Krieg in Israel – Tag 398 (gestern)

6. Cheshwan 5785

Leider musste die IDF auch heute wieder den Tod eines Soldaten bekannt geben. Sgt. Ariel Sosnov-Sasonov, 20, s’’l, verlor sein Leben beim direkten Beschuss einer Rakete in der Umgebung von Avivim.

© Amos Biderman, Facebook. VM Yoav Gallant ist das Bauernopfer, damit Netanyahu politisch überleben kann.

Der OGH bestätigte nach der Prüfung einiger Petitionen, die forderten, die Entlassung von VM Yoav Gallant, aufzuheben, dass die Entlassung gesetzeskonform sei. Damit endete die Amtszeit des verdienten VM vor wenigen Minuten. Die Knesset wird in diesen Minuten die Abstimmung über die Amtseinführung von Israel Katz als VM und Gideon Sa’ar als Aussenminister durchführen.

Als eine seiner letzten offiziellen Handlungen traf sich Yoav Gallant erneut mit Familien von noch in Gaza festgehaltenen Geiseln. Er betonte ihnen gegenüber, dass es keine militärische Notwendigkeit mehr gebe, die IDF in Gaza zu belassen. Das behaupten unbestätigte Quellen. Er geht hart mit Netanyahu ins Gericht: «Netanyahu hält die Truppen dort nur zurück, weil er das will, ohne Notwendigkeit. Netanyahu ist der Einzige, der entscheiden kann, ob man sich auf ein Geiselabkommen einigt oder nicht.» Er selbst habe immer wieder vergeblich versucht, Netanyahu zu beeinflussen. Ohne Erfolg. Der Chef des Shin Bet, der Generalstabchef und auch der Mossad seien seiner Meinung gewesen. Schon im Juli habe er Netanyahu versucht zu überzeugen, dass die Zeit für eine Vereinbarung reif sei. Seither habe es immer wieder Konflikte über die Details gegeben. Sowohl er selbst, als auch der Generalsstabchef seien unsicher gewesen, ob es überhaupt sicherheitsbedingte oder diplomatische Gründe gegeben habe, die Truppen weiter im Gazastreifen zu belassen. «Ich kann euch sagen, es gab weder den einen noch den anderen Grund den Philadelphi-Korridor weiter zu besetzen. Das war nur ein Punkt, den Netanyahu zu einem der kriegswichtigsten Gründe hochstilisiert hatte. Es gibt nichts mehr zu tun in Gaza. Sie IDF bleibt nur, weil Netanyahu es will.» Gallant sagte kein Wort zur absoluten Priorität der Geiselbefreiung. Doch dazu muss auch leider derzeit nichts mehr gesagt werden. Es gibt keine Verhandlungen mehr, und das Schicksal der Geiseln interessiert in der Regierung mehr niemand. 

Unmittelbar vor der Abstimmung zur Ernennung des neuen VM Israel Katz ergriff Oppositionsführer Yair Lapid das Wort und bat Katz inständig, sich dem Gesetz zur Befreiung des Wehrdienstes bei haredischen Männern entgegenzustellen. Vor der dramatischen Regierungsumgestaltung hatte Netanyahu die Mehrheit für dieses Gesetz verloren. «Wenn Sie am Tag nach Ihrer Ernennung aufstehen und sagen: ‚Ich werde keine Gesetze zur Wehrdienstverweigerung verabschieden‘, werden Sie in die Geschichte eingehen als derjenige, der zu seinem Wort stand», fährt er fort und fordert Katz auf, «das Richtige zu tun.»

Ein hochrangiger evangelikaler Verbündeter von Donald Trump und langjähriger Vertrauter von Netanyahu warnte heute Israel, dass die Kriege in Gaza und im Libanon bis zum 20. Januar beendet sein müssen. Das ist der Termin, an dem Trump leider erneut das Amt des US-Präsidenten übernimmt. «Das Zeitfenster schliesst sich am 20. Januar. Donald Trump möchte nicht, dass dies im ersten Jahr seiner Präsidentschaft geschieht. Man will Donald Trump nicht in die Lage bringen, einen Krieg im Nahen Osten rechtfertigen zu müssen», fährt er fort. «Er ist von Kriegen im Nahen Osten abgestossen. Trump sagt, er wolle nicht der Präsident im Krieg sein. Israel muss das wissen und alles Menschenmögliche tun, solange das Fenster offen ist.» Ich empfinde diese Aussagen eines Unterstützers von Trump als pure Chuzpe. Wir arbeiten daran, die Kriege zu beenden, sind aber jeweils nur 50 % der Beteiligten. Solange der Iran uns andauernd mit der Zerstörung droht, können wir nicht unilateral zum Frieden zurückkehren. Ein wahres Ohrfeigengesicht!

Mehr als 120 Raketen wurden heute im Laufe des Tages aus dem Libanon auf Israel abgeschossen. Am späten Nachmittag flogen 50 Raketen in Richtung Nordisrael, 20 davon waren auf den westlichen Galil gerichtet, 30 weitere auf die Bucht von Haifa. In Kiryat Yam, einem Vorort von Haifa, schlug eine Rakete ein und setzte mehrere Fahrzeuge in Brand. Bis auf einen 85 Jahre alten Mann, der durch ein Schrapnell leicht verletzt wurde, wurden keine weiteren Verletzten gemeldet.

Die IAF zerstörte bei einem gezielten Luftangriff die Kommandostelle der Hisbollah in Tyros. Von dort wurden zahlreiche mit Sprengstoff beladene Drohnen auf Israel gestartet. Auch Drohnen zur Luftraum-Überwachung wurden von dort aus gesteuert. 

In Gaza zerstörte die IDF mehrere als Angriffs-Tunnel angelegte Anlagen. Sie waren jeweils mehr als zwei Kilometer lang, verfügten über etwa zehn Ausstiege, einige davon vermint. Auch Waffenlager waren in regelmässigen Abständen vorhanden. 

Israelische Siedler-Terroristen zündeten erneut im palästinensischen Dorf Jaba, einige Autos an und versuchten, das Haus eines Palästinensers zu zerstören. Es mehren sich zunehmend Kritiken an Israel, das nichts unternimmt, um diesem Siedler-Terror Einhalt zu gebieten. Seit die rechts-radikal nationalistischen Politiker Ben-Gvir und Smotrich immer mehr Macht in Judäa und Samaria haben, ist die Zahl der aggressiven Übergriffe deutlich gestiegen, ohne geahndet zu werden.



Kategorien:Israel

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