8. Cheschwan 5785
In einem Leitartikel der Jerusalem Post heisst es am Freitag: «Gallant ist der Mann für den Job! Netanyahu, wir verdienen Besseres!» Ich zitiere: «Welche vertretbare Strategie gibt es, einen Verteidigungsminister mitten in einem existenziellen Krieg an mehreren Fronten zu ersetzen? An zwei davon kämpfen Soldaten, die erschöpft und todmüde sind, und ein Ende ist nicht in Sicht?» Das ist genau die derzeitige Situation in Israel. Die Terror-Organisationen Hisbollah im Norden und Hamas in Gaza führen einen Abnutzungskrieg gegen uns, den wir nie gewinnen können. Zu stark steht der übermächtige Iran hinter ihnen und versorgt sie, auf welchen verschlungenen Wegen auch immer, ständig mit neuen Waffen. Unser GSt-Chef Herzi Halevi, seine Generäle, Kommandanten und Truppen können nur versuchen, den Schaden möglichst gering zu halten. Dazu braucht es kurze Entscheidungswege und das volle Vertrauen des VM. Nicht des PM, nein des VM. Netanyahu hat dieses Beziehungsnetz zerstört. Fahrlässig, dumm, in rein egoistischer Absicht.
Ich zitiere erneut: «Diese Energie (des Volkes) war am Dienstagabend zu spüren, brachte aber etwas noch Unheilvolleres mit sich: ein Gefühl von Panik und Erschöpfung; das Gefühl, dass genau diese Entscheidung einen Schritt zu weit geht – aber die Menschen sind so müde, die Familien der Geiseln so gequält, dass dies das Einzige ist, was ihnen noch bleibt, um zu versuchen, eine Veränderung herbeizuführen oder zumindest ihre Frustration auszudrücken.» Doch haben sie noch die Kraft dagegen zu kämpfen, wie damals, als im Frühjahr 2023 die Mengen und die Reservisten zu Hunderttausenden auf die Strasse gingen, um ihrer Wut Ausdruck zu verleihen?
Netanyahu bemüht sich darum, den Status quo aufrecht zu erhalten und die Haredis vom Dienst zu befreien. Das war es letztlich, warum er Gallant entliess. Der wollte sie in die IDF zwingen. Damit wäre die Koalition geplatzt. So hat Netanyahu wieder Zeit gewonnen und hat, ein zusätzlicher Gewinn für ihn, einen unliebsamen Kritiker aus den eigenen Reihen, entfernt. Jeder andere, der ein Staatsmann sein will, hätte einen anderen Weg gefunden. Nicht so Netanyahu. Er tauscht einfach die Köpfe in den Ministerien aus. Zvika Klein schreibt dazu: «Warum Gallant mitten im Krieg entlassen? Weil er die Frechheit hatte, Einberufungsbescheide zu erlassen…? Weil das Überleben der Koalition plötzlich wichtiger ist als die nationale Sicherheit? Das ist es, was der Soldat in Gaza hört. Ist es das, wofür ich kämpfe? Ist es das, wofür ich bereit bin, zu sterben?»
Die Geschichte der egozentrischen Politik Netanyahu wiederholt sich. Ich zitiere: «So wie es aussieht, besetzt jetzt praktisch eine Person die Posten des Premierministers, des Verteidigungsministers und des Aussenministers: Netanyahu. Israel Katz verfügt nicht über die Qualifikationen für die Rolle, und der Deal, dem Gideon Sa’ar zugestimmt hat, ist ein Schlag in den Rücken der Öffentlichkeit. Wir verdienen bessere Führungskräfte.»
Ein Gutes hat es: Schon einmal führte eine solche Machtanhäufung bei Netanyahu zum Zerfall der Regierung. Ich warte darauf, dass es diesmal schnell geht!
Nach den Pogromen in Amsterdam gegen Fans des israelischen Fussball-Clubs Maccabi Tel Aviv, untersucht die niederländische Regierung jetzt, wie und ob es möglich war, Warnsignale des Mossad falsch zu interpretieren oder zu ignorieren. Währenddessen geht die Identifizierung der Angreifer weiter. «Die Staatsanwaltschaft hat erklärt, dass sie so weit wie möglich ein Schnellverfahren anwenden möchte. Die Identifizierung aller Verdächtigen hat „absolute Priorität“».Von den zunächst 64 ursprünglich Festgenommenen sind derzeit noch vier in Untersuchungshaft.

