Krieg in Israel – Tag 539

28. Adar 5785

Tausende Israelis demonstrierten gestern Abend auf dem Habima Platz in Tel Aviv für die sofortige Freilassung der verbliebenen 59 Geiseln. Hunderte von ihnen schlossen sich Einav Zangauker an, die versuchen wollte, die Abzweigung zu ‘Begin Strasse’ zu blockieren. Die Polizei war mit Pferden vor Ort, um das zu verhindern. Es gab Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizei, acht Personen wurden festgenommen. Ex IDF-General Noam Tibon betonte, dass die neue Militäraktion der IDF in Gaza das Leben der Geiseln unmittelbar in Gefahr bringt. «Aber die Regierung vom 7. Oktober kümmert das nicht. Sie stossen lieber auf ihr Budget an»

Israels First Lady Michal Herzog forderte auf der ‘Women Leaders Summit der Jerusalem Post’ die Bildung einer eigenen Untersuchungskommission, die klären soll, warum die Warnungen der Soldatinnen der Aufklärungs-Einheit 8200 von Nahal Oz nicht gehört wurden. Kurz zuvor hatte sie ein Treffen mit betroffenen Eltern und berichtete: «Die jungen Frauen, die Soldatinnen, haben ihren Vorgesetzten berichtet, was sie gesehen haben. Aber wurden sie abgewimmelt, weil sie junge Frauen waren?» Der Verdacht liegt nahe. Michal forderte, nach Antworten zu suchen. Dabei betonte sie, dass es für sie als Ehefrau des Präsidenten keine offizielle Position und somit auch keine offizielle Möglichkeit der Einflussnahme gibt. Aber es wäre nicht Michal, wenn sie nicht sofort auch einen Problemlöser bei der Hand hätte.

«Manchmal kann man mit einem einfachen Anruf Berge versetzen, indem man einfach Frauen in einer Gruppe zusammenbringt. Ich möchte dies als Beispiel dafür anführen, wie eine Gruppe von Frauen zusammenkommt und gemeinsam für dieses äusserst wichtige Ziel arbeitet, nämlich denjenigen eine Stimme zu geben, die keine Stimme mehr haben. Das heisst, insbesondere den Opfern des 7. Oktobers, den Opfern sexueller Gewalt, und ich bin so stolz auf eine Gruppe sehr mutiger israelischer Frauen, die dieses Thema jederzeit auf der Weltbühne halten», sagte die First Lady.

«Wir dürfen nicht zulassen, dass die Welt vergisst, was passiert ist, und auch nicht, dass sexuelle Gewalt eingesetzt wurde, was uns alle schockiert hat. Der vorsätzliche und systematische Einsatz sexueller Gewalt als Kriegswaffe am 7. Oktober und leider auch danach ist etwas, das wir als israelische Frauen immer wieder auf die Weltbühne bringen müssen.» First Lady Herzog würdigte den Mut der Überlebenden von Geiselnahmen, darunter Amit Soussana und Ilana Griwetsky, zwei befreite Geiseln, die über die sexuellen Übergriffe sprachen, denen sie während ihrer Gefangenschaft ausgesetzt waren. Herzog forderte, dass mehr Frauen in Entscheidungsräumen und -prozessen präsent sein müssen. Sie merkte an, dass Frauen zumindest oberflächlich betrachtet nicht in den Prozess der Geiselverhandlungen einbezogen wurden. «Deshalb wünsche ich mir, dass wir alle uns überall dort einbringen, wo wir unsere Stimme erheben können, denn unsere Stimme ist immer ein bisschen anders und bringt immer einen anderen Standpunkt ein.»

Katar hat der palästinensischen Terror-Organisation Hamas ein neues US-amerikanisches Angebot unterbreitet. Der Waffenstillstand soll durch die Freilassung des amerikanisch-israelischen Doppelbürgers Edan Alexander wieder hergestellt werden. Um das zu erreichen, wird Trump eine entsprechende Erklärung abgeben. Ob allerdings das alleinige Wort von Trump, das nichts anderes als ‘Nu, nu, nu!’ ist, ausreicht, um die Hamas zu überzeugen, darf bezweifelt werden. Die Hamas sieht in Israel derzeit einen unzuverlässigen ‘Partner’, auf dessen Aussagen man sich nicht verlassen darf. Das gilt natürlich auch vice versa. Die Hamas hat bisher den von Witkoff ursprünglich vorgelegten sowie den angepassten Plan abgelehnt. Israel besteht wieder einmal auf Maximalforderungen.

