Krieg in Israel – Tag 421

29. Cheschwan 5785

Auch heute musste die IDF wieder den Tod eines Soldaten bekannt geben. Bereits am Freitag verlor Staff Sgt. Zamir Burke, 20, s’’l, sein Leben in einem Kampf im nördlichen Gazastreifen. Ein weiterer Soldat wurde beim gleichen Vorfall schwer verletzt.

Dr. Ali Rashid Al Nuaim, Mitglied des ‘Föderalen Obersten Rates der VAE’ flog gestern nach Israel, um an der Shiwa für den in den Emiraten ermordeten Chabad-Rabbiner Zvi Kogan, s’’l, teilzunehmen. Die sterblichen Überreste des Rabbiners waren zuvor nach Israel zurückgebracht worden, die Beisetzung fand am Ölberg in Jerusalem statt. Al Nuaim versicherte der Familie, dass die VAE sich weiterhin für Offenheit und Frieden einsetzen werden und dass das Vermächtnis des Rabbiners fortbestehen werde. «Wir werden niemals zulassen, dass Extremisten uns trennen.» Bei den Ermittlungen arbeiten Israel und die VAE intensiv zusammen. Die Umstände von Kogans Tod wurden nicht bekannt gegeben, die Behörden gehen jedoch von einem antisemitisch begründeten Terroranschlag aus. Drei Verdächtige, usbekische Staatsangehörige, wurden am Tag nach dem Mord in der Türkei festgenommen. Zunächst war man von einem durch den Iran in Auftrag gegeben Mord ausgegangen, ein Verdacht, der sich bisher nicht erhärtet hat.

Angeblich ist bei einem Treffen der ägyptischen Delegation in Tel Aviv auch besprochen worden, wie es ermöglicht werden soll, dringend notwendige Medikamente zu den Geiseln in Gaza zu bringen. Diese Massnahme ist Teil der ‘umfassenden Vision’, den die Ägypter mit nach Israel gebracht haben.  Die Verteilung von Medikamenten an die ‘israelischen Gefangenen’ (sic!) wurde verglichen mit der Versorgung der palästinensischen Gefangenen in Israel.

Da gibt es aber einen massgeblichen Unterschied: Der Aufenthaltsort jedes einzelnen Gefangenen ist genau bekannt, ebenso wie sein Gesundheitszustand. Die Hamas hat aber, wie sie selbst im Juni sagte, keine Ahnung, wie viele Geiseln noch leben und wo sie gefangen gehalten werden. Das Internationale Rote Kreuz hat, wie in jedem Fall, bei dem Juden involviert sind, auch keinen Versuch unternommen, die Geiseln zu besuchen.

Eine Delegation der palästinensischen Terror-Organisation Hamas wird morgen in Kairo erwartet, um dort Gespräche mit den ägyptischen Mentoren zu führen. Vor wenigen Tagen hatten die USA zugesagt, neue Gespräche gemeinsam mit Katar, Ägypten und der Türkei zu beginnen. Katar hat vor wenigen Tagen, nach der Schliessung des Hamas-Büros in Doha und der ‘Ausweisung’ der ranghohen, in Doha lebenden Hamas-Führer erklärt, nicht länger an den Gesprächen teilzunehmen. Ob die Ankündigungen allerdings bereits umgesetzt wurden oder nur Drohungen waren, ist nicht bekannt. Die Hamas scheint, entgegen ihrer früheren Haltung, zunehmend flexibel zu sein, was die Bedingungen zu einem Waffenstillstand und der bedingungslosen Freilassung der Geiseln angeht.

Netanyahu hat schon lange im Sinn, den ihm unliebsamen Generalstabschef aus seiner Position zu entlassen. Jetzt, kurz nach der Ankündigung von Herzi Halevi, er werde zurücktreten, wenn die militärische Untersuchungskommission zu den Verfehlungen rund um den 7. Oktober abgeschlossen ist (s. Bericht von gestern), hat er einen Weg gefunden. Halevi soll, so will es Netanyahu, nach dem Ende der 60-tägigen Umsetzungsfrist für den Waffenstillstand ersetzt werden. Vorgesehen ist u.a. der Chef des Nordkommandos Ori Gordon. Jetzt, zu einem Zeitpunkt, in dem es immer noch gilt, die Sicherheit im Norden zu verstärken, damit die Bewohner mit dem Wiederaufbau beginnen können, ist es gefährlich, den routinierten Fachmann zu ersetzen. Viel mehr noch gilt die Gefahr für den Kampf gegen die Hamas. In Gaza geht es primär darum, die Geiseln zu befreien und anschliessend die Hamas zu einem Waffenstillstand zu motivieren. VM Katz, der Netanyahu zustimmte, hat noch weniger Ahnung vom strategisch-militärischen Handeln als sein Chef. Sein kritikloser Beifall muss also als Speichelleckerei gewertet werden. Und genau dafür hat Netanyahu ihn ja auf diese Position gehoben.

