Moses und die geheimnisvolle rote Box

13. Nissan 5785

ב“ה

Wir wissen, dass Moshe kurz vor seinem Tod, im Alter von 120 Jahren, für einen kurzen Augenblick ganz Israel sehen durfte. Es war ihm aber verboten, das Land zu betreten. Dieses neue Szenario der uralten Geschichte hätten wir noch vor zwanzig Jahren als unmöglich abgetan. Aber es hat sich viel geändert!

Danke Barbara, für diese moderne Version über die letzten Lebenstage von Moshe!

Gott sagt zu Moshe: «Also, ich werde dir nun dein Land zeigen, das Land, das ich dir und deinem Volk versprochen habe.»

Gott stellt eine kleine rote Box vor Moshe und sagt: «Das ist ein Computer, Moshe, ich erkläre dir jetzt, wie er arbeitet. Als Erstes drückst du diesen blauen Knopf und die Box wird sich öffnen.»

Moshe drückt, wie Gott ihm erklärt hat, den blauen Knopf und für ein paar lange Minuten geschieht – gar nichts! Was Moshe nicht weiss, es handelt sich um eine Schabbat taugliche Version, die mit der entsprechenden Zeitbegrenzung ausgestattet ist. Moshe wird kribbelig.

«Nu?», fragt er die Box. Irgendwann beginnt sich die Abdeckung langsam zu öffnen, Lichter gehen an und die ganze Box beginnt in einem exterrestrischen Licht zu leuchten. Aber alles, was Moshe sehen kann, ist ein blauer Bildschirm, den er erstaunt anstarrt.

Dann meldet sich wieder Gott und sagt zu ihm: «Dieser Computer ist mit einer automatischen Stimmerkennung ausgestattet. Sage jetzt: Google!»

Moshe ist jetzt wirklich aufgeregt. Wird er wirklich das ihm und seinem Volk versprochene Land sehen? Und alles, was er tun muss, ist «Google» zu sagen? Also sagt er «Google».

Pech, der Computer ist schon wieder im Schabbat Modus, nichts passiert. Moshe wird immer unruhiger, er zappelt vor dem dunklen Bildschirm herum.

«Ok denkt er, manchmal muss man etwas länger auf Gottes Wunder warten. Erinnert euch an Nachschon, den Sohn des Aminadav. Er musste erst bis zum Kinn in das Wasser des Roten Meeres eintauchen, bevor es begann, sich zu teilen.» Aber diese Verzögerung hier, die ist wirklich lächerlich. Moshe denkt, dass Gott ihn verlassen hat. 

Plötzlich verändert sich die Bildschirmfarbe und Moshe sieht:

«Was ist das für ein Spiel, das Gott hier mit mir spielt?», denkt Moses, «Das ist ein Bild vom Garten Eden, jeder kennt das.» Er will gerade aufbegehren, als Gott sagt:

«Moshe, jetzt sagst du: Google Earth

Moshe, der schon leicht verwirrt ist und sogar schon die Worte ‘Hüte’ und ‚Gedenke‘ im Gebet verwechselt hat, was zwar nicht weiter schlimm ist, aber doch zeigt, wie es um seine Nerven steht, missversteht den Befehl. Trotzdem, in ihm keimt wieder Hoffnung. Er denkt daran, dass er das magische Wort ‘Google’ schon einmal benutzt hat und Gott ganz sicher nicht will, dass er es wiederholt. Sogar die Thora ist sparsam im Umgang mit Worten, eines einfach hinzuzufügen ist ebenso unerwünscht wie eines abzuändern und einfach wegzulassen. Entsprechend interpretiert er den Befehl und sagt nur ‘Earth’.

Das Bild vom Paradies verschwindet langsam aus dem Blickfeld und macht einem pechschwarzen Bildschirm Platz. Langsam tauchen aus dem Hintergrund einzelne, winzig kleine Lichtflecken auf, die sich in der Mitte des Bildschirms langsam zu einer Kugel zusammenfinden. Überall verteilt auf der Kugel gibt es grüne Felder. Auf einmal taucht eine zweite, kleinere Kugel auf, die um die grosse rotiert.

Moshe starrt auf das seltsame Bild. Und starrt und starrt.

