekannt, dass die IAF mindestens drei Angriffe auf den Vorort Ouzai geflogen habe. Insgesamt wurden in der Nacht mehr als ein Dutzend Angriffe auf die südlichen Vororte von Beirut geflogen. Teilweise seien die Aufforderungen, das Gebiet zu verlassen, zu knapp vor dem Angriff gekommen, um eine geordnete Evakuierung zu ermöglichen. Am Flughafen von Beirut schlugen mehrere Raketen in der Nähe der Hauptlandebahn ein, sodass kurzfristig andere Landebahnen gewählt werden mussten. Durch den Beschuss wurden auch heftige Brände ausgelöst, wie man auf Bildern erkennen kann.

Eine Salve von 40 Raketen wurde vom südlichen Libanon auf den westlichen und oberen Galil abgeschossen. Mindestens vier Personen wurden von Schrapnells und Glasscherben verletzt. Damit erhöht sich die Zahl der heute bisher abgeschossenen Raketen auf 65.

Hamas-Terroristen hindern Zivilisten aus Jabaliya daran, den Aufforderungen der IDF nachzukommen und sich in sichere Gebiete zu begeben. Sie haben auch keine Hemmungen, dabei zu Schusswaffen zu greifen. Cpl. Shai Gilboa, die als Sanitäterin im Gazastreifen eingesetzt ist, erzählte: «Die Verwundeten kamen zu uns und wir leisteten ihnen vor Ort Erste Hilfe, die hauptsächlich darin bestand, die Blutung zu stoppen.»

Von dort aus, erklärte sie, wurden sie aus dem Gebiet evakuiert und zur weiteren Behandlung an ‚lokale medizinische Kräfte‘ in der Gegend weitergeleitet. Die Kommunikation mit den Zivilisten ist wegen der Sprachprobleme schwierig, aber möglich. «Sie lächeln uns an, sie winken uns zum Abschied zu. Sie verfluchen die Hamas vor unseren Augen. Sie haben nicht nur keine Angst vor uns, viele von ihnen sind auch auf unserer Seite.»


[1] Al-Qard Al-Hassan (AQAH) ist ein Finanzunternehmen, das offiziell als Wohltätigkeitsorganisation registriert ist und seit den 1980er Jahren seinen Kunden zinsfreie Kredite im Austausch gegen Goldeinlagen anbietet.

AQAH wird überwiegend von schiitischen Kommunen genutzt, die seit Jahren unter einer Finanzkrise leiden, die dazu geführt hat, dass Libanesen keinen Zugriff mehr auf ihre Bankeinlagen haben.

Die USA haben AQAH lange Zeit beobachtet und beschuldigen die  Hisbollah, sie als Deckmantel zu benutzen, um ihre Finanzaktivitäten zu verstecken. AQAH hat mehr als 30 Zweigstellen.



Kategorien:Israel, Politik

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