Der ehemalige VM Moshe Ya’alon verlieh in einem Gespräch mit Lucy Aharish seiner Befürchtung Ausdruck, dass Netanyahu Israel in eine beängstigende Situation bringt. «Der Weg, auf den wir gezogen werden, ist Besatzung, Annexion und ethnische Säuberung im Gazastreifen. Transfer, nennen Sie es, wie Sie wollen, und jüdische Siedlungen.» Ya’alon war von 2013 bis 2016 VM in der Regierung Netanyahu. Dann trat er nach einem Streit mit Netanyahu zurück. Sein Rücktritt führte zu einem Rechtsruck der Regierung, der sich tendenziell bis heute immer mehr verstärkt hat. Ya’alon, mittlerweile Kritiker der Regierung, machte klar: «Schauen Sie sich jetzt die Umfragen an. Siebzig Prozent – manchmal mehr und manchmal etwas weniger – der Öffentlichkeit im Staat Israel befürworten einen Weg, der jüdisch, demokratisch, liberal ist», sagte er und nannte den wahren Verursacher des negativen Trends in Israel. «Deshalb darf es hier keine Verwirrung geben. Derjenige, der uns verwirren will, ist derjenige, der uns derzeit in die Zerstörung führt.»

Lucy Aharish, arabische Top Fernseh- und Radiomoderatorin und kritisch gegenüber Netanyahu und seiner Politik fragte: «Ethnische Säuberung im Gazastreifen, glauben Sie das? Dass wir auf dem besten Weg dorthin sind?» Die Antwort von Ya’alon ist verstörend: «Warum auf dem besten Weg? Was passiert dort? Es gibt kein Beit Lahiya (mehr), es gibt kein Beit Hanoun (mehr), sie operieren derzeit in Jabaliya und säubern das Gebiet im Wesentlichen von Arabern.»

Von der IDF wird der Vorwurf der ethnischen Säuberung zurückgewiesen.

Die Hamas hat gestern einen kurzen Video-Clip und einen weiteren Beweis dafür veröffentlicht, dass Edan Alexander, 20, lebt. Alexander gab im Video an, seit 420 Tagen in Gaza festgehalten zu werden, was bedeutet könnte, dass es erst vor wenigen Tagen aufgenommen wurde. Alexander war Mitglied der Golani Brigade, die am 6. Oktober in der Nähe des Gazastreifens stationiert war. Bereits gegen 7 Uhr morgens riss der Kontakt zu seiner Mutter ab. Alexander galt ab dem Moment als in den Gazastreifen verschleppt. Die Familie stimmte der Veröffentlichung des Videos zu.

Die IDF zerstörte eine Raketenabschussanlage im südlichen Libanon. Die Anlage war auf einem LKW montiert. Die Zerstörung der Anlage wurde mit einem Drohnenangriff durchgeführt. Eine andere Gruppe wurde beobachtet, als sie dabei war, Munitionskisten, Waffen und andere militärische Ausrüstungsgegenstände auf einen LKW zu laden. Auch hier wurde eine Drohne zur Zerstörung eingesetzt. Insgesamt kam es heute zu fünf solchen Operationen. Im Laufe des Nachmittags entdeckte die IDF ein Waffenlager in einer Moschee im südlichen Libanon.

«Um genau solche Vorgänge zu entdecken und zu verhindern, sind wir noch im südlichen Libanon tätig. Es handelt sich hierbei um eine klare Verletzung des Waffenstillstandsabkommens.»  

Zwischen 17 Uhr heute und 7 Uhr morgen hat die IDF ein striktes Verbot erlassen, den Litani-Fluss zu überqueren. Entsprechend dem Waffenstillstands-Abkommen hat die IDF noch fast 60 Tage, bevor sie sich aus dem südlichen Libanon zurückziehen muss.

In Gaza sollen seit gestern Abend mindestens 40 Zivilisten ums Leben gekommen sein. Das zumindest behaupten die Ersthelfer, die im Flüchtlingscamp Nuseirat die Verletzten behandelten. Nachdem sich die israelischen Panzer zurückgezogen hatten, konnten sie 19 Leichen bergen. Nur wenig später wurden bei einem Luftangriff auf ein Haus in Beit Lahiya mindestens zehn Personen getötet. Weitere Tote gab es bei Angriffen auf Häuser im nördlichen und südlichen Gebiet des Gazastreifens.  Wie immer konnten die Opferzahlen nicht verifiziert werden, weil nicht zwischen Zivilisten und Terroristen unterschieden wurde. Von der IDF wurde zu diesen Vorfällen nichts bekannt, hingegen hatte sie zuvor betont: «Wir greifen weiterhin Terrorziele im Rahmen der operativen Aktivitäten im Gazastreifen an.»

Am heutigen Vormittag wurde in einem PKW in der Nähe von Khan Younis auf der Salah al-Din Strasse ein Terrorist eliminiert, der schon lange Zeit unter der Beobachtung des Shin Bet stand. Ahed Azmi Qudeih hatte aktiv an den Massakern vom 7. Oktober in Nir Oz teilgenommen. Palästinensische Medien behaupten, von den fünf Getöteten seien drei Mitarbeiter der ‘World Central Kitchen’ gewesen, darunter auch der von der IDF gezielt getötete Terrorist. «Wir betonen, dass es sich um ein ziviles, unmarkiertes Fahrzeug handelte und seine Bewegung auf der Strecke nicht für den Transport von Hilfsgütern koordiniert war», reagierte die IDF auf den Vorwurf. COGAT forderte die in Gaza operierenden Organisationen nochmals dringend auf, die Namen und Standorte ihrer Mitarbeiter bekannt zu geben. 



Kategorien:Israel, Politik

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