Krieg in Israel – Tag 460

8. Tevet 5785

Zunächst hiess es, auch die Leiche des Sohnes sei geborgen worden. Später korrigierte die IDF die Meldung.

Am späten Nachmittag wird bekannt, dass die sterblichen Überreste einer Geisel, Youssef Alziadana, 53, s’’l, in Gaza geborgen wurde. Das Schicksal seines Sohnes Hamza ist noch unbekannt. Zwei weitere Kinder, Bilal und Aisha, wurden im November freigelassen. Die Familie stammt aus der Beduinenstadt Rahat. Youssef und seine drei Kinder wurden aus dem Kibbutz Holit verschleppt, wo sie regelmässig arbeiteten. Youssef hinterlässt zwei Frauen und 18 Kinder. Die Leiche wurde in einem Tunnel in der Nähe von Rafah geborgen. In der Nähe wurden mindestens zwei tote Hamas-Terroristen entdeckt.

VM Israel Katz hat Generalstabschef Herzi Halevi befohlen (!), bei den Untersuchungen zum 7. Oktober 2023 ‘uneingeschränkt zu kooperieren’. Der oberste Staats-Kontroller, Matanyahu Englman schrieb einen scharfen Brief an Halevi und behauptete, dass Angehörige der IDF Interviews, die in seinem Büro stattfanden, registriert hätten. Anhand der Aufnahmen wurden, so Katz, Offiziere instruiert, wie sie welche Fragen beantworten sollen, um ‘die Wahrheit zu verschleiern’.

Katz forderte, dem Kontroller sämtliche Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus wiederholte Katz seine Forderung «die internen Ermittlungen der IDF bis Ende dieses Monats abzuschliessen und ihm die bereits abgeschlossene Ermittlungen schneller vorzulegen, damit er sie prüfen und ihre Auswirkungen auf die geplanten Ernennungsrunden in der IDF bewerten kann.» Nachdem ihm derzeit noch keine detaillierten Ergebnisse vorliegen, wird er Ernennungen nur bis zum Rang eines Obersten genehmigen.

Von IDF-Sprecher Daniel Hagari wurde unmittelbar nach Bekanntwerden betont, dass sie stets im Einklang mit dem Gesetz handeln und ‘vollständig und transparent mit dem Staats-Kontrolleur zusammenarbeiten. Daraufhin wurde ihm vom Büro des VM vorgeworfen, ‘seine Kompetenzen zu überschreiten und dass in diesem Fall eine Entschuldigung nicht ausreichend sei’.

Der VM plant auch, Halevi zur Anhörung vorzuladen.

Denn sie wissen nicht, was sie tun! Jeden Tag gibt es Neuigkeiten über die Liste der Geiseln, die sich noch in Gaza befinden. Unter welchen Bedingungen sie freigelassen werden sollen, ob sie leben, oder, falls nicht, wo sich ihre sterblichen Überreste befinden. Ist es ein fauler Trick der palästinensischen Terror-Organisation Hamas, jeden Tag neue Meldungen zu lancieren und ist Israel naiv genug, sie jedes Mal für bare Münze zu halten? Oder gibt Israel sie an die Medien weiter, um zu zeigen ‘schaut her, die Hamas führt uns an der Nase herum’? Wie auch immer, für die Familienangehörigen ist es ein schauerliches, grausames Wechselbad der Emotionen. Manchmal wäre Schweigen besser!

Heute meldet ein mit der Hisbollah affiliiertes Blatt, bei den aktuellen Verhandlungen werde über einen sechs bis acht Wochen andauernden Waffenstillstand diskutiert. Während dieser Zeit soll Israel eine Liste mit den Namen aller noch lebenden Geiseln erhalten. Auch eine eigene Liste mit den Namen der toten Geiseln soll bekannt gemacht werden, ‘sofern man weiss, wo sich die Leichname befinden’. Was ist jetzt mit der gestern veröffentlichten Liste? (s. Bericht von gestern) Die scheint heute nicht mehr das Papier wert, auf das sie gedruckt wurde.

Nur eine Stunde nach der Veröffentlichung dementiert das Büro des PM ein solches Vorgehen und bezeichnet es als «völlige Lüge und als weiteren Teil der psychologischen Kriegsführung, die die Hamas den Geiselfamilien und den Bürgern Israels zufügt. Israel wird weiterhin rund um die Uhr und unermüdlich daran arbeiten, alle unsere Geiseln nach Hause zu bringen.»

