10. Shevat 5785
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Mit einer Verspätung von mehr als drei Stunden gab die Hamas gestern die Namen der drei Geiseln bekannt, die heute freigelassen wurden. Es sind: Eli Sharabi, Or Levy und Ohad Ben Ami.
Eli Sharabi, 52, wurde aus seinem Heimat-Kibbutz Be’eri verschleppt, er galt lange als vermisst. Zunächst ebenfalls als vermisst galten seine Frau Lianne und seine Töchter Noiya, 16 und Yahel,13, s’’l. Ihre sterblichen Überreste wurden jedoch eine Woche nach dem Massaker entdeckt und identifiziert. Sein Bruder Yossi wurde für tot erklärt, seine sterblichen Überreste werden von der Hamas in Gaza festgehalten.
Or Levy, 35, erreichte gemeinsam mit seiner Frau Eynav, 32, s’’l, nur wenige Minuten vor Beginn des Massakers das Nova-Festival. Sie suchten Schutz in einem Raketen-Bunker. Während Or von dort von der Hamas verschleppt wurde, wurden die sterblichen Überreste von Eynav dort aufgefunden. Ihr kleiner Sohn, 3, lebt seither bei seinen Grosseltern.
Ohad Ben Ami, 56, wurde gemeinsam mit seiner Frau, Raz Ben Ami aus dem Heimat-Kibbutz Be’eri entführt. Raz Ben Ami, die an Gehirn-Krebs leidet, wurde im November 2023 freigelassen. Eine ihrer drei Töchter, Ela, war zum Zeitpunkt des Massakers in Be’eri und überlebte. Nathalie, eine weitere Tochter war bei ihrem Freund in Nahal Oz und überlebte ebenfalls.

Es waren nicht die lachenden, äusserlich fitten jungen Frauen und auch nicht die erstaunlich gut aussehenden ersten männlichen Geiseln, die heute freigelassen wurden. Es waren schwer gezeichnete Männer, nur mehr Schatten ihrer selbst, die von den Hamas-Terroristen auf die ‘Bühne’ gezerrt wurden. In das ihnen einzeln vorgehaltene Mikrofon sprachen sie lobende Worte für ihre Peiniger. Es gehe ihnen gut, sie hätten ausreichend Wasser und Nahrung bekommen. Man habe sie vor den Luftangriffen der IAF geschützt und überhaupt sich gut um sie gekümmert. Die israelische Regierung habe versagt. Ein mühsames, orchestriertes Winken und dann durften sie endlich in den Fahrzeugen der IRK ihren Peinigern davonfahren.

Auf dem Plakat hinter der ‘Bühne’, auf der die ‘Verabschiedungszeremonie’ stattfand, steht eine klare Botschaft an Netanyahu und Trump: ‘Wir sind auch am Tag danach hier’. Also die Feststellung, dass auch nach Kriegsende die palästinensische Terror-Organisation Hamas den Gazastreifen beherrschen wird.










Das erste Treffen mit ihren Familien in Re’im wird geprägt sein vom Schrecken über den offensichtlich schlechten Gesundheitszustand und den Antworten, die die Familien ihnen geben muss. Die Frage nach ihren Frauen und Kindern, die das Massaker nicht überlebt haben. Die ehemaligen Geiseln werden in das Ichilov und Sheba Krankenhaus eingeliefert. Während der kleine Almog Levy, 3, mit seiner Familie auf seinen Vater Or wartete, zeichnete er drei Bilder für ihn.
Präsident Isaac Herzog bezeichnete den Gesundheitszustand der drei heute freigelassenen Männer als Verbrechen gegen die Menschlichkeit: «Die ganze Welt muss direkt auf Ohad, Or und Eli blicken, die nach 491 Tagen in der Hölle ausgehungert, abgemagert und voller Schmerzen zurückkehren und in einem zynischen und grausamen Schauspiel von abscheulichen Mördern vorgeführt werden. Wir finden Trost in der Tatsache, dass sie lebend in die Arme ihrer Liebsten zurückkehren», sagt Herzog.
«Die Erfüllung des Geiseldeals ist eine humanitäre, moralische und jüdische Pflicht. Es ist unerlässlich, alle unsere Schwestern und Brüder aus der Hölle der Gefangenschaft in Gaza zurückzubringen – jeden Einzelnen von ihnen.»



