Krieg in Israel – Tag 389

27. Tishri 5785

Auch heute muss die IDF leider wieder den Tod von fünf Soldaten bekannt geben. Cpt. Yehonatan Joni Keren, 22, Staff Sgt. Nisim Meytal, 20, Staff Sgt. Aviv Gilboa, 21, und Staff Sgt. Naor Haimov, 22, s’’l, fielen unter noch ungeklärten Umständen in einem Kampf im nördlichen Gaza. Die IDF untersucht derzeit den tödlichen Vorfall. Yedidah Bloch, 32, s’’l, verlor den Kampf um sein Leben, nachdem er an Simchat Torah im südlichen Libanon im Kampf lebensgefährlich verwundet wurde.

Hochrangige israelische Beamte erklärten gegenüber ynet, dass die Verhandlungen zu einem Waffenstillstand im Libanon Formen annehmen. Auch hier, wie in Gaza, finden die Verhandlungen gemeinsam mit einem internationalen Mediatoren-Team statt. Zu Beginn soll eine zwei-monatige ‘Anpassungs-Phase’ stehen. In diesem Zeitraum, der mit dem Beginn des Waffenstillstands zusammenfällt, wird auf die Umsetzung der UN-Resolution 1701 hingearbeitet. Diese wurde 2006 am Ende des zweiten Libanonkrieges beschlossen, aber von der Hisbollah nie umgesetzt. Ein internationales Aufsichtsgremium wird über die Einhaltung wachen. Israel behält sich das Recht vor, einzugreifen, falls das reguläre libanesische Militär oder die UNIFIL Verstösse gegen die Resolution wie bisher tolerieren. Schlussendlich soll die Wiederbewaffnung der Hisbollah durch restriktive Importmassnahmen für Waffen verhindert werden.

Die Hisbollah ernannte Naim Qassem zum Nachfolger des ehemaligen Anführers Hassan Nasrallah. Qassem war lange Zeit der Stellvertreter von Nasrallah und hatte nach dessen Tod auch die interimistische Führung übernommen. Qassem hatte zunächst Chemie und Französisch studiert und einige Jahre Chemie unterrichtet. Er war an der Gründung des ‘Libanesischen Bundes der muslimischen Studenten’ beteiligt, arbeitete mit an der Entstehung der ‘Bewegung der Ausgeschlossenen’ und war während des libanesischen Bürgerkriegs Mitbegründer der Hisbollah.

VM Yoav Gallant veröffentlichten ein Bild des neuen Hisbollah-Führers und kommentiert es: «Nur vorübergehend, nicht für lange!» Gallant betonte weiterhin, dass die Hisbollah nur mehr über 20 % ihres Raketen-Arsenals verfügt.

Die USA zeigen sich zutiefst besorgt über das am Montag von der Knesset verabschiedete Gesetz, welches der UNWRA jede Möglichkeit nimmt, in Ostjerusalem, Gaza sowie Judäa und Samaria zu operieren. «Die Umsetzung des Gesetzes birgt die Gefahr einer Katastrophe für die mehr als 3 Millionen Palästinenser, die auf die grundlegenden Dienstleistungen der UNRWA angewiesen sind, darunter Gesundheitsversorgung sowie Grund- und Sekundarschulbildung», klagte ein Vertreter des US-Aussenministeriums und er fuhr fort «Die humanitäre Hilfe im Gazastreifen ist auf die Einrichtungen und das Fachwissen der UNRWA angewiesen. Die UNRWA ist für diese Einsätze nach wie vor unverzichtbar. Es gibt keine andere Organisation, die die UNRWA ersetzen könnte, insbesondere nicht in dieser Krise.» Nota bene:Nur die Palästinenser werden von einem eigens für sie gegründeten UNO-Hilfswerk betreut. Um sich selbst am Leben zu erhalten und die eigene Unersetzbarkeit zu zementieren, wurde der Flüchtlingsstatus seit dem ersten Tag als unantastbar definiert. Um das Absurde dieser Situation zu zeigen: PA-Präsident Mahmoud Abbas floh mit seiner Familie 1948 von Sfad nach Damaskus. Der ehemalige Hamas-Chef Ismail Haniyeh wurde 1962 in einem Flüchtlingslager in Gaza geboren. Seine Eltern flohen 1948 von Ashkelon nach Gaza. Sie sind, bzw. waren daher Flüchtlinge im Sinne der UNWRA.

Es wäre doch möglich, alle offiziellen Agenden der UNWRA an die ‘UNO-Flüchtlingshilfe’  zu übertragen. Eine schwierige Aufgabe, aber machbar. Natürlich sind Kriegszeiten schlechte Zeiten für einen so einschneidenden Wechsel. Vor allem, wenn die Lage für Zivilisten in Gaza äusserst problematisch ist. Und die darf durch einen Wechsel nicht noch weiter verschlechtert werden.

Neben den USA zeigen sich zahlreiche Staaten ebenfalls besorgt über das  noch nicht in Kraft getretene Gesetz und fordern Israel auf, es noch einmal zu überdenken.

