26. Tishri 5784

Auch gestern musste die IDF leider den Tod eines Soldaten bekannt geben. Maj. Guy Yaacov Nezri, 25, s’’l, verlor den Kampf um sein Leben, nachdem er am 19. Oktober während eines Kampfes in Jabaliya lebensgefährlich verletzt worden war.

Der Iran, so der Sprecher des iranischen Aussenministeriums, Esmaeil Baghaei, wird alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um sich an Israel für den Vergeltungsschlag von vergangener Samstagnacht zu rächen. «Wir werden dem zionistischen Regime eine endgültige und effektive Antwort geben.» Während Netanyahu behauptet hatte, alle militärischen Ziele erreicht zu haben, warnt der oberste Führer Ali Khamenei bereits davor, dass man bereits über die bestmögliche Antwort nachdenke. Auch der Chef der Revolutionsgarde, Gen. Hossein Salami, warnt Israel vor den bitteren Konsequenzen des Angriffs. Er betonte: «Israel hat seine unheilvollen Ziele nicht erreicht. Das ist nichts anderes als ein Zeichen von Fehleinschätzung und Hilflosigkeit.»

Ein hochrangiges Mitglied der palästinensischen Terror-Organisation Hamas, Husam Badran, mit Sitz in Katar, deutete an, dass die Hamas unter gewissen Umständen bereit sei, ein Abkommen zur Freilassung der Geiseln mit Israel abzuschliessen. Diese Aussage tätigte er gegenüber der pro-Hamas-Nachrichtenagentur Shebab. «Unsere Forderungen sind klar und bekannt, und eine Einigung ist möglich, vorausgesetzt, dass sich Netanyahu an das hält, was bereits vereinbart wurde.» Ob diese Aussage als Antwort auf den ägyptischen Vorschlag, während einer zwei-tägigen Waffenruhe vier israelische Geiseln gegen ‘einige’ palästinensische Gefangene auszutauschen, gilt, ist unsicher. Anschliessend auf die zwei Tage soll eine zehntägige Verhandlungszeit folgen.
Der saudische Nachrichtensender Al Arabiya hatte zuvor berichtet, dass die Hamas bereit sei, den ägyptischen Vorschlag anzunehmen, falls sich Israel verpflichtet, den ägyptischen Vorschlag als Teil eines umfassenden Abkommens zu akzeptieren und dass die Terror- Organisation ein umfassendes Abkommen einem ‘Stückwerk’ vorziehe.
Netanyahu erklärte am späten Abend, er habe kein Angebot über eine zwei-tägige Waffenruhe erhalten. Auch über die damit verbundene Freilassung von vier Geiseln sei ihm nichts bekannt gegeben worden. Das Büro des PM teilte dazu mit, falls eine solche Information eingegangen wäre, hätte der PM sofort zugestimmt.
Aufgrund von Sicherheitsbedenken nach dem teils gelungenen Drohnenangriff auf die private Villa der Netanyahus in Caesarea, fand die gestrige Kabinettsitzung weder im Gebäude statt, in dem sich das Büro des PM befindet, noch im Militär-Hauptquartier in Tel Aviv, noch im neu erbauten Untergrund-Bunker ausserhalb von Jerusalem. Den erstaunten Ministern wurde erst kurz vor Beginn der Sitzung mitgeteilt, dass nur sie allein ohne ihre Assistenten das Gebäude betreten dürften. Allfällige Waffen müssten am Eingang abgegeben werden.
Ach Herrje, die Damen und Herren der Regierung sind ja unglaublich ängstlich, wenn ihnen noch nicht einmal der gerade fertiggestellte Bunker sicher genug erscheint!
Der Irak hat sich bei der UNO auf das Schärfste beschwert, dass Israel seinen Luftraum für die Angriffsflüge gegen den Iran genutzt hat. Regierungs-Sprecher Bassim Alawadi schrieb. «Die zionistische Entität hat eine eklatante Verletzung des irakischen Luftraums für einen Angriff auf die iranische Republik begangen.» Bruchteile einer israelischen Rakete waren über den Irak abgestürzt. Ob es sich aber tatsächlich um eine israelische Rakete handelt, ist ungesichert, auf dem Trümmerstück findet sich kein entsprechender Hinweis.


