Unsere freigelassenen Geiseln /II

01. Adar 5785

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Welche innere Kraft zeigen einige der freigelassenen Geiseln schon kurze Zeit nach ihrer Freilassung!

Yarden Bibas hielt die Grabrede für seine Familie Shiri, Ariel und Kfir, s’’l, deren sterbliche Überreste in der vergangenen Woche an Israel zurückgegeben worden waren. Er selbst war erst wenige Tage zuvor aus der Geiselhaft freigekommen. Obwohl die Mujahideen-Terroristen, in deren Gewalt sie sich befanden, im November 2023 behauptet hatten, die drei seien bei einem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen und Yarden gezwungen hatten, dies in einem Video bekannt zu geben, hoffte ganz Israel immer noch, dass die Familie noch lebte. Yarden erfuhr die traurige Gewissheit erst nach seiner Rückkehr nach Israel.

IDF-Sprecher Daniel Hagari erklärte am Freitag, dass die IDF und der Shin Bet seit November 2023 die Informationen vom Tod der drei Mitglieder der Familie Bibas hatten, diese aber nicht veröffentlichen durften.

Hier nochmals berührende Rede von Yarden.

Sagui Dekel-Chen wurde vor zwei Wochen freigelassen. Er wusste nichts von seiner Familie, seiner hochschwangeren Frau und den beiden Töchtern. Seine dritte Tochter lernte er erst nach seiner Freilassung kennen, sie war zwei Monate nach dem Massaker zur Welt gekommen.

«Ich bin kein Sänger, aber ein Vater, der gerne singt. In Gaza habe ich immer wieder gesungen und mir vorgestellt, mit Avital und den Mädchen zu tanzen. Das hat mir sehr geholfen.» Auch im Musik-Clip sieht man die vier fröhlich tanzen. Den Clip hat er aufgenommen im temporär von ihnen bewohnten Haus, bis sie wieder ein eigenes Haus im Kibbutz Nir Oz haben.

Musiker des ‘Tamar Kedem Siman Tov’ Projekts begleiten ihn. Das Projekt wurde von Saguis Buder Itay ins Leben gerufen, um an die Familie Kedem Siman Tov zu erinnern. Die gesamte Familie, Tamar, 35, Yonathan, 36, die Zwillinge Shahat und Arbel, 5 ½ und Omer, 2, s’’l, wurden am 7. Oktober 2023 in ihrem Haus in Kibbutz Nir Oz von den Hamas-Schlächtern grausam ermordet.

Sagui singt eine Cover-Version von ‘Kerem Shemesh’, Sonnenstrahl für seine Freunde, die sich immer noch in den Fängen der Hamas-Terroristen in Gaza befinden. «Verliert nicht die Hoffnung. Ich sende jeden Tag Wärme und Liebe», sagt er. «An meine Freunde, die dort in Gefangenschaft kein Sonnenlicht sehen, seid stark.» Hier der englische Text

Eli Sharabi, 53, der ebenfalls erst vor Kurzem nach 16 Monaten aus den Fängen der Hamas-Schlächter freikam, fand die Kraft, sich einem Interview von Kanal 12 zu stellen. Dass er während des Massakers seine Frau und zwei Töchter verlor, erfuhr er erst am 7. Februar nach seiner Heimkehr. Lianne Sharabi, 48, und ihre beiden Töchter Yahel und Noiya, s’’l, wurden ermordet in Schutzraum ihres Hauses im Kibbutz Be’eri aufgefunden. Als er bei der von der Hamas inzensierten ‘Verabschiedungszeremonie’ gezwungen wurde, etwas zu sagen, erklärte er noch: «Ich bin sehr glücklich, heute nach Hause zurückzukommen, zu meiner Frau und meinen Töchtern.»

In seinem Interview warnte er die offiziellen Stellen, vorsichtig mit allen Äusserungen zu sein, die im Zusammenhang mit den Geiseln und den Abkommen stehen. «Wir konnten an ihrem Verhalten ablesen, was gerade geschah oder geplant war. Jedesmal, wenn Israel die Bedingungen für einen Waffenstillstand verschärft oder die Haftbedingungen für palästinensische Gefangene sich änderten, wurden wir schlechter behandelt. Jede unverantwortliche Aussage – wir waren die ersten, die die Konsequenzen zu spüren bekamen», fuhr er fort. «Sie kamen zu uns und sagten: ‘Sie geben unseren Gefangenen kein Essen – ihr werdet nichts zu essen bekommen. Sie schlagen unsere Gefangenen – wir werden euch schlagen. Sie lassen sie nicht duschen – ihr werdet nicht duschen können’.»

