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26./27. Kislev 5785 27./28. Dezember 2024
Shabbateingang und Chanukkakerzen in Jerusalem 16:03
Shabbatausgang und Chanukkakerzen in Jerusalem: 17:23
Shabbateingang und Chanukkakerzen in Zürich 16:24
Shabbatausgang und Chanukkakerzen in Zürich: 17:35
Shabbateingang und Chanukkakerzen in Wien: 15:49
Shabbatausgang und Chanukkakerzen in Wien: 17:01

Josef sitzt im Gefängnis des Pharaos. Der Mundschenk hat ihn, wie leider fast zu erwarten war, vergessen. Um Josef herum ist nur Dunkelheit.
Es ist kein Zufall, dass wir diesen Wochenabschnitt immer in der Woche von Chanukka lesen. Chanukka erinnert an das Öl-Wunder. Bei der Wiedereinweihung des Tempels im Jahr 3597 nach unserer Zeitrechnung hätte es gereinigtes Öl für die grosse Menora gebraucht, welche sieben Tage brennen sollte. Aber es gab kein frisches Öl mehr, die Vorräte reichten nur mehr für einen Tag.
Die erste Kerze brannte …. Und dann geschah das grosse Wunder! Das vorhandene Öl reichte für acht Tage.
Das Licht war wieder in den Tempel zurückgekehrt!
Auch für Josef sollte es bald wieder hell werden.
Pharaos Träume, die ihn zur Verzweiflung brachten, bedeuteten die Wende. Plötzlich erinnerte sich der Mundschenk wieder und riet Pharao, Josef kommen zu lassen, um ihm seine Träume zu deuten. Josef, weit entfernt von dem überheblichen und leichtlebigen jungen Mann, der er einmal gewesen war, betont, dass es nicht seine Deutung sein wird. Er dürfe nur Gottes Pläne für Ägypten bekannt geben. Pharao war einerseits beunruhigt, von dem, was er hörte, aber er vertraute Josef.
Durch seinen Aufstieg zum „zweiten Mann“ im Staat gelang es ihm, Gottes Pläne umzusetzen. Die Hungersnot, die Ägypten nach sieben reichen Jahren traf, verlief dank der vorsorglichen Vorratshaltung vergleichsweise harmlos für das Land. Es gab sogar Getreide im Überfluss, sodass Ägypten einen Teil verkaufen konnte.
Josef hatte mittlerweile einen ägyptischen Namen angenommen und mit einer Ägypterin eine Familie gegründet. Sie hatten zwei Söhne, Menashe und Efraim. Josef lebte, wie man heute sagt, assimiliert in einem fremden Land. Ganz so, wie 1.500 Jahre später „die hellenistischen Juden“ zwar in ihrer Heimat, aber unter der Herrschaft der hellenistischen Seleukiden lebten.
Dank der aufständischen Makkabäer, die die Seleukiden besiegten, überlebte das nun wieder vereinte Volk Israel. Den Namen seines ersten Sohnes Menasche, hatte Josef mit Bedacht gewählt. In Gen 41:51 lesen wir: „Denn Gott liess mich meine Herkunft und mein Vaterhaus vergessen.“
Josef hatte sich gefühlsmässig von seiner alten Heimat und seinem Volk gelöst. Kennen wir das nicht auch in der heutigen Zeit? Juden trennen sich von ihren Wurzeln, assimilieren sich völlig in die nicht-jüdische Gesellschaft. Jeder, der diesen Schritt geht, hat einen anderen Grund dafür, z.B. gesellschaftliche Anerkennung, Probleme verursacht durch den wieder aufflammenden Antisemitismus, politische Zwänge.
Doch zurück nach Ägypten. Zehn seiner Brüder wurden von ihrem Vater Ja‘acov losgeschickt, um in Ägypten Getreide zu kaufen. Nur Benjamin, der jüngste der Brüder, blieb daheim. Für ihn hatte Gott noch eine besondere Rolle, von der wir später lesen werden, vorgesehen.
Josef erkannte, anders als sie ihn, seine Brüder sofort. Er bezichtigte sie der Spionage und liess sie für drei Tage ins Gefängnis bringen. Dann befahl er, dass sie Benjamin holen sollten, um ihre Redlichkeit zu beweisen. Shimon musste als Pfand in Ägypten bleiben. Folgten sie seinem Befehl nicht, so müsste er sterben. Erstmals übermannte die Brüder Reue über das, was sie vor Jahren Josef angetan hatten.