Der ‘Knesset-Ausschuss für die Stellung der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter’ unter Vorsitz von MK Pnina Salamon, befasste sich mit der Notlage und dem sexuellen Missbrauch von weiblichen Geiseln in Gaza. Tatsächlich muss nach einer so langen Zeit der Geiselhaft damit gerechnet werden, dass weibliche Geiseln durch die täglichen Vergewaltigungen schwanger wurden und ein Baby bekommen haben. Allerdings muss man in Betracht ziehen, dass wahrscheinlich durch die anhaltende Mangelernährung und den physischen und psychischen Druck der weibliche Zyklus seine Arbeit eingestellt hat und eine Schwangerschaft unwahrscheinlich ist. Yarden Gonen, Schwester von Romi Gonen, 23, die sich immer noch in Geiselhaft befindet, fühlt sich nicht ernstgenommen. «Wenn jemand mit einem Baby zurückkommt, dann komme ich hierher zurück und renne jedem von euch hinterher, denn das hätte vermieden werden können.» Mandi Damari, Mutter von Emily, 26, gibt zu, dass ihre Kraft, zu kämpfen, nachlässt. «Ich weiss jedoch nicht, wie wir noch länger dagegen ankämpfen können. Meine Kraft schwindet sehr schnell, und es ist unglaublich, dass sie immer noch da sind.»
An dem Treffen nahmen nur Mitglieder der Opposition teil. MK Eli Dallal und MK Kathrin Shitrit, beide Likud, waren abwesend.

