19. Tevet 5785
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Nachdem der gestrige Tag verlief, ohne dass die von der Hamas zugesagte Liste der Geiseln eintraf, die heute freigelassen werden, wich die herrschende Euphorie erneuten Zweifeln. Der Waffenstillstand, der um 08:30 beginnen sollte, wurde auf zunächst unbestimmte Zeit verschoben. Dann gegen 10:30 das Aufatmen. Die Liste war da!

Emily Damari, 28,israelisch-britische Doppelbürgerin, wurde in ihrem eigenen Auto aus dem Kibbutz Kfar Aza verschleppt. Zuvor hatten die Terroristen sie noch in die Hand geschossen. Zusätzlich erlitt sie Verletzungen durch ein Schrapnell.
Romi Gonen, 24, wurde am 7. Oktober vom Nova-Festival verschleppt. Zum Zeitpunkt der Entführung war sie am Telefon mit ihrer Mutter und berichtete, sie sei angeschossen. Das Auto, mit dem ein Freund versuchte, sie und andere aus dem Gefahrengebiet zu bringen, wurde später leer aufgefunden, ihr Handy wurde in Gaza geortet.

Doron Steinbrecher, 31, befand sich in ihrem Haus in Kfar Aza, als die Terroristen den Kibbutz überfielen. Während ihre Eltern in ihrem Haus unbeschadet überlebten, wurde sie zunächst aus ihrem Haus in einem anderen Ort im Kibbutz verschleppt. Nach einem letzten Telefonat fehlte jede Spur von ihr. Am 26. Januar 2024 war ein Video von ihr veröffentlicht worden.
Um welche Uhrzeit die Geiseln freigelassen werden, ist noch nicht bekannt. Am frühen Morgen sprach man einmal von 16 Uhr Ortszeit, allerdings wurde dies nie offiziell bestätigt.




Jetzt wieder ein Live-Blog:
- Tatsächlich wurden, wie geplant gegen 16 Uhr die drei Frauen von der Hamas dem Roten Kreuz übergeben
- Sie befanden sich anschliessend auf dem Weg zum Netzarim Korridor, wo sie der IDF übergeben werden sollen
- Die Mütter der ehemaligen Geiseln wurden aufgefordert, sich zu einem Treffpunkt nahe der Grenze zu begeben
- Auf dem Al-Saraya-Platz in Gaza City spielen sich die für die Hamas typischen Szenen ab. Tausende Palästinenser, darunter eine grosse Zahl von Terroristen, belagern die Fahrzeuge, mit denen die Geiseln gebracht werden, stehen auf dem Autodach, reissen die Türen auf….



Hätte man nicht eine Frau schicken können, um sie ‚in Empfang zu nehmen‘?
- Gegen 16:15 wurden die jungen Frauen dem Roten Kreuz übergeben. Ersten Berichten nach befinden sie sich – zumindest äusserlich – in einem guten Zustand. Diese Information beruht aber nur auf dem Augenschein, die erste Untersuchung wird erst auf israelischem Boden stattfinden

- Um kurz nach 17:30 wurden die ehemaligen Geiseln der IDF übergeben, auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv bricht nach der angespannten Ruhe unglaublicher Jubel aus!


- Gegen 18 Uhr befanden sich die drei auf israelischem Gebiet und werden nun in ein Krankenhaus gebracht
- Die Mütter von Romi Gonen, Emily Damari, and Doron Steinbrecher verfolgen gemeinsam mit Generalmajor Dado Bar Kalifa die Rückkehr ihrer Töchter, die sie in wenigen Minuten nach 471 Tagen erstmals wieder in die Arme schliessen dürfen


- Nach einer ersten Untersuchung werden die jungen Frauen mit ihren Müttern mit Hubschraubern der IDF ins Safra-Kinder-Krankenhaus gebracht




- Im Ofer Gefängnis in der Nähe von Jerusalem in Shomron warten mittlerweile 90 Gefangene, darunter 69 Frauen und Jugendliche auf ihren Transport nach Gaza und verschiedenen Orte in Judäa und Shomron.
Die Hamas hatte am frühen Nachmittag erklärt, sie warte noch immer auf die Liste der 90 Gefangenen, die heute im Austausch für die drei israelischen Geiseln freigelassen werden sollen. Später erklärt sie, dass auf der Liste der Gefangenen teilweise falsche Namen standen, was zur Verzögerung im Zeitplan geführt hat.