Die Regierung in Katar teilte der palästinensischen Terror-Organisation Hamas mit, dass sie ihr ‘diplomatisches Büro’ auf dringende Bitte der Regierung von US-Präsident Joe Biden schliessen müssen.
Das Büro existierte seit 2012, weil es den US-Amerikanern wichtig schien, einen offenen Kommunikationskanal mit der Terror-Gruppe zu haben. Nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 teilten die Amerikaner den Kataris jedoch mit, dass es ihnen nicht mehr möglich sei, in der bisher gewohnten Form zu kommunizieren. Allerdings sahen sie zunächst von der Schliessung des Büros ab, weil sie Katar nach wie vor als wichtigen Faktor in den Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln und einen Waffenstillstand betrachteten.
Tatsächlich führten die Verhandlungen im November des Vorjahrs zu einem einwöchigen Waffenstillstand mit der Freilassung von etwa 150 Geiseln.
Seither sind die Gespräche jedoch blockiert.
Warum die Entscheidung gerade zu diesem Zeitpunkt kam, könnte u.a. mit der Ermordung des amerikanisch-israelischen Doppelbürgers Hersh Goldberg-Polin im August zu tun haben. Dies und die seither immer wieder erfolgten Ablehnungen von Verhandlungserfolgen liessen den USA die Position einnehmen, dass die Verbindungen nicht mehr ‘tragbar oder auch nur mehr akzeptabel’ sind.
Vor zwei Wochen stimmte Doha der Ausweisung der Hamas-Terroristen zu. Die genauen Bedingungen werden derzeit ausgearbeitet.
Welche Rolle Doha in Zukunft spielen wird, ist noch offen.
Am frühen Nachmittag informierte die katarische Zeitung Al-Araby, dass die an Times of Israel weitergegeben und dort veröffentlichten Meldungen ungenau sind. Die palästinensische Terror-Organisation Hamas sei nicht über die Entscheidungen der USA informiert worden.
Libanesische Medien berichten von einer Serie von Luftangriffen auf südliche Vororte von Beirut. Zuvor hatte es erneut Aufforderungen gegeben, einige Gebiete der Stadt zu evakuieren.

In Tyros griff die IDF gemeinsam mit der IAF einige Hisbollah-Kommandozentralen an, die mitten in zivilen Wohngebieten eingebettet waren. «Die Hisbollah übernimmt systematisch die Kontrolle über zivile Wohngebiete im ganzen Land. In diesen Gebieten werden Kommandozentralen und Terror-Zellen installiert. Hier werden Terror-Anschläge geplant und durchgeführt. Dass das Leben von Zivilisten dabei gefährdet ist, ist unmassgeblich.» Dutzende Terroristen wurden heute bis zum Mittag eliminiert und Hunderte von Raketenwerfern und Abschussrampen wurden zerstört. Libanesische Medien behaupten, dass bei den nächtlichen Angriffen mindestens sieben Personen getötet wurden und Rettungsteams nach Überlebenden suchen.
Am frühen Nachmittag wurde eine Salve von mehr als 25 Raketen aus dem Libanon auf Galiläa und die Bucht von Haifa abgeschossen. Einige der Raketen wurden abgefangen, die anderen stürzten über offenem Gelände ab.

Die IDF informierte darüber, dass eine Lieferung von elf LKWs mit humanitären Hilfsgütern, aber auch Wasser, Lebensmitteln und medizinischen Gütern und Jabaliya und Beit Hanoun ausgeliefert worden sind. Man vermutet, dass derzeit noch einige Tausend Zivilisten in der Gegend leben, obwohl es immer wieder Evakuierungs-Befehle gegeben hat. Seit Anfang Oktober sind über den ehemaligen Personenübergang Eretz etwas 700 LKWs in den Norden des Gazastreifens gefahren.
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