Aussagen ehemaliger Geiseln / I

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Wenn möglich, zitiere ich hier die Originaltexte. Achtung, sie könnten sehr verstörende Inhalte aufweisen!

Amit Soussanna, 40, wurde am 7. Oktober aus Kfar Aza nach Gaza verschleppt. Sie war die Erste der freigelassenen Geiseln, die öffentlich über ihre Erlebnisse während der Geiselhaft sprach. Ein Video zeigt, wie sich verzweifelt gegen ihre sieben Entführer wehrte, bevor sie endgültig überwältigt wurde. Mehr als 40 Minuten hat sie gekämpft, in der Hoffnung, dass die IDF sie befreien würde. Doch nichts geschah.

Ihre Lippe riss, die Nase wurde in einem Zweikampf gebrochen und eine Augenhöhle zersplitterte. Erst als einer der Terroristen eine Decke über sie warf, gelang es, sie festzuhalten und wegzuschleppen.

Sie blieb für etwa 50 Tage in Geiselhaft in Gaza, bevor sie im November 2023 befreit wurde.

In einem Interview mit ‘Uvda’, der investigativen Sendung von Kanal 12, erzählte sie, dass kurz nach ihrer Ankunft in Gaza die Terroristen sie an Armen und Füssen fesselten. Nachdem sie so bewegungsunfähig gemacht wurde, schlugen sie mit einem Stock auf sie ein und bedrohten sie mit einem scharfen Gegenstand. Immer wieder brüllten sie sie an und forderten sie auf, endlich zuzugeben, dass sie Soldatin sei. Das hätten sie im Fernsehen erfahren. Tatsächlich ist Amit Rechtsanwältin.

Das Einzige, was sie, wie sie sagt, ‘bei Verstand hielt’, war der dünne Streifen mit Sonnenlicht, das manchmal in ihren Kerker fiel. «In Gaza herrscht Dunkelheit. Man öffnet die Augen und denkt, sie seien noch geschlossen. Ich sah immer wieder auf seine Waffe [die meines Wächters]. Ich stellte mir vor, ihn zu erschiessen und wegzurennen. Ich bin auch die ganze Zeit gefesselt gewesen, also musste ich ihn fragen, wenn ich auf die Toilette musste. Was mich am meisten gebrochen hat, war, dass er es für mich völlig dunkel gemacht hat.»

Sie sei in einem Kinderzimmer festgehalten worden. Der linke Fuss war mit einer dicken Metallkette und einem Vorhängeschloss an einem Fensterrahmen angekettet. Das Zimmer war offensichtlich für den Zweck, eine Geisel festzuhalten, vorbereitet worden, es gab einen Ventilator, ein TV-Gerät und drei Matratzen. Später wurde sie in ein anderes Zimmer verlegt, in dem es einen Spiegel gab. «Ich sah die Ketten und ich sah, dass mein Gesicht ganz geschwollen und blau war. Und ich fing einfach an zu weinen. Das war einer der schlimmsten Momente meines Lebens.»

In den folgenden zwei Wochen wurde sie nur von Muhammad bewacht. Sie fürchtete sich von ihm, erkannte schnell, dass er sie vergewaltigen wollte. Immer wieder habe er sich zu ihr gesetzt, ihr unter das Hemd gefasst und sie betatscht. Angeblich, um den Heilungsprozess der Wunden zu sehen, die von den Schlägen der Terroristen kamen. Er hätte auch immer wieder angeboten, sie zu massieren.

Nachmittags seien immer wieder zwei Männer gekommen, die warmes Essen für ihren Wächter brachten. Ihre einzige Nahrung bestand in den Resten, die er übrigliess.

Immer wieder habe er sie gefragt, wann denn endlich ihre Periode vorbei sei. Diese hat nur für die Dauer eines Tages eingesetzt. Ihr Körper begann, sich gegen die Folter zu wehren. Es gelang ihr, ihn einige Tage hinzuhalten. Am 24. Oktober war es soweit, dass der Terrorist, der sie bewachte, sie mit vorgehaltener Waffe angriff. Zunächst öffnete er das Schloss der Fussfessel und schickte sie ins Badezimmer, wo sie begann, sich in der Badewanne zu waschen. Muhammad stand derweil an der Türe und schaute ihr, mit der Pistole in der Hand, zu. Sie versuchte mühsam, sich mit einem Handtuch zu bedecken.