Das US-amerikanische Nachrichtenportal ‘Axios’ veröffentlichte eine von CIA-Direktor Bill Burns vorgeschlagene Variante zur Freilassung der Geiseln und zum Waffenstillstand in Gaza. Im Gegenzug zu einer 28 Tage dauernden Waffenruhe sollen etwa acht israelische Geiseln gegen einige Dutzend palästinensische Gefangene ausgetauscht werden. Mit diesen ‘kleinen Waffenstillständen’ soll wieder Bewegung in die Verhandlungen zu einem dauerhaften Waffenstillstand und der Freilassung aller 101 noch in Gaza befindlichen Geiseln kommen.  (s. meinen Bericht von gestern) Gleichzeitig soll auch die humanitäre Lage in Gaza deutlich verbessert werden. Mit einem endgültigen Waffenstillstand rechnet niemand mehr vor den Wahlen in den USA am 5. November. Nach wie vor sind beide Seiten nicht bereit, von ihren seit Monaten fixierten Minimalbedingungen abzurücken. Die Verhandlungen werden sich also weiterhin deutlich in die Länge ziehen.

Eine aus dem Jemen kommende Drohne schlug auf offenem Gelände in der Nähe von Ashkelon ein, ohne grösseren Schaden zu verursachen. Ein kleines Feuer brach aus, das sofort gelöscht werden konnte.

Aus dem Libanon wurden drei Drohnen in Richtung Israel gestartet. Eine stürzte nördlich von Nahariya auf offenem Gelände ab, eine zweite konnte von der IAF abgefangen werden. Die dritte explodierte in der Verstrebung einer Fussgängerbrücke beim Bahnhof von Nahariya. Durch herabstürzende Schrapnelle wurde eine im Bahnhof stehende Zuggarnitur leicht beschädigt.

Das libanesische Gesundheits-Ministerium gibt bekannt, dass bei israelischen Angriffen im Beqaa Tal, in der ost-libanesischen Region Balbeck, mindestens 60 Personen ihr Leben verloren. Die zwölf angegriffenen Dörfer sind bekannt als Hisbollah-Hochburg.

Angeblich sind bei einem Angriff der IDF auf ein Appartementhaus in Beit Lahiya etwa 100 Personen getötet worden, 17 weitere wurden unter den Trümmern des Gebäudes verschüttet. Das teilte das ‘Gesundheitsministerium’ der Hamas mit. Die IDF hat die Beschuldigungen zur Kenntnis genommen, fordert jedoch dringend auf, bei solchen Meldungen der Hamas Vorsicht walten zu lassen, nachdem diese in der Regel nicht verifizierbar sind.

In der Stadt Ma’alot-Tarshisha, 20 km östlich von Nahariya, wurde ein Mann durch einen Raketen-Treffer seines Hauses getötet. Es handelt sich um Muhammad Naim, 24, s’’l. 13 weitere Personen, darunter drei Kinder wurden verwundet. Einige der heranfliegenden Raketen konnten abgefangen werden. Die Stadt wurde 1963 durch eine Zusammenlegung der arabischen Stadt Tarshisha mit der jüdischen Stadt Ma’alot gegründet und stellt damit eine der wenigen gemischten Städte Israels dar.

Die Houthi-Terroristen gaben bekannt, eine Drohne in das Industrie-Gebiet von Ashkelon geschickt zu haben. Dort war der Drohnen-Alarm ausgelöst worden, nachdem sich tatsächlich eine Drohne aus dem Süden näherte. Sie stürzte jedoch auf offenem Gelände ab, ohne Schaden zu verursachen. 

In einem Lager in Jabaliya überraschten Soldaten der IDF Hunderte Terroristen. Diese hatten für mehr als eine Woche Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht und sie sogar durch gezielte Schüsse an der Flucht gehindert. Die IDF evakuierte die Zivilisten, umzingelten das Gebiet, isolierte die Terroristen und setzte sie dort fest. Drei Brigaden waren an der Operation beteiligt, einer weiteren Brigade gelang es zunächst 5.000 und am Folgetag nochmals 20.000 Zivilisten zu evakuieren. 

Am Nachmittag traf eine Rakete das UNIFIL Hauptquartier in Naqoura. Eine Kraftfahrzeughalle wurde beschädigt und ging in Flammen auf. Einige österreichische Soldaten wurden leicht verletzt. Zum Zeitpunkt des Treffers befanden sich keine Soldaten in der Halle, so dass niemand ernsthaft zu Schaden kam, in einigen österreichischen Online-Zeitungen wurde Israel für den Beschuss verantwortlich gemacht.

Eine Information, die sofort in den Kommentaren der Seiten genüsslich thematisiert wurde. Nun stellte sich heraus, dass es sich um eine von der Hisbollah abgeschossene Rakete gehandelt hat. 

Die Familie des zu Beginn der Woche im südlichen Libanon gefallenen Rabbi Avi Goldberg, s’’l, gab bekannt, dass sie gerne Politiker anlässlich der Beisetzung oder Schiwa begrüssen werden. Aber sie stellten die Bedingung, dass jeweils ein Mitglied der Regierung mit einem Mitglied der Opposition kommen würde. Es sei immer der Wunsch von Goldberg gewesen, die Gräben zwischen den politischen Lagern zu schliessen. Politiker von Shas, Yesh Atid, Likud und National Unity folgten ihrem Ruf und so sassen sie seit Langem wieder einmal nebeneinander, ohne sich in die Haare zu bekommen.



Kategorien:Israel, Politik

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