Was geschah am 11. Februar 2025? (Krieg Tag 494)

13. Shevat 5785

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Shlomo Mansour, 86, s’’l, der auf der Liste der ersten 33 freizulassenden Geiseln der ersten Phase steht, wurde bereits am 7. Oktober 2023 im Kibbutz Kissufim ermordet. Seine sterblichen Überreste wurden nach Gaza verschleppt und seither dort festgehalten. Das erklärte die IDF heute, nachdem alle Erkenntnisse von Gesundheitsbehörden und dem Rabbinat ausgewertet waren. Shlomo hinterlässt seine Ehefrau Mazal, fünf Geschwister, fünf Kinder und 12 Enkelkinder. Shlomo hatte 1941 das ‘Farhud Pogrom’ im Irak überlebt und gehörte zu den Gründern des Kibbutz Kissufim.

Ohne dass weitere Details bekannt wurden, teilte die Familie der Zwillinge Ziv und Gali Berman, 27, die aus ihrem Heimat-Kibbutz Kfar Aza verschleppt worden waren, mit, dass sie ein Lebenszeichen der beiden Geiseln erhalten haben.

Als am vergangenen Samstag die ersten Bilder der drei Geiseln, Or Levy, Ohad Ben Ami und Eli Sharabi über die Bildschirme flimmerten, war eine ganze Nation, auch Zuschauer im Ausland unter Schock. Die drei Männer waren fast bis zur Unkenntlichkeit abgemagert. Das bestätigte auch die Schwester eines Mannes, die schockiert war, ihn zunächst nicht erkannt zu haben. Zum Lachen war niemandem zumute, eher zum Weinen. Für mich schien es wie ein Wendepunkt, ich stellte mir vor, dass wir auch in den kommenden Wochen solche Bilder werden ertragen müssen.

Am Montag, zweieinhalb Tage später stand Netanyahu in der Knesset und berichtete von der ‘historischen’ Reise und lobte sich und Trump in den höchsten Tönen. Zwanzig Minuten brauchte er dafür. Dann folgte ein kurzes Statement: «Wir waren alle schockiert über die entsetzlichen Bilder unserer Geiseln … Die Verantwortlichen werden dafür bezahlen.» Das war es. Kein Mitgefühl, keine Genesungswünsche, keine empathischen Worte für die Familien und Freunde. Nichts.

Zwei Wochen vor dem Massaker vom 7. Oktober 2023, standen Mitglieder der palästinensischen Terror-Organisation Hamas nur wenige Meter vom Überwachungsstützpunkt Nahal Oz entfernt auf der anderen Seite des Grenzzauns. Sie hielten ein Plakat hoch, auf dem sie Sgt. Roni Eshel, s’’l, zum Geburtstag gratulierten. Roni berichtete nicht nur ihren Eltern von diesem befremdlichen Vorfall, sondern informierte auch ihre Vorgesetzten. Diese reagierten aber nicht.  Ihr Vater, Eyal Eshel, erklärt dazu: «Das ist einer von vielen Vorfällen, von denen wir hörten. Und es ist sicher der schrecklichste Vorfall. Hamas Terroristen standen auf der anderen Seite des Zauns. Wir waren schockiert. Sie kannten die Geburtstage, die Telefonnummern und die Autonummern von jeder einzelnen Soldatin. Nichts blieb vor ihnen geheim. Es war für sie kein Problem, jede Information zu erhalten.»

Rechts-extreme möchtegern Politiker, wie Ben-Gvir und Smotrich, stimmen völlig mit Trump überein, dass das Abkommen sein vorzeitiges Ende findet und der Krieg sofort weitergeht, wenn nicht alle Geiseln bis Samstag, 12 Uhr freigelassen werden.  Dass dieses Ultimatum natürlich nicht einzuhalten ist, wissen beide Seiten. «Ich würde sagen, brechen Sie es ab und lassen Sie die Hölle losbrechen. Ich würde sagen, sie sollten bis Samstag um 12 Uhr zurückgegeben werden», sagte Trump gegenüber Reportern. Aus diesem Grund reduziert sich die Überlebenschance der Geiseln auf ein Minimum. Die israelischen Politiker wissen das sehr wohl. Sie haben andere Prioritäten. Die Hamas weiss, dass auch ihre Überlebenschancen physisch und politisch radikal sinken, wenn der Krieg wieder losbricht. Sie brauchen dann keine Lebensversicherungen in Form von möglichst vielen überlebenden Geiseln mehr.

Der rechtsextrem-nationalistische Smotrich, stellt gottseidank nicht durchführbare Forderungen. «Wir müssen der Hamas ein Ultimatum stellen. Wir müssen ihnen den Strom und das Wasser abstellen und die humanitäre Hilfe einstellen. Wir müssen die Pforten der Hölle öffnen.» Das Kopieren der sinnentleerten Worte von Trump, lässt Smotrich nicht wichtiger oder grossartiger werden, wie er wohl denkt, nein es beweist, dass er nicht mehr weiss, was er sagt. Das zeigt sich auch in den weiteren Forderungen. Er will alle Terroristen verhaften und für jede Geisel, der ein Leid (sic!) angetan wird, 5 % vom Gazastreifen annektieren. Physisches und psychisches Leid wurde und wird jeder Geisel angetan. Bei 17 noch verbleibenden Geiseln, von denen nach Aussagen der Hamas und des Shin Bet acht sicher tot sind, würde er bereits 85 % annektieren… Die Feinde Israels werden sich freuen, denn ab sofort werden wir ihnen ausreichende Gründe geben, gegen das Völkerrecht zu verstossen und tatsächlich genozidale  Massnahmen durchzuführen.

Netanyahu hat darum gebeten, dass seine Befragungen vor Gericht für die Öffentlichkeit live übertragen werden. Einige Zeitungen hatten in der Vergangenheit darum gebeten. Das Gericht hat sich zu diesem Antrag noch nicht geäussert.

Die Regierung spielt wieder mal auf Zeit. Je länger die Bildung einer staatlichen Untersuchungs-Kommission hinausgeschoben wird, desto verwässerter werden die Erinnerungen der Politiker sein. Die kollektive Schuldfrage, das Ausmass der individuellen Schuld wird dann immer schwieriger zu bewerten sein. Nach der Sitzung von gestern stellte Michael Rabello, Rechtsberater des Likud, im Namen von Netanyahu einen Antrag den OGH, um eine erneute Verlängerung von 90 Tagen. Seine Begründung: «Die überwältigende Mehrheit der Kabinettsmitglieder war der Meinung, dass die Zeit noch nicht reif sei, um eine Untersuchungskommission einzurichten, da wir uns immer noch im Kriegszustand befinden.» Welch Zynismus, welch Hohn!

Die IAF flog am Sonntagabend Angriffsflüge gegen libanesische Terrorinfrastrukturen und zerstörte sie. Darunter befand sich auch ein Tunnel, der von Syrien auf libanesisches Gebiet führte und zum Schmuggeln von Waffen für die Hisbollah genutzt wurde. Der Tunnel befand ist im Beqaa Tal, einer der Hochburgen der Hisbollah nördlich des Litani-Flusses.



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