Krieg in Israel – Tag 419

27. Cheschwan 5785

Wohnbauminister Yitzhak Goldknopf besuchte gemeinsam mit Siedler-Chefin Daniella Weiss den Gazastreifen. Ihm wurde eine Karte gezeigt, auf der die potenziellen Siedlungen in Gaza zu sehen sind, die von den ultra-religiösen und ultra-rechten Politikern der Koalition geplant sind. Er verzichtete darauf, tief in den Gazastreifen hineinzugehen, sondern betrachtete das Land von der Grenze aus. «Heute habe ich die Siedlungen im Gazastreifen besichtigt. Die jüdische Siedlung hier ist die Antwort auf das schreckliche Massaker und die Antwort auf den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, der sich, anstatt sich um die 101 Geiseln zu kümmern, dafür entschied, Haftbefehle gegen den Premierminister und den Verteidigungsminister zu erlassen.» Daniella Weiss antwortete: «Gemeinsam werden wir jüdische Städte in Gaza bauen, was die Preise für Wohnungen im Land senken wird, mit dem Verständnis, dass es ohne Siedlung keine Sicherheit gibt. Unser Gaza, für immer.»

Es ist einfach unvorstellbar, dass dieser völlig unerfahrene Mann, dem jegliches politisches Gespür fehlt, einen so wichtigen Minister-Posten einnimmt. Er und seine Kumpane sind eine Schande für unsere demokratischen Staat.

Eine ägyptische Delegation wird in den kommenden Stunden in Tel Aviv erwartet. Laut der libanesischen, mit der Hisbollah verbundenen Tageszeitung al-Akhbar, werden die Unterhändler eine ‘umfassende Vision’ für eine Einigung zwischen Israel und der palästinensischen Terror-Organisation Hamas vorlegen. Dem Bericht zufolge ist ein Waffenstillstand geplant, der zunächst ein oder zwei Monate dauern soll und die schrittweise Freilassung von Geiseln vorsieht, wobei älteren oder kranken Gefangenen Vorrang eingeräumt wird. Der Hamas soll nach Beginn des Waffenstillstands eine Frist von einigen Tagen eingeräumt werden, um eine Liste der noch lebenden Geiseln vorzulegen. Weiterhin soll der Grenzübergang Rafah unter Aufsicht der PA und Ägyptens zeitnah wieder in Betrieb genommen werden. Kairo wird garantieren, dass die Hamas ‘in der kommenden Zeit’ weder die Grenze noch den Gazastreifen kontrollieren darf. Die Lieferung von humanitären Gütern und Medikamenten für die Geiseln soll erhöht werden. Israel darf ‘zunächst’ seine militärischen Stellungen in Gaza behalten, ohne jedoch von dort Operationen durchzuführen.

Für mein Verständnis enthält der Vorschlag, soweit er bekannt gemacht wurde, zu viele schwammige Aussagen und zu wenig Konkretes. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Israel diese ‘umfassende Vision’ akzeptieren wird.

Die Staatsanwaltschaft wird Anklage gegen die vier Verdächtigen erheben, die Anfang des Monats drei Leuchtraketen auf die Villa der Netanyahus in Caesarea geworfen hatten. Niemand wurde verletzt und es entstand auch kein Schaden. Die Vier, unter ihnen Konteradmiral a.D. Ofer Doron und zwei regierungsfeindliche Aktivisten, müssen bis zum Ende des Gerichtsverfahrens in Haft bleiben. Das Haus war zum Zeitpunkt des Anschlags unbewohnt. Warum Sara Netanyahu einen Antrag gestellt hat, als ‘Opfer eines versuchten Terroranschlages’ anerkannt zu werden (s. mein Bericht von gestern) ist mir unklar. Dieser Status gibt ihr das Recht, zu einem Vergleich mit dem ‘Täter’, sowie zur möglichen Strafe befragt zu werden. Die Frage erhebt sich, welchen Schaden hat Sara denn davongetragen? Trauma oder Schock in absentia?

Libanesische Medien berichten, dass ein Drohnenangriff der IDF im südlibanesischen Dorf Markaba mindestens zwei Verletzte gefordert hat. Der Angriff kam, so wird berichtet, einen Tag nach dem Inkrafttreten des Waffenstillstands. Von der IDF wurde bisher kein Kommentar gegeben.

Die gute Nachricht des Tages: Die israelische ‘Nature & Parks Authority’ wird neue Naturschutzparks, die auch das historische und archäologische Erbe schützen sollen, in ihre Liste aufnehmen.

Das schon bestehende ‘Evtach Marine Reservat’ wurde in den vergangenen Jahren besonderen Schutzmassnahmen für die mehr als 700 Tierarten unterzogen, die dort leben. Unter ihnen Delphine, Fliegende Fische und Rochen. Jetzt wird das Reservat, das zwischen Ashdod und Ashkelon liegt, erweitert.

Der ‘Sharon-Nationalpark in Hadera’ umfasst Strände, Kurkar-Kämme (versteinerter Sand) mit typischen, endemischen und seltenen Pflanzenarten, Winterteiche und einen Küstenparkwald (offenes Waldland) – der einzige seiner Art, der in Israel noch erhalten ist. Hier wachsen Tabor-Eichen und Johannisbrotbäume, Mastixsträucher, weisser Ginster und Artemisia.

Ganz im Süden wird der ‘Grosse Ramon Krater’ zum National-Park umgewidmet. Wer oben am gut gesicherten Rand des Kraters steht, schaut unter sich in die Geschichte der Erde. Der Ramon Krater ist der grösste Erosionskrater der Welt. Vor 220 Millionen Jahren war er noch gefüllt mit einem Ozean. Wann und wohin das Wasser abfloss, ist noch nicht eindeutig erforscht.

Der erste ‘Nationale Meerespark’ wird in Caesarea entstehen. Ein Tsunami hatte am 13. Dezember 115 CE die Hafenstadt ‘Caesare Maritima’ zerstört. Der starke Sog liess die Gebäude nicht einfach zusammenbrechen, sondern zog sie zum Meer hin geneigt in das moderne Hafenbecken wie wir es heute kennen. Der Park soll jetzt für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die vor Ort befindliche Tauchschule dürfte sich über ein erhebliches Umsatzplus freuen.



Kategorien:Israel, Politik

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