Immer noch gab sich Josef nicht zu erkennen. Aber etwas in ihren Worten hatte ihn zutiefst berührt. Er gab ihnen Getreide, Verpflegung und dazu noch das von ihnen gezahlte Geld mit. Die Brüder sind zutiefst verunsichert. Woher wusste der «Herr des Landes» von Benjamin? Warum musste Shimon als Pfand in Ägypten bleiben? Ja’acov war verzweifelt, als er bei ihrer Rückkehr erfuhr, was geschehen war. Er beschuldigte seine Söhne, ihm nach und nach all seine Kinder zu nehmen.
Wieder wird es knapp mit den Vorräten. Ja’acov lässt, wenn auch sehr widerwillig, seine Söhne zusammen mit Benjamin ziehen.
Wieder in Ägypten, erwartet sie eine grosse Überraschung. Sie werden wie Freunde empfangen und vom Hausverwalter Josefs’ bestens betreut. Auch Shimon durfte sofort wieder zu ihnen kommen. Josef ist überwältigt, als er seinem kleinen Bruder gegenübersteht.
Schon am nächsten Tag lässt er sie wieder ziehen. Wiederum mit gut gefüllten Getreidesäcken und mit dem Geld, das sie gebracht hatten.
Im Beutel von Benjamin aber liess er seinen eigenen Trinkbecher verstecken.
Natürlich werden die Beamten Josefs, die den Befehl erhalten, den Becher zu suchen, fündig. Die Brüder verzweifeln erneut. Sie sind sich so sicher, nichts Falsches getan zu haben, aber die Fakten sprechen gegen sie. Sie erwarten, nun in die Sklaverei zu kommen.
Josef entscheidet aber anders. Nur Benjamin soll als sein Pfand bleiben, alle anderen sollen nach Hause zurückkehren.
Soweit die Josefsgeschichte.
Kommen wir wieder zu den ‘Sprüchen der Väter’
Heute beginnen wir das zweite Kapitel
- Rabbi sagte: „Welchen der gerechten Wege sollte ein Mensch für sich selbst wählen? Jeder von denen, auf denen er die Schönheit seiner Seele zeigen kann, und diese Schönheit wird von den Menschen geschätzt. Behandle ein Gebot, dessen Nichterfüllung als leichter Verstoss angesehen wird, genauso verantwortungsbewusst wie eines, dessen Nichterfüllung als schwerer Verstoss angesehen wird. Denn du kannst nicht wissen, was die Belohnung für das Befolgen der Gebote ist. Und wäge den Schaden, den du wegen Nichterfüllung des Gebotes erleiden wirst, mit der Belohnung für dessen Befolgen ab und die Belohnung für das Enthalten von der Sünde, mit dem Schaden, den du erleiden wirst, wenn du sie begehst. Erinnere dich an drei Dinge, und du wirst nicht sündigen: Wisse, dass ein scharfes Auge und ein empfindliches Ohr über dir sind und dass alle deine Handlungen in einem Buch festgehalten werden.”
Am Ende des Verses steht das, was all unser Tun begleiten soll: Es ist immer ein scharfes Auge und ein empfindliches Ohr da, das all unser Tun beobachtet und bewertet. Nicht nur in der Zeit zwischen Rosh HaShana und Yom Kippur werden wir und unsere Handlungen bewertet und gewogen. Gottes Auge und Gottes Ohren sind immer und überall bei uns.
Ganz so, wie Augen und Ohren der Eltern von Kindern immer bei ihnen sind, auch wenn sie physisch nicht unmittelbar anwesend sind. Es ist, als ob sie einen siebten Sinn hätten, für alles, was wir tun oder nicht tun und uns sehr schnell dafür zur Rechenschaft ziehen. Manchmal mögen wir uns als Kind gefragt haben, wieso die Eltern das eine oder andere wussten, obwohl wir uns doch so sehr bemühten, es vor ihnen zu verbergen. Denken wir an die Frage Gottes an Kain, wo denn sein Bruder Abel war und dessen, für heutige Verhältnisse flapsige Antwort: „Bin ich der Hüter meines Buders?“ Das erste Bruderpaar, der erste Mord. Denken wir an den alt gewordenen Patriarchen Jitzhak, der von seinem geliebten Sohn Ja’acov zweimal betrogen wurde. Er spürte den Betrug, aber er konnte ihn, da er nahezu blind war, nicht mehr beweisen.
Was mag Kain umgetrieben haben in den Jahren nach seinem frevlerischen Tun? Wie mag Jitzhak die letzten Tage seines Lebens empfunden haben, angesichts des Betruges an seinem geliebten Sohn?
Wir wissen es nicht, vielleicht ist das aber auch sehr gut so, denn so liegt die Entscheidung einzig an uns, welchen Weg wir wählen.
Shabbat Shalom und nochmals Chag Chanukka sameach!
Kategorien:Religion
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