Dabei bezog sich Sharabi hauptsächlich auf Äusserungen des rechtsextremen Ben-Gvir, der unabalässig damit prahlte, den palästinensischen Gefangenen das Leben zur Qual zu machen. Dass er damit das Leben unserer Geiseln nicht nur verschlechterte, sondern auch gefährdete, war ihm gleichgültig, die Geiseln interessieren ihn bis heute nicht.

Während der ersten drei Tage war Eli an Händen und Füssen gefesselt, die Arme hinter den Rücken gebogen. «Die Stricke schnitten ins Fleisch, ich konnte keine Position finden, um zu sitzen oder zu liegen. Ich konnte wegen der Schmerzen nicht einschlafen. Alles tat mir weh, meine Arme, meine Schultern. Wenn sie mir wenigstens die Hände vor dem Körper gefesselt hätten. Irgendwann gibst du auf, wirst bewusstlos. Nach zwei, drei Stunden wachst du auf und der Schmerz springt dich sofort wieder an.»

Die nächsten 52 Tage hatte Eli zusammen mit einer thailändischen Geisel in einem Privathaus verbracht, dann wurde er in einen Tunnel gebracht, den er bis zu seiner Freilassung nicht mehr verliess. Dort wurde er zusammen mit drei israelischen Geiseln unter sehr beengten, schmerzhaften Bedingungen festgehalten. Eine besondere Beziehung baute er zum 24 Jahre alten Alon Ohel auf. Als bekannt wurde, dass Eli, Or Levy und Eliya Cohen freigelassen werden sollten, war das für Alon ganz schlimm. Wie es Alon geht, nachdem er jetzt ganz allein im Tunnel ist, kann er sich nicht vorstellen. «Umso wichtiger ist es, dass wir alle zurückholen. Es darf niemand zurückbleiben.»

«Wir waren in Eisenketten gelegt, sie schlugen und demütigten uns grundlos. Es gab Tage, da lebten wir nur von einem Teller Nudeln. Das sind nur 200 bis 300 Kalorien, ein Bruchteil von dem, was ich brauche. Die Hunger-Schmerzen waren unerträglich, wenn wir eine vertrocknete Dattel oder ein winziges Stück Brot erhielten, hat sich das schon wie ein Sieg angefühlt. Erhielten wir eine Pita, teilten wir sie in vier gleich grosse Stücke, bewahrten sie bis zum Abend auf und assen sie dann sehr langsam, um die Nacht zu überstehen.» An die Journalisten gewandt fragte er: «Ilana, weisst du, was es bedeutet, einen Kühlschrank zu öffnen? Es bedeutet die ganze Welt!  Es ist das Konzept eines freien Mannes. Die Leute sollten wirklich daran denken, wenn sie zu Hause einen Kühlschrank öffnen. Es ist alles, einen Kühlschrank zu öffnen. Und sich dort nehmen zu können, was man will, Obst, Gemüse, Eier, Wasser und ein wenig Brot. Davon habe ich den ganzen Tag geträumt. Jeden Tag», sagte er «Sie schlugen uns, brachen uns die Rippen, es war egal, ich habe nur um ein wenig Pita gebettelt.»

Ein Satz von Hersh Goldberg-Polin, der im August 2024 ermordet wurde, ist ihm im Gedächtnis geblieben. Es ist ein Zitat von Friedrich Nietzsche. «Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.» Als drei Geiseln fortgebracht wurden, dachten alle, sie würden freigelassen. «Ich sagte ihnen, dass sie auf dem Weg nach Hause seien. Ich erinnere mich, dass Ori Danino zu mir sagte: Wir sehen uns in Israel. Wir hatten keine Ahnung, dass sie in einen anderen Tunnel gebracht wurden.» Ausschnitte aus dem Interview findet ihr hier



Kategorien:Israel, Politik

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