Aussagen ehemaliger Geiseln /Teil IV

15. Shevat 5785

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Emily Damari wurde am 31. Januar aus der Geiselhaft freigelassen. Emily ist britisch-israelische Doppelbürgerin. In einem Telefonat mit dem britischen PM Keir Starmer erzählte sie, dass sie zeitweise in einer UNWRA-Einrichtung festgehalten wurde. Während des Massakers vom 7. Oktober 2023 war sie angeschossen worden und wurde dabei so schwer verletzt, dass ihr zwei Finger der linken Hand amputiert wurden. Am Bein hat sie nach wie vor eine nicht vollständig verheilte Wunde. Trotzdem wurde ihr der Zugang zu medizinischer Versorgung verweigert. «Das einzige Mittel, das ich erhielt, war eine abgelaufene Flasche mit irgendeiner Flüssigkeit.»

Emily wurde nach ihrer Freilassung schnell zum Symbol für Mut und Widerstand. Unmittelbar nachdem sie erfahren hatte, dass sie freigelassen werden sollte, bat sie ihre Peiniger, statt ihr Keith Siegel freizulassen. Keith ist der Vater eines ihrer sehr guten Freundin Shir. Keith befand sich, so Emily, in wesentlich schlechterem Zustand als sie.

Arbel Yehoud verurteilte nach ihrer Freilassung die ‘Politisierung der Geiseln’ auf das Allerschärfste. Sie fordert die Regierung dringend auf, der Freilassung aller noch in Gaza festgehaltenen Geiseln auf einmal zuzustimmen. Ihre Botschaft verlas ihr Vater für sie in einem Knesset-Ausschuss. Arbel hatte während der Geiselhaft schnell Arabisch gelernt und konnte daher einiges von dem verstehen, was die Palästinenser untereinander sprachen. Sie musste deshalb mitanhören, wie beglückt sie sich zeigten, dass die Nation über die Geiselfrage immer mehr gespalten wurde. «Ich dachte, sie würden mich psychologisch terrorisieren, als die Frage der Geiseln zu einem politischen Thema wurde. Ich glaubte es nicht, bis ich nach Israel zurückkehrte und dieser harten Realität ausgesetzt war.»

Arbel war kurz nach ihrer Verschleppung von ihrem Freund Ariel Cunio, der weiterhin in Gaza festgehalten wird, getrennt worden. Seit dem Moment hatte sie keinen Kontakt mehr mit anderen Geiseln, bis sie unmittelbar bei der Freilassung Gadi Moses traf. Ihr Aufruf an die Regierung endete: «Holt alle auf einmal zurück – die Lebenden und die Toten. Erschreckt die Bürger nicht mit dem Preis, den wir zahlen müssen, sondern erschreckt euch selbst, vor dem, was ihr bisher nicht getan habt. Vielleicht ist es das, was dafür sorgt, dass ihr die Bürger dieses Landes in Zukunft besser schützt.»

Naama Levy, Karina Ariev, Daniella Gilboa, Agam Berger und Liri Albag, die fünf jungen Soldatinnen der militärischen Aufklärungseinheit wurden allem Anschein nach in einer Wohnung in Gaza City festgehalten. Der Eigentümer war ein hochrangiges Mitglied der palästinensischen Terror-Organisation Hamas, wie sie erst nach ihrer Freilassung erfuhren. Offenbar dienten sie ihm während der gesamten Zeit als menschliche Schutzschilde. Er sei die dominierende Person in der Wohnung gewesen, der den anderen regelmässig auch Befehle erteilte. Er war es auch, der ihnen Essen brachte und es ihnen ermöglichte, regelmässig zu duschen. Wobei er «immer wieder versuchte, unsere Gefühle zu manipulieren und uns zum Reden zu bringen», wie es in ihrem Bericht heisst. Offenbar versuchte er, die Rolle des ‘Good Cop’ einzunehmen, um von ihnen Informationen über die Aktivitäten der IDF in der Nähe des Grenzzauns vor dem 7. Oktober 2023 zu erhalten.

Daniella Gilboah, eine der fünf jungen Soldatinnen, berichtete, dass sie von den Hamas-Terroristen gezwungen worden war, ihren eigenen Tod zu inszenieren und sich dabei auch noch filmen zu lassen. Natürlich hatte sie Angst, dass sie nun wirklich ermordet werden sollte. Die Terroristen planten aber ‘nur’ ein besonders perfides PR-Video, welches an ihre Eltern geschickt wurde. Eingehüllt in Staub und fast völlig unter Bauschutt begraben, sollte es so wirken, als ob sie das Opfer eines israelischen Luftangriffs geworden wäre. Das jedenfalls hatte die Hamas im November 2024 behauptet und als Beweis ein unscharfes Bild beigelegt, auf dem Daniella durch eines ihres Tattoos ‘identifiziert’ wurde.

Die ersten Worte, die sie nach ihrer Freilassung an ihre Eltern richtete, waren, dass es ihr unendlich leidtue, sie mit dem Video geschockt zu haben, aber es sei gegen ihren Willen entstanden.