Die IDF forderte gestern Mittag die Bewohner der südlichen Stadtteile von Tyros auf, sich unmittelbar aus dem Wohngebiet bis hinter den Awali-Fluss zu evakuieren. Das Gebiet werde von der IDF zum Kampfgebiet erklärt, ein weiterer Verbleib dort stelle eine Gefahr für die Zivilbevölkerung dar. Kurze Zeit später gab die ‘Nationals News Agency’ bekannt, dass die IAF ein Appartementhaus angegriffen hat.
Die IDF hat ihre mehrtägige Razzia im Kamal-Adwan-Spital in Jabaliya abgeschlossen. Nach eigenen Angaben haben sich dort Dutzende Mitglieder der palästinensischen-Terror-Organisation Hamas aufgehalten. Vor der Razzia wurde Patienten und Mitarbeitern die Evakuierung ermöglicht. Zusätzliche Generatoren wurden in Betrieb genommen, um die Versorgung von Patienten, die eine lebenserhaltende Betreuung benötigen, sicherzustellen. Hunderte Zivilisten, die im Gebäudekomplex Unterschlupf gefunden hatten, wurden ebenfalls vor Beginn der militärischen Operation evakuiert. Die Evakuierung dauerte viel länger als geplant, nachdem die Zivillisten immer wieder von der Hamas daran gehindert wurden, das Gebiet zu verlassen. Teilweise wurden die Flüchtenden durch gezielte Schüsse in die Beine an der weiteren Flucht gehindert.
Während der Evakuierungsphase wurden etwa 40 Terroristen festgenommen, die zur Befragung nach Israel gebracht wurden. Später führte die Marine-Spezialeinheit Shayetet 13 weitere Razzien durch und konnte zahlreiche weitere Terroristen, darunter Teilnehmer an den Massakern vom 7. Oktober festnehmen. Ein Festgenommener gab in seiner Befragung an, dass die Hamas die klinikeigenen Krankenwagen zum Transport von Terroristen benutzt habe.
Die IDF schätzt, dass sich im Gebiet noch Hunderte weiterer Terroristen aufhalten. In der Umgebung des Spitals wurden Waffen, Bargeld und Dokumente sichergestellt, die der Hamas gehören. Jabaliya gilt mittlerweile als neues Kommando- und Kontrollzentrum der Hamas, die sich im Norden des Gazastreifens neu formiert hat.
Während der gesamten Operation verloren zehn Soldaten der IDF ihr Leben.
Währenddessen gehen die Kämpfe in Rafah ungehindert weiter.
Innerhalb nur einer Stunde wurde dreimal der Raketen-Alarm im gesamten nördlichen Israel in der Nähe der Grenze zum Libanon ausgelöst. Es gab keine sofortigen Meldungen über etwaige Schäden. Fünf Raketen waren auf Haifa abgeschossen worden, 30 zielten auf den westlichen Galil. Die meisten Raketen konnten abgefangen werden, andere landete auf offenem Gelände.
Auf dem ‘Platz der Geiseln’ in Tel Aviv fand die hochemotionale und berührende Gedenkzeremonie ‘Trauer ohne Grab’ statt. Veranstalter waren Familienangehörige von Geiseln, die während ihrer Geiselhaft in Gaza ermordet wurden und deren sterbliche Überreste noch in Gaza festgehalten werden.
Yael Adar verlor ihren Sohn Tamir Adar, 38, s’’l, am 7. Oktober 2023. Er machte sich auf den Weg, seine Freunde im Kampf gegen die eindringenden Terroristen im Kibbutz Nir Oz zu unterstützen und wurde von den Hamas-Schlächtern ermordet. Seine sterblichen Überreste wurden in den Gazastreifen verschleppt. Am 5. Januar gab der Kibbutz seinen Tod bekannt. «Trauer hat eine gewisse Ordnung: Man erhält die Nachricht, eine Beerdigung, die Schiwa, Gebete, ein Grab. In Nir Oz, Be’eri, Kfar Aza geht es nicht nur um den Verlust der Person, sondern auch um den Verlust des Ortes – des Ortes, zu dem man gehörte. Jeden Morgen, wenn eine Mutter den Anruf über ihren Sohn erhält, der im Kampf getötet wurde, ist mein Herz bei ihr, aber es gibt auch ein wenig Neid, weil sein Zimmer noch da ist, ihr Haus noch da ist. Wir sassen Schiwe ohne einen Körper und ohne ein Zuhause.»
Bar Godard, die Tochter von Manny, 73, und Ayelet Godard, 63, s’’l, die am 7. Oktober in ihrem Heimatkibbutz Be’eri ermordet wurden. Die sterblichen Überreste von Manny wurden in den Gazastreifen verschleppt. Am 8. Februar wurde er für tot erklärt. Bar war im siebten Monat schwanger und versteckte sich mit ihrem Mann und ihrem Kleinkind im Schutzraum ihres Hauses. Sie konnte das Haus nicht verlassen, weil sich überall im Kibbutz Terroristen befanden. Erst nach Tagen erfuhren sie, dass ihre Mutter unter den Toten war, die auf dem Gelände des Kibbutz aufgefunden wurden. «Der Tod und dieses gewaltige Ereignis haben etwas von einer Tsunami-Welle. Es gibt nichts mehr, woran man sich festhalten kann. Man hat nicht einmal mehr ein Zuhause oder ein Grab. Man hat nichts mehr, klammert sich an Luft, an jede Erinnerung. Es ist ein Gefühl der Leere.»
Roy Baruch wusste nicht, dass sein Bruder Uriel Baruch, 35, s’’l, zum Musik-Festival gehen wollte. So wurde Uriel zunächst als vermisst und dann als Geisel eingestuft. Erst Ende März wurde seine Familie informiert, dass er vom Festival aus entführt und später ermordet wurde. Auch seine sterblichen Überreste befinden sich noch in Gaza. «Nicht alle wollten Schiwe sitzen», sagte sein Bruder und wies darauf hin, dass die religiös praktizierenden Mitglieder der Familie ohne seinen Leichnam nicht offiziell um Uriel trauern konnten.
Da es immer noch kein Grab gab, organisierten Uriels Freunde, die die Familie seit Monaten liebevoll umsorgen, letzte Woche am Vorabend des Simchat-Tora-Festes eine Art Gedenkfeier am Nova-Standort. Hunderte Menschen kamen, um Uriel zu betrauern und das traditionelle Klagelied zu rezitieren, «weil wir keinen anderen Ort haben, an dem wir es sagen können», sagte Roy Baruch.
Michel Illouz, Vater von Guy Illouz, 26, s’’l, ist sicher, dass sich die israelische Gesellschaft nie mehr vom Trauma das 7. Oktobers erholen wird, solange nicht alle Geiseln, tot oder lebendig, wieder daheim sind. «Diese Wunde wird offenbleiben, wir werden immer noch bluten.»
Guy wurde beim Musik-Festival verwundet, in den Gazastreifen verschleppt und starb an den Folgen seiner Verletzungen. Auch seine sterblichen Überreste sind noch in Gaza. Guy hatte ihn morgens noch angerufen und berichtet, er versuche, dem Massaker zu entkommen. Michel raste nach Re’im, sah überall die Spuren des Massakers, Leichen, die eingesammelt wurden, überall Tod und Zerstörung. «Ich sah die Katastrophe, ich sah, dass keine Armee vor Ort war, nur Einheimische, die sich organisierten», sagte Illouz, der vier Stunden lang am Tatort blieb und jede Wagenladung mit Leichen auf seinen Sohn überprüfte. Erst vier Wochen nach dem Massaker erfuhr er, dass ein Sohn unter den Verschleppten war. Am 1. Dezember wurde er für tot erklärt.
«Es ist schwer, weil meine Geschichte meine ist und sie schmerzhaft ist, und es gibt Geschichten, die viel schlimmer sind als meine, bei denen ganze Familien getötet wurden. Aber ich habe die Leiche meines Sohnes nicht.» Michel hat nur den Bericht einer freigelassenen Geisel, Maya Regev, die im Krankenhaus in Gaza neben dem sterbenden Guy lag. «Das ist das Einzige, was wir haben», sagte Illouz. «Mayas Bericht.»
Am Ende der anschliessenden Podiumsdiskussion betrat Riki Gal die Bühne, um ‘Someone’ zu singen: «Jemand, jemand wird sich um dich sorgen.»
Hinterlasse einen Kommentar