Krieg in Israel – Tag 422

30. Cheschwan 5785

Der Verteidigungsminister a.D. MK Yoav Gallant, kritisierte seinen ehemaligen Amtskollegen Moshe Ya’alon scharf, der Israel beschuldigte, in Gaza „ethnische Säuberungen“ begangen zu haben. (s. mein Bericht von gestern)

«Ya’alons Worte sind eine Lüge, die unserem Feind hilft und Israel schadet. Ich habe die Soldaten und Kommandeure der israelischen Streitkräfte aus nächster Nähe gesehen, als ich den schwierigen Krieg gegen die Hamas, die Hisbollah und den Iran führte – die israelischen Streitkräfte handelten in Übereinstimmung mit den höchsten Standards, die in dem komplexen und schwierigen Krieg, der uns aufgezwungen wurde, angewendet werden können», schrieb Gallant und fügte hinzu: «Die Anweisungen und Befehle wurden immer im Einklang mit dem Gesetz und dem Geist der IDF erteilt. Ich schlage vor, dass Ya’alon seine Vergangenheit im Sicherheitsbereich nicht diskreditiert, die Fakten kennt, seine Äusserungen zurücknimmt und sich bei den IDF-Soldaten entschuldigt.»

Ich möchte Yoav Gallant, den ich sehr schätze, gerne glauben, dass seine Aussage für die Vergangenheit völlig, für jetzt leider bereits mit Abstrichen und für die Zeit nach dem Krieg nicht mehr gilt. Vor allem, wenn dann immer noch die fatale rechts-extreme und nationalistische Regierung an der Macht sein sollte. Vor allem deren Vertreter Ben-Gvir, Smotrich, aber auch Goldknopf planen genau das zu tun: Die palästinensische Bevölkerung aus dem Gazastreifen zu vertreiben. Eine Schande für das ehemals demokratische und liberale Israel!

UNWRA-Chef Philippe Lazzarini hat angekündigt, vorerst keine weiteren Hilfsgüterlieferungen über den Warenübergang Kerem Shalom durchführen zu lassen. Die Gefahr, dass die Lieferungen durch bewaffnete Banden geplündert werden, sei viel zu hoch. Die Gefahr besteht, so Lazzarini, seit Monaten. Am 16. November wurden von 109 LKWs ganze 97 gestohlen oder vor Ort geplündert. «Gestern haben wir versucht, ein paar Lebensmitteltransporter auf derselben Route hineinzubringen. Sie wurden alle gestohlen. Diese schwierige Entscheidung fällt zu einer Zeit, in der der Hunger immer grösser wird. Die Lieferung humanitärer Hilfe darf niemals gefährlich sein oder zu einer Tortur werden.» Lazzarini gibt nicht an, von wem die Plünderungen durchgeführt werden. COGAT hingegen spricht Klartext: «Es sind ganze Konvois von Hamas-Terroristen und bekannten kriminellen Familien, die die Lieferungen angreifen. Später wird die Ware, die nicht an Freunde oder Mitglieder der palästinensischen Terror-Organisation Hamas verteilt wird, auf den Märkten zu weit überhöhten Preisen angeboten.» Die UNWRA klagt Israel an, zu wenig zu tun, um die Transporte zu schützen. «Die israelischen Behörden missachten weiterhin ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu decken und eine sichere Lieferung von Hilfsgütern zu ermöglichen.» Die Plünderungen, so UNWRA, fanden auf von der IDF kontrollierten Strassen zwischen Kerem Shalom und Rafah statt. Durchgeführt werden sie von Mafia-ähnlichen Banden, unter den Augen der IDF. Wer das verstehen will, muss bis 1967 zurückschauen, als Israel Gaza eroberte. Spiegel online hat das für uns getan.

Falls man in späteren Jahren je über die rechts-extreme Figur Ben-Gvir lesen wird, so wird man lesen können, dass seine ‘Politik’ aus Drohungen bestand. Drohungen, die er jedes Mal ausstiess, wenn Netanyahu etwas durchsetzen wollte, was ihm nicht passte. Dann drohte er regelmässig damit, die Regierung zu verlassen und damit zu kippen. Meist ging es dabei um die Freilassung der Geiseln, oder um Geld für seine Ministerien. So auch heute. Kaum ist ein winziger Lichtschein am Horizont, dass ein Abkommen zumindest diskutiert wird, geifert er: «Die Bedingungen, die derzeit diskutiert werden, sind für mich irrelevant, und der Premierminister möchte ganz und gar nicht, dass Otzma Yehudit die Regierung verlässt.» Er hat nur eines dabei übersehen, seit der politische Wendehals Gideon Sa’ar sich wieder bei Netanyahu angebiedert hat, sichern dessen vier MKs dem Likud das politische Überleben, selbst wenn Ben-Gvir aus der Koalition auszieht.