In Tel Aviv hat das rechtsgerichtete ‘Tikwa Forum’ von Familienangehörigen und Freunden ein riesiges Plakat angebracht, auf dem ein gewohnt brutal-grimmig aussehender Trump mit hochgereckter Faust hinter den Worten steht: «Alle-bis zum 20.1.», man weiss aus seinen grossmäuligen Ankündigungen, dass er von den Geiseln spricht. «Oder das Feuer der Hölle wird sich öffnen» Und darunter die Forderung des ‘Tikwa Forums’: «Es ist Zeit für den Sieg» Zvika Mor, der Vater von Eitan Mor sagte dazu: «Wir möchten auch der israelischen Öffentlichkeit klarmachen, dass es einen neuen Nahen Osten geben wird, die Regeln werden sich ändern. Der Staat Israel wird in Gaza tun können, was er während der Biden-Regierung nicht tun konnte. Lasst die IDF die Terroristen niedermähen. Wir werden der Hamas einen solchen Preis abverlangen, einen Preis, den sie niemals zahlen können – bis sie uns die Geiseln zurückgeben.» Yehoshua Shani, der Vater des am 7. Oktober gefallenen Uri Shani fügt hinzu: «Wenn Trump ins Weisse Haus einzieht, wird sich die Realität dramatisch zugunsten Israels verändern. Während des gesamten Krieges hörten wir von PM Netanyahu, dass die Biden-Regierung ein Hindernis für bedeutende Massnahmen war, die Israel ergreifen wollte, insbesondere in Bezug auf humanitären Fragen. Diese Ausrede ist nun vorbei!» Ich muss den beiden Brandrednern leider zustimmen, ja, Israel wird sich unter der US-amerikanischen Regierung Trump ändern. Es wird noch radikaler, noch rechter, noch extremer werden. Übrigens, auch die Hamas wartet auf Trump wie auf das Erscheinen des Messias: Sie erhoffen sich von ihm, dass er Israel in seine Schranken verweisen wird. Es wird spannend werden.

Die konservative ‘Pasadena’ Synagoge und das Gemeindezentrum wurde bei den Waldbränden völlig zerstört, die derzeit in Los Angeles wüten. Zunächst stürzte das Dach ein, kurze Zeit später wurde das gesamte Gebäude ein Raub der Flammen. An anderer Stelle war das Chabad Zentrum ebenfalls von den Bränden betroffen. Es entstanden grosse Schäden, die Torah-Rollen konnten jedoch gerettet werden.

Im vergangenen Jahr feierte der Kibbutz Hanita, einer der nördlichsten Kibbuzim in Israel unmittelbar an der libanesischen Grenze, sein 60. Jahr seit der Gründung. Die ersten Bewohner waren Schweizer. Heute leben dort etwa 600 Bewohner, neben dem Anbau von Bananen, Avocados und Gemüse werden Kontaktlinsen hergestellt. Folien aus dem Kibbutz mit Spezialbeschichtungen machen Fenster weltweit sicher gegen Einbrüche und UV-Bestrahlung. Im Kibbutz scheint vor dem 7. Oktober 2023 die Zeit stehen geblieben zu sein. Es gibt sie noch, die typischen Häuser, die den Kibbutz der Gründerjahre ausmachen: Kinderhaus, Speisesaal, Gemeindezentrum, Volontärhaus, aber sie stehen leer oder wurden anderen Funktionen zugeführt. Der Kibbutz hat die Zeitwende geschafft, heute funktioniert er wie ein finanziell gut abgedecktes Unternehmen.

Dann kam der 7. Oktober 2023. Einen Tag später wurde der Kibbutz evakuiert. Mit ihnen wurden etwa 60.000 Menschen aus 32 gefährdeten Orten im Norden ‘binnenvertrieben’.  Zahlreiche Häuser erlitten seither mehr oder weniger grosse Schäden. Die Bewohner dürfen tagsüber in das militärische Sperrgebiet fahren, über Nacht darf niemand bleiben.

Sie kommen, um zu schauen, was ihnen geblieben ist. Viele bringen Baufachleute mit, die die Schäden anschauen und entscheiden, was abgerissen werden muss und was zu retten ist. Viele sind damals in der Annahme geflohen, dass, wie die Regierung sagte, der Krieg nur kurz andauern werde. Doch sie wissen: Sie müssen wieder von vorne anfangen! Nicht alle werden zurückkommen.

Zeev Adini vom benachbarten Kibbutz Rosh HaNikra, dessen Haus als einziges im Kibbutz einen Treffer erhielt, fasst es zusammen: «Sehen wir die Dinge doch mal in der richtigen Perspektive. In Gaza gibt es Geiseln. Das Haus und alles andere – das sind doch alles nur materielle Gegenstände.»



Kategorien:Israel, Politik

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