«Er kam auf mich zu und hielt mir die Waffe an die Stirn», erinnerte sich Amit Mitte März während eines achtstündigen Interviews mit der New York Times. Nachdem er Amit geschlagen und sie gezwungen hatte, ihr Handtuch wegzulegen, tastete Muhammad sie ab, setzte sie auf den Rand der Badewanne und schlug sie erneut, sagte sie. Er zerrte sie mit vorgehaltener Waffe zurück ins Kinderzimmer, ein Zimmer, das mit Bildern der Zeichentrickfigur Sponge-Bob übersät war, erinnerte sie sich. «Dann zwang er mich mit der auf mich gerichteten Waffe, eine sexuelle Handlung an ihm vorzunehmen, ihn oral zu befriedigen.» Anschliessend verliess er den Raum und liess sie in der Dunkelheit zurück.

Nach drei Wochen, in denen sie allein war, brachten die Terroristen sie in einen anderen Raum, wo auch andere Gefangene waren. Darunter auch Liri Albag, die erst vor wenigen Wochen freigelassen wurde. Weil man annahm, sie sei Soldatin, wurde sie viel schlechter behandelt als die anderen. «Plötzlich brachten sie zwei Pfähle, fesselten mich an Händen und Füssen und hingen mich kopfüber zwischen die zwei Pfosten – wie ein gegrilltes Huhn. Ein Klebeband über dem Mund hinderte mich am Schreien und erschwerte das Atmen. Dann schlugen sie mit einem Holzstock auf mich ein und drohten, mir einen Nagel ins Auge zu treiben.»

Einer der Terroristen hielt die Pistole auf ihren Kopf gerichtet und erklärte: «Du hast jetzt genau 40 Minuten Zeit, uns die Wahrheit zu sagen, sonst bringen wir dich um.» Liri habe lange auf den Terroristen eingeredet und es sei ihr gelungen, ihn davon zu überzeugen, dass sie keine Soldatin sei. «Gleichgültig, ob er mich wirklich getötet hätte, oder nicht, ich bin sicher, Liri hat mir das Leben gerettet.»

Im November 2024 sprach Soussana vor dem UN-Sicherheitsrates. Sie war damit die erste freigelassene Geisel, die über die sexuellen Gräueltaten der Hamas-Terroristen berichtete. Dort sagte sie, ihre Erlebnisse seien ein zusätzlicher Ansporn, für die Freilassung der verbleibenden Geiseln aus Gaza zu kämpfen.

Amit beschrieb, dass sie an etwa einem halben Dutzend Orten festgehalten wurde, darunter in Privathäusern, einem Büro und einem unterirdischen Tunnel. Später in ihrer Haft, so sagte sie, hängte eine Gruppe von Entführern sie über die Lücke zwischen zwei Sofas und schlug sie.

«Wir, die Geiseln, haben uns gegenseitig ein Gelübde abgelegt: Wenn einer von uns jemals freigelassen würde, würden wir nie aufhören, für die Freilassung der anderen zu kämpfen. Heute erfülle ich dieses Versprechen, indem ich meine Geschichte erzähle, egal wie schmerzhaft sie ist. Schweigen wäre noch schwerer.»

Basen Naim, ein Sprecher der Hamas, reagiert ausführlich auf das in der NYT veröffentlichte Interview. «Die Detailgenauigkeit ihres Berichts macht es schwierig, die Geschichte zu glauben, es sei denn, sie wurde von einigen Sicherheitsbeamten erfunden. Für uns ist der menschliche Körper und insbesondere der der Frau, ‘heilig’. Die religiösen Überzeugungen der Hamas ‚verbieten jegliche Misshandlung eines Menschen, unabhängig von seinem Geschlecht, seiner Religion oder seiner ethnischen Zugehörigkeit.» In Massakern und Pogromen im Irak  1941, in Hebron 1929und bei den Massakern von 7. Oktober 2023 gingen die arabischen und palästinensischen Terroristenmit unbeschreibbarer Bestialität gegen Babys, Kinder Frauen und Männer vor.

Amit Soussana spricht im Namen aller Opfer der abscheulichen Gewalt, die ihnen während ihrer Geiselhaft in Gaza widerfahren sind. Frauen dieser Welt werden von den Gerichten, aber auch von der UNO immer noch als mitbeteiligt an den grauenhaften Verbrechen an ihnen angesehen. Es ist typisch für diese immer noch von Männern beherrschte Justiz, dass die Frauen angeklagt werden ‘etwas dabei empfunden zu haben’ oder die sexuellen Übergriffe sogar selbst provoziert zu haben. Man glaubt den Männern und nicht den Frauen, die Berichte und Reaktionen der UNO zeigen dies. Die sexuellen Verbrechen der Hamas-Schergen werden totgeschwiegen, auch wenn die Bodycams der Terroristen das Gegenteil beweisen. Es braucht ungeheuer viel Mut und Kraft für Frauen wie Amit, von dem zu berichten, was sie erlebt haben und es braucht Hunderte von Zeugenaussagen, dass die Welt endlich aufwacht.



Kategorien:Israel, Politik

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