Doch nicht genug damit. Ben-Gvir erklärte dem Militärradio heute seine neue Ordnung für Gaza. «Ideen wie die Besiedlung des Gazastreifens sind willkommen; wir haben unsere Feinde nur besiegt, wenn wir ihnen Territorium abgenommen haben. Aber das genügt mir nicht. Ich möchte auch die Auswanderung von Palästinensern aus dem Gazastreifen fördern.

Ich arbeite hart daran, die Förderung der Auswanderung aus Gaza mit dem Premierminister voranzutreiben, und ich stelle fest, dass in dieser Angelegenheit eine gewisse Offenheit herrscht.» Nicht nur, dass eine solche Zwangsumsiedlung, wie euphemistisch man sie auch immer umhüllen mag, gegen das Römische Statut ist und damit ein Kriegsverbrechen darstellt, hatte Netanyahu solche Massnahmen bisher immer vehement abgelehnt.

Die noch im Norden Israels anwesenden Schüler sind erstmals seit 14 Monaten wieder in der Lage, ihre Schulen zu besuchen. Alle diesbezüglichen Restriktionen wurden aufgehoben. Die einzige Voraussetzung, die gewährleistet sein muss ist, dass die Gebäude über einen Schutzraum verfügen, der innerhalb von nur wenigen Sekunden erreicht werden kann. Jetzt wird es darum gehen, überhaupt festzustellen, welche Klassen und Schulen derzeit über adäquate Schüler- und Lehrerzahlen verfügen, um den regulären Schulbetrieb wieder aufzunehmen.

Eine aus dem Jemen abgeschossene Rakete löste den Alarm in Zentralisrael aus. Die Rakete wurde noch vor dem Erreichen des israelischen Luftraums abgefangen. Vier Personen wurden verletzt, während sie auf dem Weg in die Schutzräume waren. Nach dem Auslösen des Alarms blieben 1 bis 1 ½ Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen. Einige Schrapnells stürzten über israelischem Gebiet ab, ob sie Schaden anrichteten, ist noch nicht bekannt.

Die gute Nachricht des Tages: Am Donnerstag dieser Woche wird das erste Wellenkraftwerk im Hafen von Jaffo in Betrieb genommen. Damit wird ein wichtiger Schritt unternommen, um Israel bei der Umstellung auf erneuerbare Energien und der Bekämpfung des Klimawandels zu unterstützen. 2010 lernt Inna Braverman an einer Pool-Party in Tel Aviv David Leb kennen. Sie studierte damals Politik, träumt von Wellenkraft. Er ist Unternehmer und begeisterter Surfer. Er war überzeugt, dass Wellen weitaus können, als nur ein Surferparadies zu sein.  Er fordert Inna auf, einen Businessplan zu schreiben.

Inna Braverman gründete das Unternehmen «Eco Wave Power» im Jahr 2011 im Alter von nur 24 Jahren. Leb war von ihr überzeugt und gab ihr US$ 1 Million.

Ihre ersten Versuche machte sie mit dem schwimmenden Stromwerk in Gibraltar. Sie erkannte, dass off-shore Kraftwerke viel zu unsicher und teuer waren. Sie zog mit ihrem Kraftwerk unmittelbar an die Küste «Dort sind die Wellen nicht so aggressiv und kommen aus der richtigen Richtung.» Das macht die Wege kürzer und das Zerstörungsrisiko für die blauen Schwimmkörper geringer. Bei starkem Sturm heben sich die Schwimmkörper selbstständig aus dem Wasser. So fällt das Versicherungsrisiko weg und das komplette System ist versicherbar. Von Gibraltar zog sie mit ihrem Wellenkraftwerk nach Jaffo, wo schon bald einige Haushalte mit dem ‘blauen Strom’ versorgt wurden.

Die Schwimmkörper werden mit vorhandenen Hafenbauwerken verbunden, heben und senken sich mit dem Wellengang. Sie treiben einen Hydraulikmotor und einen Generator an Land an. Der so entstandene Strom wird in das Netz eingespeist.

Die Anlage in Jaffo wird eine Pilotanlage zur Stromerzeugung aus Meereswellen sein, die mehrere Bereiche wie Innovation, Nachhaltigkeit und die Herausforderungen des Klimawandels miteinander verbinden soll.



Kategorien:Israel, Politik

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