Die sterblichen Überreste von Staff Sgt. Oron Shaul, s’’l, die sich seit seiner Ermordung durch die Hamas im Jahr 2014 in den Fängen der palästinensischen Terror-Organisation Hamas befanden, konnten heute endlich geborgen werden. Die Operation, die sich als schwierig gestaltete, wurde in einer gemeinsamen Aktion von IDF, Shin Bet, Eliteeinheiten Shayetet 13 der Marine und des militärischen Aufklärungsdienstes durchgeführt. Im Juli 2014 war ein gepanzerter Personentransporter nach Shejaiya gefahren. Er blieb in einer der engen, verwinkelten Gassen stecken. Beim Versuch, das Fahrzeug freizubekommen, kamen die Soldaten unter Beschuss mit Panzer-Abwehr-Raketen. Sieben Soldaten verloren bei dem Vorfall ihr Leben. Die Leiche von Lt. Hadar Goldin, s’’l, die ebenfalls im Jahr 2014 verschleppt wurde, befindet sich noch in Gaza.
Nachdem der rechts-extreme Ben-Gvir mit seinen fünf Parteikollegen heute Morgen aus der Regierung ausgetreten ist, sind nun folgende Ministerien vakant
- Ministerium für nationale Sicherheit, Ben-Gvir
- Ministerium für Negev, Galiläa und nationale Kraft, Yitzhak Wasserlauf
- Minister für religiöses und kulturelles Erbe, Amichai Eliyahu
- Stv. Wirtschaftsminister, Almog Cohen
Nur der Posten des stv. Wirtschaftsministers ist regulär in jeder Regierung verankert. Die drei anderen sind Abspaltungen von anderen Ministerien oder Neuschaffungen und als Wahlgeschenke an Ben-Gvir zu verstehen, um ihn in die Koalition zu holen. Sie können jetzt, und das ist die einfachste Lösung, wieder den ursprünglichen Resorts zugeschlagen werden. Ob und mit welchen Zusagen es Netanyahu gelingt, den Abtrünnigen wieder an Bord zu holen, muss ganz sicher der OGH untersuchen. Versuchen wird Netanyahu es sicher, denn mit nunmehr nur mehr 62/120 Sitzen ist seine Koalition doch recht wackelig.
Fraglich ist, wie sich jetzt das politische Fortbestehen von Avi Moaz, Noam gestaltet, der als ‘Ein-Mann-Partei’ mit der Wahlplattform Otzmah Yehudit, Religious Zionism und Noam in die Knesset einzog und dort als ‘Stv. Minister für nationale jüdische Identität im Büro des PM’ tätig ist. Seine Bedeutung, bisher gleich null, könnte nun das Zünglein an der Waage werden.
Der rechts-extreme Smotrich fordert die Regierung auf, den Gazastreifen zu besetzen und eine israelische Militärregierung einzusetzen. «Ich werde die Regierung stürzen, wenn sie nicht auf eine Weise zum Kampf zurückkehrt, die dazu führt, dass wir den gesamten Gazastreifen übernehmen und regieren können», fuhr er fort und kritisierte den Stabschef der israelischen Streitkräfte, Generalleutnant Herzi Halevi, als ‚strategisch schwach‘.
«Wenn ich Premierminister wäre, würde ich dem Generalstabschef sagen: ‚Das ist meine Politik; wenn Sie sie nicht umsetzen, gehen Sie nach Hause’», sagt Smotrich. Ich hoffe, Netanyahu bleibt dabei, dass genau das, die Übernahme der Macht in Gaza nicht in seinem Interesse liegt. Dann könnten wir diesen Extremisten auch loswerden. Und gleichzeitig damit die Regierung stürzen, die dann nur mehr über 55/120 Sitzen verfügen würde.
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