Die Brüder von Amos Horn, Iair, 46 und Eitan, 38, werden immer noch als Geiseln in Gaza festgehalten. Amos fordert Netanyahu dringend auf, alles zu unternehmen, um die zweite Phase des Abkommens zu unterschreiben und die noch in den Fängen der Hamas befindlichen Geiseln zu befreien. «Ich hoffe, Sie planen, alle Teams nach Doha zu bringen, um die nächsten Phasen des Abkommens zu unterzeichnen und unsere entführten Brüder und Schwestern zurückzubringen, die unter höllischen und holocaustähnlichen Bedingungen leiden.»Iair ist unter den ersten 33 Geiseln, die während der ersten Phase freigelassen werden.

Der Sohn von Yehuda Cohen, Nimrod, 20, muss weiterhin in den Fängen der palästinensischen Terror-Organisation Hamas ausharren. Auch er zieht den Vergleich zu den Überlebenden der KZs, die teilweise als ‘Muselmanen’ bezeichnet wurden. Durch die lang anhaltende Mangelernährung waren sie bei der Befreiung der KZs bis auf Haut und Knochen abgemagert oder wogen nur mehr maximal 40 kg. «Es ist erwähnenswert, dass zur gleichen Zeit, in der israelische Bürger wie Holocaust-Überlebende aus der Gefangenschaft der Hamas entlassen werden, Netanyahu auf Kosten des israelischen Steuerzahlers und auf Kosten des Leidens der Geiseln Zeit in einer Luxushotelsuite in Washington verbringt.» Ich behaupte, dass er zugunsten eines netten Familienwochenendes mit Frau und Sohn in den USA verdrängt hat, wo sein Platz an diesem Wochenende gewesen wäre: in Israel. Er ist völlig unempathisch, er ist seit Jahren völlig von der israelischen Bevölkerung abgelöst.


Weite Teile der Völkergemeinschaft lehnen Trumps Plan ab, Netanyahu und seine rechten Kumpane hingegen loben ihn als eine Idee, die «die Geschichte verändern könnte – der man aufmerksam zuhören sollte», und «die die erste originelle Idee seit Jahren ist.» Es gibt einen Mann, der hat schon den fertigen Plan in der Schublade, Prof. Joseph Pelzman von der ‘Georges Washington University’. Bereits im Sommer 2024 legte er ihn dem Team um Trump zur Begutachtung vor. Pelzman stützt sich bei seinen Überlegungen auf abgesicherte Wirtschaftsdaten. «Man muss den ganzen Ort zerstören, man muss bei null anfangen», sagte Pelzman.“Und dann hat man eine Wirtschaft, die eigentlich drei Sektoren hat: Man hat ein Tourismuspotenzial, man hat ein Landwirtschaftspotenzial und dann hat man – weil viele von ihnen schlau sind – Hightech.» Laut Pelzmans Plan ‚werden die Kosten für diesen massiven Wiederaufbau von Gaza zwischen 1 und 2 Milliarden US-Dollar liegen und die Fertigstellung wird 5 bis 10 Jahre dauern.‘
Die Hamas wirft Israel vor, Teile des Abkommens, bezogen auf die Lieferungen humanitärer Hilfsgüter, andauernd zu verletzen. Salama Marouf, Leiter des staatlichen Informationsbüros in Gaza erklärte gestern bei einer Pressekonferenz, dass die Lieferungen weiter hinter dem definierten Minimum zurückbleiben. So seien seit Beginn des Abkommens nur knapp 8.000 statt 12.000 Lkws nach Gaza gekommen. Von den dringend benötigten 200 Zelten und 60.000 Wohncontainern seien überhaupt nur 10 % der Zelte angekommen. Generatoren, Solarmodule, Batterien, Kabel, Wassertanks und medizinische Ausrüstung seien noch nicht geliefert worden. Salama fordert deshalb eine dringende internationale Konferenz, um den Wiederaufbau nach den Bedürfnissen der Menschen zu beginnen und den Plan von Trump zu verhindern. Bekanntermassen hat die Hamas von allen Lieferungen eine beträchtliche Menge für den ‘Eigenbedarf’ abgezweigt.
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