Erstmals seit dem 27. November gab die IDF einen Evakuierungsbefehl für ein Gebäude und seine Umgebung in Beirut. Sie wies die Bevölkerung darauf hin, dass sich das Gebiet in unmittelbarer Nähe von Hisbollah-Einrichtungen befindet. Die Massnahme wurde ergriffen, nachdem heute am frühen Morgen zwei Raketen vom Libanon aus auf Kiryat Shmona abgeschossen wurden. Die IDF reagierte mit mehreren Luftangriffen auf Hisbollah-Ziele im Süden des Landes und auf eine Drohnen-Fabrik im Zentrum von Beirut. Die Hisbollah betonte, nichts mit dem Raketenbeschuss zu tun zu haben und erklärte diese als falsche Beschuldigung durch Israel, um die ‘ Aggressionen Israels weiter fortzuführen’. Am Mittag gab das libanesische Militär bekannt, dass die Raketenwerfer, von denen aus die zwei Raketen abgeschossen wurden, gefunden wurden. Untersuchungen, von welcher Gruppe sie abgeschossen wurden, werden aufgenommen.

VM Israel Katz betonte, dass es an der Grenze zwischen dem südlichen Libanon und dem Norden Israels keinen Frieden geben wird, solange es immer wieder zu Angriffen kommt. «Das Schicksal von Beirut ist das gleiche wie das von Kiryat Shmona. Die libanesische Regierung trägt die Verantwortung für die Angriffe auf Galiläa. Wir werden die Sicherheit unserer Bürger dort sicherstellen und wir werden es mit voller Kraft tun.» Eine der zwei Raketen wurde abgefangen, die zweite stürzte noch auf libanesischem Gebiet ab.

Nachdem die IDF gestern eine Drogen-Drohne abfangen konnte, die 10 kg Drogen aus Ägypten nach Gaza schmuggelte, konnten sie heute eine weitere Drohne abfangen. Diese hatte neun Scharfschützengewehre an Bord. Sowohl die Waffen als auch die Drohne wurden der Polizei zur weiteren Untersuchung übergeben.

Medienberichten der Houthi-Terroristen entsprechend haben seit den frühen Morgenstunden mindestens 19 Luftangriffe der USA auf das gesamte jemenitische Staatsgebiet inklusive der Hauptstadt Sana’a stattgefunden. Die Angriffe seien von der Intensität mit denen anderer Tage vergleichbar. Meldungen über Schäden wurden nicht sofort bekannt. Allerdings wird von mindestens sieben Verletzten gesprochen. Betroffen war u.a. der Flughafen Sana’a, der sowohl zivil als auch militärisch genutzt wird, und das Gebirge nördlich der Hauptstadt, wo Militärlager der Houthis vermutet werden. Durch den Beschuss fiel das Kommunikationsnetz weitgehend aus.

Nachdem die Familien von Elkana Bohbot und Yosef Haim Ohana der Veröffentlichung des Videos zugestimmt hatten, das die Hamas mit den beiden Geiseln ‘produziert’ hatten, meldete sich Rivka Bohbot zu Wort. Rivka war vor neun Jahren aus Kolumbien eingewandert und versucht, seit ihr Mann am 7. Oktober 2023 vom Musik-Festival nach Gaza verschleppt wurde, die Hilfe des pro-palästinensisch kolumbianischen Präsidenten zu erhalten, um ihren Mann zu befreien. Bis ihr das Video auf ihr Handy zugespielt wurde, hatten sie und die Familie ihres Mannes keinen Kontakt mit den Medien und gaben auch keine Interviews. Innerhalb der Gruppen von Familienangehörigen hatte sie gehört: «Stellt Elkana nicht in den Vordergrund.» Warum? Sie weiss es nicht. Heute bedauert sie, nicht in die Medien gegangen, nicht laut gekämpft zu haben. «Wir blieben an der Seitenlinie, anstatt hinauszugehen und zu kämpfen, aus dem Wunsch heraus, ihn zu beschützen. Wir wollten nicht, dass er an vorderster Front steht, und am Ende blieb er zurück. Als die Hamas und die Regierung sich darauf einigten, wer in Phase 1 freigelassen werden sollte, hätte Elkana dabei sein müssen. Er hat Asthma und hat ein Kind. Mein Kind hat universelle Rechte. Für ihn ist sein Vater verloren. Ein Kind braucht Antworten.» Rivka weiss, wie wir alle es wissen, dass die verbliebenen 59 Geiseln gefoltert werden, gequält, ausgehungert. «Es ist unfassbar, 537 Tage hat er den Missbrauch und den Hunger am eigenen Leib erlebt.» Deshalb beschloss Rivka, dass sie nicht mehr ‘zu Hause sitzen’ konnte.

Ohad Ben Ami, der Anfang Februar freigelassen wurde, war die meiste Zeit zusammen mit Elkana und erzählt Rivka von den grausamen ‘Lebensbedingungen’. Nachdem das Video veröffentlicht wurde, telefonierte Netanyahu mit der Mutter von Elkana. Mit ihr, der Ehefrau, hat niemand von der Regierung gesprochen.



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