Der Bruder von Or Levy, 34, berichtet nach dessen Freilassung aus der Geiselhaft, er sei während der gesamten Zeit «hungrig, barfuss und in ständiger Angst» gewesen. Fast die gesamte Zeit sei er angekettet gewesen und hätte sich in einem dunklen Tunnel aufhalten müssen, in dem er weder aufrecht stehen noch gehen konnte. Erst beim Wiedersehen mit seiner Familie musste er erfahren, dass seine Frau während des Massakers ermordet worden war. Sie hatten ihren kleinen Sohn bei ihren Eltern gelassen, von denen er bis heute betreut wird. Beim Wiedersehen nach 492 Tage, beschwerte sich der Kleine bei ihm «Aba, du hast aber lange gebraucht, um wieder heimzukommen.»

Die aus Gaza freigelassenen Geiseln Or Levy, Ohad Ben Ami und Eli Sharabi konnten einigen Familien, deren Kinder in Gaza festgehalten werden, Neuigkeiten berichten. Die einzige gute Nachricht: bis zu einem bestimmten Tag lebten sie noch. Doch dann kamen die schlechten. Wir alle waren kollektiv zutiefst schockiert, als wir am vergangenen Samstag die Geiseln sahen, wie sie von den Hamas-Terroristen vorgeführt wurden, nur noch Schatten ihrer selbst. Sie selbst waren noch nicht in der Lage, mit anderen Familien zu sprechen.

Matan Angrest, 21, hatte am 7. Oktober 2023 Dienst in der IDF-Basis Nahal Oz. Er wurde aus seinem Panzer entführt und hatte Verbrennungen am ganzen Körper. Als Soldat wurde er noch schlechter als die anderen Geiseln behandelt. Im September hatte die Familie ein Video erhalten, das sie nicht zur Veröffentlichung freigab. «Wir haben gehört, er wird unter sehr schlechten Bedingungen festgehalten. Welche Folgeschäden seine Verletzungen haben werden, wissen wir noch nicht.»

Die Familie von Yosef-Haim Ohana, 24, erhielt ein, wie seine Tante Hana Mastronov sagt, klare Zeichen, dass er noch lebt.  Yosef-Haim wurde vom Musik-Festival in Re’im entführt. Er versuchte, Erste Hilfe bei verwundeten Besuchern zu leisten, als er selbst verschleppt wurde. «Er ist ein starker junger Mann, physisch und psychisch. Aber es gibt Grenzen, wie viel man aushalten kann. Wir nähern und dem 500.Tag. Wir haben nicht gedacht, dass es so lange dauern wird.»

Die Mutter von Alon Ohel, 24 (s. 25. Februar) musste erfahren, dass ihr Sohn verletzt und in Ketten liege, keine medizinische Betreuung erhält. Die Nahrung besteht aus einem Pita Brot, wenn überhaupt. «Seit Samstag erfahren wir immer mehr Details und können nicht länger schweigen», sagte Idit Ohel am Montag im Armeeradio, während ihr als Geisel gehaltener Sohn seinen 24. Geburtstag feierte. «Der Premierminister kann nicht sagen, dass er nichts wusste, nicht gehört hat und nicht über den Zustand der Geiseln informiert wurde. Jeden Tag herrscht die Hölle.»

Sigi Cohen, die Mutter von Eliya Cohen, 27, erfuhr, dass ihr Sohn ebenfalls während der gesamten Zeit angekettet war und kaum jemals ans Tageslicht kam. Auch er erhielt nur ein Minimum an Nahrung. Eine Schusswunde am Bein, die er während des Massakers erhielt, ist unbehandelt, die Kugel befinde sich noch im Bein.

Maccabit Meyer, die Tante der Zwillinge Gali und Ziv Berman, 26, zeigt sich auf der einen Seite auch überglücklich, ein Lebenszeichen von den beiden erhalten zu haben. Sie werden an unterschiedlichen Orten festgehalten. Beide befinden sich in akuter Lebensgefahr. Das letzte Lebenszeichen hatte die Familie im November 2023 erhalten, als ebenfalls eine der damals freigelassenen Geiseln von ihnen berichteten.

Die Mutter von Romi Gonen, 24, die am 19. Januar unter den ersten Freigelassenen war, sagte in einem Interview mit Kanal 12, dass Romi beim Massaker eine Schusswunde am Arm erlitten hat. Weil sie während der gesamten Zeit nicht behandelt wurde, kann sie seither den Arm nicht mehr richtig bewegen. Als sie ihr bei ihrer Ankunft in Gaza nach der Verschleppung etwas zum Reinigen der Wunde gaben, wobei es weder der Desinfektion noch der Schmerzlinderung diente, standen die Terroristen um sie herum und lachten sie aus. Romi hat während der Geiselhaft etwa 10 kg abgenommen und leidet an erheblichem Muskelabbau und anderen, nicht näher definierten Symptomen, an denen die meisten Geiseln leiden. Um die Beweglichkeit ihrer Hand zu verbessern, muss sie sich einer etwa zehn-Stunden andauernden, äusserst komplexen Operation unterziehen.



Kategorien:Israel, Politik

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