Plötzlich schiesst es ihm durch den Kopf: Ist das das Land, in dem Milch und Honig fließen?

Er kann nicht glauben, was er sieht. Er schüttelt den Kopf. Ganz sicher ist dies kein Land, in dem es Sahne und Melasse im Überfluss gibt, auch nicht Milch und Honig. Tatsache ist, es schaut aus wie…………. der Himmel! Was ist das? Ein Trick? Versucht Gott ihn zu beschwichtigen, dass der Ort, an den man nach dem Tod geht, doch nicht so schlimm ist?

Kann sein, aber es ist nicht das versprochene Land!

Gott kann Moshes Gedanken lesen und sagt: «Moses, ich sagte zu dir: Google Earth!»

«Ups, tut mir leid», antwortet Moses, nun leicht sauer, aber immerhin, es ist Gott, der da spricht. Also knurrt er «Google Earth».

Der Bildschirm wird wieder schwarz und dann wieder blau.

Was soll das wieder? Das ist nicht Israel. Da fliessen nicht Milch und Honig durch sattgrüne Weiden. Stattdessen tauchen einige Worte auf, die Moses laut liest. 

Google Earth Download Free  1400 BCE Edition Full Version


Moshe beginnt zu schwitzen, sein Puls rast und sein Herz klopft stark, und er ist sicher, dass Gott mit ihm spielt. Kann es sein, dass Gott eifersüchtig ist, weil er, Moshe, Jitro gebeten hat, als sein Mentor bei ihm zu bleiben?

«Aber Gott, du hast gesagt, ich könne es sehen, du hast es versprochen.» Er beginnt zu weinen.

Gott beachtet das Weinen nicht. «Und jetzt sagst du dem Computer: Israel.»

Aber Moshe erträgt keine weiteren Enttäuschungen mehr, das Warten, die vierzig Jahre der Wanderung durch die Wüste, das Maulen und die Beschwerden der Israeliten. Gott hat ihn angeschrien, seine Leute haben ihn angeschrien. Jetzt wird er verrückt, richtig verrückt!

Voller Wut und Zorn nimmt er seinen Stock und drischt auf die kleine Box ein, immer und immer wieder, mit all seiner Kraft.

Die kleine Box klappert und scheppert und fällt teilweise auseinander. Aber plötzlich beginnen die Buchstaben auf dem Bildschirm zu tanzen und als sie schlussendlich stehen bleiben, kann man lesen:

Google Earth is now fully downloaded


Dann ganz plötzlich verschwindet dieser Schriftzug und ein Schatten wird sichtbar, unscharf zuerst, dann immer schärfer. Bilder des versprochenen Landes tauchen auf, es ist, als würde das ganze Land gescannt werden, vom Norden bis ganz in den Süden, vom Westen bis in den Osten. Jedes Bild wird herangezoomt, sodass Moses jedes Detail erkennen kann, Blumen, Büsche, Bäume, Berge, Strände. Von Rosh Pina bis Eilat, von Dor bis Jerusalem. Dort zoomt der Computer den Berg Moriah ganz nah heran, jenen Ort, an dem irgendwann der Tempel gebaut werden wird.

Doch dann bricht die Box endgültig auseinander, zerstört durch Moshes Gewalt.

Moshe erkennt, was er getan hat.

Und Gott nimmt Moshe mit einem Kuss zu sich – bevor er an den Folgen seines Schocks sterben wird.

Vielleicht hat Gott ihm damit einen Gefallen getan. 
 

© Barbara Pfeffer Billauer-Bailey

Barbara Pfeffer Billauer-Bailey is Research Professor of Scientific Statecraft at the Institute of World Politics in Washington DC.  In addition to her law degree, she has advanced degrees in science and Jewish Education. She attended the Hebrew Academy of Nassau County, the Hebrew Institute of Long Island H.S. and Torah Academy for Girls (TAG) Teacher’s Seminary, and continued her Jewish Studies at Cornell University where (along with biology) she studied under Professor David Patterson, the founder of the Oxford Centre for Hebrew and Jewish Studies at Oxford University. As a NCSY National Advisor she taught Torah throughout the US and was inducted into the NCSY National Honor Society. 



Kategorien:Israel

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